Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ro
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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8 t ,
9^712^ Dienstag, den 30. Oktober 1906.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 27. Oktober 1906.
Die für die Bevölkerung bestimmte gemeinverständliche Belehrung „Wie schützet sich die Wöchnerin vor dem Kind- bettsieber", welche nach § 29 der Anweisung für die Bekämpfung des Kindbettfiebers den Hebammen und den Standesbeamten behuf« weiterer Verteilung zur Verfügung zu stellen ist, kann von der Verlagsbuchhandlung von Richard Schoetz, Berlin 8. W. 48 Wilhelmstraße 10, für den Preis von 1 Mk. für je 100 Exemplare bezogen werden.
Den Herrn Ortsvorständen des Kreises gebe ich hiervon Kenntnis mit dem Avheimstellen, die frl. Belehrung im Interesse der Gemeindeangehörigen auf Kosten der Gemeinde zum Zwecke der Verteilung gemäß § 29 der Anweisung des Herrn Medizinalministers vom 10. August 1906 (zur Ausführung der Lander-Seurbengesetzes vom 28. August 1905 — Heft 3 —) zu beschaffen.
1. 8658. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 24. Oktober 1906.
Im Hinblick auf die außergewöhnlich hohen Kosten,
welche den Gemeinden durch die Ausmessung und Versteinung von Grenzen innerhalb der Gemarkung erwachsen, weise ich die Herren Bürgermeister und insbesondere die Vorstände der Gemeinden, welche noch der Zusammenlegung unterliegen, auf die Vorteile der Vermarkung mit den 2teiligen Schmeißer'schen Normal-Grenzsteinen hin. Abgesehen davon, daß sie verhältnismäßig viel billiger sind, wie andere gewöhnliche behauene Sandsteine oder gar Basaltsteine, sind sie auch widerstandsfähiger als diese. Erfahrungsgemäß sind letztere in einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren zum größten T^l wieder verschwunden.
Bei einer Vermarkung mit Schmeißer'schen Normalgrenzsteinen ist eine spätere Grenzwiederherstellung so gut wie ausgeschlossen, da die Tellermarke, auf der der Grenzstein sitzt, durch äußere Einwirkungen, wie die Erfahrung bereits gezeigt hat, niemals beeinflußt wird. Beschädigte Normalsteins können durch andere Exemplare leicht ergänzt bezw. ausgeackerte Steine durch die Giundstücks-Eigenlümer ohne besondere Schwierigkeit auf die festliegende Tellermarke wieder aufgesetzt werden.
A. 3876. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 27. Oktober 1906.
Unter den Schweinebeständen des Arbeiters Heinrich F.
Bechtel zu Friedigerode und des Maurers George Dich zu Olberode ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 8667. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 19. Oktober 1906.
Um Grundlagen für die Einkommensteuer-Veranlagung des neuen Steuerjahres zu gewinnen, weise ich sämtliche Herren Bürgermeister an, mir bis zum 1. November d. Js. eine Nach- weisung über die sämtlichen
a) Vereine einschließlich der eingetragenen Genossenschaften zum gemeinsamen Einkäufe von Lebens- oder hans- wirtschaftlichen Bedürfnissen im großen und Ablaß im kleinen (auch wenn ihr Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht),
b) die Gesellschaften mit befchränkter Haftung
einzureichen, welche in den Gemeindebezirken ihren Sitz haben oder eine Betriebsstätte unterhalten.
Neue Betriebseröffnungen solcher Vereine oder Genossenschaften sind mir in Zukunft sofort anzuzeigen.
