Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt fürhersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, uo

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile lOPfg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^s^sr«^»

herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 126. Sonnabend, den 27. Oktober 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 19. Oktober 1906.

Bei dem Hospital Niederaula, welches dazu bestimmt ist, unbescholtenen würdigen Personen evangelischer Confession aus den Landgemeinden des Kreises Hersfeld mit besonderer Berücksichtigung der Gemeinden der Kirchspiele Niederaula und Asbach freie Wohnung, eine bar« Geldunterstützung, Benutzung von Land, in Krankheitsfällen wenn nötig und nach Befinden der Horpitalvorstander freie ärzt­liche Behandlung, Arznei und Pflege auf Lebenszeit, sowie alten gebrechlichen Leuten und atmen Witwen bis zur Confirmation ihrer Kinder eine jederzeit widerrufliche Geld. Unterstützung zu gewähren, bestehen folgende Pfründen:

A, 2 mit freier Wohnung und 60 Mark,

B. 2 mit freier Wohnung und 54 Mark,

C. 6 mit freier Wohnung und 48 Mark,

D. 4 mit freier Wohnung und 42 Mark.

E, 11 mit freier Wohnung und 36 Mark jährlicher Unterstützung.

Die Aufnahme in da« Hospital und der Erwerb einer dieser Pfründen wird von der Zahlung eines Einkaufsgeldes und außerdem davon abhängig gemacht, daß die betr. Personen:

1. evangelischer Konfession.

2. mindesten» 45 Jahre alt sind,

3. nicht an ansteckenden oder Geisteskrankheiten leiden und

4. der Wohltaten der Stiftung würdig sind.

Da« Einkauf-geld beträgt.

für die Classe A 600 Mark,

B 400

C 150 bis 200 Mark und

* , D nach dem Ermessen des Vorstandes

bi« 100 Mark.

Die Pfründen der Klasse 8 sind Freipfründen zur Auf­nahme gänzlich Unbemittelter.

Vakanzen sind bisher nicht zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden.

Der Vorstand des Hospitals hat jedoch neuerdings be­schlossen, derartige Vakanzen künftig zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, damit bedürftigen und würdigen Personen Gelegenheit gegeben wird, sich um Bewilligung einer der­artigen Pfründe bewerben zu können.

Zur Zeit ist eine Pfründe der Klaffe D frei.

Die Herren Bürgermeister bet Landgemeinden des Kreise» ersuche ich, etwaige bedürftige und würdige Personen ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen und sie zur Bewerbung zu veranlassen.

Der Torfitzende des Vorstandes des Hospitals in Niederaula von GruNeltu « ,

J. H. 14. Königlicher Landrat.

Hersseld, den 23. Oktober 1906.

Unter den Schweinen de» Arbeiter» Johann Jacob Most zu Rotensee ist Die Rotlausseuche auegebroten.

I. 8539. Der Königliche Landrat

von G r u n e l iu «

nichtamtlicher teil.

Am 27. Oktober 1806 hielt Napoleon I. an der Spitze seiner Garden seinen feierlichen Einzug in Berlin. Unsere Niederlagen von Jena und Auerstädt waren vorangegangen. Sie waren daS Zeichen zu jener unerhörten militärischen und politischen Auflösung Preußens, und in grenzenloser Verwirrung und Ratlosigkeit ächzte ganz Mittel- und Norddeutschland unter dem zermalmenden Tritt der französischen Besetzung und der erbarmungslosen Art der Erpressungen, der Mißhandlungen, der Willkür des Siegers.

