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Hersfelder UreiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 149. Donnerstag, den 30. Dezember 1906.

Amtlicher teil.

Cassel, den 23. November 1906.

Bei den nach Artikel 78 II 6 der Anweisung vom 6. Juli 1900 beziehungsweise Artikel 86 II 8 der Anweisung vom 25 Juli 1906 durch den Verzug

a. eines Preußen nach einem anderen deutschen Staate oder einem deutschen Schutzgebiet pp.;

b. eines nicht preußischen Staatsangehörigen aus Preußen, an der veranlagten Steuer im Laufe des Jahres entstehenden Abgängen ist zur Begründung des Abganges s est z u st el l en und in der Kontrolle, sowie in der Abgangsliste anzu- geben und zwar zu

a. der Monat, in welchem, und der Ort, wo der neue Wohnsitz genommen ist, (vergl. den Erlaß vom 16. Au­gust 1904)

b. der Monat in welchem das preußische Staatsgebiet ver­lassen ist, sowie die Staatsangehörigkeit des bisherigen Steuerpflichtigen. (Vergl. den Erlaß vom 16. August 1904 Anhang Nr. 1 zur Anweisung vom 25. Juli 1906 III. Teil).

Ueber diese Angaben sind künftig den Abgangslisten 1 und 2 die Schriftstücke, durch welche diese Tatsachen sestgestellt sind, als Nachweise beizufügen. Die Abgangsstellung der Steuerbeträge, von den dieser Art verzogenen Steuerpflichtigen hat nach den geltenden Vorschriften von dem Ersten des Monats, welcher auf das den Abgang begründende Ereignis folgt, zu geschehen. Unvollständig oder gar nicht belegte Ab­gangsstellungen der gedachten Art würden wir bei Prüfung der Abgangslisten zunächst streichen müssen und die Nach­lieferung der Nachweise zur Feststellung der Abgänge fordern. Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten A. I. V.: G r a f S o l in s.

An die Herren Vorsitzenden der Einkommensteuer-Veranlagungs- kommissionen des Regierungsbezirks. (C. E. Nr. 2355.)

* * *

Hersfeld, den 11. Dezember 1906.

Diese Verfügung bringe ich den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern zur Kenntnis und ersuche, in Zukunft danach zu verfahren.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer» Veranlagungs-Lommission

St. 3133. von GruneliuS.

Hersfeld, den 10. Dezember 1906.

Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat durch Erlaß vom 31. August d. Js., abgedruckt in Nr. 53 des Eisenbahnverordnungsblattes, Grundsätze für die Ausstellung von Entwürfen und die Ausführung von Dienst- und Miet- wohnhäusern für Arbeiter, untere und mittlere Beamte, nebst Anweisung zur Herstellung und Einrichtung von Küchenstuben eingeführt.

Im Interesse einer allgemeinen Verbesserung des Wohnungs­wesen ist es erwünscht, daß von diesen Grundsätzen und den ihnen beigefügten Entwürfen möglichst weite Kreise Kenntnis erhalten und daraus Nutzen ziehen.

Die Herrn Bauunternehmer und Bauhandwerker des Kreises verfehle ich nicht hierauf mit dem Hinzufügen aufmerksam zu machen, daß Abdrücke des gedachten Erlasses von der Verlags­firma Carl Heymann in Berlin W. Mauerstraße 43/44 bezogen werden können.

I. 9767. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Zinn wahlkainpf.

Mit Ausnahme der beiden konservativen Fraktionen sind die Parteien bereit« mit ihren Wahlaufrufen hervorgetreten. Der sozialdemokratische Parteivorstand gibt seinen Agitatoren in einer langen Kundgebung einen Haufen verlogener Echlagworte an die Hand und predigt im selben Atem Kampf mitsachlichen" Mitteln I Dar Zentrum tritt vor die Wähler al« da« Lamm, das kein Wässerchen getrübt hat, und will vergessen machen, daß da» Zentrum aus ganz unsachlichen Gründen eine Machtprobe bet Behandlung einer nationalen Angelegenheit veranstalten wollte. Da« hat ja der Abg. Erzberger ohne Rücksicht auf die feinere Taktik der Parteistrategen ungeniert auSgeplaudert, al» er versicherte, daß da» Zentrum e» auf die Auflösung an, kommen lassen wollte.

