Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Per Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. vs
Per Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Psg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.touBtiat'O
Hersselder Kreisblatt
B
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 136. Dienstag, den 80. November 1906.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 14. November 1906.
Der Herr Direktor der Hessischen Brandversicherungs« anftalt hat neuerdings aus den Feuerschutz durch Automaten aufmerksam gemacht und besonders auf einen diesen Gegenstand behandelnden Vortrag des BrandinspektorS Felder in Chemnitz am 6. Mai v. Js. in der Versammlung der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft hingewiesen. Dieser Vor, trag ist in dem Archiv für Feuerschutz, RettungS- und Feuerlöschwesen Nr. 11 vom 6. Juni 1905 (Verlag von Oskar Seiner in Leipzig Königstraße 26 B) veröffentlicht und auch in einem Sonderabdruck verbreitet worden. Von dem genannten Sachverständigen ist der von Oskar Schöppe in Lelpzig (Bayerischestraße 3) konstruirte selbsttätige Feuermelder als besonders zweckentsprechend und brauchbar bezeichnet worden. Nach den von der Brandversicherungsanstalt veranlaßten Ermittelungen hat sich dieser Apparat auch in der Praxis schon bewährt. Er ist in einer Sitzung des Landesausschusses vorgeführt worden, und es ist infolge eine» Beschlusses des letzteren ersucht worden, die Eingesessenen des Bezirks, namentlich die Industriellen auf den Apparat aufmerksam zu machen und dessen Anschaffung zu empfehlen. Nach § 32 des Reglements für die Brand- verucherungsanstalt würde für diejenigen Gebäude, deren Räume in zweckentsprechender Weise mit dem bezeichneten Apparat versehen sind, eine Ermäßigung der Tarifzuschläge eintreten können.
Die Herren Bürgermeister des Kreises veranlasse ich, in geeigneter Speise auf den Apparat aufmerksam zu machen und dessen Anschaffung zu empfehlen.
I. 9254. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 15. November 1906.
Seitens des Kaiserlichen Automobil-Clubs ist Klage darüber geführt worden, daß in letzter Zeit die Ausschreitungen gegen Automobilisten außerordentlich überhand genommen hätten. Besonders würden die Fahrer häufig mit Steinen beworfen.
So sehr es die Aufgabe der Polizeibehörden ist, gegen die Ausschreitungen zügelloser Automobilfahrer vorzugehen, so dürfen ste stch andererseits auch nicht der Pflicht entziehen, den Automobilfahrern gegen Angriffe und Tätlich, leiten Schutz zu gewähren, haben vielmehr in allen zu ihrer Kenntnis kommenden Fällen gegen derartige Ausschreitungen energisch vorzugehen.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie des Kreises haben Vorstehende» künftig zu beachten. ^- 8283. Der Königliche Landrat
______________________von Grunelius.
Am 15. b. Mts. war die III. Rate der für das Rech-
Der Erbe von Stratfield.
Novelle von I. N i c o l a.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Ein dicker, dunkler Teppich, einige bequeme Stühle und Schreibtische waren das ganze Mobiliar des Gemaches.
Der Tür gegenüber war ein großes Fenster, das die ganze Breite des Zimmers einnahm. Die Aussicht von demselben war eine entzückende.
Nur mit einem konnte der junge Baronet sich nicht aus- söhnen; durch das Laub der hohen Bäume konnte man den geheimnisvollen See hindurchschimmern sehen, der Vater und Sohn so grausam in seinem kalten Bette begraben hatte.
Binnen wenigen Wochen hatte Charles sich mit seiner neuen Stellung ausgesöhnt. Er fing an, sich als Schloßherr zu fühlen und tat sein möglichstes, ein würdiger Nachfolger derer zu werden, die vor ihm hier geschaltet hatten.
So einfach, wie beide anch bisher gelebt, fühlten Mutter und Sohn sich doch bald heimisch in dem neuen Kreise, wallte doch aristokratisches Blut in ihren Adern und ließ sie jetzt sich erst in ihrem rechten Element fühlen.