Mit welch anderen Gefühlen blicken wir aus den 27. Ok­tober des denkwürdigen Jahres 1870 zurück. Es war der Tag der Vergeltung für jene 64 Jahre zuvor erlittene Schmach. Die blutigen Tage von Mzonville, Vionville, Mars la Tour, Flavigny, Gravelotte, St. Privat mit Opfern, wie sie in der Kriegsgeschichte aller Zeiten kaum ihresgleichen finden, stehen einzig in unserer Erinnerung. Bazaine war mit seiner stolzen Rheinarmee endgiltig hinter den Mauern der Festung zurückgedrängt worden, aus der auszubrcchen ihm auch bei Noisieville nicht gelang. Und nun gab es kein Aus­weichen mehr; sein Schicksal war besiegelt.' Friedrich Karl

hielt den ehernen Ring mit eiserner Faust geschlossen, und um Metz herum standen das l., VII., VIII., VI., IX., III. und X. Armeekorps, die Division Kummer sowie die 1. und 3. Kavalleriedivision. Sie alle lagerten auf einem Leichenfelde, und in den daraus aufsteigenden Dünsten war eine Gefahr, die selbst den schließlichen Erfolg in Frage stellen konnte. Unaufhörliche Regengüsse durchwühlten den Boden, die auf­gerichteten Grabhügel wurden weggeschwemmt und die Biwak­plätze der Truppen allmählich in wahre Moräste verwandelt. Ruhr nnd Typhus lichteten die Reihen.

Nicht besser sah es im Innern der Stadt und ihrer nächsten Umgebung aus: Elend und Kummer, Leiden und Tod waren über die Einwohnerschaft hereingebrochen. Der Not gehorchend, hatte ein Kriegsrat unter des Marschalls Vorsitz am 10. Oktober beschlossen, von jedem Vorgehen Ab- stand zu nehmen und Schritte zu einem annehmbaren Ueber- einkommen einzuleiten. Kriegsrat folgte auf Kriegsrat, immer aber bestanden die Franzosen auf Waffenstillstand mit freiem Abzüge nach Algier. Endlich am 26. Oktober erklärte sich Bazaine zur Uebergabe der Festung und Kriegsgefangenschaft der Rheinarmee, wie solche von Friedrich Karl gefordert worden war, bereit, und schon am Tage darauf wurde der Kapitulationsvertrag von General von Stichle deutscher- und General Jarras sranzösischerseits auf Schloß Frescaty endgiltig abgeschlossen und unterzeichnet. Eine marmorne Gedenktafel über dem Kamin der Offiziersstube des gegenwärtigen dortigen Kasernements gibt Zeugnis davon.

So war denn das Hauptbollwerk der französischen Ostgrenze in unseren Händen und der 27. Oktober ein zweiter bedeutungsvoller Erinnerungstag in unserer vaterländischen Geschichte geworden. Mit der Uebergabe von Metz war die Hoffnung der Franzosen, Paris zu entsetzen, vernichtet; sie machte die 1. und 2. deutsche Armee für die Einschließung von Paris verfügbar und befreite die dortige Armee aus einer seit der Bildung der französischen Loire- und Somme- Armee äußerst bedenklichen Lage.

In der Mittagstunde des 29. Oktober begann unter strömendem Regen der Ausmarsch der französischen Korps auf sechs in das Vorland führenden Straßen aus Metz; an jeder dieser Straßen stand ein Korps des Einschließungsheeres znr Uebernahme der Gefangenen. Prinz Friedrich Karl wohnte der Uebergabe der kaiserlichen Garde bei Tournebride, nahe Frescaty, bei. Der Vorbeimarsch der Gefangenen vollzog sich in lautloser Stille und würdiger Haltung. Die höheren fran­zösischen Generale hatten sich für ihre Person der Truppen- Übergabe entzogen. Marschall Bazaine wartete den deutschen Feldherrn in dessen Hauptquartier Corny ab und reiste noch am selben Abend nach Kassel. 173 000 Mann einschließlich der vorläufig in Metz bleibenden 6000 Offiziere und 20 000 Kranken oder Genesenden wurden kriegSgefangen; 56 kaiserliche Adler, 622 Feld-, 876 Festungsgeschütze, 72 Mitrailleusen, 137 000 Chassepots, 123 000 andere Gewehre sowie ansehn­liche Munitionsmassen und eine große Menge sonstiger Vor­räte fielen in die Hände des Siegers.