Die Kaiserliche Ordre war bekanntlich aus Bückeburg datiert, und derselbe Herr Erzberger erklärte: Nach Bücke- bürg gehn wir nicht. Da« steht au» wie ein Witz, ist aber ein wohlberfchnete« Wahlschlagwort. Es soll bedeuten: wir bücken uns nicht vor dem persönlichen Regiment I Damit will man auf die Wähler Eindruck machen, die in den letzten Monaten soviel Unsinn über Staatsstreich und absolutistische Gelüste haben hören müssen. Zu demselben

Zweck hat man die Erfindung in Umlauf gesetzt, der Kaiser habe in harten Worten an den Grafen Ballestrem telegraphiert, zu demselben Zweck hat man die Lüge von einem andern Kaisertelegramm verbreitet, in dem die Aeußerung stehen sollte: Ich jage die ganze Bande zum Teufel. Der Wahl- kampf kann noch gut werden, wenn schon jetzt mit so ver­werflichen Mitteln gearbeitet wird.

Jedenfalls muß noch auf manche Leistung dieser Art gerechnet werden. Ist doch selbst der Kern des offiziellen Zentrumsaufruses eine Verdrehung der Tatsachen:Die Auflösung des Reichstage»", verkünden die Zentrumsführer, ist nach unserer Ueberzeugung ein Angriff auf dessen Stellung als selbständigen, in eigener Verantwortung handelnden gleichberechtigten Faktor» der Gesetzgebung." Davon ist in Wirklichkeit gar keine Rede. Der Reichstag ist die Vertretung de« Volkes. Ist die Regierung überzeugt, daß in wichtigen Fragen diese Vertretung entgegen den Interessen der Nation entschieden hat, so appelliert sie an das Volk, um dessen wahre Meinung festzustellen. Das von der Verfassung vorgeschriebene Mittel dazu ist Auflösung und Neuwahl des Reichstages. Der Bundesrat als Ver­tretung der Einzelstaaten hat einstimmig die Anwendung dieses Mittel» beschlossen, und der Kaiser hat durch seine Unterschrift den Beschluß de» Bundesrats sanktioniert. So liegen die Dinge in Wahrheit. Es handelt sich hier nicht um einen Angriff auf den Reichstag, sondern um eine verfassungsmäßige Ausübung der Rechte von Kaiser und Bundesregierungen. Und es ist nicht die Regierung, sondern da» Zentrum, da» die Machtsrage aufgerollt hat.

Da» Zentrum kommt durch keinen Ausruf um den bösen Eindruck herum, daß es im Bunde mit den Sozial, demokraten in einer Frage der deutschen Waffenehre versagt hat, wo der ganze Liberalismus mit den konservativen Parteien zu der Regierung stand.

Diese einfache Tatsache muh den Wahlkampf beherrschen; von ihr dürfen die Wähler sich nicht ablenken lassen, mögen die Erfindungen und Echlagworte, mit denen man die Wahrheit verdecken will, lauten, wie sie wollen, und kommen, woher auch immer es sei.

Ein Weihnachtssest vor 100 Jahren.

Wohl kaum hat ein Herrscher auf dem Throne da» Weihnachsfest, .die Krone aller Feste", in traurigerer Stimmung verlebt, als Preußen» König Friedrich Wilhelm III. vor nunmehr 100 Jahren im fernen Osten seiner Monarchie, in Königsberg in Preußen.

