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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 133

Sonnabend, den 10. November

1906

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 7. November 1906

Durch Bekanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 10. Oktober d. I«. (Amtsblatt Nr. 42) ist die hier­unter abgedruckte landespolizeiliche Anordnung vom 18 September d. I«. zur Bekämpfung der Tollwut auch auf den Kreis Hersfeld ausgedehnt worden.

Die Ortspolizeibehörden und die Königlichen Gendarmen des Kreises haben die Durchführung der Anordnungen auf« Strengste zu überwachen.

I. 8461. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

* * *

Landespolizeiliche Anordnung. Da in letzter Zeit in den Kreisen Eschwege, Witzenhausen und im Stadtkreise Cassel tollwutkranke bezw. tollwutverdächlige Hunde frei umhergelaufen sind, ordne ich mit Genehmigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten aus Grund der §§ 2, 18 ff., 30 und 34 ff. der Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von

Viehseuchen vom ^ ^ (R.-G.-Bl. S. 409 ff) in

Verbindung mit den §§ 1 und 16 ff. der Bekanntmachung vom 1895 (R.-G.-BI. S. 357 ff) und § 1 des Ge- 27. Juni

setze« vom ^ ^n?~1894 (Ses.-Samml. S. 128 ff. und

113 ff.) für den Umfang der Kreise Eschwege, Witzenhausen, Hofgeismar, Stadt- und Landkreis Gaffel und für die Dauer der Gefahr der Weiterverbreitung der Seuche bis auf weiteres folgende« an:

1) Alle Eigentümer, Besitzer oder Inhaber von Hunden sind verpflichtet, diese sofort an einer sicheren Kette fest anzulegen und zwar an einem Orte der für fremde Hunde nicht zugänglich ist oder sie so einzusperren, daß ihre Ent- weichung bezw. eine Berührung mit fremden Hunden au« geschlossen ist. Der Festlegung (Einsperrung) gleich zu achten ist da« Führen der mit einem da« Beißen sicher verhindernden Maulkorbe versehenen Hunde an der Leine

2) Ohne Erlaubnis der Ortspolizeibehörde dürfen Hunde au« dem Sperrbezirke nicht ausgeführt werden.

3) Die Benutzung der Hunde zum Ziehen ist unter der Bedingung gestattet, daß sie fest angefchirrt, mit einem sicheren Maulkorbe versehen und außer der Zeit des Ge. brauche« fest an die Kette gelegt werden.

4) Die Verwendung von Hirlenhunden zur Begleitung der Herde und von Jagdhunden bei der Ausübung der Jagd wird unter der Bedingung gestattet, daß diese Hunde außer der Zeit des Gebrauche« außerhalb de« Jagdrevier- fest an die Kette gelegt oder mit einem da« Beißen sicher verhindernden Maulkorbe versehen, an der Leine geführt werden.

5) Werden Hunde diesen Vorschriften zuwider frei um­herlaufend angetroffen, so hat die Ort«polizeibehörde die sofortige Tötung solcher Tiere anzuordnen.

6) Die Eigentümer, Besitzer ober Inhaber von Hunden ober deren Vertreter sind verpflichtet, bei einem etwaigen Auftreten solcher KrankheitsersLeinungen welche den Aus- bruch der Tollwut befürchten lassen, der Ort-polizeibehörde sofort Anzeige zu erstatten.

7) Zuwiderhandlungen werden gemäß §§ 65 ff. des Ge- s-tzer vom 23 3""* *880 b^gst, sofern nicht nach dem

§ 328 des Reich«strosgefetzbucheü eine höhere Strafe ver- wtikl ist. Diese Bestimmungen treten sofort in Kraft.

Die von dem Königlichen Landrate in Eirbwege und Witzenhausen, sowie dem Polizeipräsidenten in Cassel gegen Hunde erlassenen Sperrmaßregeln treten außer Kraft.

