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hersfelder Ureirblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 141.

Sonnabend, den 1. Dezember

1906"

MM" Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 28. November 1906.

Die Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher des

Uebersicht

über die im Jahre 1906 im Gemeinde- (Guts-) bezirk .... vorgekommenen Erkrankungen von Schweinen an Rotlaufseuche und die stattgefundenen Schutzimpfungen rc.

Lsde

Nr.

Gemeinde-

Guts- bezirk.

Bestand an Schweinen imGemeinde Guts- bezirk nach der Viehzählung am 1. De­zember 06.

An Rotlaufseuche erkrankten | verendeten im Gemeinde- Guts­bezirk im Jahre 1906

Schweine Schweine (Stück) | Stück

Schutzimpfl stattge

an wieviel Schweinen

ingen haben funden

mit

welchem Erfolg

Jmpfgebüh- ren waren zu zahlen pro Schwein

M. | Ps.

Die Impfung wurde ausgeführt durch wen?

Nachdem ein angemessener Betrag von Fünfzigpfennigstücken mit dem neuen Gepräge (Va Markstücken) hergestellt und dem Verkehr zugeführt worden ist, sollen die in den b i s h e r i g e n Formen geprägten Stücke eingezogen werden. Im Interesse einer beschleunigten und vollständigen Einziehung der alten Fünfzigpfennigstücke ist ihre alsbaldige Ablieferung an die öffentlichen Kassen erwünscht. Die Letzteren sind angewiesen worden, die fraglichen Münzen nicht nur in Zahlung sondern auch zur Umwechselung von jedermann anzunehmen und da­bei etwaigen Wünschen nach Umtausch gegen andere Münzen tunlichst zu entsprechen. K. 1866.

Cassel, den 20. November 1906.

Königliche Regierung. Mejer.

Hersfeld, den 28. November 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Johannes Lappe zu Kirchheim ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. 1. 9677. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Im Reichstag haben die Kolonialdebattten ihren Anfang genommen. Sie wurden von Reden des

Umbre und Hamen.

Roman nach dem Englischen von Clara R h e i n a u.

(Nachdruck verboten.)

Erstes Kapitel.

Einsam und öde war die Gegend, aber trotzdem entbehrte sie nicht einer gewissen Schönheit. Meilenweit im Umkreis war keine menschliche Behausung zu erblicken; allenthalben herrschte tiefe Stille, nur das glänzende Metall der Eisenbahn­schienen, die sich durch die grüne Landschaft schlängelten, brächte etwas Leben in diese Einförmigkeit. Die kleine Bahnstation am Wege machte einen trübseligen, verlassenen Eindruck, aus­genommen zu den Zeiten, wenn ein langer Expreßzug einige Minuten hier anhielt, um die kleine Posttasche aufzunehmen oder auch einzelne Passagiere aus den Ansiedlungen jenseits der Berge.

Nur ein Beamter und ein Junge hatten die Obhut über diese Station, aber an dem Tage, da unsere Geschichte beginnt, war der holperige Bahnsteig ungewöhnlich belebt. Seltsam aussehende Gestalten waren es, alle in eine Art dunkle Uni­form gekleidet, die, größtenteils düster vor sich hinstarrend, aus einer Bank hier Platz genommen hatten. Erst als sie aus den lauten Ruf eines Mannes, welcher der. Aufseher der ganzen Gesellschaft zu sein schien, sich in Bewegung setzten, verriet das Klirren von eisernen Ketten, daß diese ßeute Gefangene waren. Einem scharfen Beobachter wäre es aber ohnedies ein leichtes gewesen, diese Tatsache aus den meisten Gesichtern der Gefangncn heraus zu lesen, deren roher, brutaler Ausdruck höchst ab­stoßend wirkte.

Der Stationsvorsteher hatte die Gefangenen bei ihrem Aussteigen aus einem besonderen Wagen des letzten Expreß- zuges mißtrauisch beobachtet.

Scheint mir kaum sicher, solche Kerle mit nur zwei Wärtern durch daS Land zu schicken," murmelte er vor sich hin. Aber er wagte nicht, seine Befürchtung bei einem der Aufseher aus- zusprechen. Er sah, daß beide tüchtige wohlbewaffnete Männer waren und ein Blick auf die Ketten an den Füßen der Ver-.

Kreises ersuche ich ergebenst, mir unter Verwendung des nach­stehenden Formulars bis zum 10. Dezember d. Js. bestimmt anzuzeigen:

a. den Bestand an Schweinen am 1. Dezember 1906.

b. wieviel Erkrankungen an Rotlaufseuche im Ge­meinde- (Guts-) bezirk im Laufe des Jahres 1906 vor­gekommen und wieviel Fälle davon tödlich verlaufen sind,

c. ob, und eventuell mit welchem Erfolg Schutzim­pfungen stattgefunden haben rc.

