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herssel-er Kreisblatt

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Sernsprech-Flnschlutz Nr. 8

Nr. 130

Sonnabend, den 13* Oktober

1906

Amtlicher teil.

Nach Mitteilung der? Königlichen Inspektion der Jnfanterieschulen kann noch eine Anzahl Freiwillige in Diesem Herbst in die Unteroffizierschulen eingestellt werden Die näheren Bestimmungen können bei dem Bezirks- kommando eingesehen werden. Anmeldungen haben alsbald zu erfolgen.

Hersseld, am 9. Oktober 1906.

Bezlikskommando: S.i ejb e n b ü r g'e r.

Bestehender Vorschrift gemäß wird hierdurch Folgendes bekannt gemacht: 1. Dienststunden der Königlichen KreiS- und Forstkasse für den Verkehr mit dem Publikum finb Vormittags von 8 bis 1 Uhr mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. 2. Das Kasienlokal ist geschlossen: a. am letzten Werktage eines jeden Monats bis 11 Uhr vormittags Fällt der 1. aus einen Sonntag, dann am vorletzten Werktage bis 11 Uhr, b. am vorletzten Werktage der drei ersten Vierteljahre, c. an den 3 letzten Werktagen im Monat April, d. an den Tagen wo größere Holztermine (Taxwert über 1000 Mk) stattfinden.

Hersseld, den 8. Oktober 1906.

Königliche Kreis- und Forstkaffe. Schultheiß.

nichtamtlicher teil

Politischer Wochenbericht.

In Goslar hat der n a t i o n a l l i b e r s l e Par­teitag fiattgefunben. Es ist daselbst zu stürmischen Aus­einandersetzungen zwischen den Alten und Jungen gekommen. Zum Schluß wurde freilich der Riß, wie nicht anders zu erwarten, durch Resolutionen verkleistert; ob er damit aber aus der Welt geschafft worden ist, bleibt eine andere Frage. Die nationalliberale Partei nimmt schon heute insofern eine Sonderstellung in unserm politischen Parteileben ein, als sie die größten wirtschaftlichen und politischen Gegensätze in stch vereinigt, ohne dabei ein überragendes Einheitsprinzip zu besitzen, wie solches dem Zentrum in dem kirchlichen Jn- lereffe gegeben ist. Männer, wie der Freiherr von Heyl, Graf Oriola, die eifrigen Mitglieder des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokrotie Hagemann und Leh. mann, der Agrarier Held auf der einen, Baffermann, Dr. Böttger, der Vizepräsident des preußischen Abgeordneten­hauses Krause aus der anderen Seite paffen tatsächlich zu einander wie Waffer und Feuer. Aber auch für diese äußere Zusammenfassung innerlich widerstreitender Elemente gibt es eine Grenze, und diese scheint uns augenblicklich erreicht zu sein. Will die nationalliberale Partei auch fernerhin ihre nationalen Traditionen wahren, will sie auch ferner die Bezeichnung der Nationalen mit Recht in ihrem Par- teinamen führen, und will sie auch weiterhin als beachten- werter Faktor in unserm Staatsleben gelten, so muß sie jene jungnationalliberalen Elemente von sich aurfchetden, deren Weisheit letzter Schluß in der Empfehlung des Bünd- nisses mit der Sozia.ldemokratie liegt. Leute vom Schlage des Dr. Marwitz gehören nicht in die nationalliberale Par­tei. Duldet die Partei sie dennoch, so verleibt sie damit ihrem an sich schon lockeren und brüchigen Gefüge den tob bringenden Bazillu« ein, und das wäre immerhin nicht nur im Interesse der Partei, sondern auch im Interesse des Vaterlandes zu beklagen.

In der Frage derösterreichifchenWahlreform ist ein wichtiger Fortschritt zu verzeichnen, indem der mit der Beratung der Reform betraute Ausschuß einen Antrag des Dr. Tollinger auf Einführung des PluralwahlrechteS oder des Mehrstimmenrechtes für bestimmte Wählerkreise ab­gelehnt hat. Zweifelsohne sind damit der Wahlreform die Wege geebnet worden, ob aber auch eine weitausschauende Zukunstspolilik über die nunmehr in Aussicht stehende Ein- sührung des gleichen Wahlrechte« ungetrübte Freude zu em­pfinden vermag, bleibe dahingestellt.