Obige Landespolizeiliche Anordnung wird aUbalb aus- gehoben ober eingeschränkt werden, sobald die im Eingänge erwähnte Tollwutgefahr ganz ober teilweise beseitigt sein wird. (A. III. 3733.)

Gaffel am 18. September 1906.

Der Regterungü-P.äsident. J. V.: M eje r.

HerSfeld, den 9. November 1906.

Die Wählerlisten für den Vollzug der E-aänzungSwahlen für den Kreistag im II., III, V und VIII. Wahlbezirke der Landgemeinden und im Verbände der Großgrundbesitzer sind ausgestellt und liegen in meinem Büreau zu Jeder­mann« Einsicht offen.

A. 4139.

Der Königliche Landrat von Grunelius

Hersfeld, den 6. November 1906.

Bestimmte Erfahrungen legen den Verdacht nahe, daß zur Herstellung von Trinkbranntweinen nicht selten denaturierter, von seinem Denaturierungsmittcl teilweise befreiter oder mit nicht denaturiertem Spiritus gemischter BranntweinVerwendung findet. Hiergegen Maßnahmen zu ergreifen, liegt nicht nur im In­

teresse der Steuerverwaltung, sondern auch in dem der öffentlichen Gesundheitspflege. Abgesehen von der etwaigen Gesundheitsschädlichkeit der zur Denaturierung dienenden Stoffe, kommt auch der Gesichtspunkt in Betracht, daß die ganz oder teilweise aus denaturiertem Spiritus hergestellten Trinkbrannt- weine zu besonders niedrigen Preisen werden abgegeben werden können, wodurch ein erheblicher Anreiz zu vermehrten Alkohol- genuß gegeben wird.

Die Ortspolizeibehörden haben bei Ausübung der Kontrolle über Nahrungs- und Genußmittel Vorstehendem besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Bei der Untersuchung von Trink­branntweinen aller Art, einschließlich der zu ihrer Bereitung bestimmten Essenzen ist auf den Nachweis eines Gehaltes von denaturiertem Branntwein achten zu lassen. Befunde von denaturiertem Spiritus in Trinkbranntweinen sind auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes zur strafrechtlichen Verfolgung zu bringen und außerdem der zuständigen Steuerbehörde mit= zuteilen.

Die Ortspolizeibehörden haben etwaigen Ersuchen der Steuerbehörden sowie der Technischen Prüfungsstelle des Reichs­schatzamts um Entnahme von Proben verdächtiger Trinkbrannt- weine des Handels zu Untersuchungszwecken zu entsprechen. Die Untersuchung erfolgt in solchen Fällen durch die von der ersuchenden Behörde zu bestimmende Stelle und auf Kosten dieser Behörde.

I. 8956. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 5. November 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Arbeiters Johann Jakob Most in Rotenfee ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 8980. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 7. November 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Maurers G. Dietz zu Olberode, Kreis Ziegenhain, ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I 9032. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der in kurzem bevorstehende W i ed erz u s a m m e n t r it t des Reichstages wirst bereits insofern seine Schatten voraus, als sich die öffentliche Meinung eingehend mit den Arbeiten und Ausgaben der deutschen Volksvertretung während der nächsten Zeit beschäftigt. Zweifellos bietet sich dem Reichs­tage ein reiches Arbeitsfeld dar, und es wird hoher patriotischer Opferwilligkeit und regen Fleißes für unsere Volksboten be­dürfen, wenn sie das ihnen gestellte Aufgabenpensum in recht­zeitiger und befriedigender Weise lösen wollen. Vor allem dürste auch eine Eindämmung des Redestroms nötig fein, wenn wirklich erfolgreiche Arbeit geleistet werden soll. Leider aber ist die Aussicht auf Erfüllung dieses Wunsches bei der be­kannten Art unserer sozialdemokratischen und gesinnungsver- wandten Abgeordneten nur gering. Man wird auf dieser Seite wahrscheinlich wieder einer durch und durch unfrucht­baren Kritik die Zügel schießen lassen und sich in unbegründeten Angriffen manigsachster Art ergehen. Demgegenüber ist es mit größter Freude zu begrüßen, daß unser Reichskanzler Fürst Bülow nach dem stärkenden Erholungsurlaub die volle Frische und Elastizität seiner Natur wiedergewynnen hat. Ihm, dem Meister der parlamentarischen Beredtsamkeit, wird es ein Leichtes sein, die Gegner unserer Reichspolitik in den Sand zu strecken, und unter der Wucht seiner Lanzenstöße dürfte auch der dickste Lügenpanzer zerschellen. So vermag der patriotisch gesinnte Teil unseres Volkes den wiederbe­ginnenden parlamentarischen Kämpfen mit gutem Vertrauen entgegenblicken.