A. 4375. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Reichskanzlers Fürsten von Bülow und des neuen Kolonial- direktors Dernburg eingeleitet. Mit Ueberlegenheit und Kraft wies der Reichskanzler die gegen die Kolonialverwaltung gerichteten Angriffe zurück. Er gab die hier und da tat­sächlich zutage getretenen Mißstände unumwunden zu, wandle sich dann aber mit desto größerer Schärfe gegen das erbärm­liche Treiben der kolonialfeindlichen Kreise, die durch maß lose Entstellungen und Uebertreibungen an sich ziemlich harmloser Dinge sowie durch ungerechtfertigte Verallgemeine­rung von Einzelfällen unsere kolonialpolitik beim Volke in Mißkredit zu bringen suchen. Wie sehr unter solchem Treiben der wohlverdiente gute Ruf unserer Beamtenschaft sowie unser Ansehen im Auslande leiden müßten, liege klar auf der Hand. Sehr sympathisch berührte es ferner in der Rede des Reichskanzlers, daß er die Kolonialpolitik Bismarcks auch für die Folgezeit als nachahmenswertes Muster anerkannte. Endlich sei noch die Erklärung erwähnt, daß die verbündeten Regierungen auch in Zukunft an der Errichtung eines selbständigen Kolonialamtes festhielten. Nach der Rede der Reichskanzlers fand das erste parlamen­tarische Debüt des neuen Kolonialdirektor« Dernburg statt. Er stellte fest, daß einige mißliebige LieferungSverträge der Kolonialverwaltung bereits gelöst sein, und entwickelte so­dann mit Geschick sein kolonialpolitisches Programm, dar den Beifall der Mehrheit des Hause« fand. Hoffen und wünschen wir, daß e» Herrn Verbürg gelingen möge, unsere Kolonialpolitik in ein klippenfreieS Fahrwasser zu steuern.

brecher beruhigte ihn vollends. Wenn es auch sieben gegen zwei waren so mußten die letzteren bei einem etwaigen Kampfe doch sicher die Oberhand gewinnen.

Während der Stationsvorsteher in seinem kleinen Bureau saß und eifrig Einträge in seine Bücher machte, wandten sich seine Augen stets unwillkürlich wieder der Reihe düsterer Ge­sichter draußen zu und er sehnte den nächsten Zug herbei, der diese unheimlichen Passagiere mit fortnehmen werde. Er halte gehört, daß ein ansteckendes Fieber in ihrem bisherigen Ge­fängnis ausgebrochen sei unb daß sie nun in ein anderes Haftlokal überführt würden.

Sehen mir nicht aus, als ob das Fieber ihnen etwas anhaben könne," brummte der Stationsvorsteher Sam Bury, ein braver Mann, der vor vielen Jahren seine nordenglische Heimat verlassen, um in der neuen Welt in Kanada sein Glück zu probieren. Noch hatte er keine Reichtümer gesammelt, aber er murrte niemals, denn er verdiente genug für seine be­scheidenen Lebensansprüche. Wenn auch sein Herz sich manch­mal nach der trauten Heimat sehnte, so hatte er doch das schöne, wilde Land lieben gelernt, in dem er eine zweite Hei­mat gesunden.

Um die Mittagsstunde schickte er sich an, sein einfaches Mahl einzunehmen, aber es wollte ihm heute gar nicht schmecken. Diese Reihe von Elenden schien ihm den Appetit zu verderben.

Wie kann ich essen," sagte er sich,wenn jene vielleicht stundenlang keinen Bissen über die Lippen gebracht haben. Da ist einer unter ihnen," grübelte er weiter,der sieht recht niedergedrückt aus. Kein böses Gesicht, muß einst schön ge­wesen sein; auf alle Fälle gleicht er feinen Genossen nicht im mindesten "

Der fragliche Mann saß regungslos mit verschlungenen Händen, den Blick inS Leere gerichtet, am Ende der Reihe. Er war schlank und von feinerem Körperbau als die übrigen; aus seinen Zügen sprach hoffnungslose Trauer, aber nichts Boshaftes und Brutales lag darin. Um seine Gefährten kümmerte er sich nicht, allein zwischen diesen schien, wie der Stationsvorsteher deutlich bemerkte, eine Art Augcnsprache ge­führt zu werden.

Wieder durchzuckte ihn der Gedanke an eine drohende Ge­

In O e st e r r e i ch < U n g a r n ist die Frage der W a h l - reform gegenwärtig bei der Beratung der Wahlkreisein­teilung für Böhmen, Mähren und Schlesien angelangt. E» ist diese Einteilung eines der Fundamentalstücke der geplanten Wahlreform. Demgemäß hat denn auch der Ministerpräsi­dent Freiherr von Beck erklärt, daß die Regierung unbe­dingt an dem vom Ausschuß beschlossenen Kompromiß fest» halten werde. Von allen Beschlüssen in der Wahlreform erreiche keiner annähernd die Bedeutung dieses Kompro­misses, welche» gewissermaßen das Fundament des ganzen Aufbaue« sei und die Last desselben trage. Wer hieran rühre, rühre an der Wahlreform selber, rühre an dem Schick­sal de« Reiches, dessen Los aufs engste mit dem Gesetze verknüpft sei. Der Ministerpräsident bat schließlich alle Parteien, in diesem ernsten Stadium der Beratung der Vor­lage aus dem mit ebensoviel politischer Einsicht als Ent­schlossenheit beschrittenen Wege nicht zu erlahmen und das Werk bis zum Ende fortzusetzen. Im Interesse einer ruhigen und gedeihlichen Fortentwickelung des benachbarten Donau­reiches wäre dringend zu wünschen, daß diese Bitte ein willige« Gehör und eingehende Beachtung finden möchte.