Die Gutsnachbarn, beeilten sich, die neuen Besitzer von Stratfield zu begrüßen.
Alle sprachen sich auf das freundlichste über Charles' Onkel aus, doch über Albert, seinen einzigen Sohn und Erben, schienen die Ansichten äußerst geteilt.
Charles hatte seinen Vetter nur ein einziges Mal gesehen; damals war er ein hübscher Knabe gewesen, mit freundlichem, offenem Gesicht, voll Feuer und Lebenssrische. Jetzt sprachen die Leute von ihm, als sei er ernst und in sich gekehrt gewesen und oft fragte Chlarlcs sich, was nur den leichtherzigen Knaben in einen ernsten, melancholischen Mann hatte um- wandeln können.
„Charles", sprach die Baronin eines Morgens zu ihrem Sohn, als beide beim Frühstück saßen, „Dn wirst nun bald daran denken müssen, Dich zu verheiraten."
Der junge Baronet sah die Sprechende erschreckt an.
nungsjahr 1/4. 1906/7 zu entrichtenden Kreissteuer fällig.
Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden wie auch die Herren Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, deren Gemeinde-Kassen diese Zahlung noch nicht geleistet haben, werden ersucht, dafür zu sorgen, daß solches alsbald geschieht.
Hersfeld, am 16. November 1906.
Der Königliche Landrat.
I. V:
Th a m er
nichtamtlicher Ceil
Her W in IM-MM-Wka.
Aus Südwestafrika wird amtlich über schwere Gefechte, sowie über erfolgreiche Operationen der Schutz truppen gegen Hottentottenbanden folgendes berichtet:
Nach einem Telegramm des Obersten von Deimling aus Ketmanshoop vom 13. d. M. abends hatte eine Hottentotten bände unter Führung Slürmann» (anscheinend des bei Beginn des Feldzuges viel genannten Propheten) am 1. d. M. die Besatzung von Uchanari» in der Nähe des Stationsgebäudes überfallen. Fünf Reiter sind gefallen. Zwei wurden schwer, einer leicht verwundet. Oberleutnant Freiherr von Fürstenberg übernahm sogleich mit bet 9. Kompagnie 2. Feldregiments und dem Maschinen, gewehrzug Müller die Verfolgung über Wasserfall in die großen Karasberge. Osstlich der großen Karasberge erreichte er den Feind am 5. November, nach kurzem Gefecht lief der Gegner auseinander. Fünf Mann der Bande stellten sich am 10. bei Hauptmann Siebert in Lifdod (östlich Karasberge) und gaben ihre Gewehre ab. — Eine zweite Holtentottenbande zeigte sich am 8. November bei Naiams, südwestlich Keetmanshoop. Sie wurde von der 7. Kompagnie 1. FeldregimentS unter Hauptmann Doerschlag den Fisch- fluß abwärts verfolgt und lief am 10. in den Fischflußbergen auseinander. — Oberleutnant Molisce verfolgte mit der 4. Kompagnie '2. Feldregiments und einem Ge- birgsgeschütz seit dem 23. Oktober im Fischflußrevier eine Hotlentotlenbande unter Fielding. Dieser Holtentottenführer, wahrscheinlich ein Bondelzwart, hielt sich bisher zumeist in den kleinen Karasbergen auf, von wo aus er Raubzüge und Viehdiebstähle unternahm. Moliöre vertrieb am 24. Okt. den Gegner aus schwer zugänglichen Schlupfwinkeln im Fischfluß südlich der Einmündung des Kapreviers und trieb ihn über Huns in die wasserlosen Hutb-Berge. Teile dieser Bande raubten am 8. d. M. abends bei Willem Chrikas (südwestliches Bethanien) eine große Anzahl Transporttiere. — Leutnant Gerlich verfolgte die Räuber mit 30 Reitern von Kuibis aus. Er nahm am 9. b. M. dem Feind bei Hartes das. geraubte Vieh wieder ab, erbeutete dessen Re>t-
Noch nicht im Traume hatte er an eine solche Möglichkeit gedacht.