Friedrich Wilhelm III. und die königliche Familie hatten vor dem nachdrängenden Feinde nach Ostpreußen weichen müssen. Dies, Tage der Flucht wurden für sie zu einer Zeit beständiger Sorge und herzbrechenden Jammer«. Geistig und körperlich gebrochen war die unglückliche Königin Luise am 9. Dezember 1806 in Königsberg eingetroffen. Traurige, kummervolle Wochen haben sie aber auch hier erwartet; zwar durfte sie endlich nach sieben langen, bangen Wochen ihre Kinder wieder ans Herz drücken, aber die Ereignisse und ihr eigenes Befinden ließen sie dieses heiß ersehnten Wiedersehen« nicht froh werden; die hohe Frau war unter dem überwältigenden Zusammenwirken aller jener Eindrücke an einem gefährlichen Nervenfieber erkrankt und von Tag zu Tag verschlimmerte sich ihr leidender Zustand. Da» Fieber wuch«, und fast in demselben Maße mehrten sich die schlimmen Nachrichten vom Feinde; beide Mecklenburg Hab- Napoleon besetzt, die Franzosen ständen schon in Thorn, General von Bennigsen, der Oberbefehlshaber der Den bündeten Russen und Preußen, sei gänzlich untätig, bald werde die Königliche Familie auch in Königtberg nicht mehr sicher sein.

Ihr Leiden trieb einer schweren Krisis entgegen.Sie lag" so berichtet ihr Leibarzt Professor Dr. Huseland sehr gefährlich darnieder, und nie werde ich die Nacht de» 22. Dezember vergessen, wo sie in Todesgefahr lag, ich bei ihr wachte und zugleich ein so fürchterlicher Sturm wütete, daß er einen Giebel de« allen Schlosser, in dem sie lag, Herabriß, während bas Schiff, welche» den ganzen noch übrigen Schatz und alle Kostbarkeiten enthielt, auf der See war. Jnde» auch hier ließ Gottes Segen die Kur gelingen, sie fing an, sich zu bessern."

So ist denn Weihnachten 1806 sehr traurig verlausen. Woher sollte auch die Festetstimmung de« Frieden« und der Hoffnung Kraft und Nahrung schöpfen? Der König wollte keine Christbescherung, weder für seine Kinder, noch für sonst jemand. In der Seele der erhabenen Königin aber erhob sich aus Krankheit und Not ein Neue« ; sie sah die Monarchie Friedrich« de« Großen. die einst ganz Europa Trotz geboten hatte, in Trümmer sinken; sie sah, wie die Schuld sich rächte und lernte dem Glücke und Glänze dieser Welt entsagen. Die schwachen Naturen in ihrer Umgebung verzagten, die Königin aber bewies eine seltene Größe und Fassung. Ihr Leben war ihr selbst nur von Wert um ihre« Manne» und ihrer Kinder willen, und die vollständige Hingabe ihre« Willen« in den Ratschluß de« Allerhöchsten gab ihr diese Geduld und diesen inneren Frieden.

Ihr frommer Glaube schien belohnt zu werden. Am 30. Dezember traf in Königsberg die Nachricht ein, daß die Franzosen vor 4 Tagen bei Pultusk in Polen von Bennigsen aufs Haupt geschlagen worden fein. Da« war ein kleiner Hoffnungsstrahl am Ende dieser UnglückrjahreS. Aber schon am folgenden Tage kam die Kunde, daß sich die Russen trotz diese« Siege« zurückzögen, und die Franzosen immer näher gegen Königsberg heranrückten. Au» Sorge um die persön­liche Sicherheit beschloß man daher, bis in den äußersten Winkel de» Königreich«, nach Memel, zu flüchten.

M Vorgänge in WM.

Die russischen Feldgericht« arbeiten mit un­heimlicher Schnelligkeit. Soeben erst war da« Attentat gegen den Admiral Pubassow in Petersburg infceniert worden, und schon ist am Montag die Hinrichtung der beiden der Attentat» angeklagten Personen mittels Stranges auf Grund des Spruches des Feldkriegsgerichts erfolgt. In Moskau wurden bei einer Haussuchung zahlreiche Sprengstoffe und Bomben aufgefunbtn, was die Verhaftung vieler Personen zur Folge hatte.

