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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 12. Sonnabend, den 26. Januar 1907.
Kaisers Geburtstag.
So weit die deutsche Zunge klingt, wird an diesem Sonntage der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers festlich begangen. Alle deutschen Herzen schlagen höher, alle deutschen Stimmen jauchzen ihm zu und bringen ihm von neuem das Gelöbnis unwandelbarer Treue dar! Wie könnte es auch anders sein? Die ganze Welt beneidet uns um unseren Willensstärken, rührigen Kaiser.
Eingedenk des Spruches „Rast' ich, so rost' ich" hat der Kaiser auf vielen Gebieten mit dem Alten gebrochen. Für Die Armee wurden neue Dienstvorschriften herausgegeben; Ausrüstung und Bekleidung, Gliederung und Ausbildung wurden den neuen Verhältnissen, den Erfindungen der Neuzeit angepaßt. In ruhigem, nicht überhastetem Fortschreiten erfolgte der weitere Ausbau des Heeres, rastlos und sachgemäß arbeiten alle Dienststellen, um das Werkzeug scharf zu erhalten, damit das deutsche Reich in der Stunde der Gefahr gewappnet sei gegen alle Feinde. Von frühester Jugend aus hat Kaiser Wilhelm II. auch der Marine das größte Interesse entgegeu- gebracht. Er ist nicht müde geworden, immer wieder auf die Notwendigkeit einer starken deutschen Seemacht hinzuweisen; stets war es sein Ziel, die Marine gleichberechtigt neben das Landheer zu stellen. Die Gesetze der Jahre 1898 und 1900 haben den Ausbau unserer Flotte sestgelegt; es waren nicht uferlose Pläne, wie damals die regierungsfeindlichen Parteien spöttelten, die neueste Geschichte hat gezeigt, daß Deutschland nur im Besitz einer starken, verwendungsbereiten Flotte seinen Platz im Rate der Völker behaupten kann.
Trotz unserer starken Rüstung zu Lande und zu Wasser ist der Kaiser ein Friedenssürst. Dank seiner weisen und ruhigen Regierung wurde unser gutes Verhältnis zum Auslande niemals ernstlich getrübt. Nur als in Peking gegen alles Völkerrecht unser Gesandter ermordet war, entsandte der Kaiser eine beträchtliche Streitmacht nach Ostasien unD zeigte deutlich, daß niemand ungestraft den Deutschen Namen beschimpfen darf.
Nicht minder segensreich hat Kaiser Wilhelm II. im innern Staatsleben gewirkt. Stets hat er freie Bahn für die Entfaltung der Kräfte des deutschen Volkes erstrebt. Persönlich begeistert von allem Schönen und Herrlichen, ein hervorragender Kenner der Künste und Wissenschaften zeigt er ein großes Verständnis unb nie erlahmendes Interesse für die Fragen der Neuzeit. Ihm verdanken wir den Aufschwung der deutjchen Kunst, durch seine Bestrebungen hat sich die Schifffahrt bedeutend gehoben. Der deutsche Ucberseehandel hat unter ihm eine ungeahnte Ausdehnung genommen, unserer mehr und mehr aufstrebenden Industrie hat er neue Absatzgebiete gewiesen. Unstreitig hat sich unter Kaiser Wilhelm II. der Wohlstand des deutschen Volkes vermehrt, auch die Löhne der Arbeiter
sind gestiegen; sie werden noch höher kommen, wenn erst die Kolonien ihre Rohstoffe zu billigen Preisen in das Mutterland senden.
Dabei schlägt des Kaisers Herz besonders warm für die Arbeiter, stets ist er eifrig bemüht, ihr Wohl zu erhöhen, sie zufrieden zu stellen. Zahlreiche Gesetze traten in Kraft, die für das Ausland vorbildlich geworden sind. Der Staat sorgt für die alten und kranken Arbeiter, an Sonn- und Feiertagen darf niemand zur Arbeit gezwungen werden, kein Arbeiter soll in ungesunden Räumen beschäftigt werden, die Tätigkeit der Frauen und Kinder in den Fabriken ist streng geregelt. Sellsitgew'ählte Vertreter der Arbeiter sind berufen, die gemeinsamen Angelegenheiten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu regeln und den Frieden zwischen ihnen zu pflegen. Die Staatsbehörden sind verpflichtet, fortlaufend den Betrieb in den Fabriken zu überwachen unb die Interessen der Arbeiter zu wahren. Auch das geistige und sittliche Wohl seines Volkes liegt dem Kaiser am Herzen. Ueberall wurden Schulen ge gründet, die Gehälter der Lehrer wesentlich erhöht, im Unterricht wird heute die Pflege der deutschen Sprache und Geschichte besonders betont. Selbst durchdrungen von wahrer GottteSfurcht und überzeugter Frömmigkeit hat der Kaiser seinen Willen dahin ausgesprochen, daß seinem Volke die Religion erhalten bleibe.