Als günstiges Zeichen für die Gestaltung unserer inner­politischen Dinge während der nächsten Zukunft darf auch die schneidige und dabei doch ruhige und besonnene Art gelten, in welche der p o lni sch e S ch u lst r e i k von der preußischen Regierung bisher behandelt worden ist. Zweifellos ist die ganze Sache durch eine ebenso unwürdige wie skrupellose Agi­tation von polnischer Seite künstlich in "Szene gesetzt worden. Die Preußische Schulpolitik trifft absolut kein Vorwurf; alle die Phrasen von derVerletzung berechtigten Volksempfindens", von einemEingriffe in die geheiligten Rechte der Familie und Nationalität und wie sie sonst noch lauten mögen, sind nichts anderes als eine gröbliche Irreführung der öffentlichen Meinung. Hoffentlich wird der von der Regierung bisher ge­steuerte Kurs auch weiter innegehalten, und hoffentlich sehen auch unsere deutschkatholischen Mitbürger ein, daß sie sich aufs schwerste an ihrer Nation und ihrem Vaterlande versündigen, wenn sie dem Polentum bei seinem Widerstände gegen be­rechtigte Anordnungen der Staatsgewalt irgendwelche Unter­stützung leisten. Sie helfen dabei im Grunde nur staatsver- räterische und rebellische Ziele fördern.

In Fra n kr ei ch hatsich das Mi n i st e ri u m Clsmen- c e a u mit einer längeren programmatischen Erklärung bei dem Parlamente eingeführt. Das innerpolitische Programm Clämenceaus ist sehr reichhaltig. Der neue Ministerpräsident besteht auf der strikten Durchführung des Trennungsgesetzes, plant eine Vergrößerung des Staatsbahnnetzes und eine pro­gressive Einkommensteuer, stellt sich dem Koalitionsrechte bet Beamten wohlwollend gegenüber und was dergleichen Ver­sprechungen mehr sind. Vermutlich aber wird auch Clämenceau Wasser in seinen Wein tun müssen und manchen Programm­punkt auf dem Papier stehen lassen. Für das Ausland und insbesondere für uns Deutsche ist im übrigen von Interesse, daß Clämenceau bei aller theoretischen Friedensliebe nicht im entferntesten daran denkt, die Wehrkraft Frankreichs abzuschwächen, im Gegenteil scheint er sie vielmehr auf das höchste Maß steigern zu wollen. Selbstverständlich liegt hierin keine un­mittelbare Bedrohung Deutschlands, immerhin aber sollte es ein Ansporn mehr für uns sein, unser Pulver allezeit trocken zu halten.