In B e l g i e n beginnen sich die gesetzgeberischen Faktoren mit der Zukunft des Kongostaate» ernstlich zu beschäftigen. Den Anstoß hierzu hat die Antwort gegeben, die der eng­lische Staatssekretär des Auswärtigen Sir Eduard Grey einer au« Vertretern von Liverpool, Manchester, Newkastle und Glasgow bestehenden Abordnung gegeben hat und in der er für den Fall der nochmaligen Ablehnung einer neuen Kongokonferenz und der Nichtübernahme des Kongostaates durch Belgien die Absicht einer selbständigen Intervention Englands durchblicken ließ. Die Besorgnisse, die hiervurch in den Kreisen der belgischen Politiker erregt worden sind, kamen bei den Verhandlungen über die Kongofrage in der belgischen Kammer deutlich zum Ausdrucks. Deutschland steht der Kongofrage mit ruhiger Objektivität gegenüber, und die Versuche der Auslandspresse, uns in diese Angelegenheit zu verwickeln, sind nichts als das Erzeugnis politischer Gift­mischerei, um das deutsche Reich mit anderen Mächten zu verhetzen.

In I t a l i e n ist das Parlament nach einer Pause von viereinhalb Monaten wieder zusammengetreten. Man darf gespannt sein, wie sich die Lage des Kabinetts Giolilti in der bevorstehenden Session gestalten wird, und ob der Minister« Präsident imstande sein wird, die vorhandene Kammermehr- Heit zusammenzuhalten und damit auch seinem dritten Kabinett eine weitere Lebensdauer zu sichern. Der lebhafte Beifall, den in der Eröffnungssitzung das feste und entschiedene Auf­treten Giolitti« gegenüber den obstruierenden Zollbeamten in Genua gefunden hat, darf wohl als ein Zeichen von günstiger Vorbedeutung aufgefaßt werden.

Seitens Frankreichs und Spanien» hat eine Entsendung von Kriegsschiffen mit Landung-mannschaften nach den marokkanischen Gewässern stattgefunden. Angeblich

fahr, und noch während dieser Gedanke eine bestimmte Form annnahm, sprang er aus die Füße. Laute mißtönende Stimmen, brutale Schreie schallten plötzlich durch die stille Sommerlust. Die beiden Wärter waren von allen Seiten von den Ge­fangenen umzingelt. Der Angriff war so rasch, so unerwartet gekommen, daß sie sich ihrer Waffen beraubt sahen, ehe sie Zeit hatten, Gebrauch davon zu machen.

Ohne Zögern eilte der Beamte den Bedrängten zu Hilfe. Vor seinen Augen bewegte sich alles wie eine schreckliche, wirre Masse. Trotzdem bemerfte er augenblicklich, daß der Gefangene der feine besondere Aufmerksamkeit erregt hatte, sich nicht an dem Ueberfall beteiligte. Er stand wie geistesabwesend an den Schuppen angelehnt, aber plötzlich schien er aus feiner Träumerei zu erwachen. Der SchmerzcnSschrei eines Wärters rief ihn in die rauhe Wirklichkeit zurück. Trotz dem schweren Gewichte an seinen Knöcheln stürzte er sich rasch wie der Blitz in die kämpsende Menge und riß mit fast übermenschlicher Kraft den am Boden liegenden Mann in die Höhe, den die Rasenden erdrosseln wollten.

Nein, Ihr sollt ihn nicht morden!" rief er in gebiete­rischem Tone.Er hat Euch kein Leid zugefügt! WaS wollt Ihr? Eure Freiheit? Gut; fliehet so lange es möglich ist, aber befleckt Eure Hände nicht mit unschuldigem Blut!"

Seine Rede entfesselte ein wahres Gebrüll, das halb drohend, halb beifällig klang. Den Stationsvorsteher bangte einige Minuten für den kühnen Sprecher, aber die tobende Bande erkannte plötzlich die Vernünftigkeit feiner Worte. Da sie die Wärter ihrer Schlüssel und Waffen beraubt hatten, konnten sie sich mit Leichtigkeit ihrer Ketten entledigen und in unglaublich kurzer Zeit war der Bahnsteig von ihrer unheim­lichen Gegenwart befreit. Nur einer, der mit eigener Lebens­gefahr einen Mord verhütet hatte, war zurückgeblieben.

Der Bahnverwalter bemühte sich, dem jüngeren der beiden Wärter, der besser davongekommen war als sein Gefährte, aber infolge des Schreckens besinnungslos am Boden lag, etwas frisches Wasser einzuflößen. Dabei blickte er voll Staunen und Bewunderung auf den Gefangenen, der noch immer neben dem Schwerverletzten kniete, um ihm jeden möglichen Beistand zu leisten.