Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
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hersselder Krmblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 54.
Dienstag, den 7. Mai
1907.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 2. Mai 1907.
Der auf Donnerstag, den 16. Mai d. Js., in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Austrieb darf um 6V* Uhr morgens begonnen werden.
I. 3906. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Technischer Leitfaden, betr. Schweinesenche. (Fortsetzung.)
1. Bei der akuten pektoralen Form.
Bei der akuten Schweineseuche besteht der Inhalt der Lungenbläschen an den erkrankten Teilen vorzugsweise aus Fibrin, weniger aus Zellen. Es sind umfangreiche Teile der Lappen betroffen, die im Beginne des Prozesses nicht zusammengefallen (groß), sehr rot und feucht sind. Im weiteren Verlauf der Krank- Heit nimmt der Umfang der kranken Teile noch mehr zu, auch werden die Teile gleichzeitig dunkelrot und derb. In diesem Stadium ist die Durchschnittsfläche stark gekörnt. Inmitten der dunkelroten Stellen können sich noch später trübe, gelbliche, etwas trockene Abschnitte zeigen, in denen das Lungengewebe abgestorben ist. Die Luftröhre und ihre Aeste sind mit blutiger, feinschaumiger Flüssigkeit erfüllt. Die an der TeilungSstelle der Luftröhre gelegenen Lymphdrüsen erreichen oft eine beträchtliche Größe und zeigen auf dem Durchschnitt ein feuchtes, ziemlich gleichmäßiges, rötlichgelbliches Gewebe. Gleichzeitig zeigen sich erhebliche allgemeine Veränderungen an den übrigen Organen (parenchymatöse Trübung).
2. Bei der chronischen pektoralen Form.
Die chronische Schweineseuche ist gewöhnlich beschränkt auf einzelne Teile der Lunge, namentlich die vorderen Lungenlappen. Zuweilen ist eine Anzahl kleinerer Abschnitte eines oder mehrerer Lungenlappen ergriffen. Der Inhalt der Lungenbläschen besteht vorzugsweise aus Zellen, nicht selten findet sich in ihnen aber auch Fibrin. Die betroffenen Lungenteile sind im Beginne des Prozesses rot und feucht, aber weder so rot noch so feucht und ausgedehnt wie bei der akuten Form. Die Teile bleiben auch kleiner und werden etwas trockener und graurot. Wenn bei chronischer Schweineseuche das Allgemeinbefinden erheblich gestört war, so zeigen die Tierkörper die Kennzeichen der Abmagerung, insbesondere eine schlechte Entwickelung des Unterhautfettgewebes.
Als Folgeerscheinung der pektoralen Form der Schweineseuche können narbige Einziehungen, Verkäsungen und Abszesse in den Lungen, ferner Verwachsungen des Lungenfells mit dem Rippenfell und der Blätter des Herzbeutels vorhanden sein.
IV. Bakteriologischer Nachweis der Schweineseuche.
Der Bacillus suisepticus hat ovale bis stäbchenförmige Gestalt, ist unbeweglich, nach Gram nicht färbbar, verflüssigt Gelatine und Blutserum nicht, bildet in Zuckerbouillon kein Gas, läßt Milch und Lackmusmolke unverändert, produziert dagegen Jndol und ist für Mäuse, Meerschweinchen und Kaninchen pathogen.
Zum Nachweis des Bacillus suisepticus reicht im allgemeinen die Untersuchung eines gefärbten AuSstrichpräpateS nicht aus. Hierzu sind die Kultur und die Tierimpfung erforderlich. Abgesehen von den Funden bei der septikämischen Form und beim akuten Verlauf der Schweineseuche läßt sich die sichere Bestimmung des Bacillus suisepticus in der Regel nur im bakteriologischen Laboratorium ausführen. Sie ist indessen für die veterinärpoli- zeiliche Praxis nicht unbedingt erforderlich, da die Schweineseuche
LMsalmWe.
Novelle von H. v. Z i e g l e r.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Der Zigeunerknabe hörte ihn nicht. Wie gebannt hing sein Blick an der nun wieder zum Leben erwachten Dame. Lag nicht in ihren Augen das verkörpert, was ihm seine Geige so oft vorgeschluchzt und zugejubelt hatte?!
