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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 99.
Sonnabend, den 25. August
1906
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Bersfelder Kreisblatt
werden für den Monat
September
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Gefundene GegenKiinde:
In der Nähe der Haltestelle Lengeis ein goldener Kneifer. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in LengerS.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Wieder ist hie Zeit der großen Versammlungen und Kongresse gekommen. Den Neigen hat in der abgelaufenen Woche Der Deutsche Katholikentag in Essen eröffnet, der einen befriedigenden und harmonischen Verlauf genommen hat. Der Papst hatte den Kardinal Vanutelli entsandt, welcher der Versammlung den päpstlichen Segen überbrachte. Der Kaiser hat für das ihm übersandte Huldigungstelegramm der Versammlung aus telegraphischem Wege in warmen Worten seinen Dank ausgesprochen und namentlich seiner aufrichtigen Freude Ausdruck gegeben über die Verstcherung, daß der Katholikentag bestrebt sein werde, der Versöhnung der konsessionellen und sozialen Gegensätze zu dienen. Aus den verschiedenen in Essen gehaltenen Reden ist namentlich die des Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Justizrat Dr. Porsch über die Schulfrage hervo'zuheben, in der er dem preußischen Volksschulwesen hohe Anerkennung zollte und zu dem Schlüsse kam, daß wenige Staaten, kein anderer großer europäischer Staat ein Gesetz habe, welches in gleicher Weise die konfessionelle Volksschule festlege. Das ist ein schönes Lob unseres neuen VolkSschulgesetzeS.
Die Monarchenbegegnung auf Schloß F r i c d r i ch s h o s hat in London wie in Berlin, in Paris und Rom und anderswo zahlreiche Kommentare zur Folge gehabt. Es ist nicht der Mühe weit, olle diese Kombinationen ernsthaft zu erörtern, da beide Monarchen keinen Menschen in ihr Vertrauen gezogen haben. So viel aber steht fest, daß die Begegnung unseres Kaisers mit dem Könige von England für beide Teile unter befriedigenden Eindrücken verlaufen ist. Der Verkehr zwischen beiden Monarchen trug das Gepräge freundlichen Entgegenkommens und verwandtschaftlicher Herzlichkeit, und die Zusammenkunft bildet mit den ungetrübten Erinnerungen, die sie hinterläßt, eine weitere Etappe aus dem Wege der durch den Aufenthalt von Vertretern deutscher Städteverwaltungen und der Presse in England angebahntep allmähligen Besserung in den Beziehungen zwischen den Völkern, den Re. gierungen und den Herrschern Deutschlands und Großbritanniens. In zwanglosen freundschaftlichen Gesprächen sind auf Schloß Frtevrichshof, wie kaum gesagt zu werden braucht, auch die großen Fragen der Politik erörtert worden, und zwar in einem Geiste, wie es der Festigung des europäischen Friedens nur förderlich sein konnte.
In Rußland geht die Regierung mit fester Entschiedenheit gegen die Revolutionäre vor; eine große Anzahl der Meuterer, Mordbrenner und Banditen hat in der verflossenen Woche die verdiente Strafe ereilt. Trotz alledem wollen die revolutionären Morde, Plünderungen und Räubereien kein Ende nehmen. Nach offizieller Bekanntmachung wurden in der letzten Woche in Rußland 72 poli- tifie Morde an Amtspersonen verübt, 42 Beamte wurden 14roer verletzt. Ferner wurden 120 Bomben gefunden und 12 Geheimdruckereien entdeckt, 13 KronschnapSbuden und 13 Staatskassen beraubt, 21 Angestellte solcher getötet und verwundet. Aus politischen Gründen wurden 276 Personen in ^oft genommen. Fürwahr, eine grausige Statistik! Ja, man hat sich nicht gescheut, sogar in ein Krankenhaus Schrecken zu tragen : in das Krankenhaus zu Jekaterinoslaw haben Revolutionäre, weil ein in ihm befindlicher Revolutionär nicht herausgegeben wurde, eine Bombe geworfen, durch die Aerzte, Wärter und zahlreiche Kranke verletzt wurden. Inzwischen setzt die Regierung ihre Bestrebungen, das schwierige Aararproblem zu lösen, fort. Der neue Ackerbauminister Fürst Wassiltschikow betonte sehr richtig,
daß diese Frage nicht in kurzer Zeit gelöst werden könnte. Sehen aber die Bauern, daß es der Regierung Ernst ist mit der baldigen Abstellung der Schäden, unter denen sie zu leiden haben, dann werden sie von selbst den Agitatoren größeren Widerstand entgegensetzen, die j?ßt am Werke siud, die ländliche Bevölkerung für die Zeit nach Abschluß der Erntearbeiten zu neuem Aufruhr aufzuwiegeln.
