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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 147.

Sonnabend, den 15* Dezember

1906

sr Die heutige Nummer umfaßt 12 Seite«.____________________________

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Reichstigsviijl itirtjftiiil.

Hersfeld, den 14. Dezember 1906,

Nachdem durch Kaiserliche Botschaft der Reichstag aufge­löst worden ist, hat der Herr Minister des Innern durch Er­laß vom 13. d. Mts. angeordnet, daß die Wählerlisten für die bevorstehende Reichstagswahl überall sofort aufzu - stellen sind und ihre Auslegung am

28. Dezember d. 3s. zu beginnen hat.

Den Herren Bürgermeistern und Gutsbezirksvorstehern werden in den nächsten Tagen die Formulare zu den Wähler­listen durch die L. Funksche Buchdruckerei hier, welche mit deren Herstellung beauftragt worden ist, zugehen.

Sofort nach Empfang dieser Formulare ist mit der Aus­stellung der Wählerliste zu beginnen.

Zu diesem Zweck sind sämtliche Wahlberech­tigte, welche in der Gemeinde bezw. dem Gutsbezirk ihren Wohnsitz haben, in alphabetischer Ordnung in die Liste einzutragen.

Die Wählerlisten sind in zweifacher Ausfertigung aufzustellen.

Bis zum 2 4. Dezember er. wollen die Herren Bür- germeister und Gutsbezirksvorsteher mir unerinnert an­zeigen, daß die Wählerlisten in zweifacher Ausfertigung ordnungsmäßig ausgestellt sind.

Zur Beachtung bei Aufstellung der Wählerlisten hebe ich folgende Bestimmungen aus dem Wahlgesetze für den Reichs­tag vom 31. Mai 1869 hervor:

1. Wähler für den Reichstag ist jeder Deutsche, welcher bis zum Wahltage das 25. Lebensjahr zu­rück g e l e g t hat, in dem Bundesstaate, in welchem er seinen Wohnsitz hat.

2. für Personen des Soldatenstandes, des Heeres und der Marine ruht die Berechtigung zum Wählen so lange, als die­selben bei der Fahne sich befinden.

3. Bon der Berechtigung zum Wählen sind ausgeschlossen:

a. Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratel stehen,

b. Personen, über deren Vermögen der Konkurs gerichtlich eröffnet ist, und zwar während der Dauer des Konkurs­verfahrens,

c. Personen, welche eine Armenunterstützung aus öffent­lichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im letzten, der Wahl vorangegangenen Jahr bezogen haben,

d. Personen, denen in Folge rechtskräftigen Erkenntnisses der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist, für die Zeit der Entziehung, sofern sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind. Ist der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte wegen politischer Vergehen oder Verbrechen entzogen, so tritt die Berechtigung zum Wählen wieder ein, sobald die außerdem erkannte Strafe vollstreckt oder durch Begnadigung erlassen ist.

L 10170. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 11. Dezeinber 1906.

Am 8 Dezember d. Js. wurden von der zuständigen Körungskommission je ein Bulle des Landwirts Andreas Orth zu Asbach und des Landwirts Valentin Grenzebach zu Kerspenhausen, lVa Jahre alt, gelbschäckig, Simmentaler, nachträglich besichtigt und als Zuchtbullen für tauglich befunden. I. 10061. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 12. Dezember 1906.

Die Herren Bürgermeister und die Vorsitzenden der VoreinschätzungS-Kommissionen,, die noch mit der Einreichung der Vvreinschätzungsarbeitcn im Rückstände sind, ersuche ich um sofortige Einreichung derselben.

Teilweise sind die alten Listen (für 1906) nicht mitein- gesandt. Auch diese sind sofort einzureichen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission

von Grunelius.

Hersseld, den 12; Dezember 1906.

Unter den Schafen des Bürgermeisters Sinning in Ober- hülsa und des Landwirts Valentin Fischer zu Steindors (Kreis Homberg) ist die Räudekrankheit ausgebrochen.

L 10101. Der Königliche Landrat

v o n G r u n e l i u s.

Hersseld, den 12. Dezember 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Postagenten Johannes Gutheil in Obergeis ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 10110. Der Königliche Landrat

von Gr un el ius.

Königliche Fachschule für die Kleineisen- und Stahlwaren. Industrie zu Schmalkalden.

Die Anstalt beginnt Ostern 1907 einen neuen Unterrichts­kursus und nimmt hierzu neue Schüler auf.

Sie bietet befähigten jungen Leuten Gelegenheit, in Musterwerkstätten eine sorgfältige und vielseitige, der modernen Technik entsprechende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverarbeitung unter besonderer Berücksichtigung der Werk­zeugschlosserei zu erlangen und durch einen geordneten Unter­richt jene zeichnerischen, fachtheoretischen und wirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebes für zukünftige Vorarbeiter und Werk­meister oder für selbständige Gewerbetreibende in der Metall- waren- und Werkzeugindustrie unbedingt erforderlich sind.

