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Herrseloer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 115.
Dienstag, den 2. Oktober
1906.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 25. September 1906.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 10. d. Mts. St. Nr. 2495 — Kreisblatt Nr. 107 — betreffend Neuwahl und Neuerueuuung der Mitglieder und Stellvertreter der Boreinschätzungskommisftonen für die Steuerjahre 1907, 1908 und 1909 erinnert.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
I. V.: Trott zu Solz, St. 2495. Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 26. September 1906.
Die nachstehende Verfügung des Herrn FinanzministerS bringe ich hiermit zur Kenntnis der Herren Bürger» Meister undGutSvorsteher, umbeiderneuen Einkommensteuer-Veranlagung für 1907 da . nach zu verfahren. St. 2434. Der Königliche Landrat.
I. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
* *
*
Berlin, C. 2, den 25. Juli 1906.
Nach § 23 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juni 1906 — @ef. S. S. 260) ist jeder, welcher für Für Zwecke seiner Haushaltung oder bet Ausübung seines Berufs oder Gewerbes andere Personen dauernd gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt, verpflichtet, über das Einkommen, sofern er den Betrag von jährlich 3000 Mk. nicht übersteigt, der mit der Aufnahme des Personenstandes betrauten Behörde auf deren Verlangen binnen» einer Frist von mindestens zwei Wochen Auskunft zu erteilen. Die Verpflichtung liegt auch den gefetzlichen^Vertretern nicht physischer Personen ob.
Zur Ausführung dieser^Bestimmung wird auf folgendes aufmerksam gemacht:
L Die AuskunstIistZder mitsder Ausnahme^deS Personenstandes betrauten Behörde, nach § 22 also dem Gemeinde- (GutS-) Vorstände und zwar diesem unmittelbar — nicht etwa jwie im Falle des § 23 Abs. 1 durch Vermittelung des GrundstücksbesttzerS — zu erteilen.
2 Voraussetzung der AuSkunftspflicht ist,»? daß Jemand zum Zwecke der Haushaltung (z. B. zur persönlichen Bedienung, zur Erziehung, zum Unterrichte der Kinder usw.), oder bei Ausübung des Beruss (als Anwalt, Arzt, Landwirt usw.) oder des Gewerbe» andere Personen dauernd gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt. Wer für solche Zwecke
Lord Luzifer.
Original-Roman von Carl Western. ■ (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Henry blickte auf und vor ihm stand — Ruth.
„Guten Morgen, Mylord 1" sagte sie ehrerbietig.
„Guten Tag, Miß!" lautete die Antwort.
Ruth hörte dem Tonfall eine Mißstimmung an, welche sie schon "gestern befremdet.
„Sind Sie nicht wohl?" fragte sie.
„Nein! — Haben Sie sich gestern gut mit Lord — Greenland unterhalten?"
„Köstlich!"
Er blickte sie an. „Köstlich? Mit einem so faden Menschen? — Sagen Sie, Miß Dean, wollen Sie ihn denn wirklich heiraten?"
Ruth stand wortlos da.
„Sie gaben ihm doch diese Schleife?" fuhr er fort. Er zog sie hervor und warf sie zur Erde.
„Wie, Mylord?"
„Wenn Sie ihn denn durchaus wollen — meinetwegen!"
Er drehte sich um und wollte gehen. Ruth aber, kreideweiß im Gesicht, rief:
„Ein Wort noch, Mylord!"
„Was beliebt?" fragte er eiskalt.
„Ich bitte um meine kontraktmäßige Entlassung zu — Michaelsmeß I"
„Ah, ich dachte zur — Hochzeit!"
„Mylord," entgegnete sie ernst, „Sie haben kein Recht, mich zu beleidigen."
„Ist es nicht Ihre Schleife?" gab er höhnend zurück.
Aber jetzt war auch Ruths Ruhe dahin.
„Ich bin Ihnen darüber keine Rechenschaft schuldig", sagte sie stolz.
Damit ging sie ins Schloß, Henry aber stampfte den Kies mit dem Fuß und murrte:
„Alle Wetter, da hat mir der Jähzorn wieder einen schönen
nicht ständig, sondern vorübergehend Gehilfen annimmt, ist zur Auskunft nicht verpflichtet. Auf die Dauer des VertragSverhältniffeS mit dem einzelnen Arbeiter oder An» gestellten kommt es aber zur Begründung der AuSkunftspflicht nicht an.