Folgendes Muster ist zu verwenden:
§
T
Firma
Ort des Betriebes
Sitz der Gesellschaft
Sofern der Sitz sich in der Gemeinde befindet, Vorstand der Gesellschaft, Benennung desselben
Sofern der Sitz sich nicht in der Gemeinde befindet, Bezeichnung des dort wohnenden
Vertreters
Falls die Gesellschaft ihren Sitz nicht in Preußen hat, ob u. wo in Preußen eine Hauptagentur oder eine sonstige Zentralstelle, oder eine
Niederlassung besteht
Zeitpunkt der Eröffnung des
Geschäftsbetriebes' in der Gemeinde
Angabe, ob und wie Veranlagung zur Gewerbesteuer erfolgt ist
Bemerkungen. (Hier sind namentlich bezügl. der eingetragenen Genossenschaften, soweit dieselben nicht den gemeinsamen Einkauf von Lebens- oder haus- wirtschastl. Bedürfnissen im großen u. den Ablaß im kleinen betreiben, diejenigen Umstände anzuzeben, aus denen zu entnehmen ist, ob der Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht)
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I. eingetragene Genossenschaften
(die sämtlichen in der Gemeinde vorhandenen eingetragenen Genossenschaften sind anzuführen).
II. Vereine zum gemeinsamen Einkäufe von Lebens- oder bauswirtschaftlicben Bedürfnissen im grossen und Hblass im kleinen (soweit die Vereine „eingetragene Genossenschaften" sind, werden dieselben unter I aufgeführt).
III. Gesellschaften mit beschränkter Ras tun
Der Vorsitzende der Veranlagungs-Commission
St. 2756. von Grunelius.
Sie W-M Fm.
Erzählung von A. Burg.
(Fortsetzung.)
Sophie hatte die Sachen geschickt; fast täglich erschien auch jemand aus der Obersörsterei, um nach Inge zu sehen, selbst der Forstmeister scheute, wenn er zum Walde fuhr, fast nie den Umweg über Lobsfeld zu fahren, seinen Liebling zu sehen.
„Das Mädel hat's dort wie eine Prinzessin," meinte er daheim, „und eine Krankenpflegerin ist Frau von Sommereck ä la bonne heure."
„Es ist nur gut, daß Fräulein Inge und die gnädige Frau einander so sympathisch sind," wagte Herr von Dorger- low seine Meinung zu äußern, denn es hätte ihn sonst bekümmert, sie krank in fremdem Hause zu wissen. Sehr gern würde er selbst einmal sich nach ihrem Befinden erkundigt haben, er scheute sich aber, dadurch Aufsehen zu erregen. Dazu kam, daß Konrads Urlaub seit dem Tage nach Inges Unfall abgelaufen war, und der sonst so gutmütige Dorgerlow em- psand daS als eine Art der Erleichterung.
Inge selbst fühlte sich, die zuerst ziemlich heftigen Schmerzen und ihre gezwungene Unselbständigkeit und Ünbehülflichkeit abgerechnet, sehr wohl in Sommereck.
Wie gut ihr die Stille tat, die um sie war, die sanfte, liebe Art, die Angelika hatte. Frau von Sommereck überließ die Pflege ihres jungen Schützlings niemand anderem, sie selbst war fast jederzeit um sie, reichte ihr die Speisen, die aufs sorgfältigste ausgewählt und zubereitet wurden. Diese Art kleiner Pflegedienste von der Dame anzunehmen, war Inge sehr peinlich gewesen; sie hatte dem Worte gegeben, aber Angelika schaute sie lächelnd an.
„Nehmen Sie an, Inge — Sie seien meine liebe Tochter —. lassen Sie mir die Freude — das anzunehmen. Wie gern — ach wie gern hätte ich eine Tochter, die Ihnen gliche —"
Ein scheuer Blick Inges streifte das schmerzbewegte Antlitz Angelikas. Beide dachten wohl in diesem Augenblick das gleiche, an HanS Egon, der drüben auf dem Rasenplatz mit seinen bunten Bällen spielte.
Heute hatte es Inge den ganzen Tag gequält, daß sie
I hier nun noch gar keine Gelegenheit gesunden hatte, einen Brief an Henrik zu besorgen. Was her Geliebte wohl von ihr denken mußte! Sie wurde ordentlich unruhig dadurch, und der Sanitätsrat fand sie gar fiebernd, was ihn einigermaßen befremdete, da die Heilung des FußeS sonst gute Fortschritte machte und er bisher an dem Allgemeinbefinden auch nichts auszusetzen gesunden hatte.
Er , nahm Gelegenheit, sein Befremden zu Frau von Sommereck auszusprechen.