Petersburg, 18. Dezember. In den letzten drei Tagen fanden hier in 400 Häusern Haussuchungen statt, 150 Personen wurden arretiert. Da die Gefängnisse üben füllt find, wurden die Verhafteten einstweilen unter strenger Bewachung in den Polizeibureaus untergebracht. Als Ur= jache der Maflenhaurjuchungen wird die revolutionäre Pro­paganda unter dem Militär bezeichnet.

Nachdem der Rektor der U n i v e r s i t ä t O d e s s a die Forderungen der Studierenden betreffend die Teilnahme ihrer Vertreter an den Beratungen des Universttätsrates abge­lehnt hatte, hielten die Studenten gestern während des ganzen Tages Beratungen über die Schließung der Hoch­schule ab. Während der Versammlung wurde die Univer­sität von unbekannten Personen umringt, die mit Revolvern und Gummischläuchen bewaffnet waren. Der Rektor ver­anlaßte das Einschreiten von Kosaken und berittenen Schutz­leuten, die die bewaffnete Menge ohne weiteren Zwischenfall zerstreuten.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 18. Dezember 1906.

Bet Ihren Kaiserlichen Majestäten fand gestern um 1 Uhr im Königlichen Schlosse zu Kiel eine Frühstückstafel statt, an der die sämtlichen dort anwesenden Fürstlichkeiten mit Gefolge teilnahmen. Nachmittags 33/* Uhr begaben Sich Ihre Majestäten in Begleitung der in Kiel anwesenden Prinzensöhne nach Plön, um dort aus Anlaß des gestrigen Geburtstage« des Prinzen Joachim den Abend zu verbringen. Seine Majestät der Kaiser, Aller­höchst welcher mit Ihrer Majestät der Kaiserin heute morgen 7 Uhr 40 Minuten im Neuen Palais bei Potsdam eintraf, hörte Vormittag» den Vortrag des Chef» der Militärkabinetts. Abends um 8 Uhr gedenkt Seine Majestät der Kaiser an dem alljährlichen Parforcejagd-Diner in den Räumen des Kaiserlichen Automobilklubs in Berlin teilzu- nehmen.

DieNord. Allg. Ztg." schreibt: In der ausländischen Presse wird mit einem angeblichen Telegramm Sr. Majestät des Kaiser« an den Reichskanzler über die Auflösung des Reichstage« Unfug getrieben. Aus dem Inhalt dieser Depesche wird mit dem Anschein wörtlicher Wiedergabe der Satz angeführt:Ich jage die ganze Bande zum Teufel." Der Londoner Daily Expreß beschäftigt sich in zwei Nummern des länger» mit dieser Geschichte; wir begegnen ihr aber auch in Wiener Blättern. Selbstverständ­lich handelt es sich um eine plumpe Erfindung. Dem Reichskanzler ist ein Telegramm des Kaisers, das die an­geführte oder eine ähnliche Wendung enthielt, nicht zuge­gangen. Während der letzten Rsichstagsfitzungen traf beim Reichskanzler überhaupt keine Kaiserliche Drahtmitteilung ein.

Wie laut einem Telegramm der Agence HavaS aus Tanger dort aus guter Quelle verlautet, forderte Moham, med el Torre« den Kriegsminister El Gebba« auf, sich nicht Tanger zu nähern, aus Furcht, da« Eintreffen seine« Heues könnte in Anwesenheit des französisch-spanischen Geschwaders eine Erregung unter den Leuten Raisuli« hervorrufen. Man versichert, da« Heer werde bald in kleinen Abteilungen Tanger passieren und sich einschiffen, um nach Beni-Saf und dann na^b Ujda zu gehen, Tanger ist ruhig, die fremden Seeleute bewegen sich in der Stadt, ohne daß die Eingeborenen ein auffälliges Betragen zeigen.

Zu der Meldung der Deutschen Kabeltelegramm-Gesell» schaft aus Daressalam vom 11. Dezember über die Niederlage der portugiesischen Expedition gegen den Häuptling M a ch e m b a berichtet der ostafrikanische Berichterstatter der Kölnischen Zeitung in einem Telegramm aus Lindi vom 17. Dezember: Eine Expedition von sieben Weißen und 400 Soldaten und 200 Trägern, die von Palma gegen den