Aber auch dieser hatte den großartigen und weittragenden Erfolg mit erheblichen Opfern erkauft: während des 70tägigen, mit vielen Entbehrungen und Anstrengungen verbundenen Einschließungsdienstes waren unsere Reihen durch Krankheiten gelichtet und in den Kämpfen mit dem Feinde etwa 240 Offiziere und 5500 Mann getötet oder verwundet worden. Ehre sei ihrem Andenken!

Politischer Wochenbericht.

Während der verflossenen Woche hat unsere geliebte Kaiserin ihren 48. Geburtstag schlicht und einfach, wie e» ihrer Weise entspricht, im stillen Familienkreise begangen. Die hohe Frau kann auf ein Lebensjahr zurückblicken, das für sie und ihr Haus reich an Segen war. Sie konnte den ersten Enkel auf ihren Armen halten, und ihr zweiter Sohn führte die Gattin heim. Gottes Gnade ist sichtlich bei ihr und ihrem Hause gewesen. Das deutsche und das preußische Volk hat wie immer so auch in diesem Jahre an dem Ge­burtslage der Kaiserin, in der es die treuforgenbe Landes­mutter und das leuchtende Vorbild aller weiblichen Tugenden verehrt, herzlichsten Anteil genommen. Zahllose Gebete sind an diesem Tage für ihr Wohlergehen zum Himmel emporgestiegen. Möge der König der Könige unsere Kaiserin und ihr Haus auch fernerhin segnen und behüten.

In D ö b e l n - R o ß w e in hat die mit Spannung er­wartete Reichstagsersatzwahl stattgesunden. Von bürgerlicher Seite waren große Anstrengungen gemacht worden, und es ist ja auch ein gewisser Effolg, namentlich des trefflichenReichsverbandes zur Bekämpfung der Soztal- bemotratie", nicht zu verkennen. Wie bei den meisten Nach, mahlen der letzten Jahre hat auch in Döbeln-Roßwein ein Hüdgang der sozial demokratischen und eine Zunahme der bürgerlichen Stimmen stattgesunden. Aber was hilft das >lles? Der Kandidat der Sozialdemokratie hat« dennoch gleich n der Hauptwahl gesiegt. Es ist in der Tat kein Wunder, daß sich unter solchen Eindrücken weiter Kreise eine pessi­mistische Stimmung bemächtigt, und daß sich vielerorts

bange Zweifel regen, ob das allgemeine und gleiche Wahl­recht auf die Dauer mit den Lebensbedingungen des Reiche» vereinbar sei. Wir wollen indessen solcher Stimmung nicht nachgeben, sondern dem Carlyleschen AusspruchArbeiten und nicht verzweifeln" folgen; er sei unsere Losung auch in der Zukunft.

Unter den auswärtigen Angelegenheiten lenkt die Bildung des Ministeriums Clsmenceau in Frankreich mit Recht die Aufmerksamkeit in hohem Maße auf sich. Zwar war Clsmenceau auch schon dar geistige Oberhaupt und der eigentliche Leiter des bisherigen Ministeriums, aber daß diese Tatsache nunmehr auch ihren offiziellen Ausdruck empfangen hat, ist immerhin bemerkenswert. Das Kabinett Clsmenceau bedeutet zweifellos einen weitern Ruck nach links. Was sich aus dem Kabinettswechsel für die aus­wärtige Politik und die internationalen Beziehungen Frank­reichs ergeben wird, darüber lassen sich zur Zeit noch keine irgendwie sicheren Vermutungen aufstellen. Einige französische Blätter halten es für nötig, Clsmenceau daran zu erinnern, daß Frankreich friedfertig gesinnt sei. Wir wissen nicht, wie weit solche Mahnungen begründet sind, wünschen aber, daß sie in jedem Falle Beachtung finden mögen. Unter den Wahlen der neuen Minister erregt die Wahl P i q u a r t S zum Kriegsminister das größte Aussehen. Piquart ist von der DreysuS'Affäre her bekannt, in der er sich als eifriger Anwalt Dreyfus' bewiesen hat. Es liegt daher in feiner Berufung auf einen Ministerposten eine starke Heraus- forderung aller monarchisch und nationalistisch gesinnten Elemente in Frankreich und die Berufung wird denn auch in der nationalistischen Presse in diesem Sinne erörtert. Dem Kampfe der Gegensätze im französischen Parteileben ist damit jedenfalls neuer Zündstoff zugeführt worden.