Auch solche junge Leute, die später die Stellung eines Maschinentechnikers, technischen Betriebsbeamten, oder Kauf­mannes in der Metallindnstrie einnehmen wollen, können sich in der Anstalt eine gute praktische und wissenschaftliche Vor­bildung erwerben. Aufnahmefähig sind junge Leute mit guter Elementarschulbildung nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Tätigkeit ist erwünscht aber nicht Bedingung. Die Kursusdauer beträgt mindestens 2 Jahre. Absolventen, welche die Reifeprüfung abgelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit. Minder bemittelten und würdigen Schülern preußischer Staatsangehörigkeit können Stipendien gewährt werden. Nähere Auskunft giebt das Programm der Anstalt, welches auf Ver­langen von dem Unterzeichneten unentgeltlich versandt wird

Der Direktor der Königl. Fachschule. Beil.

nichtamtlicher Ceil.

Reichstag.

Die im Reichstage am Dienstag und Mittwoch statt- gefundene Jnterpellationsdebatte über die Fleischnot hat nicht» sonderlich neues gezeitigt. Was speziell die Stellung der Reichrregierung und der preußischen Regierung zur Fleischnotfrage anbelangt, so haben beide ihre bisherige Stellung in der Fleischnotsrage im Prinzip nicht geändert, wie die« aus den Erklärungen bes Staatssekretär» Grafen Posadowsky und des neuen preußischen Landwirtschafts­minister« von Arnim-Kriewen genugsam hervorging. ES ist weder an eine erweiterte Oeffnung der Reichtgrenzen für die Schlachtvieheinfuhr noch an eine Ermäßigung der Fletsch- und Viehzöll, zu denken, lediglich durch allerlei kleine Mittel soll versucht werden, die herrschende Fleischnot zu bekämpfen. Nebligen» wurde die Fleischnotdebatte auch in der Mittwochsitzung noch nicht vollständig beendigt. 6s sprachen im Sinne der RegierungSauffassung die Abgeord­neten v. Schwerin-Löwitz (kons.) und Gamp (Reichsp.), auch der nationalliberale Abgeordnete Paasche behandelte baS Fleischnotthema vorwiegend vom Standpunkte der Agrarpolititer aus, während der Pole Korfanty wenigstens für Oderschlesien die Einfuhr russischer Schweine dringend forderte. Abgeordneter Gothein von der freisinnigen Ver. einigung äußerte sich im Sinne der Fleischnotinterpellationen der Linken, Staat-sekretär Graf Posadowsky verteidigte nochmal» den Standpunkt der verbündeten Regierungen

Die Sitzung vom Donnerstag hat eine große Ueber raschung gebracht. Da der Reichstag mit 178 gegen 168 Stimmen den Nachtragsetat für Südwestafrika ablehnte, verlaß der Reichskanzler eine kaiserliche Botschaft, welche ^en R eich « tag iür aufgelöst erklärt.

Aiißösiiii« des Atiijstsits.

Nach der gestrigen Abstimmung im Reichstage, welche den Nachtragsetat für Deutsch-Südwestafrika ablehnte, erklärte der Reichskanzler Fürst Bülow, daß der Reichstag aufgelöst sei.

Der Reichskanzler hat also keinen Augenblick gezögert, das ihm fälschlich in den Mund gelegte Wort:Nur keine innern Krisen" dnrch die Tat zu dementieren, sobald es notwendig ist, d. h. sobald das Zentrum zusammen mit der Sozialde- mofratie Miene machte, in einer nationalen Frage zu versagen.

Der Nachtragsetat für die Kolonien fordert 29 Millionen Mark für die Fcldtrnppe in Südwestafrika. Die Forderung war bereits in der Budgetkommission durch die Haltung des Zentrums zu Falle gekommen. Entgegen den übereinstimmen­den Urteilen aller Sachverständigen, die dringend vor einer verfrühten Einstellung des Feldzuges warnen, weil sie uns die ganze Kolonie kosten und auch die Eingeborenen in den neu­eren afrikanischen Kolonien zu Aufständen r izen könnte, will das Zentrum im voraus eine Verminderung der Truppen bis aus 2500 Mann für das nächste Etatsjahr'gesetzlich festgelegt sehen.

Es heißt, das Zentrum wolle damit Vergeltung üben für die scharfe Abwehr, die der Ko onialdirektor Dernburg unter ausdrücklichster Billigung des Fürsten Bülow gegen die frü­heren Einmischungsversuche von Zentrumsabgeordneten in den inneren Kolonialdienst und die Beamtenorganisation gerichtet hatte. Jedenfalls handelt es sich hier um eine Angelegenheit, in der es für die Regierung kein Markten und Paktieren geben kann. Es ist eine Jämmerlichkeit, wenn das deutsche Reich, nachdem es so viel Blut und Gut für die Erhaltung von Südwestafrika aufgewandt hat, durch Knauserei am Ende, durch parlamentarische Einmischung in einen Kriegszustand alles wieder aufs Spiel setzen sollte. Wir haben die Sache angefangen, wir müssen sie auch durchhalten. Unser ganzes Ansehen, unsere Stellung in der Welt wird von solchem Kleinmut empfindlich berührt werden.

Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt in einer Sonderausgabe: Der Reichstag ist der Auflösung verfallen, weil die Mehrheit den verbündeten Regierungen die Mittel zur Erfüllung einer nationalen Aufgabe versagt hat. Durch die Ablehnung der für die Zukunft Südwestafrikas unerläßlichen Forderungen ist Deutschlands Stellung in der Welt empfindlich getroffen. Sache des deutschen Volkes ist es, darauf Antwort zu geben. Schwer genug wiegt schon, was im nationalen Besitzstand Südwestafrika durch sich selbst bedeutet, was es uns geworden ist durch das Blut ermordeter Männer und Frauen, durch schwere hingebungsvolle Kämpfe der Truppen, durch Leiden und Heldentod so vieler Braven und was es uns nach dem Urteil vieler Kenner des Landes wirtschaft­lich noch werden kann; in dem Augenblick, wo über der Zu­kunft dieses so teuer erkauften Schutzgebietes günstigere Sterne aufgehen, die von Sachverständigen unentbehrlich gehaltenen Streitkräfte verringern, heißt,' die kaum gesicherte Kolonie neuen Gefahren aussetzen und endgiltig dem südwestafrikanischen Besitz von vornherein daS Rückgrat brechen. Es handelt sich aber nicht blos um Südwestafrika, wie wir dort durchhalten. Ob wir mit Opferwilligkeit vorgehen, oder nach kaum erreichter Beseitigung von großen Gesahren wieder ermatten, ist bei der heutigen politischen Gesamtlage und bei dem Wettbewerb im überseeischen Wettkampf ein Prüfstein geworden, ob Deutsch­land überhaupt der Entwickelung aus einem europäischen Großstaat zur Weltmacht sähig ist.

Unter unseren Augen vollzieht sich von verschiedenen Seiten her ein kraftvolles Ausgreifen auf die von der Kultur noch nicht erschlossenen Gebiete. Wir erleben als Zeitgenossen den Ausschwung des britischen, amerikanischen und japanischen Imperialismus, Frankreich gründet ohne Zaudern und Knau­sern ein riesiges Kolonialreich in Afrika, und Deutschland soll nicht einmal das Erworbene energisch behaupten und ver­werten können? Für die verbündeten Regierungen und für den Reichskanzler gab es in dieser Frage kein Paktieren. Nachdem die Mehrheit des Reichstages einen ablehnenden Beschluß gefaßt hat, gegen die Minderheit, in der die Rechte, die Nationalliberalen und die bürgerliche Linke zusammenstanden, macht Fürst Bülow noch einmal das Haus auf die schweren Konsequenzen aufmerksam. Freimütig erklärt er, daß hier nicht der Kampi zwischen parlamentarischem und persönlichem Willen geführt wird, sondern daß es eine selbstverständliche Pflicht der verbündeten Regierungen ist, nur einen geraden Weg zu gehen.Niemand drängt mich, niemand schiebt mich." Wenn Sie wollen, so haben Sie die Krisis. Trotz des Ernstes dieser Ansage blieb die aus Zentrnm und Sozialdemokraten bestehende Mehrheit in dieser dem deutschen Volke an Herz und Ehre gehenden Sache bei ihrer kleinmütigen verbissenen Haltung.

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag hätte heute, an dem Tage feinet Auf­lösung, eigentlich in die Weihnachtr-Ferien gehen sollen. Leider ist die Ausbeute an positiver Arbeit, die von der deutschen Volksvertretung seit ihrem Wiederzusammentritt geleistet worden ist, nicht eben groß zu nennen. Nur ein einziger Gesetzentwurf, durch den zum Zwecke der Förderung des Bauhandw-'lks verschiedene Abänderungen der Gewerbe» ordnung getroffen werden, ist bisher unter Dach und Fach gebracht worden. Sehr viel Zeit wurde mit allerlei Jnter» pellattonen, die sich förmlich jagten, hingebracht. Da gab es Interpellationen über die auswärtige Politik, über den polnischen Echulstreik, Über Fleischnot u s. w. Die be> merkenswertesten Verhandlungen aber waren wohl diejenigen Über koloniale Angelegenheiten.

Man könnte trotz der Geringfügigkeit positiver Leistungen dennoch mit dem Gefühl einer gewissen Befriedigung auf den letzten SesstonSabschnitt im Reiche blicken, wenn nicht zuguterletzt noch ein schriller Mißklang dieses Gefühl ver­nichtet hätte. Die B u d g e t k o m m i s s t o n des Reichs­tages h>t nämlich mit großer Mehrheit den NachtragSetat, durch den 29 Millionen Mark für Südwestafrika gefordert werden, ebenso sämtliche dazu eingebrachten Anträge und Resoluttonen abgelehnt. Die Regierung sieht sich dadurch in die größte Verlegenheit versetzt. Richt nur die Mittel zum Bahnbau werden ihr verweigert, sondern auch die Mittel zur Fortführung der Kriege»; zudem handelt er sich