Der russische Zar hat einen Nachahmer in dem Schah von P ersten gefunden, der nunmehr seinem Reiche und Volke ziemlich unerwartet eine Art Verfassung gegeben hat. Es soll in Teheran ein Nationalrat zusammentreten, der aus Vertretern der regierenden Familie, des mobam- medanischen Klerus, der Adligen, der Kaufleute und der Gewerbetreibenden zusammengesetzt sein soll. Es handelt sich nicht um eine gesetzgebende Versammlung, sondern lediglich um eine solche mit beratender Stimme. Bisher hatte die Geistlichkeit in Persien nach dem heiligen Gesetz des Propheten über die Rechtsprechung verfügt, das Volk schien aber an den Männern irre geworden zu sein, auf die es blindlings gebaut hatte. Die Geistlichkeit halte sich dieser Wahrnehmung nicht verschlossen und stellte sich deshalb unerwarteterweise an die Spitze der Reformbewegung. Ihre Führer verließen Teheran und traten dem Schah gegenüber gewissermaßen in den Ausstand. Sie begaben sich nach der Stadt Nedsche in Mesopotamien, wo sich das Grab Alis, des Schwiegersohns des Propheten, befindet, und kehrten erst zurück, als das Versassungsedikt des Schahs verkündet worden war. In Persiens Hauptstadt Teheran und im ganzen Lande herrscht ob dieser Wendung der Dinge großer Jubel.
% Sorgiingt in Wind.
Warschau, 23. August. General Skalon hat eine Verfügung erlassen, nach der Augenzeugen von Attentaten aus Personen oder Eigentum, die ihre Hilfeleistung versagen, einer dreimonatigen GefängniShaft unterliegen, falls nicht Lebensgefahr oder andere triftige Gründe ein Eingreifen verhinderten. Der gleichen Strafe unterliegen Personen, die es unterlassen, alles, was ihnen über Verbrechen bekannt wird, zu melden.
Riga, 22. August. Mit Genehmigung des Generalgouverneurs soll heute abend in allen Zeitungen ein Aus ruf an die Bewohner der Stadt erscheinen, in dem diese zur Stiftung von Geldspenden zur Anschaffung von Panzern für die Polizisten, denen gegenwärtig große Gefahr droht, ausgefordert werden. Da es der Krone an Mitteln fehlt, die nötige Anzahl Panzer anzuschaffen, so sei es Pflicht der Gesellschaft nach dem Prinzip einer für alle und alle für einen und im Interesse des allgemeinen Schutzes, der Obrigkeit entgegenzukommen und nicht zuzulassen, daß Der Terror die Tätigkeit der Polizei lähme.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, 23. August 1906.
Aus Wilhelmshöhe wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser hörte gestern noch den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Am Nachmittag unternahmen beide Majestäten einen Ausflug in Automobilen nach dem Reinhardswald. Heute morgen machten die Majestäten einen Spazierritt. Der Kaiser hörte später den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinetts, Kapitäns z. S. v. Krosigk. Flügeladjutant Major v. Friedeburg ist hier eingetroffen.
