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herchl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 29.

Donnerstag, den 7. März

1907.

Amtlicher teil

Cassel, den 14. Februar 1907.

Die beifolgenden Vorschriften des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe über die Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen vom 23. Januar d. Js. übersende ich mit dem Ersuchen, für ihre kostenfreie Veröffentlichung im Kreisblatt Sorge zu tragen.

Gemäß Ziffer I Absatz 2 der Vorschriften ist das Recht zur Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen erteilt worden:

Dem Lette-Verein Berlin für die unter Ziffer 11a bis g auf­geführten Lehrfächer und dem Pestalozzi-Fröbelhause II daselbst für die unter Ziffer Ha aufgeführten Lehrfächer. A. II. G. 153.

Der Regierungs-Präsident. I. A. (Unterschrist.)

Vorschriften

deS Ministers für Handel und Gewerbe über die Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen vom 23. Januar 1907.

I. Die Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen erfolgt in den mit den Königlichen Handels- und Gewerbeschulen für Mäd­chen (z. Zt. in Posen, Potsdam und Rheydt) verbundenen Lehre- rinnenbildungsanstalten.

Die Befugnitz zur Ausbildung kann vom Minister für Handel und Gewerbe auch anderen Schulen übertragen werden, wenn

1. ein Bedürfnis nachgewiesen ist,

2. diese Anstalten durch ihre Einrichtungen und die zu ihrer Unterhaltung zur Verfügung stehenden Geldmittel die Gewähr für einen erfolgreichen Unterricht bieten,

3. die Ausbildung nach den unter II bis IX erlassenen Bestimmungen erfolgt,

4. dem Minister für Handel und Gewerbe das Recht ein­geräumt wird, die mit der Ausbildung zu betrauenden Lehrkräfte zu bestätigen.

Die Befugnis zur Ausbildung kann auch auf einzelne der unter II aufgeführten Lehrfächer beschränkt werden.

II. Es werden Lehrerinnen mit der Lehrbefähigung für folgende Fächer ausgebildet: a) Kochen und Hauswirtschaft, b) Einfache und feine Handarbeiten, sowie Maschincnnähen, c) Wäscheanfertigung, d) Schneidern, ej Putz, I) Kunsthandarbeiten, g) Zeichnen.

III. Die Lehrbefähigung, die auch für mehrere Fächer erworben werden kann und für jede Lehrerin vom Minister für Handel und Gewerbe erteilt wird, setzt voraus:

1. die Ausbildungen einer der unter Ziffer I ausgeführten Lehrerinnenbildungsanstalten und die Ablegung der Fach­prüfung vor der zuständigen Prüfungskommission (f. IV bis VII),

2. die Ausübung einer mindestens halbjährigen praktischen Tätigkeit <s. VIII),

3. die Zurücklegung eines Probejahres (f. IX),

Die Erfüllung dieser Bedingungen ist durch Vorlegung von Zeugnissen nachzuweisen.

IV. Zur Aufnahme in die Lehrerinnenbildungsanstalten ist erforderlich:

1. ein für die Ausübung des Lehrerinnenberufs ausreichen­der Gesundheitszustand (amtsärztliches Attest),

2. ein guter Leumund (polizeiliches Führungsattest),

3. bei Minderjährigen die schriftliche Einwilligung der Eltern oder deren Stellvertreter.

4. ein Alter von mindestens 19 und höchstens 27 Jahren (Geburtsurkunde); Ausnahmen sind mit Genehmigung des Ministers für Handel und Gewerbe gestattet,

5. der erfolgreiche, durch Vorlegung des Abgangszeugnisses nachzuweisende Besuch einer höheren Töchterschule mit mindestens neunjährigem Kursus oder der Besitz der ent­

ßerzensmäcbtt

Novelle von Karl Western. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Seit acht Tagen befand sich die Familie v. Berg nebst Gouvernante in Liebenstein. Man wollte idyllisch d. h. eigent­lich billig wohnen und hatte darum ein Landhäuschen mit Gärtchen davor, wie sie eigens zu Mietzwecken erbaut sind, bezogen.