Aus Rußland fei heute nur ein die russischen Deutschen ungemein ehrendes Urteil wiedergegeben. ES heißt nämlich in einem Kiewer Blatt in Anlaß des Auf- russ an die baltische Jugend zur Organisation eines Selbst­schutzes:Es muß doch hervorgehoben werden, daß in der ganjen Zeit der Wirren nicht ein deutscher Jüngling in revolutionäre Unternehmungen verwickelt gewesen ist. Man muß da« dem ungemein festen Gefüge der deutschen Familien zuschreiben und dem in hohem Grade heilsamen Einfluß der deutschen Mutter, die nicht in den Wolken schwebt und nicht mit Petitionen um das allgemeine Wahlrecht durch die Straßen läuft, wie es russifche Damen tun. Sie ist viel­mehr ihren Pflichten treu ergeben und steht als tapfere Wächterin an ihrem häuslichen Herde, bemüht, den Kindern von der Wiege ab gute sittliche Grundsätze einzuprägen." Seit vielen Jahren ist wohl aus russischem Munde kein ähnliches Urteil laut geworden.

In Perfien endlich hat die feierliche^Eröffnung des ersten Parlament« stattgefunden. Perfien ist damit in die Reihe der konstitutionellen Staaten eingetreten. Bei dem Kultur- und Bildungsniveau des persifchen^Voikes aber ist kaum anzunehmen, daß da« Parlament fruchtbare Arbeit leisten wird. Für derartige Völker bedeutet eben der Ein­tritt in die konstitutionelle Aera etwas viel zu Unvermitteltes und Sprunghaftes, als daß sich barausjSegen erhoffen ließe.

$15 Schreiben des HerzO von Mtrionii.

Die Antworten des Reichskanzlers und preußischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten an das braun- schweigische Staatsministerium wegen der Resolution der Landesversammlung vom 25. September hatten nicht allen Braunschweigern gefallen. Man hätte es in Braun­schweig gern gesehen, wenn die Thronfolgesrage nochmals vor den Bundesrat gebracht worden wäre. Bei einer noch­maligen Behandlung der Sachs im Bundesrat, hätte sich vielleicht so nahm man an die Möglichkeit ergeben, aufzuklären, unter welchen Bedingungen die Thronfolge des Herzogs von Cumberland zulässig erscheinen könnte. Wurden dann die Bedingungen erfüllt, so konnte der Herzog von Cumberland in Braunschweig einziehen; wurden sie nicht erfüllt, so konnte man die Erbrechte des Hauses Cumberland beiseite setzen und einen neuen Herzog wählen.

Der Reichskanzler und preußische Minister der Aus­wärtigen stellte sich dagegen im Einverständnisse mit dem Kaiser und König aus den Standpunkt, daß eine Ver­änderung der Sach- und Rechtslage nur vom Chef des Hauses Cumberland ausgehen könne und der alte Beschluß des Bundesrates ohne^weiteres« fortbestehe, so lange das Haus Cumberland eine solche Initiative nicht ergreife. Dabei haben offenbar Kaiser und Kanzler an keine Sinnes­änderung des Herzogs geglaubt. Diese Annahme hat sich als richtig erwiesen.^ Die große Mehrheit der Braun- schweiger wird nunmehr, nach der Veröffentlichung eines Schreibens des Herzogs an den Kaiser vom 2. Oktober d. Js. erkennen, daß der Herzog nicht daran denkt, die frühere Behinderung der welfischen Thronfolge zu beseitigen, und daß daher eine erneute Befragung des Bundesrats mindestens überflüssig gewesen wäre.

