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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr 133.
Dienstag, den 13. November
1906.
Amtlicher teil
Kreis und Gemeinde.
I. Im Rechnungsjahr 1906.
II. In früheren Jahren:
in. Bis jetzt überhaupt:
zu Folgeeinrichtungen und Nebenkosten.
zu Flußregulierungen
zu Obstbaumpflanzungen
Im Ganzen
Im Ganzen aus allen Fonds
Mark
AuS allen Fonds
Mark
aus Staatsmitteln
Mark
Je zur Hälfte aus Staatsund Kommu- nalmitteln Westfonds
Mark
Je zur Hälfte aus Staatsund Kommu- nalmitteln
Mark
Aus Staatsmitteln
Mark
Mark
1.
Kreis Hersfeld.
Gemeinde Allmershausen
2200
_—
_
2200
910
3110
2.
„ Ausbach
1500
—
—
—
1500
690
2190
3.
„ Gittersdorf
500
—
—
—
500
—
500
4.
„ Hillartshausen
2500
— —
——
60
2560
1320
3880
5.
„ Malkomes
1100
—
—
—
1100
420
1520
6.
„ Motzseld
4000
—
—
—
4000
1900
5900
7.
„ Niederaula
1000
—
—
—
1000
—
1000
8.
„ Oberhaun
2000
—
—
2000
500
2500
9.
„ Reckerode
1600
—
—
—
1600
690
2290
10.
„ Rotensee
3600
—
—
—
3600
1060
4660
11.
„ Rotterterode
1200
—
—
1200
440
1640
12.
„ Rohrbach
450
—
—
.—
450
—
450
13.
„ Unterneurode
700
600
—
92
1392
1270
2662
Zusammen Kreis Hersfeld
22350
600
—
152
23102
9200
32302
Hersfeld, den 9. November 1906.
Am 1. Dezember d. Js. findet im preußischen Staate eine Viehzählung kleineren Umfanges nach den Grundsätzen der außerordentlichen Viehzählung vom 1. Dezember 1904 statt.
An Formularen kommen in Anwendung:
1. die Zählkarte A.,
2. die Anweisung für die Zähler B.,
3. die Kontrollisten für die Zähler
4. die Anweisung für die Behörden D. und
5. die Ortsliste E.
Der voraussichtlich erforderliche Bedarf an Formularen wird den Ortsbehörden in den nächsten Tagen zugesandt werden. Sollten die Formulare bis zum 1 5. d. Mts. nicht eingetroffen sein, oder nicht für ausreichend befunden werden, ist mir unverzüglich zu berichten.
Nach § 3 der Anweisung D. ist die Ausführung der Viehzählung Sache der Gemeindebehörden. Die Herren Ortsvorstände haben hiernach ungesäumt gemäß der §§ 4, 5 und 6 der Anweisung bezüglich der Einteilung der Gemeinden in Zählbezirke sowie der Bestellung der Zähler rc. das Weitere alsbald zu besorgen.
Die Zähler erhalten je eine Anweisung B., zwei Kontrol
entlarvt
Kriminalerzählung von C. G. Burg.
Nachdruck verboten.)
An der bayerischen Grenze liegt das reiche Dorf Seehosen; im Süden ergeben sich die Berge, östlich und westlich breiten sich fruchtbare Felder aus, im Norden liegt der See, von dem der Ort den Namen hat. Dicht dabei ist ein Bruch und hier liegt etwas abseits vom übrigen Dorfe, näher den großen Waldungen, der Eschenhof.
Zur Zeit unserer Erzählüng, noch vor dem großen Kriege gegen Frankreich, hatte Peter Meißner den Eschenhof im Besitz, ein Witwer von etwa sechzig Jahren, aber noch ein stattlicher Mann. Sein sechsundzwanzigjähriger Sohn Tedel hatte sich als einziger Anerbe mit des SchullehrerS Tochter Doris verlobt; allgemein ward baldige Hochzeit erwartet.
Der Großknecht des Hofes, Kordel Lindner, stammte aus Tegethofen, nahe bei Seehosen gelegen, war selbst eines reichen Bauern Sohn und TedelS intimster Freund.
Bis dahin hatte eine Base des Bauern die Wirtschaft ge- sührt - jetzt war sie gestorben, und Peter Meißner mußte sich per Zeitung nach einer anderen Wirtschafterin umsehen.