3. Die AuSkunftspflicht erstreckt stch auf die zur Zeit der Anfrage tatsächlich beschäftigten Personen, insoweit Lohn oder Gehalt — einschließlich des Geldwertes der Naturalbezüge (Wohnung, Verpflegung usw.) — den Jahresbetrag von 3000 Mk. nicht übersteigt. Ausgeschloffen von der AuSkunftspflicht bleibt jedes Einkommen, welches den Arbeitern oder Angestellten aus irgend welcher anderen Einkommensquelle zufließt oder welches ste — wenn auch in dem für die Veranlagung maßgebenden Zeitraum — an einer früheren Arbeitsstelle bezogen haben.
4. Die Anfragen sind von dem Gemeinde- (Guts-) vor- stande so zeitig zustellen, daß die Auskunft bei der Worein- schätzung verwendet ^werden kann. Sie haben in jedem Falle durch besondere an die Arbeitgeber zu richtende, ver= schloffen« Schreiben zu erfolgen.
5. Von der Befugnis zur Anfrage ist nur Gebrauch zu machen, soweit es zur Vorbereitung einer sachgemäßen Veranlagung erforderlich ist. Insoweit über das Einkommen der Arbeitnehmer ohnehin ausreichende Unterlagen vorhanden find, wie es beispielsweise in der Regel für die zu Haushaltungszwecken angenommenen Personen und für die in kleineren gewerblichen Betrieben beschäftigten Gehilfen zutreffen wird, ist von der Befragung Abstand zu nehmen.
6. Die Anfragen haben in möglichst entgegenkommender und einfacher Form zu erfolgen. Mit dem Inhaber größerer Betriebe wird es stch empfehlen, Vereinbarungen über Zeit und Form der AuSku«f1erUilung zu treffen.
7. Die Vorschriften im § 36 Abs. 6 und § 40 Abs. 3 werden durch den § 23 Abs. 3 nicht berührt und bleiben unverändert in Kraft.
Der Finanzminister. I. A. gez. H e i n k e.
Hersfeld, den 26. September 1906.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Justus Stiebeling zu Willingshain ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 7693. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
HerSfeld, den 27. September 1906.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Johann Jakob Sunkel in Reilos ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 7747. Der Königliche Landral.
3. 8.:
Thamer.
Streich gespielt. Nun ist alles verloren!"
Er beschied Hast zu sich. Der fand ihn kalt und abweisend : „Packen," sagte er kurz, „wir reisen nach London 1"
„Gut, Sidi!" Er verschwand.
Richard hatte vom Bibliothekzimmer aus alles im Garten Geschehene mit angesehen; er rieb sich die Hände vor Vergnügen und stachelte Henry durch allerlei Bemerkungen noch mehr aus, bis dieser sagte:
„Ich reise noch heute für längere Zeit nach London!"
„Sehr vernünftig, Henry!"
„Wieso?"
„Du willst doch Deinen Sitz im Hause derLords einnehmen ?" „Allerdings!"
„Und natürlich als Wigh?"
„Ganz gewiß!"
„Habe ich mir alles gedacht."
„Ei sieh!"
„Ach, es war ja so natürlich. Glaubtest Du denn, daß jene dort — er wies nach Ruths Zimmern — Dich genommen hätte? Weiber sind Weiber und Lord Greenland —"
Hier unterbrach ihn Henry: „Schweigst Du endlich?"
Richard ging hierauf ohne ein Wort> davon. — Nun mußte Hast noch Mr. Mulloch holen.
„Herr Pfarrer," redete Henry bittend zu dem Geistlichen, „ich reise nach London; ich bleibe vielleicht wochenlang fort; seien Sie Miß Deans Rat und Beistand in allen Fragen und Selimas Vater! Sie sind ein ehrlicher Mann und besitzen mein Vertrauen. — Versprechen Sie mir, über alles zu schreiben?
— Hier ist meine Adresse!"
Der Pastor war überrascht, aber er versprach, der Bitte in seiner Weise gerecht zu werden. Nun nahm der Lord Abschied. An Ruth ließ er ein Schreiben zurück.
„Verzeihen, Sie, Miß, wenn ich zu hestig war, ich meinte es gut. Seien Sie Selima, die ich grüßen lasse, eine Mutter und leben Sie wohl. In allen schwierigen Fragen wenden Sie sich nur an Mr. Mulloch; er weiß bereits nun alles. Leben Sie wohl! Lord Henry Balmore."