Der Herzog will seine und seines ältesten Sohnes Thronansprüche auf^benfjüngßen Sohn übertragen, wenn dieser zum Thron zugelassen werde. Das Schreiben ent­hält kein Wort von Hannover, liefert also nicht einmal die erste Voraussetzung für den von dem braunschweigischen Landtag angeregten Ausgleich mit der Krone Preußen. Ein runder Verzicht auf die alten hannoverschen Ansprüche hätte die Sachlage verändert, wenn er auch angesichts der Fortdauer der welfischen Agitationen und ihrer Jahrzente lang unterhaltenen^Begünstigung durch das Haus Cumber- land nicht die einzige Voraussetzung für die Thronbesteigung in Braunschweig gewesen wäre. Das Schweigen über Hannover kann gar nicht anders gedeutet werden als starr­sinniges Festhalten an den durch Krieg-recht verwirkten Ansprüchen und Hoffnungen. Das Schreiben stellt sich mithin als eineZ verletzende Zumutung an den deutschen Kaiser und König von Preußen dar. Obendrein will der Herzog noch für sich und seinen ältesten Sohn da« Suc c-ssionrrecht in'Braunschweig für den Fall vorbehalten, daß die jüngste Linie aussterben sollte. Bei Annahme seines Vorschlages wäre also sogar mit der Möglichkeit zu rechnen, daß er Herzog von Braunschweig würde, ohne von seinen Ansprüchen aus Hannover das geringste pretsgegeben zu haben.

Diese Haltung wird hoffentlich bis in die Reihen der braunschweigischen Welsen hinein klärend und ernüchternd wirken. War doch in der einstimmig gefaßten Resolution des Landtages ausdrücklich der Verzicht auf hannoversche Ansprüche gefordert worden! Es ist zu erwarten, daß nach dem Schreiben des Herzogs und der in der Sache festen Antwort des Kaiser« auch für die Braunschweiger die welfische Kandidatur für den Thron im verneinenden Sinne erledigt ist.

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Ein Jahrhundert vollendet sich an diesem Sonntag, daß bei Jena und Aucrstädt jene folgenschwere Doppelschlacht zwischen den Franzosen einerseits, den verbündeten Preußen und Sachsen anderseits geschlagen wurde, die mit der völligen Niederlage des preußisch süchsischcii Heeres ihren Abschluß fand und hierdurch für Preußen zn einer furchtbaren Katastrophe nicht nur von militärischer sondern auch von politischer und nationaler Bedeutung wurde. Au jenem blutigen 14. Oktober 1806 brach bei Jena und Aucrstädt nicht nur das militärische Preußen vor den wuchtigen Schlägen deS korsischen Eroberers zusammen, jenes Preußen, dessen militärischer Ruhm kaum fünfzig Jahre vorher Dank den glänzenden kriegerischen Taten Friedrichs des Großen ganz Europa durchhallt hatte, nein damals ging überhaupt aud) der gesamte preußische Staat in

Trümmer und mit ihm litt die ganze unglückliche preußische Politik jener Epoche Schiffbruch. Diese Politik Friedrich Wilhelms III. und seiner Kabinettsregierung war eben nichts weiter als eine Politik des Friedens um jeden Preis, Friedrich Wilhelm und seine Ratgeber meinten, dieselbe auch gegenüber dem angriffslustigen Frankreich anwenden zu müssen, was von selbst eine höchst schwächliche Neutralität Preußens- zur Folge hatte. Daher kam es denn auch, daß Preußen tatenlos zusah, als Napoleon im Kriege gegen England Hannover 1803 einfach besetzte.