Dieses war der Zeitpunkt, in welchem der große Wirrwarr aus dem Eschenhost entstand, der den Hintergrund unserer wahren Erzählung bildet.
Eines Tages, es war im Herbst, hatte man eben die Mittagsmahlzeit eingenommen, als der Briefträger kam und ein an Peter Meißner gerichtetes Schreiben brächte. Der Bauer erbrach es und rief:
»Tedel, he, wir haben eine 1"
»So?" lautete die Antwort.
„Ja! Mathilde Wurzner schreibt sie sich!“
„Hm! Alt oder jung?"
»Tedel, das steht nicht drin im Brief! Doch halt, wenn sie bereits hier und dort gedient hat, ist sie nicht allzu jung I"
„Gut, Vater I"
„Soll ich ihr zusagen?"
„Man kann es ja versuchen, Vater!"
listen C. sowie den erforderlichen Bedarf an Zählkarten (d. h. für jedes Gehöft — Anwesen — 1 Exemplar).
Die Ausgabe der Zählkarten muß spätestens am 30. November d. Js. beendet sein.
Die Wiedereinsammlung und Prüfung der Zählkarten hat am 3. Dezember d. I. durch den Zähler zu erfolgen. Hierauf sind alsbald die beiden Exemplare der Kontrolliste auszufüllen. Diese müssen bis zum 5. Dezember d. Js. an die Ortsbehörde zurückgegeben werden.
Die Ortsbehörde hat das eingelieferte Zählmaterial alsbald eingehend zu prüfen, etwa vorgefundene Mängel sofort zu beseitigen und die Ortsliste auf Grund der Kontrollisten auf- zustellen. Die beiden Reinschriften der Orts - liste und die Reinschrift der Kontrolliste sowie die Zählkarten sind bis späte st e n s zum 10. Dezember d. I s. mir einzureichen.
Das 3. Exemplar der Ortsliste und die Urschriften der Zählerkontrollisten verbleiben in der Gemeinde-Repositur.
Ich erwarte, daß die Ortsbehörden die vorschriftsmäßige und gewissenhafte Ausführung der Zählung sowie die pünktlichste Einhaltung der bestimmten Termine sich angelegen sein lassen.
l. 9072. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
„Na, da schreib' ich!“
Er ging, Kordel Lindner aber, der Groß- oder Oberknecht, wischte das Messer im Tischtuch ab und meinte:
„Wenn es nur nicht Methusalems Großmutter ist, so gehts noch!"
„Bah", lachte Tedel Meißner, „könntest schon längst im trockenen Unterschlupf sitzen, hast Gulden genug, willst aber nicht! Glaubs, das Scharmuzicren mit den Frauensleuten bringt Dir noch einmal Unglück!"
„Ja," lachte Kordel, ein hübscher Kerl, „Du hast Deine Doris, aber Unsereins I"
Nun mußte auch Tedel, ein echter Bauer, aber sauber und schneidig, lachen.
„Du, Du," sagte er drohend, „nimm Dich in acht, daß Du bald besser wirst, sonst geht's zu bösen Häusern!"
Hiermit gingen sie dem Gesinde nach in die Stallungen.
Nun kam auch der Bauer wieder aus seiner Stube heraus, hielt den Brief in der Hand und murmelte:
„Wollte mir freilich der Vetter Stadtschreiber, dieser Bröck- lein, seine Adclaide aufhalsen; aber was versteht die Stadtgans von Bauernwirtschast? Nein, eine ordentliche Wirtschafterin soll es schon sein, wie die selige Base Urschcl! Aha, da kommt der Bote zurück!"
So wurde der Brief denn besorgt.
Vier Tage später war sie da, die neue Wirtschafterin.
Ganz schmuck und niedlich sah sie ans, dunkel und lang- zöpfig und hatte tiefe Augen.
Der Sauer war zufrieden, Kordel Lindner aber, der sie dem später vom Felde heimkehrenden Tedel beschrieb, zog den Mund spitz und schnalzte.
„Ein reputierliches Frauenzimmer! Aber ihre scchsund- zwanzig hat sie weg!" lachte er.
„Hm!"