In dreiunddreißig Staaten der großen nordamerika- nischenRepublikhaben Gouvernementswahlen stattgefunden. Das Interesse dabei konzentrierte sich haupt­sächlich auf die Wahl in New - Iork; denn das Resultat der New-Iorker Gouverneurswahl pflegt von ausschlaggebender Bedeutung für die nächste Präsidentenwahl in der Union zu sein. Diesmal aber war das Interesse ein um so höher ge­spanntes, als dem republikanischen Kandidaten in Hearst, dem berüchtigten Besitzer dergelben Presse". ein Mitbewerber eM« gegentreten war, von dessen Wahl die beffergesinnten Kreise der nordamerikanischen Union mit Recht das Schlimmste für ihr Vaterland befürchteten. Präsident Roosevelt fühlte sich verpflichtet, persönlich in den Wahlkampf einzugreifen und durch den Staatssekretär Root die Persönlichkeit Hearsts im wahren Lichte schildern zu lassen. Diesen Bemühungen sowie der patriotischen Einsicht des überwiegenden Teils der New-Dorker Bürgerschaft ist es denn auch zu danken, daß die Gefahr einer Wahl Hearsts glücklich abgewendet wurde: nicht Hearst, sondern sein republikanischer Gegenkandidat Hughes ist zum Gouver­neur von New-Aork erwählt worden. Auch in Deutschland wird man sicherlich von diesem Wahlergebnis mit lebhafter Befriedigung Kenntnis nehmen.

Ae Ergingt in WM.

Lodz, 7. November. In der Fabnkansiedlung Dom- browka fand heute ein Zusammenstoß zwischen Arbeitern statt, wobei es Tote und Verwundete gab. In Lodz selbst kam es ebenfalls zu Arbeiterzusammenstößen. Dabei wurden ein Arbeiter, eine Arbeiterin und ein Buchhalter verwundet.

Lodz, 8. November. In dem in der Nähe von Lodz liegenden Orte Dombrowka kam es zu einem Zusammen­stoß zwischen Arbeitern, die verschiedenen politischen Par­teien angehörten. Bei dieser Gelegenheit wurden zwei Arbeiter erschossen, zwei Arbeiter schwer und mehrere andere leicht verwundet.

Moskau, 7. November. In her vergangenen Nacht wurde ein sehr dreister Ueberfall gegen den ländlichen Eigen­tümer Wolkow auSgeführt. Fünf Personen drangen in dessen Wohnhaus ein, raubten Geld und Wertgegenstände, banden Wolkow und ließen dann den Wagen derselben an« spannen, legten ihn hinein und verschwanden mit ihm. Die Gendarmerie stellt eingehende Nachforschungen an.

I e ka t e r i n b u r^ , 7. November. Im Lause der beiden letzten Tage muhen hier acht Brandstiftungen ver­übt; von den Tätern hat man keine Spur.

Jekaterinoslaw, 7. November. Gestern abend überfielen 20 Räuber aus Werchne-Dvjeprow«k die zum Bahnhof fahrende Post. Sie verwundeten den Postillion und einen Polizisten, raubten 6300 Rubel und entkamen.

Tiflis, 7. November. Zwanzig mit Gewehren be­waffnete Räuber unternahmen heute einen Angriff auf eine 42 000 Rubel mit sich führende, von vier Soldaten und einem Postboten begleitete Geldpost. Sie beschossen den Transport aus dem Hinterhalt, den Soldaten gelang es je. doch, die Post in Sicherheit zu bringen, ohne daß einer von ihnen verwundet worden wäre. Die Angreifer suchten durch einen Paß das Weile und ließen eine Bombe auf dem Platze des Ueberfall« zurück.

Aus > jtndAusland.

Berlin, den 8. November 1906.

® e. Majestät der Kaiser hat Sich gestern nach­mittag 272 Uhr im Automobil vom Neuen Palais bei Potsdam nach L i e b e n b e r g zu einem mehrtägigen Besuch bei dem Fürsten Eulenburg-Hertefeld begeben. Der Weg wurde über N a u e n genommen, wo Se. Majestät die Station für Funkentelegraphie besuchte. Ihre Majestät die Kaiserin hat Sich gestern abend nach Plön begeben.

DieN. A. Z " schreibt: In verschiedenen Blättern ist von Plänen zur Entlassung des Reichskanzlers