Ottilie befand sich, soweit das in der Familie von Berg möglich war, ganz wohl in ihrer neuen Stellung, wozu be­sonders Ada ihr Teil beitrug. Die Baronin war und blieb gegen Ottilie als einer Bürgerlichen stolz, gemessen und kalt, desto mehr war Baron Felix ihr gegenüber aber bemüht, durch allerlei Liebenswürdigkeiten ihre Ausmerksamkeit zu erwecken. Ottilie nahm aber davon wenig Notiz, verglich aber den jungen Baron öfter mit ihrem einzigen Bruder Robert, der in diesem Alter schon nach Amerika gegangen war, um dort sein Glück zu machen. Leider mußte der ritterliche, stattliche junge Mann wohl den Tod gefunden haben, da er selbst nach des Vaters Tode eine öffentliche Aufforderung der Mutter, heimzukehren, welche in vielen Zeitungen abgedruckt worden, unbeachtet ge­lassen. Robert war zehn Jahre älter als Ottilie; sie vermochte nur noch eben sich sein Bild so ungefähr auszumalen; jedoch ein solcher Fant wie Baron Felix war er nie gewesen.

Besser entsprach ihrem Ideal von Männlichkeit der Nachbar drüben, der sich seit kurzem dort aushielt, ein großer, schlanker Herr von ungefähr vierzig Jahren, durch dessen dunkles Haupt­haar und langen, vollen Bart sich schon einzelne Silbersäden zogen. Der Mann mußte wohl viel Leid zu tragen gehabt haben, denn er machte stets ein so ernstes Gesicht und lachte nie; auch sah man ihn stets allein und nicht in Gesellschaft. Er schien seine schöne Nachbarin, denn auf dieses Prädikat konnte Ottilie wohl Anspruch erheben, noch gar nicht bemerkt zu haben. Indes sollte sie seine persönliche Bekanntschaft aus dem seltsamsten Wege machen.

Eines Tages hatte die Baronin ihre Migräne.Mache

sprechenden, durch Ablegung einer Aufnahmeprüfung nach- zuweisenden Kenntnisse,

6. für diejenigen, welche die Lehrbefähigung unter Ita er­werben wollen, die Ablegung der Prüfung als Lehrerin der Hauswirtschaftskunde gemäß den Bestimmungen der vom Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal­angelegenheiten erlassenen Prüfungsordnung vom 11. Januar 1902,

7. für diejenigen, welche die Lehrbefähigung unter IIb bisler- werben wollen, die Ablegung der Prüfung als Lehrerin der weiblichen Handarbeiten gemäß den Bestimmungen der vom Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal­angelegenheiten erlassenen Prüfungsordnung vom 22. Oktober 1885, zu 6 und 7. Die Vorbereitung auf diese Prüfungen muß in einer vom Minister für Handel und Gewerbe als geeignet anerkannten Unterrichtsanstalt er­folgt sein,

8. für diejenigen, welche die Lehrbefähigung unter Ilg er­werben wollen, der Nachweis hinreichender zeichnerischer Begabung.

V. Die Ausbildungszeit beträgt für die Fächer unter IIad je 1 Jahr, unter Ile je Va Jahr, unter Ilf je 2 Jahre, unter Ilg je 3 Jahre. Das Unterrichtsjahr soll 40 Wochen und die Woche 30 Unterrichtsstunden umfassen.

VI. Die Ausbildung erfolgt nach dem vom Minister für Handel und Gewerbe vorgeschriebenen Lehrplan.

VII. Nach dem Abschluß der Ausbildung in der Lehrerinnen- bildungSanstalt ist eine Prüfung vor den vom Minister für Handel und Gewerbe eingesetzten staatlichen Prüfungskommissio­nen abzulegen. Das PrüfungSverfahren wird durch eine besondere Prüfungsordnung geregelt.

VIII. Die praktische Tätigkeit dient zur Ergänzung der in den Lehrerinnenbildungsanstalten erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten und muß in dafür geeigneten größeren gewerblichen und hauswirtschaftlichen Betrieben (Schneider-, Wäsche-, Stickerei- und Musterzeichen-AtelierS, für Kochen und Hauswirtschaft in Speisehäusern, Kasinos, Krankenhäusern usw.! erfolgen.

IX. Mähend des Probejahrs sollen die Lehrerinnen die zur Ausübung ihres Berufs erforüeruche Uebung im Unrerrichren er­langen. Das Probejahr muß an den staatlichen Handels- und Gewerbeschulen für Mädchen oder an solchen Schulen abgelegt werden, die hierfür vom Minister für Handel und Gewerbe als geeignet bezeichnet sind.

Die Probekandidatinnen haben sich zur Ueberweisung an eine geeignete Schule unter Einreichung des Lebenslaufs und ihrer Zeugnisse beim Landesgewerbeamt zu melden.