Er sollte sich von seinen Büchern und seiner Musik losreißen und um ein Mädchen werben?
„Aber wen in aller Welt soll ich denn heiraten, Mutter?" fragte er ganz bestürzt.
„Das kann ich Dir allerdings nicht sagen, Charles," ent- gegnete sie heiter. „Es gibt in der Nachbarschaft verschiedene hübsche junge Damen. Du mußt Dir die schönste, die Du finden kannst, auswählen. Du bist jung, leidlich hübsch und Herr von Stratfield. Du hast die Pflicht, Dir eine eigene Familie zu gründen und ich bitte Dich, Interesse für diese Angelegenheit zu gewinnen. Nächste Woche verunstaltet Lady Hilford ein großes Sommersest, zu dem wir eingeladen sind ! Prüfe recht, ob Dir keine begegnet, die Du lieben könntest!"
Wenn Charles' Mutter ihm gesagt hätte, daß er die Sandkörner am Meeresstrand zählen sollte, so hätte sie ihm keine schwierigere Ausgabe stellen können.
Noch über die eben geführte Unterhaltung nachdenkend, meldete der Diener den Besuch des RechtSanwalres der Strat- fieldschen Familie, Mr. Right.
Charles eilte in den Salon.
„Verzeihung, daß ich Sie so frühzeitig störe," hob der Advokat nach der ersten stattgehabten Begrüßung an, „aber ich bin zu späterer Stunde von wichtigen Geschäften in Anspruch genommen. Erinnern Sie sich, daß ich Ihnen bei unserer ersten Unterredung mitteilte, der verstorbene Schloßherr habe ein Mündel gehabt, für das er großes Interesse hegte?"
Charles gedachte zum erstenmale wieder dieser Tatsache. Der große Wechsel in allen Verhältnissen hatte ihn diese Mitteilung völlig vergessen lassen
„Ich muß gestehen", erwiderte er deshalb etwas verlegen, „daß nur die Sache völlig aus dem Gedächtnis geschwunden war!"
„Es ist eine ziemlich delikate Angelegenheit", fuhr der Rechtsanwalt fort. „Baronet Stratfield ist ohne Testament gestorben, aber zufällig weiß ich, daß er die Absicht hatte, Miß Alson in seinem letzten Willen reichlich zu bedenken. Persönlich hat er mir diese Ansicht ausgesprochen."
tiere und Proviant und trieb ihn in die Huib-Berge zurück. Moliere steht mit feiner Abteilung bei Hun» Tierklust und Weißbrunn am Südrande der Huib-Hochebene.
Reichstag.
Der Reichstag führte in seiner Sitzung vom Freitag die tags zuvor begonnenen Wahlprüfungen fort. Zunächst gab es zwei namentliche Abstimmungen, die sich auf die Wahlen der konservativen Abgeordnete» Dietrich und Mal« kewitz bezogen; beide Wahlen wurden gegen eine nicht un- erhebliche Minderheit von Stimmen für giltig erklärt. Bei der Bekanntgabe der Giltigkeit der Wahl beS Abeordneten Malkewitz brachen die Sozialdemokraten in Pfuirufe aus, was Präsident Gras Ballestrem energisch rügte. Eine lange und lebhafte Debatte entspann sich über die Wahl des fraktionslosen Abgeordneten Wiltberger im Wahlkreise Kalmar i. E., deren Giftigkeit von der Wahlprüfungtkommission beantragt wird, obwohl die Wahl durch einen Protest angefochten worden ist. Scharf griff der freisinnige Abgeord« nete Müller-Meiningen die Wahlprüfungskommission wegen ihres Verhaltens im Falle Wiltberger und teilte weiter drastische Beispiele der von der Geistlichkeit zu gunsten Wiltberger« und zur Bekämpfung der Gegenkandidatur des Prinzen Alexander zu Hohenlohe betriebenen unerlaubten Wahlagitation mit. Im Sinne der Ausführungen bietet Redners ließen sich noch die Abgeordneten v. Gerlach (steif. Verein.), Blumenthal (fr. Volktp.) und Beck-Heidelberg (nat. ltb.) vernehmen. Während die Abgeordneten Gröber und Fehrenbach vom Zentrum, von Oertzen und Schickert von den Konservativen für den Kommissionsantrag urb somit für die Gültigkeit der Wahl Wiltberger» eintraten. In namentlicher Abstimmung entschied sich dann da» Haus mit 157 gegen 142 Stimmen für Giltigkeit. Zuletzt erörterte da» Hau» noch die Wahl des konservativen Abgeordneten o. Massow und beschloß Beweiserhebung hierüber. Am Sonnabend wurde vom Reichstage die Wahlprüfungsdebatte nochmals fortgesetzt.