Bei dem Vorherrschen derartiger übertriebener Friedens­tendenzen konnte es denn freilich nicht verwunderlich erscheinen, daß das preußische Heer in seiner Ausbildung für den Krieg total vernachlässigt war. Aeußerlich zehrte es nur von den Erinnerungen an die ruhmreiche Zeit der friederizianischen Feldzüge, innerlich aber war es mehr und mehr gealtert und vermorscht. Die taktische Ausbildung der Armee ließ alles zu wünschen übrig, die Ausrüstung entsprach nicht mehr den Erfordernissen der Zeit, das Verpflegungswesen war höchst mangelhaft. Die höheren Offiziere waren zum größten Teil nur im Gamaschendienste bewandert, für die Aufgaben des Krieges zeigten sie nur geringes Verständnis, die Heeresleitung selber war in ihren Maßnahmen und Entschlüssen kleinlich und ängstlich und stets auf den Rückzug bedacht. Und solch eine in jeder Beziehung rückständige Armee sandte man den sieggewohnten und kampfgeübten Regimentern Napoleons ent­gegen. So mußte es denn in der Entscheidungsschlacht von Jena und Auerstädt mit Naturnotwendigkeit zu jener zer­malmenden Katastrophe für Preußen kommen, trotz aller hin­gebenden Tapferkeit der preußischen Truppen. Wenn jedoch bei Jena-Auerstädt das militärische und politische System Preußens zusammenbrach, so trugen hieran keineswegs nur die Verkehrtheit der Politik Preußens und die Schwächen seines Heereswesens die Schuld, sondern unstreitig auch das Volk selbst. Es war in seinen jüngeren Generationen in leichtfertigen, genußsüchtigen, frivolen Lebensanschauungen aus­gewachsen, während der Gemeinsinn und vor allem die echte warme Vaterlandsliebe, das Interesse am Wohlergehen des Staates, sich mehr und mehr verflüchtigten, und ein solcher in seichter Aufklärung befangener, von Genußsucht und Selbst­sucht erfüllter Zeitgeist mußte schließlich wohl auch auf das Heer abfärben.

Nun, seit dem Unglückstage von Jena sind 100 Jahre dahingerauscht, und sie haben gewaltige Veränderungen für Preußen und Deutschland mit sich gebracht. Heute ist Deutsch­land ein politisch und national geeintes Reich unter Preußens Führung, ein Reich, das durch seine innere Kraft und Tüchtigkeit wie durch die Stärke seines Heeres mit in der ersten Reihe der Großmächte steht und über Krieg und Frieden mit entscheidet. Um so mehr jedoch geziemt es sich uns Deutschen, aus der Erinnerungsfeier der Schlacht von Jena die Mahnung zu ziehen, stets mit aller Kraft zn wahren, was uns und unser Vaterland großgemacht, damit uns ein zweites Jena erspart bleibe.

Aus > und Ausland

Berlin, 11, Oktober 1906.

Ihre Kaiserlichen Majestäten, Allerhöchst- welche anläßlich der Gedächtnisfeier für den Prinzen Louis Ferdinand gestern abend aus Hubertusstock in Berlin ein- trafen, verblieben die Nacht im hiesigen Königlichen Schlosse. Zur Abendtafel nach der Feier im Schauspielhause waren bei Ihren Majestäten im Königlichen Schlosse geladen Prinz Oskar, Generalintendant v. Hülsen und Oberstleutnant Dickhuth. Heute morgen hörte Seine Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Admiralstabes der Marine, des Chefs des Marinekabinetts, des Cefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Zivilkabinetts.

Die .N. A. Ztg- schreibt: In einer Besprechung der Memoiren des Fürsten Chlodwig zu Hohen-- lohe-SchillingSfürst führen die Hamburger Nach­richten an, der Kaiser habeeines Tages, als er mit dem Fürsten zum Reichskanzlerpalais fuhr und die russische Sache wieder lebhaft erörtert wurde, den Wagen plötzlich halten und den Fürsten aussteigen" lassen. Wir sind ermächtigt, diese Erzählung für eine Fabel zu erklären. Unrichtig ist auch die Mitteilung der Nat.-Ztg, daß die Geschichte der Märztage auf Befehl des Kaiser« von einem damals noch aktiven Staatsmann niedergeschrieben worden fei. Richtig ist, daß eine auf jene Zeit bezügliche Niederschrift besteht, die Seine Majestät selbst einem Adjutanten diktiert hat.

Die Generalversammlung des Evange­lischen Bunde« in Graudenz hat einstimmig einen Beschluß gefaßt, wonach die vom Essener Katholikentag aus­gegebene Losung:Zusammenschluß der Gläubigen aller Konfessionen zum Kampfe wider den Unglauben und den Umsturz! von evangelischer Seite abzulehnen sei. Der Katholikentag habe mit seiner Losung die Tendenz gehabt, die Zentrumspartei und die Macht der römischen Kirche zu stärken.

Der Kultusminister gibt den Nachgeordneten Behörden