(Zur Personen-Tarifreform.) Der Unterausschuß der ständigen Tarif-Kommission, welchem die Einarbeitung der zwischen den Regierungen vereinbarten Grundzüge der Tarifreform in den Deutschen Personen- und Gepäcktarif übertragen worden war, hat sich dieser Ausgabe nunmehr entledigt. In dem festgesetzten Entwurf sind alle Bestimmungen des jetzt geltenden Tarifs, welche sich auf die Rückfahrkarten, festen Rundreisekarten, die Gewährung von Freigepäck, von Fahrpreisermäßigungen an Gesellschaftsfahrten beziehen, beseitigt und an ihre Stelle neue Vorschriften, wie sie den Reform-Grundsätzen entsprechen, gestellt worden. Ebenso hat eine durchgreifende Vereinfachung der Tarisvorschriftrn über Fahrpreisermäßigungen für milde Zwecke und im Interesse der öffentlichen Krankenpflege stattgefunden, da diese Vorschriften durch viele Abänderungen und Zusätze im Laufe Der letzten Jahre sehr unübersichtlich geworden 'waren. Für die zusammen- stellbaren Fahrscheinhefte soll die Gültigkeitsdauer verlängert werden; sie beträgt jetzt bei Reisen von 600 bis 2000 km 45 Tage, bei Reisen bis 3000 km 60 Tage und darüber hinaus 90 Tage. Diese Fristen reichen nicht mehr aus, seit die Einbeziehung langer überseeischer Schiffsverbindungen in den Vereins-Reiseverkehr eine außerordentliche Erweiterung des Gebietes der Fahrscheinhefte bewirkt hat. Deshalb soll die Geltungsdauer der Fahrscheinhefte bei Reisen bis zu 3000 km aus 60 Tage, bis zu 5000 km auf 90 Tage
und für weitere Entfernungen aus 120 Tage erhöht werden. Mit diesem Anträge wird sich der Verein deutscher Eisen- bahnverwaltungen in seiner am 4. k. Mts. stattfindenden Versammlung beschäftigen.
(Ein Gedenktag.) Vierzig Jahre waren am 23. August vergangen, seitdem auf den böhmischen Schlachtfeldern der Kampf zwischen Oesterreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland entschieden wurde. Zu Prag wurde am 23. August 1866 der endgültige Friede zwischen den beiden Mächten unterzeichnet. Damit war der große Kampf ruhmvoll für Preußen, segensreich für Deutschland und folgenschwer für die Welt beendigt worden. Oesterreich schied mit seinen Ländern aus Deutschland aus, und das außerösterreichische Deutschland war rechtlich oder tatsächlich unter Preußens Führung geeinigt. Oesterreich genehmigte im voraus die neue Ordnung Deutschlands zunächst in einem Norddeutschen Bunde bis an den Main, Dann in einer nähern nationalen Verbindung dieses Bundes mit den süddeutschen Staaten. Die Grundlagen waren für das künftige deutsche Reich damit gegeben. Auch das endgültige Schicksal der Herzogtümer Schleswig-Holstein wurde durch den Frieden von Prag entschieden. Die Herzogtümer waren im Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 von Dänemark an Oesterreich und Preußen abgetreten worden, damit war ihre Zukunft jedoch nicht bestimmt. Wem sie zufallen sollten, blieb ungewiß; nachdem aber der Herzog Friedrich abgelehnt hatte, auf die notwendigen Forderungen einzugehen, war es ausgeschlossen, daß er die Herrschaft erlangen würde, Oesterreich übertrug nun in dem Artikel V des Friedens alle feine Rechte auf die Herzogtümer an Preußen, jedoch mit der Maßgabe, „daß die Bevölkerungen der nördlichen Distrikte von Schleswig, wenn sie durch freie Abstimmung den Wunsch zu erkennen geben, mit Dänemark vereinigt zu werden, an Dänemark abgetreten werden sollen." Diese Bestimmung wurde durch den zwischen Oesterreich und Preußen zu Wien am 11. Oktober 1878 abgeschlossenen Traktat aufgehoben und beseitigt. Damit sind die Herzogtümer ganz und für alle Zeit preußisch und deutsch geworden.