Als der alte Herr keine Antwort bekam, frug er nochmals, jetzt aber viel höflicher den Zigeuner: „O, mein lieber Freund, wollt Ihr nicht im Schlosse bestellen, daß Gräfin Landry an der Königserle gestürzt sei und einen Wagen vom Schlosse dort haben will?"
v Der Knabe nickte und ein leuchtender Strahl seines Auges traf die junge Dame. Dann trat er ohne Weiteres zu dem Pferde des alten Herrn, schwang sich in den Sattel und jagte dvvon. Dieser letztere sah ganz verdutzt drein, und erst als die Hufe des davonjagenden Tieres klapperten, fand er Worte.
„Heda, halt, wohin des Wegs," schrie er mit Donner» stimme. Welche Frechheit von dem Zigeunerjungen! Reitet einfach aus meiner Falbe fort, und ich weiß nicht mal, ob er sie wieder bringt."
Währenddem jagte der Knabe dahin über die Pußta mit glühendem Antlitz; die Haare wehten ihm um die Stirn, seine Brust hob sich frei und kühn.
Im Schlosse angelangt, richtete er seinen Auftrag aus, gab das Pferd ab und kehrte auf andrem Wege ins Lager der ©einigen zurück.
Er wollte der Dame nicht wieder begegnen, und doch erbebte sein Herz bei dem Gedanken, diese schönen, milden Äugen nicht mehr zu sehen. Dieser sturmdurchrauschte Tag war für den Zigeuner ein Markstein für sein Leben geworden. Nach langem Suchen fand er auch die geliebte Geige wieder und sein erstes war, ihr von neuem Töne zu entlocken, die in glühenden Phanlhasicu die Erlebnisse des heutigen TageS Wiedergaben.
schon durch ihre AnsteckungSsähigkeit sowie durch die Art und den Sitz der Veränderungen in den Brustorganen von ähnlichen Krankheiten unterschieden werden kann.
Bei der septikämischen und akuten pektoralen Form gelingt es leicht, den Bacillus suisepticus in den erkrankten Teilen nachzu- weisen.
Dies gilt für die chronische Form neuerdings nicht mehr in gleicher Weise. Bei chronisch kranken Schweinen und bei Verwendung der üblichen Menge des Ausgangsmaterials gelingt es in einem Drittel der Fälle nicht mehr, die Erreger der Schweineseuche aus den erkrankten Organen zu isolieren. In den Fällen, in denen es gelingt, sind die isolierten Erreger oft so wenig virulent, daß sie nur in ungewöhnlich großen Mengen Versuchstiere zu töten vermögen. In diesen Fällen besteht als alleiniges Krankheitsmerkmal häufig nur Husten, dagegen keine Störung de§ Allgemeinbefindens.
V. Veterinärpolizeilich zu bekämpfende Formen der Schweineseuche.
Die Fälle von krankhafter Veränderung der Brustorgane, in denen die Erreger der Schweinescuche nicht mehr nachgewiesen werden können oder in denen die Erreger nicht mehr virulent sind, können für die Verbreitung der Seuche nicht mehr von Bedeutung sein.
Ferner kann der Husten bei Tieren oft bis an da? Lebensende bestehen bleiben, obwohl nur noch — veterinärpolizeilich völlig belanglose — Ueberbleibsel der Seuche vorhanden sind. Daraus folgt, ha§ das Bestehen von Husten allein für den Nachweis der Schweineseuche oder für die Annahme des Verdachts der Seuche nicht auSreicht. (Forts, folgt).
Die Herrn Ortsschulinspektoren und Lehrer des Bezirks Hersfeld I werden ergebenst benachrichtigt, daß die amtliche Konferenz am Montag den 13. Mai d. Js. in Hersfeld im Saale des Herrn K n i e s e von Morgens 10 Uhr ab gehalten werden wird.
Wippershain, den 2. Mai 1907.
Der Kreisschulinspektor Werner.
nichtamtlicher Lei!
Der neue Handelsvertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten vsn Nordamerika.
Die schwierige Frage der Einführung eines besseren Handelsvertrags zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ist zwar noch immer nicht vollständig gelöst, aber zwischen Deutschland und Amerika ist soeben ein neues Handelsabkommen getroffen- worden, welches gegenüber dem bisherigen Zustande in dem Handelsaustausche zwischen Dentschland und den Vereinigten Staaten doch eine große Erleichterung bedeutet. Bekanntlich hatte die deutsche Ausfuhr nach Nordamerika ungemein unter den Ausnahmezöllen des amerikanischen Tarifes zu leiden. Dazu kommen noch eine Menge erschwerende Bestimmungen bei der Ausfuhr selbst durch eine Kontrolle der Waarenabschätzung und einer Art Zollschikane. In dieser Richtung scheint nun das neue Handelsabkommen zwischen Deutschland und Nordamerika eine entschiedene Besser-
Aber wie kam es, daß dieselben jetzt ganz anders klangen wie früher? Heller, gewaltiger, jauchzender wie nie zuvor!