Als Ruth den Brief las, rollte der Wagen mit dem Schreiber desselben zum Schloßtor hinaus nach der Bahnstelle,
Saatenstand um die Mitte des Monates September 1906 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen
noten
Staat
für den
Reg.-Bez.
Gaffel
1
3
2
Noten CO 1 , "^
‘II
5
13
1
Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer . . Kartoffeln .
2,8
2,0
6
Klee . . .
2,5
2,2
2
1
3
Luzerne. .
2,4
2,3
1
Wiesen: Bewässerungs-
2,3
2,0
2
1
2
Andere
2,7
2,2
2
3
1
Königliches
kaustisches Bureau.
Dr. B
len
Gefundene Gegenstände:
Eine Peitsche. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Gittersdorf.
nichtamtlicher CeiL 3
Kille slWW-eiMe WUrÄmnim.
In dem französtschen Blatt „Eclair" wird hartnäckig behauptet, daß der Abschluß einer Militär-Konvention zwischen Frankreich und England im Werke und schon ab- geschloflen sei. Der bekannte Publizist und Redakteur des „Eclair", Ernest Judet, kommt immer wieder auf die Sache zurück, obgleich stch die übrige Pariser Presse in Schweigen hüllt und die englijch'offiziöse „Tribune" in London Zweifel an der Umwandlung der bestehenden Entente cordiale in ein Militärbündnis geäußert hat. In den Judetschen Artikeln kommt mehr Besorgnis als Genugtuung über ein zu enges Verhältnis zu England zum Ausdruck, und die Besorgnis stützt stch auf geschichtliche Erfahrungen, die zeigen, daß der weit größere Vorteil einer französisch-englischen Waffenbrüderschaft, z. B. im Krimkriege, auf der englischen Seite und die größeren Leistungen und Lasten auf der französtschen Seite waren.
Es lassen stch ebenso viel Gründe gegen wie für das
III.
Luzifers Fall.
Der Herbst zog ins Land und färbte die Blätter bunt. Auf Balmore-Castle war es sehr öde, denn Lord Henry wohnte noch in London. Die Zeitungen brachten oft genug seinen Namen, denn er war schnell ein Hauptredner seiner Partei, der regierungsfreundlichen, geworden.
Ruth gedachte seiner längst nicht mehr mit Zorn, besonders feit der Zeit, da Selima ihr verraten, wo das ihr geschenkte Aquarellbild, welches sie selbst, die Gouvernante, darstellte, nur allein geblieben sein könnte. Beide waren darin einig, der Onkel müsse es heimlich mit nach London genommen haben. — Wie Schuppen fiel es nun von ihren Augen: sein Benehmen war der Eifersucht auf Lord Greenland entsprungen.
Da suchte sie Pfarrer Mulloch auf. Sie hatte eine lange Unterredung mit demselben; dieses Gespräch blieb Geheimnis, aber Miß Dean verließ das Schloß nicht, vielmehr hatte sie die Kündigung ihrer Stellung zurückgezogen.
Richard Duffon, dem ihr beabsichtigtes Scheiden von Balmore-Castle kein Geheimnis geblieben war, konnte seinen Aerger darüber trotz seiner Meisterschaft in der Verstellungskunst kaum verbergen.
Ruth hatte während des Sommers mit Selima die Pflanzenkunde begonnen. Ganze Nachmittage brachten die beiden in den Feldern, Wäldern und im Steinbruch zu, in welchem letzter« besonders seltene Pflanzen vorkamen.
So hatten eines Tages die beiden Unzertrennlichen auch einen beschwerlichen Weg in den Steinbruch angetreten, der seit Wochen schon von den Arbeitern verlassen war. Merkwürdig war es, daß sich Richard Duffon auch seit einiger Zeit aus der Höhe des Bruches, wo Blöcke von beträchtlicher Größe lagerten, zu schaffen gemacht hatte. An diesem Tage verließ er das Schloß früher als Ruth und ihre Schülerin und erreichte die Höhe des Bruches auf Umwegen. Ruth und Selima suchten in der Tiefe nach einer Chrysosplenium- Art, die Selima kennen lernen sollte. — Da sauste plötzlich mit Lawinengeschwindigkeit etwas haarscharf an ihnen vorbei* schneidend hinab und ein donnerndes Krachen folgte in weiterer