In Oesterreich hat ein Wechsel in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten stattgesunden, indem der dir, herige Minister des Auswärtigen Graf GoluchowSki von feinem Posten zurückgetreten und an seine Stelle der bisherige Botschaften in Petersburg, Freiherr von Aehren- lhal, berufen worden ist. Auf den Rücktritt GoluchowskiS hat die auswärtige Politik keinen entscheidenden Einfluß ausgeübt. Dieser Ministersturz ist vielmehr, eine Folge­erscheinung der inneren Krise, in der sich die österreichisch- ungarische Monarchie befindet. Die Ungarn, daS treibende Element in dieser Krise, haben ihn herbeigeführt, weil sie den Grasen GoluchowSki ungerechtfertigterweise im Verdachte haben, ein Gegner ihrer Bestrebungen zu sein, die darauf gerichtet sind, daS Band, das Oesterreich mit Ungarn ver­bindet, erheblich zu lockern. Graf GoluchowSki ist ein Opfer des ungarischen Chauvinismus geworden. In dem Kurse der auswärtigen Politik Oesterreichs dürfte durch den Minister­wechsel keine Aenderung herbeigeführt werd-n.

In R u ß l a n d dauern Revolution und Repression fort. Wie notwendig die letztere ist, beweisen die fortgesetzten Mordtaten der Revolutionäre und die cynische Unverfroren­heit, mit der diese von revolutionärer Seite gerechtfertigt und empfohlen werden. So erklärte jüngst die lettische ZeitungSozialdemokrat" ganz offen, das Ziel seidie unnützen Klass-n durch das siegreiche Proletariat zu ver­nichten". Je länger das Morden baute, umso besser.Wir müssen darauf hinarbsrten, daß die Revolution ohne Unter­brechung sich fortzieht. Die Morde, die dabei geschehen, sind in unsern Augen ein heiliger Akt der Revolution." So sehen, bei Licht betrachtet, die Freunde der deutschen Sozialdemokratie aus, die sie als Mär yrer preist und für die sie Gelder sammelt. Ein Pfui ist das einzig richtige Urteil hierüber.

Aus > und Ausland.

Berlin, 26. Oktober 1906.

Bei Sr. Majestät dem Kaiser war gestern zur Frühstückstafel im Neuen Palais bei Potsdam der österreichische Feldzeugmeister Graf Beck geladen. Heute vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge de» Kriegsministers, des Chess des Generalstabes der Armee und des Chefs des MililärkabinettS. Um 123/r Uhr em- pfing Se. Majestät in AbschiedSaudienz den mecklenburgischen Gesandten v. Oertzen, der mit Gemahlin zur Frühstücks- tafel geladen war.

In einer Verfügung des preußischen Ministers des Innern vom 28. Mai d. J. heißt e» über Frauen als Waise «Pflegerinnen unter anderem: Die mit der Bestellung von Frauen zu Waisenpflegerinnen gemachten Erfahrungen sind so erfreulich, oaß der gegen diese Maß. nähme wohl mehr aus Vorurteil als aus sachlichen Gründen gerichtete Widerstand überwunden werden muß. Der hohe Wert des WaisenpflegerinnenamteS wird in den Berichten sowohl der Justiz- wie der Verwaltungsbehörden fast aller Provinzen bezeugt; unter dem zutreffenden Hinweis darauf, daß Frauen es besser als Männer verstehen, die zur Pflege junger Kinder geeigneten Familien auszuwählen und Lebens­haltung und Erziehung der Kinder zu beaufsichtigen, wird