* *
*
„Ferenz", klang es kreischend drüben vom Zigeunerlager her, und der Knabe am Bache hob mißmutig das Haupt.
Weshalb hatte ihn das Schicksal unter diese lärmende, keifende, kreischende Schar gewiesen? Am liebsten wäre er mit der Geige im Arm fortgezogen, weit fort nach der Hauptstadt, um dort ein berühmter Künstler zu werde». O, nur nicht mehr die grellende Tanzesweise ausspielen und der Mutter helfen, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen!
So klagte der srüh schon fast zum Jüngling herangereiste, junge Zigeuner fast jeden Tag, denn er fühlte sich unglücklich im Kreise der Bande und sehnte sich nach einem neuen, ebleren Leben.
„Ferenz," klang es von neuem, und seufzend erhob sich der Knabe; es blieb ihm keine Wahl, er mußte gehorchen und schweigen, denn wer hätte wohl seine Sehnsucht nach einem edleren Leben im Zigeunerlager verstanden!
Bald ging denn auch der wilde Reigen los. Trotz heulenden Sturmes und schweren vereinzelten Regentropfen, trotz der kalten Herbstluft und der hereinbrechenden Dunkelheit flogen die Zigeunerpaare wild jubelnd im Tanze dahin.
Bunte Bänder, Perlen und seltsam geformte goldne Schmuckstücke zierten Hals, Kops und Arme der Tänzerinnen; sie hielten Tainbourin und Castagnetten in den Händen und brachten damit bald fliehend, bald suchend eine eigenartige, wildglühende und doch auch wieder sauste Musik hervor.
Und die Burschen, gleichsalls in malerischer Nationaltracht, antworteten den bald lockenden bald höhnenden Tönen ihrer Schönen mit Maultrommel und Gesang. Und über biefem wüsten Lärm spielte klar und rein und edel die Geige des armen Ferenz.
Keiner der ganzen Bande hatte bemerkt, daß schon seit einer geraumen Weile mehrere Fremde sich eingefunden hatten, um daS eigenartige Schauspiel anzusehen.
Vier Personen zu Pferde, drei Herren und eine Dame schauten mit lebhaftem Interesse dem Tanze zu. Unweit von
ung für den gegenseitigen Handelsaustausch erreicht zu haben. Der Artikel I des neuen Vertrages gewährt Deutschland alle Zollermäßigung, die er nach Sektion 3 des amerikanischen Ta- rises überhaupt erhallen kann. Zu den bisher dem deutschen Handel eingeräumten Vergünstigungen tritt dann noch die Zollermäßigung für die Einsuhr deutschen Schaumweins nach Amerika. Wertvoll sind auch die von Amerika gemachten Konzessionen für die Behandlung der Verzollung deutscher Waren. Danach soll jetzt als VerzollungSwert der Marktwert in Deutschland gelten, und da die Feststellung dieses Wertes ziemlich Schwierigkeiten begegnet, so soll zugleich der Marktpreis Geltung haben. Bei der Ausfuhr deutscher Waren nach Amerika sollen die amerikanischen Konsuln auch nur dann genaue Angaben über die Herstellungskosten und die Bezugsquellen deutscher Waren verlangen dürfen, wenn sie im Wege cinesinAmerikabereitscingeleitetenZollverfahrcnsverlangtwerdcn. Auch die Praxis über die Abschätzung des Marktwertes der einzuführenden Ware soll besser kontrolliert werden. Ferner soll das persönliche Erscheinen des deutschen Kaufmannes oder Fabrikanten bei dem Versenden seiner Ware nach Amerika zur Beglaubigung der für die Verzollung nötigen Rechnungen nur ausnahmsweise noch verlangt werden. Auch sollen die amerikanischen Beamten, die im Austrage ihrer Regierung in Deutschland die Ermittelung über den Marktwert der Waren anstellen, der deutschen Regierung amtlich angemeldet werden, und mit den deutschen Handelskammern Hand in Hand arbeiten, und werden die Angaben der deutschen Fabrikanten über den Marktwert ihrer Ausfuhrware von den Abschätzungs- beamten der