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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt fürhersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

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herrselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 100t Dienstag, den 28. August

1900t

Bestellungen auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für den Monat

September

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 23. August 1906.

Da die Gemeinden Willingshain und Frielingen fortab nur je einen Schaubezirk bilden, wird die Stellvertretung wie folgt geregelt:

1. die Beschauer von Willingshain und Gersdorf vertreten sich gegenseitig,

2. ebenso die Beschauer von Frielingen und Heddersdorf.

Die beteiligten Ortsvorstände haben Vorstehendes in den Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

I. 6452. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu S olz, Regierungs-Refcrend ar.

Hersfeld, den 23. August 1906.

Die unter dem Schweinebestaude des Knechts Valentin Trinter in Unterhaun ausgebrochene Rotlaufseuche ist er­loschen. L 6663. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Trott zu Solz,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Ein Amnestie-Erlah des Kaisers,

Ein Allerhöchster Gnadenerlaß Sr. Majestät des Kaisers wird an der Spitze des Reichs- und Staats- anzeigers veröffentlicht:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc. wollen, da Uns durch Gottes Gnade ein Enkel geschenkt ist, der in wenigen Tagen die heilige Taufe empfangen soll,

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel.

(Schluß.)

In bester Laune, die Plaidrolle neben sich,1 saß Oberst von Wildensels am nächsten Tage vor der Tür seines Hauses, sah ungeduldig nach der Uhr und wartete darauf, daß der Hotel­wagen Vorfahre, der ihn zur Bahn bringen sollte. Er selbst wollte das Brautpaar zu der Tante begleiten, der nun an Stelle des einen Gastes gleich drei angemeldet waren.

Mrs. Smith setzte sich an die Seite des alten Herrn und fing in kühnem Anläufe die Unterhaltung an.

Js sich charming to look auf sott lovers," beteuerte sie.

Der Oberst strich seinen Bart.Hm! Für andere Sterb­liche gerade interessant! Werde das wohl auf der Reise merken."

Geht nix über solk lovers", beharrte Frau Smith weiter.

Der Oberst betrachtete sie von der Seite. Er sah, wie sie durch ihr Augenglas die beiden jungen Paare beobachtete, die vor ihnen durch die Anlagen wanderten. Sie sah höchst befriedigt aus und drückte diese Stimmung durch beifälliges Nicken aus.

So, so," lachte der alte Herr,Sie sehen wohl auch schon in Ihrer allerliebsten Bella und dem jungen Reiteroffi­zier, der neben ihr geht, die lovers ?"

In deed", klang es ihm eifrig als Antwort zurückQuite so wie Jhrs Elsy mit das Vetter!"

Der Oberst sprang aufErlauben Sie, Vcrchrtcstc, die Geschichte würde mich doch auch ein bißchen angehen!" Er wollte empört tun, schmunzelt aber recht vergnügt.

Indeed yes," gab Mrs. Smith zu und lächelte eben­falls, so daß man ihre tadellosen Zahnreihen sah.

Wird sich alles sein, eins like ba5 andere. One, two, three PaareS. Was sagt das vergnigte Obberst zu mein speok ? Seins Elsy mit das Vetter Hans ein Paar!"

Ein Ton, der die Mitte hielt zwischen dem Meckern einer

und dieser Tag dazu aufforbett, empfangene Unbill zu ver­zeihen und Vergebung zu üben,

allen denjenigen Personen, welche bis zum Abschlüsse des heutigen TageS durch Urteil eines preußischen Zivilgerichts wegen einer gegen Unsere Person begangenen MajestätS- beleidigung oder wegen Beleidigung eines Mitgliedes Unseres KöniglichtN Hauses im Sinne der §§ 95 und 97 des Straf­gesetzbuches zu Freiheitsstrafen rechlskcästig verurteilt stnd, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, und die noch rückständigen Kosten in Gnaden erlassen.

Ist wegen einer solchen und wegen einer anderen straf­baren Handlung auf eine Gesamtstrafe erkannt, so ist der wegen der ersteren Handlung verhängte Teil dieser Strafe im vollen Umfange als erlassen anzusehen.

Auf die von einem mit anderen BundeSstaaten gemein­schaftlichen Gerichte erkannten Strafen findet dieser Erlaß Anwendung, sofern nach den mit den beteiligten Regierungen getroffenen Vereinbarungen die Ausübung des Begnadigung« rechts in dem betreffenden Falls Uns zusteht.

Unser Justizminister hat für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen.

Schloß Wilhelmshöhe, den 24. August 1906. Wilhelm.

Bese ler.

% Spannung Mischen der Ortet mit Bulgarien.