Jungfer Wurzner, wie sie sich rufen ließ, konnte Tedel kemen Beifall entlocken, das schien sie von Anfang an zu ärgern, denn zwischen den beiden kam schnell ein zugcspitztes Verhältnis zustande.
Tedel dagegen war klüger, denn er wußte sich bald mit bcr Wirtschafterin auf freundlichen Fnß 511 stellen und gewann
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 5. d. Mts. — A. II. 7899 — (abgedruckt in Nr. 42 des Amtsblatts vom 17. d. Mts. S. 349) bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herrn Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 15. 10. 06 III. B 3. 997 M. d. ö. A. - u o „ ,
II a. 6791. II. M. d^ 5 Kennzeichnung von Kraftfahr
zeugen für den Regierungsbezirk Bromberg die weiteren Nummern I. Y. 701 bis 900 überwiesen haben.
Cassel, den 30. Oktober 1906. (A. II. 8787.)
Der Regierungs-Präsident. I. A.: gez.: S ch e n k.
* . * Hersfeld, den 8. November 1906. Wird veröffentlicht.
I. 9060. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hertfeld, den 8. November 1906.
Unter den Schweinen des Johanne« Lappe zu Kirchheim ist die Schweineseuche ausgebrochen.
I. 9089. Der Königliche Landrat.
von Grunelius.
Hersfeld, den 8. November 1906.
Die unter den ©»meinen des Gastwirt« Reinhardt hier (Burgbräu) und dc« Briefträger« Falber hier, an der Unterweis, ausgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen. I 9090. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 9. November 1906.
Die unter den Schweinen de« Christian Gleim in Sieb«« back ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 9124. Der Königlich« ßinbrat.
I. V:
T b a m e r.
Hersfeld, den 8. November 1906.
Der auf Donnerstag den 29. November d. I«. in der Stadt Fulda angefetzie Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Austrieb darf um 7 Uhr morgens begonnen werden.
I. 9079. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde r Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
sogar ihre Gunst, als Jungfer Wurzner erfuhr, daß er in guten finanziellen Verhältnissen lebte.
Der Eschenhofbauer, ein durchaus rffpcktabler Mann, hatte eigentlich wenig von der Welt gesehen und immer nur der Arbeit gelebt. Die moderne Weltweisheit predigt nun, daß solche Leute leicht nach dem Sprichwort: „Alter schützt vor Torheit nicht," in späterer Zeit leichtsinnig werden. Ob sie recht haben, weiß ich nicht, gewiß aber kommen solche Fälle vor.
Das bewies der Peter Meißner allzuklar.
Bald hatte die Wirtschafterin erfahren, daß Meißner sehr wohlhabend sei; schnell gab sie nun dem Kordel, der schon bei ihr „gefensterlt" hatte, den Laufpaß und wurde spröde und unfreundlich gegen ihn.
„Was hast für Alfanzereien vor?" meinte sie. „Wirst ja doch nie ein vernünftiges Leut!"
„Und Du," lachte er, „findest vielleicht einen Dummen, der dich freit, wenn er auch alt ist und Dein Großvater sein könnt'!"
„Meinst den Bauern?" forschte sie.
„Dir werd ich's schon nicht aus die Nasen hängen!" meinte er.
Aber sie trug's ihm nach und verklatschte ihn täglich beim Herrn, bis Peter, der die Wurzner „entzückend" sand, vor Eifersucht gistgeschwollen wie ein Molch, dem guten Knechte kündigte. Zu Ostern sollte er den Eschenhof verlassen.
„Siehst Du", meinte Tedel, „da hast Du's; hab' ich Dir nicht gesagt, daß die Weibsleut nochmals Dein Verderben feien !"
„Gelt", gab Kordel da zurück, „es wird überall Brot gebacken, nicht blos in Seehofen! Du aber nimm Dich in Acht 1 Dich hat sie stets für Essig gehalten, denn sie hat bei Deinem Anblick immer ein saures Gesicht gezogen! Da sie Deinen Vater heiraten will, so wird sie Dich auch bald heimschicken!'
„Sprich nicht so dummes Zeug!"
n l "Dummes Zeug? Es ist die reinste Wahrheit! Paß
Tedel schüttelte den Kopf, aber kurz vor Ostern kam's zum Eklat im Eschenhof: ein derber Zank brach zwischen Tedel und der Wirtschafterin aus, sodaß sie weinend vom Herrn den Abschied forderte.