Die Liebe und Verehrung, deren sich der Kaiser als Schirmherr des Reiches erfreut, kam im Februar des verflossenen Jahres zum Ausdruck, wo das ganze deutsche Volk die silberne Hochzeit des Kaiserpaares mitfeierte. Ebenfalls herrschte überall große Freude, als im Juli 1906 der erste kaiserliche Enkel geboren mürbe. In diesen Tagen haben mir wieder einmal Gelegenheit, unsere Liebe zu Kaiser und Reich zu beweisen, allerdings nidjt mit Worten, sondern durch die Tat. Mehr als über den Jubel seines Volkes würde Se. Majestät sich freuen, wenn ihm die Wähler bei den Haupt- und bei den Stichwahlen einen reichstrenen Reichstag bescherten. Das sei unser Geburtstagsgeschenk in diesem Jahre!
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 18. Januar 1907.
Die amtliche Ausgabe der Jahresberichte der Königlich Preußischen Regierungs- und Gewerberäte und Bergbehörden für 1906 wird Ende März d. Js. in der Reichsdruckerei fertig gestellt werden. Für den Bezug deS Werkes ist folgendes zu beachten:
1. Die Direktion der Reichsdruckerei wird die bis spätestens zu in 28. Februar d. IS. unmittelbar bei ihr im voraus bestellten Exemplare des Werkes zu einem Vorzugspreise ablassen, der auf 2,75 Mk. für ein broschiertes Exemplar
und auf 3,25 Mk. für ein in Ganzleinen gebundenes Exemplar festgesetzt ist. Die Kosten für Verpackung und Absendung trägt die Reichsdruckcrei, die Portokosten der Sendungen müssen die Besteller tragen.
Der besonders niedrige Vorzugspreis kann nur gewährt werden, wenn die Bestellungen bei der D i r e k t i o n d e r R e i ch s d r u ck e r e i zu Berlin S. W. 68, Oranien- straße 91, rechtzeitig, d. h. spätestens am 28. Februar b. Js. eingehen. Bei der Bestellung ist anzugeben, ob broschierte oder gebundene Abdrücke des Werkes gewünscht werden.
2. Nicht rechtzeitig eingehende Bestellungen werden, wenn etwas anderes im Bestellschreiben nicht ausdrücklich gejagt wird, dem R. von Dcckcrschcn Verlage daselbst S. W. 19, Jerusalemerstraße 56, der den buchhändlerischcn Vertrieb des Werkes übernommen hat, zur Erledigung üoermiefen werden. Für die Ausführung soscher Bestellungen, wie für alle Lieferungen im Wege des Buchhandels ist außer den etwaigen Portokosten der Ladenpreis von 5,25 Mk. für ein broschiertes und von 5,75 Mk. für ein gebundenes Exemplar zu zahlen.
Die Jahresberichte werden auch diesmal mancherlei Mitteilungen über die praktische Handhabung der Arbeiterschutz- gesetzgebung und beachtenswerte, durch Beschreibungen unD Skizzen näher erläuterte Vorschläge für Unfallverhütung und Bekämpfung gewerblicher Krankheiten, sowie auch für weitere Kreise interessante Mitteilungen aus dem Gebiete derArbeiter- wohlfahrtseinrichtungen enthalten.
Den Ortspolizeibehörden des Kreises gebe ich hiervon Kenntnis mit dem Ersuchen, die tunlichst weite Verbreitung des Werks zur Förderung der sachgemäßen Durchführung der Arbeiterschutzgefetzgcbung sich angelegen fein zu lassen.
I. 343. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 21. Januar 1907.
Die Herren Bürgermeister und Gulsvorsteher deS Kreises, welche meine Verfügung vom 9. Februar 1884, I. Nr. 1721, Kreisblatt Nr. 20, betr. Bericht über die stuttgesuudenen Feuer-Visitationen noch nicht erledigt haben, iverden hieran mit Frist bis zum 26. d. Mts. erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben bis dahin bestimmt entgegen.
l. 744,' Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 22. Januar 1907.
Um weiteren Kreisen OMegcnbeit zu geben, sich im Obst bau und den damit in Verbindung stehenden Nebenfächern auszubilden, finden an der Obstbau-Anstalt Oberzwehren bei Cassel alljährlich eine Reihe von UnterrichtSkursen starr. An solchen Kursen werden abgchalren:
1. praktische Obst: und Geniütcbaukurfe von halb