Dar schon seit einiger Zeit ungemütlich gewordene Ver- hältnis zwischen der Türkei und Bulgarien hat sich durch die Griechenhetzen in Bulgarien nur noch verschärft. Be. kannllich hat die Pforte wegen dieser blutigen Ausschrei­tungen ernstliche diplomatische Vorstellungen in Sofia erhoben und weiterhin in einer Rundnote an ihre Bot­schafter im Auslande erklären lassen, sie könne den onti' griechischen Exzessen in Bulgarien nicht länger mehr ruhig zusehen. Hierdurch ist aber das Selbstgefühl der bulga­rischen Regierungskreise offenbar gewaltig verletzt worden, denn die Regierungspresse in Sofia schlägt einen heraus­fordernden Ton gegen die Türkei an und deutet hierbei sogar an die Möglichkeit einer Kriegserklärung seitens Bulgariens gegen die Türkei hin, wie sie von einigen Rednern auf dem soeben in Philippopel abgehaltenen all- bulgarischen Kongreß ungescheut gefordert worden war. So bespricht das bulgarische RegierungsblattNov Wjek" die Nachricht, die Pforte habe den Großmächten eine Protestnote wegen der griechenfeindlichen Bewegung in Bulgarien zugehen lassen, in recht gehässiger Weise, be- zweifelt die Richtigkeit dieser Nachricht und erklärt, bi» Türkei könne unter keiner Bedingung daran denken, eine ähnliche Note an die Mächte zu richten. Wenn jemand an den jetzigen Wirren aus dem Balkan eine Schuld trage,

^" -" -.......... . ........... ...............

Ziege und einem unterdrückten Lachen ließ den Oberst wie Mrs. Smith herumfahren.

Arnsmann stand da. Nicht nur Mund und Augen lachten, sondern jedes Fältchen seines roten, gutmütigen Gesichts.

Kerl, er hat wohl gehorcht?,, rief der Oberst und spielte den Aergerlichen.

I, wo wird er denn," stammelte der Ertappte.

Ja, was hat er denn aber zu grinsen und zu glucksen?" Mit Verlaub, Herr Oberst," Arnsmann hatte sich gefaßt. Er stand militärisch stramm, die Hände in der Gegend, wo die Hosennaht sitzen müßte.So was aufgeschnappt habe ich doch, und was von meinem Leutnant ist, das geht mich allemal an. Na, und da ist mir die Freude man so heraus­gefahren. Ne, ne," fuhr er beherzter fort,lumpen lassen wir uns nicht, was die andern können, können wir auch, und wenn die sich einen Schatz anschaffen, dann wollen wir doch nicht leer ausgehen! I, wo werden wir denn!"

Sie GNsediede.

(Lustige Pennälergeschichte von August Heinz.) (Nachdruck verboten.) Fuchs, du hast die Gans gestohlen, Gib sie wieder her; Sonst wird dich der Jäger holen, Mit dem Schießgewehr!"

Er war ein bequemer Mensch, der Herr Oberlehrer Wamper. Die Göttin der Fettsucht hatte ihn bei seiner Geburt mit reichen Gaben bedacht, die er seinerseits durch seine überaus große Eßlust von Jahr zu Jahr noch mehr vermehrte, bis sie ihm durch ihre hübsche Schwere das Gewicht eines respektablen Zweizentnerherrn verliehen. Na, es schien, als ob er an seiner unnatürlichen Körperausdchnnng nicht genug zu schleppen hätte, denn aller Vermutung nach war er 'ernstlich bemüht, noch schwerer zu werden. Begnügt sich der gewöhnliche Alltags- mensch damit, zwei- oder gar dreimal in der Gänsezeit eine fette Wächterin des Kapitols auf seinem Tische dampfen zu sehen, so mußte Wamper solch ein Tier mindestens einmal in der Woche verspeisen, wenn ihn nicht Umwillen und Mißge-

so sei es die Türkei. Nur durch eine schlaue Politik habe die Türkei es verstanden, den Haß des bulgarischen Volkes von sich auf die Griechen abzuwälzen. Die Türkei sei am wenigsten berechtigt, zu behaupten, daß die bulgarische Regierung vorsätzlich die antigriechische Bewegung organi­siert und geduldet habe. Die bulgarische Regierung würde, wenn sie die Untaten in Mazedonien vergelten wollte, sich nicht gegen die Griechen sondern gegen die Türkei wenden. Wenn die bulgarische Regierung aber einmal Satisfaktion verlangen würde, so würde dies nicht durch Straßen- kundgebungen, sondern in der zwischen Staaten üblichen Weise geschehen.