X. Diese Bestimmungen treten am 1. Oktober 1907 in Kraft. Für die zu diesem Zeitpunkt bereits in der Ausbildung begriffenen Mädchen können vom Minister für Handel und Gewerbe Aus­nahmen von obigen Bestimmungen zügelassen werden.

* Hersfeld, den 5. März 1907.

Wird veröffentlicht.

I. 1822. Der Königliche Landrat.

I. B. Thamer.

Hersfeld, den 2 März 1907.

Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersfeld, welche bis zum 1. Juli d. I. ausgelernt haben, werden aufgesordert, bis zum 15. März d. I. bei dem Unterzeichneten in Hersfeld sich zu melden und nachstehende Schriftstücke einzusenden. 1. Gesuch um Zulassung der Gesellenprüfung. 2. Einen eigenhändig geschriebenen L.benslauf. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters.

mit Fräulein Konradi einen Spaziergang in die Berge!" sagte sie zu Ada, froh, jeder Gesellschaft ledig zu werden.

Das ließen sich beide nicht zweimal sagen und eilten davon, ehe Herr Felix, der ihnen sonst seine Begleitung aufgedrängt haben würde, etwas von der Sache erfahren konnte. Der Morgen war herrlich, aber die Sonne stach bedenklich. Nun, um elf Uhr war mau zurück, wozu sich dann mit Plaid und Schirm beladen ? Ada ging mit Strohhut und hellem Kleidchen davon, Ottilie setzte ein Reisehütchen auf und trug ein ein­faches graues Lüsterklcid, sah aber trotz ihrer einfachen Toilette reizend aus. Ein kleines Frühstück war in Adas Trommel gepackt, welche sie an einem Riemen trug. Unbepackt und unbefangen genoß man nun das wechselnde Panorama von Berg und Tal, von Wald und Haide im schönsten Teile des herrlichen Thüringer Waldgebirges. So waren die beiden plaudernd und singend bergauf und ab gestiegen und hatten eben einen Bach auf großen Felsblöcken, die man hineigclcgt, passiert, als sich plötzlich der Himmel verfinsterte, der Wind erhob und sich allem Anscheine nach ein Gewitter zusammenzog.

Ottilie kannte die Gewitter im Gebirge noch nicht! Eilenden Fußes strebte sie also mit Ada heimwärts, mußte aber doch schließlich unter einem Felsen Schutz suchen, als Blitz auf Blitz herabzischte, der Donner rollte und der Regen strömte.

Ada schloß sich zitternd vor Furcht und Frostschauern an ihre Freundin, die hilflos in diesen Sturm der Elemente schaute.

Da klangen Schritte und unter dem Felsen flüchtete sich Ottiliens Nachbar. Er grüßte höflich, schüttelte sich den Regen aus dem Bart und hob ein Räuzchen vom Rücken, dem er mit einem Blick auf die zitternde Ada ein Plaid ent rollte, mit welchem er sich Ottilie näherte, indem er sagte:

Die Damen empfinden gewiß Frost! Nehmen Sie, bitte, mein Plaid! Wir sind ja Nachbarn da drunten!"

Ottilie nahm das Tuch dankend an und entgegnete daraus: Wir glaubten, Sie hätten uns noch gar nicht beachtet!"

O doch!" lächelte er. Ach, es war hübsch, wenn dieses sinnige Lächeln über sein Gesicht ging. Ernster fuhr er fort:

Darf ich nachholeu, was ich bisher schnöde versäumte,

4. Ein Zeugnis aus der Volksschule. 5. Ein Zeugnis aus der Fortbildungsschule, wenn dieselben eine solche besucht haben. 6. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle. Der Prüfungstermin wird noch mitge­teilt werden.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für Maurerlehrlinge im Kreise Hersield. Rob. Wölbiug, Maurermeister.

nichtamtlicher teil.

Sie Ziele der neuen «nedeiMnserenz im Hillg.