„Was mag die Kleine wohl quälen, seelisch quälen, gnädige Frau? Das Fieber ist mir sonst vollständig unerklärlich, und sie fühlt sich doch bei Ihnen wohl. Sie sind doch auch so gescheit, gnädige Frau — und wenn es die Diplomatie nicht herausbringt — je nun — fo gehen Sie direkt aufs Ziel. Denn das Fieber müssen wir fortbringen."
Ja, Inge fieberte. Ihre Augen leuchteten in sieberischem Glänze, als Angelika ihren Platz am Bette des jungen Mäd- chend einnahm.
„Sie sind unruhig, liebe Inge, ich sehe es Ihnen an — bedrückt Sie etwas — quält Sie etwas — sagen Sie es mir —"
Inge richtete ihren erstaunten Blick auf das stille Gesicht ihrer Pflegerin.
„Woher ahnen Sie so gut, gnädige Frau, daß mich etwas quält?"
Frau von Sommereck beantwortete die Frage nicht direkt.
„Sehen Sie, meine liebe Inge, wie sehr genau ich Sie kenne und — wie sehr ich Sie liebe? Also — was es auch sei — vertrauen Sie mir — sollen es andere nicht wissen — bei mir ist auch jedes Geheimnis wohlgeborgen — dazu aber — Inge — dazu, daß Sie mir recht vertrauen, gehört auch, daß Sie mir einen vertrautem Namen geben — nennen Sie mich, da ich Ihnen doch nie Mutter sein kann und Sie eine liebe, schöne Mutter haben — Tante Angelika. Willst du, mein Kind?"
Sie beugte sich über Inge und küßte das junge Mädchen zärtlich auf Die Stirn.
Und Inge erwiderte den Kuß und sagte leise: „Ja, Tante Angelika."
Während draußen ein sanfter, kühlender Sommerregen her- nicderrauschte, entlastete Inge ihr übervolles Herz. Sie war
krank, und Henrik — ihr Henrik hatte keine Nachricht. Und was Henrik von ihr denken würde —
Angelika lächelte leise. Also verliebt und sogar heimlich verlobt hatte sich die kleine Inge, nun — dem Schmerz um den zu besorgenden Brief konnte abgeholsen werden.
„Aber die Sache ist ganz einfach, Inge — du schreibst, gibst mir den Brief, ich besorge ihn in der Posttasche zur Post. Wozu nur diese Aufregung?"
„Ich habe den Brief fertig, er ist mit Bleistift geschrieben, ich möchte nur — daß jemand —• die Adresse schriebe —"
„Also gut, Kind, das mache ich."
Inge schloß den auf ihrem Nachttischchen stehenden Schreibkasten auf und entnahm ihm einen verschlossenen Brief, den sie Angelika gab.
„Und die Adresse?"
Inge war der Hals wie zugeschnürt, sie reichte einen Zettel hin.
Nur einen einzigen Blick warf Angelika darauf, dann wendete sie sich, jäh erblaßt, um, trat an den Schreibtisch, der an einem der Fenster staub, und schrieb mit ihren energischen, großen Schriftzügen die Adresse. Den Zettel reichte sie Inge wieder hin. Dann ging sie hinüber in ihr Boudoir, wo die Posttasche über ihrem Pulte hing, schloß den Brief ein und kehrte zu Inge zurück.
„Heißen Dank!" flüsterte das Mädchen. „Siehst du — Tante Angelika — nun fiebere ich kaum noch — nun wird Henrik auch nicht mehr unruhig sein."
„Bist du mit dem Erbprinzen wirklich verlobt, mein Kind?" fragte Angelika.
„Gewiß, Tante Angelika, aber heimlich — weißt du — es soll noch niemand wissen, daß wir uns gut sind — eS ist deswegen, weil er eben Erbprinz ist."
„Wenn ihr euch gut seid und verlobt seid — euch gegen» feitig gebunden fühlt, so wollt ihr euch doch auch einmal angehören, nicht wahr, mein Herzenskind?" fragte Angelika milde.
„So, Tante Angelika — wir wissen nur noch nicht, mie das alles wird; Henrik sagte mal, er wollte auf seinen Rang verzichten, sein Bruder Karl Gregor solle Erbprinz werden, aber daS liegt alles noch in weiter Ferne." (Forts, folgt.)