Dies ist eine sehr deutliche und scharfe Sprache, sie gibt der Vermutung Raum, daß man bulgarischerseils ab­sichtlich Händel mit der Türkei sucht und hierzu die bulgarisch-griechischen Zwischenfälle ausnützen möchte. An­gesichts einer solchen gespannten Situation zwischen Sofia und Konstantinopel ist es nicht unbedenklich, daß gerade jetzt der diplomatische Agent Bulgariens in Konstantinopel, Natschowitsch, seine Entlassung eingereicht hat. Natschowilsch ist redlich bemüht gewesen, eine Zuspitzung des im Zu­sammenhangs mit den mazedonischen Wirren entstandenen Gegensatzes zwischen der Türkei und Bulgarien möglichst zu verhüten; seine Demission scheint nun zu beweisen, daß diese seine Bemühungen gescheitert sind. Berücksichtigt man nun noch die verschiedenen blutigen bulgarisch-türkischen Grenzzwischenfälls der letzten Zeit, welche bulgarischerseils förmlich provoziert worden sind, so ist es ganz unverkenn­bar, daß die Spannung zwischen der Türkei und Bulgarien einen immer schärferen Charakter annimmt und daß vielleicht ein an und für sich geringfügiger Anlaß genügen würde, bie drohend kriegerische Entladung herbeizuführen. Bulgarien aber kann schwerlich daran denke«, aus eigener Kraft einen siegreichen Krieg gegen die Türkei zu führen, die trotz aller sonstigen inneren Schwächen militärisch noch immer achtungigebietend dastehl. Wenn dennoch Bulgarien sich immer übermütiger und herausfordernder gegenüber der Türkei benimmt, so muß ersterer Balkanstaat darauf rechnen, daß ihm bei einem etwaigen kriegerischen Konflikt mit der Türkei Hilfe von dritter Seite werde, und eine solche Unter­stützung könnte den Bulgaren wohl nur von Rußland kommen. Es mag einstweilen ununtersuchl bleiben, ob die Petersburger Regierungskreise insgeheim wirklich Bulgarien zu seinem aggressiven Verhalten gegen die Türkei ermuntern, war ja aus der Erwägung heraus, die inneren Schwierig­keiten und Verlegenheiten Rußlands durch ein Engagement der russischen Politik auf der Balkanhalbinsel zu paraly­sieren, immerhin erklärlich wäre. Jedenfalls hat jedoch die europäische Diplomatie allen Grund, im Interesse der Erhaltung des europäischen Friedens die Entwickelung der türkisch-bulgarischen Differenzen mit Aufmerksamkeit zu ver­folgen.

stimmtheit zu Hause und in der Schule zu einem ungemüt­lichen Menschen machen sollten. Seine Frau trug deshalb eifrig Sorge, seinem Wunsche Folge zu leisten, und so hing aus dem Küchenfenster der Familie Wamper stets die schönste und prächtigste Gans heraus, die, aus dem feinsten Delikoteß- warengeschäft der Stadt stammend, einem beim Vorbeigehen das Wasser im Mund zusammenzog. Zudem war der Herr Oberlehrer ein fleißiger Jäger, der trotz seines Eifers nur sehr selten ein Langohr erlegte, aber an dem Küchensenster oft als Symbol seines erfolgreichen Weidwerks den Meister Lampe hängen hatte, nun, wo Gänse zu kaufen sind, gibt es auch Hasen.

Kurz, an einem schönen Morgen hingen wieder zwei Trophäen am Hause. Es war 3/»8 Uhr, und ganze Scharen buntbekappter Gymnasiasten pilgerten jetzt zum Tempel Sapien- tias. Der Herr Oberlehrer, der eben seine Wohnung verließ, schaute, wie er es gewohnt, beim Fortgehen noch einmal hin zu seinem Fenster, gerade als ob er den fetten Bissen dort oben die Wacht ansagen wollte, sich heute Mittag recht saftig kochen zu lassen. Sein langer Blick war den beiden Unter­sekundanern Strips und Wilder nicht entgangen, die jetzt an ihm vorbeischwenkten, und da sie von jeher in seinen Stunden sehr wenig Lob geerntet hatten, beschlossen sie in ihrer bösen Seele, ihm einmal einen tüchtigen Streich zu spielen. Jetzt war der günstige Augenblick gekommen, und die beiden leblosen Wesen am Fenster sollten ihnen vortreffliche Gelegenheit zur Ausführung ihres Planes bieten. Die fol­genden sechs Schulstunden des Tages schenkten ihnen genügend Zeit, die böse Absicht weiter auszuspinnen, sodaß die'Gauner, als sie am Nachmittage den Schauplatz und die Oertlichkeit durch mehrmaliges Vorübergehen vor Wampers Haus genau besichtigen wollten, schon alle Maßregeln getroffen hatten. Doch nur die fette Gans hing noch am Fenster. Meister Lampe war schon verzehrt. Nichtsdestoweniger beschloß man, den Streich noch heute Abend auszuführen.

Es war V2I2 Uhr in der Nacht. Die ganze Welt lag in Ruhe und Frieden, und nur die Richtlaternen verbreiteten ihr spärliches Licht int Dunkel der Straßen. Der Vorgarten der Villa Wamper, von üppigem Grün und Laub bedeckt, hätte, wie die übrigen Plätze, gleichfalls in stillem Schweigen