Das Zustandekommen der wiederum von Rußland ange­regten zweiten internation alen Friedenskonferenz im Haag kann nunmehr als gesichert gelten, vorraussichtlich erfolgt ihr Zu­sammentritt bereits Anfang Juni. Angesichts deS so nahen Zeitpunktes der Eröffnung der neuen Friedenskonferenz drängt sich von selbst die Frage nach deren Zielen aus, denn von den Aufgaben, die sich die Konferenz setzen wird, hängt eS durchaus ab, ob sie zu praktisch verwertbaren Beschlüssen gelangt oder ob ihre Arbeiten belanglos bleiben. Nun ist zwar das Ber- handlungSprogramm der neuen Haagcr Konferenz noch nicht in allen seinen Einzelheiten sest ausgestellt, aber in seinen wesentlichen Punkten ist es doch schon bekannt, und da kann man allerdings erwarten, daß die Konferenz, wenn sie sich an diese Punkte hält, gute Früchte zeitigen wird. Der ruffische Staatsrat v. Mariens, Der vom Zaren mit der brfonoeren Mission beauftragt worden ist, die Propaganda für die zweite internationale Friedenskonferenz zu betreiben, hat sich soeben in Wien über diese seine Mission interviewen lassen und in seinen bezüglichen Ausführungen auch das Konferenzprogramm berührt. AlS die Hauptziele der Konferenz bezeichnete Herr v. MartenS die Erweiterung des Wirkungskreises der Schiedsgerichte, dann die weitere Ausgestaltung und Vereinfachung dieser Institution selber, dann die bessere Organisation der ebenfalls durch die erste Konferenz gezeitigten internationalen UntersuchungSkom- mission, ferner die Verbesserung der von der vorigen Friedens­konferenz gefaßten Beschlüsse hinsichtlich der KriegSsührung zu Lande und endlich den Ausbau des Scerechtcs in Bezug aus die Kriegführenden und die Neutralen. Diese Programmpunkte bieten wie Staatsrat v. Mariens des weiteren darlegte, eine Fülle wichtiger Aufgaben dar, die alle von praktischer Bedeu­tung sind und deren glückliche Lösung einen bemerkenswerten Fortschritt in den Bestrebungen darstellcn würde, welche der Einberufung der Friedenskonferenz überhaupt zu Grunde liegen. Herr v. MartenS wies auch daraus hin. daß für die russischer- seits erfolgte Ausarbeitung des Konferenzprogrammes in allen Stücken der Grundsatz maßgebend gewesen sei, ausschließlich solche Vorschläge zu empfehlen, deren Beratung unter den ge-

und mich vorstellen? Mein Name ist kurz Albrecht! Bin Guts-Jnspektor und zur Badekur in Liebenstein!

Ich heiße Ottilie Konradi, bin Gouvernante bei Frau Baronin v. Berg, und dieses ist Ada, meine Pflegebefohlene!"

Arme Kinder," meinte er,Sie kennen noch keinen Ge­wittersturm hier in den Bergen! Doch getrost, Gott wird unS schützen!"

Und nun schien es, als seien alle Höllengeister entfesselt, so begann der Sturm zu heulen! daß sich Buchen und Tannen krachend bogen; dazwischen schlugen Blitze links und rechts nieder, brüllte der Donner, strömte der Regen in großen, schweren Tropfen herab. Die ganze Natur war in Aufruhr! Die Mädchen hatten sich unwillkürlich dichter an ihren Ritter angcschlossen.

Herr Kurz" der Herr lächelte über diesen Jrttum Ottiliens,Herr Kurz," fragte die Gouvernante in einer Pause, als der Sturm etwas nachließ,ist das Schlimmste nun vorüber?"

Der Fremde blickte nach links und rechts und erwiderte dann:

In einer halben Stunde lacht die Sonne wieder!"

Und so kam es. Gesprochen wurde wenig, aber der Fremde blickte sinnend auf Ottiliens klassisch schöne Züge; sein Gesicht verriet jedoch keine Freude, sondern eher Schmerz.

Als die Sonne durchbrach, rief er rasch:Nun müssen wir vorwärts, denn es ist nicht ausgeschlossen, ein neues Wetter hereiubrechen zu sehen! Also schnell!"

Ottilie hängte daS Plaid Ada um, und nun schritten alle drei dahin. Aber o weh, der Bach war vom Regensturz an- geschwollen und überflutete die Brückcnsteiue um ein paar Zentimeter.

Was nun?" fragte Ottilie:Wir können nicht hinüber!"

Der Fremde zeigte auf seine hohen Kniestiefel:

Blit mir hat'S keine Not! Aber Sie!" Er wandte sich immer nur an Ottilie:Wenn Sie sich mir jedoch anver- trauen wollten, könnte ich Sie hinübertragen!"

Ottilie schaute verwirrt zur Erde, der Fremde aber lächelte:

Sie dürfen mir unbedingt vertrauen 1

Ottilie schaute auf. Was half auch alle Ziererei bei einer