Sum Gedenktag der Aaiserlichen Botschaft vom jz. November Mj.
Der Reichs- und Staatsanzeiger veröffentlicht folgenden Allerhöchsten Erlaß:
Der heutige Tag, an welchem vor 25 Jahren der in Gott ruhende Kaiser und König Wilhelm der Große Seine unvergeßliche Botschaft erließ, gibt Mir willkommenen Anlaß, mit dem deutschen Volke in ehrfurchtsvoller Dankbarkeit dieses Friedenswerkes zu gedenken, durch welches Mein erlauchter Ahnherr zum Schutze der wirtschaftlich Schwachen der Gesetzgebung neue Bahnen wies.
Nach Seinem erhabenen Willen ist es unter sreudiger Zustimmung der verbündeten Regierungen und der Verständnis
„Wissen Sie genaueres über die junge Dame?" fragte Charles.
„Sie ist die einzige Tochter des Obersten Alson, eines alten Freundes des verstorbenen Herrn Baroncts", versetzte der Advokat. „Ihr Vater ließ sie völlig mittellos zurück und legte sie der Güte und Fürsorge seines alten Freundes aus Herz. Dieser war ein edler, großherziger Mann und tat für das freundlose, verwaiste Mädchen, was er nur für eine Tochter hätte tun können. Er ließ ihr die beste Erziehung angedeihen und beabsichtigte auch, sie standesgemäß auszustatten."
„Lebte sie hier auf Stratfield?" fragte der junge Mann.
„Ja, sie wurde als kleines, vierjähriges Mädchen hierhergebracht. Längere Zeit war sie in der Pension. Als das Unglück sich ereignete, war sie erst seit wenigen Monaten sort."
„Aber wo befindet sie sich jetzt?" unterbrach ihn Charles.
„Das sollen Sie hören," antwortete Dr. Right. „Der Herr Baron, der ihr die Stellung wie eine eigene Tochter geben wollte, lud eine Mrs. Wilson, eine entfernte Verwandte von ihm, ein, ihren Wohnsitz in seinem Schlosse aufzuschlagen, um gewissermaßen die Stellung einer Ehrendame bei Miß Alson zu vertreten. Dieselbe folgte der Aufforderung; aber die Dame war schon lange kränklich gewesen und starb acht Monate später, nachdem sie hierher gekommen war. Miß Alson schien ihren Verlust lief zu beklagen; sie ward zart und bleich und der Baronett fing an, um ihre Gesundheit besorgt zu werden. Da der Arzt Luftveränderung vorschlug, so bat Miß Alson, eine frühere Schulfreundin, die in Wales lebte, besuchen zu dürfen. Sie war kaum zwei Monate dort, als das Unglück sich hier ereignete. Sie schrieb an mich und bat um meinen Rat. Ich erwiderte ihr, daß sie meines Erachtens am besten tue, vorläufig bei ihrer Freundin zu bleiben, bis ich die Angelegenheit hier mit Ihnen geordnet haben würde."
„Sie sagen, sie fei mittellos und heimatlos?" fragte Charles.
„®a§ ist sie in der Tat. Der Herr Baronet erzog sie zu einer verwöhnten, vornehmen Dame. Ich zweifle, daß daS arme Kind sich auf irgend welche Weise ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen im Stande wäre. DaS Schicksal ist hart mit ihr versahren."