Neuerdings sind Zweifel laut geworden, ob nach der Reform der deutschen Personen- und Gepäcktarife die Sonntagskarten zu den bisherigen Preisen weiter ausge- geben werden sollen oder ob etwa nach Herabsetzung der Einheitspreise für die Einzelfahrt amb Ermäßigungen für Sonntagskarten in Aussicht genommen sind. Solche Zweifel scheinen, wie eins Berliner öffiziöse Mitteilung ausführt, nach der im vergangenen Jahre dem Landereisenbahnrat vorgelegten Denkschrift ausgeschlossen. In dieser Denkschrift ist ausdrücklich erklärt, daß die Preise der Sonntag«- kalten, wie die anderen Ausnahmekarten in ihrer jetzigen Höhe auch nach der Reform beibehalten werden sollen.
Aus einer offiziösen Mitteilung ist der Wunsch der Re- gierung zu entnehmen, daß in den Z e i t u n g » b e r i ch l e n über die neuen deutschen Kriegsschiffe von deren Größe und Einrichtung doch nicht soviel Einzelheiten erörtert werden möchten, da im Grunde genommen mit solchen Berichten der deutschen Lundesverteidigung kein Dienst erwiesen, sondern nur dem Argwohn Des Auslandes Wasser auf die Mühle gegossen wird.
Zur Erleichterung der Durchführung des Z i g a r e t t e n st e u e r g e f e tz c 4 hat der preußische Finanzminister im Einverständnis mit dem Schatzsekretär folgendes bestimmt: Anträge von Kleinhändlern auf Verlängerung der Frist für den steuerfreien Verkauf von Zigaretlenplättchen bis zum 1. Dezember 1906 sind von den Direklivbehörden zu erledigen. Dabei kann gegebenenfalls über die Nichtinnehaltung der im § 49 der Zigarelten- steuerausführungsbestimmungen gesetzten Termine hinweggesehen werden. Kleinhändlern kann ferner gestattet werden die Preisangabe der am 1. September 1906 in ihrem Besitze befindlichen Vorräte von Feinschnitttabak im Verkaufspreis von 3 Mark und weniger für das Kilogramm mit Tinte zu bewirken. Endlich können Ausnahmen von der Vorschrift des § 10 Absatz 2 der Ausführungsbestimmungen zum Zigareltensteuergefetz, wonach die Steuerzeichen an Fabrikanten und Händler nur in ganzen Bogen abzugeben sind, zu Gunsten kleiner Händler, wie Friseure, Kolonial- warenhänvler, Gastwirte, bei der erstmaligen Versteuerung der Vorräte zugelassen werden, da diese Händler, die nach der Versteuerung ihrer geringen Vorräte in Zukunft nur noch versteuerte Ware beziehen, vielfach für ganze Bogen keine Verwendung finden werden.
Die albanesischen Demonstrationen gegen die Steuereintreibungen in Dernica haben, wie da« Wiener Korrespondenzbureau meldet, eine größere Ausdehnung an. genommen. Seit Sonnabend stehen die von Mitrovitza entsandten zwei Bataillone und zwei Gebirgsgeschütze im Kampfe. Da sie zu schwach sind, werden Verstärkungen aus Jpek und Uesküb erwartet. Division-general Scheinst Pascha übernahm Sonntag das Kommando in Rekaci, 18 Kilometer südwestlich von Mitrovitza. Die Bewegung beginnt sich auch auf den albanesischen Stamm Schala, östlich von Mitrovitza, aurzudehnen.