Vereinigten Staaten beanstandet, so sind nach dem neuen Handelsverträge die amerikanischen Zollbehörden verpflichtet, die Gutachten der deutschen Handelskammern in solchen Fallen zu würdigen. Man sieht aus diesen neuen Bestimmungen des Handelsabkommens zwischen Deurschland und Nordamerika, daß der Präsident der Vereinigten Staaten die Beschwerden Deutschland in Bezug auf die Zollbehandlung der deutschen Ware berücksichtigt und eine Anzahl Ucbelstände beseitigt hat. Mehr ist auch bei der gegenwärtigen zollpoli- tischen Lage in Nordamerika gar nicht zu erreichen, da ja in Nordamerika der sogenannte Dingley-Tarif mit seinen Hochschutzzöllen Gesetz ist und nur gewisse Zollermäßigungen und Erleichterungen durchzusetzen sind. Auch Deutschland kann ja auf Grund seines neuen Zolltarifs nur diejenigen Konzessionen an Nordamerika machen, die sich aus den Verträgen mit den anderen Staaten, wie Oesterreich-Ungarn, Italien, Ruß. land, Rumänien und der Schweiz ergeben. Aber eine uneingeschränkte Weitergewährung der größten Vergünstigungen in den Zollsätzen gegenüber Nordamerika war von Seiten Deutschlands jetzt nicht am Platze, da ja Nordamerika selbst mit dem Fortbestehen seines gesetzlichen Tarifes eigentliche Zollermäßigungen noch gar nicht gewähren kann. Gewisse Zugeständnisse von Seiten Deutschland ergeben sich aus den Zöllen, die mit den Vertragsländern abgeschlossen ftnb,_ und die sich auf die rohen Erzeugnisse der Land- und Forstwirt-
biefen huschte am Boden schleichend ein zehnjähriges Mädchen, Selka, des Grobschmicds Tochter.
Sie wollte so gern den Zigeuner sehen, der sie von dem großen Schäserhunde errettet und wieder zu ihren Eltern gebracht hatte. Ach — und der spielte und träumte von neulich, wo er die schöne Dame am Boden liegen gesehen — nie mehr konnte er jene Stunde vergessen —
„Tolle Bande", lachte ein ältlicher Herr, tanzt hier draußen bei wildem Sturm im Dunkeln, als fei dies ein strahlend erleuchteter Festsaal, „sich hin, Schwager, jenes dunkle Mädchen mit den flatternden schwarzen Zöpfen und den blitzenden weißen Zähnen. Das wäre ein Charakterkopf für einen Maler."
Der Angeredete, Gras Landry, Besitzer der ganzen Hcrr- schast, nickte gleichgültig; er war viel zu hochmütig und kalt- denkend, um sich für dies tief unter ihm stehende Bällchen zu interessieren.
Was gingen ihn diese Zigeuner an?
Eine Marotte seines jovialen Schwagers des Barons von Liszka, hatte die Gesellschaft hierher geführt, und nun mußte auch er, als höflicher Hausherr hier aushalten. Doch seine kalten Augen wandten sich voll Widerwillen von der Bande ab, indes Baron Liszka mit leuchtenden Blicken dem leidenschaftlichen Czardas, dem Zigennertanze folgte.
Beleuchtet von den lodernden Flammen des ZelfleuerS schwangen sich die schlanken und doch üppigen Mädchengestalten im Tanze, ihr Antlitz strahlte, ihre Tambourius klangen und die Castagnetten klapperten verlockend. —
Man war ja auf der Pußta beim Nomadenvöllchen der Zigeuner. Neben dem heute lammfrommen Rappen der Gräfin Maria hielt ein schöner, stattlicher Mann, aber wohl schon vierzig Jahre alt, in österreichischer Husarenuniform. Auch ihn schien das bachantische Treiben der Zigeuner wenig zu sesseln, sein Blick ruhte fast unausgesetzt auf der schlanken Mädchengestalt neben ihm, die sich unbefangen häufig zu ihm tvanbte. .
Und Marias feines, schönes Gesichtchen besaß einen |o bt zaubernden, keuschen Reiz, ihre Augen blickten bald neckend, bald träumend den Beschauer an, sodaß man des stattlichen Offiziers Interesse für Maria wohl begreifen konnte.