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herrseloer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 66.
Donnerstag, den 6. Juni
1907.
Amtlicher teil.
Nachdem ein angemessener Betrag von Fünszigpsennigstücken mit dem neuen Gepräge (V2 Markstücken) hergestellt und dem Verkehr zugeführt worden ist, sollen die in den bisherigen Formen geprägten Stücke eingezogen werden. Im Interesse einer beschleunigten und vollständigen Einziehung der alten Fünfzigpsennigstücke ist ihre alsbaldigc Ablieferung an die öffentlichen Kassen erwünscht. Die Sezieren sind angewiesen worden, die fraglichen Münzen nicht nur in Zahlung, sondern auch zur Umwechslung von jedermann anzunehmen und dabei etwaigen Wünschen nach Umtausch gegen andere Münzen tunlichst zu entsprechen.
Cassel, den 20. November 1906. (K. 1866.)
Königliche Regierung. Mejer.
Hersfeld, den 1. Juni 1907.
Im Monat Mai d. Js. sind diesseits den nachbenannten
Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine r
a. entgeltliche:
am 2/5. dem Landwirt Valentin Meister zu Hof Beiersgraben Gemeinde Rotterterode,
„ 3/5. „ Verwalter Nikolai von Bach in Unterweisenborn, „ 10/5. „ Wilhelm Paul in Willingshain,
„ 13/5. „ Dachdeckermeister Hermann Ritzel in HerSfeld,
„ 14z5. „ Bauunternehmer Georg Lämmerzahl daselbst,
„ 16/5. „ Maurermeister Heinr.Herrmann in Heimboldshausen,
„ 21/5. „ Gasverwalter Hermann Reuß in Hersfeld,
„ 22/5. „ Landwirt und Schmied Joh. Horn in Heddersdorf,
„ 24/5. „ Bürgermeister Georg Lotz in Lengers,
„ „ „ Landgräflich Hess. Rendant Karl Oswald Wiegand in Philippsthal,
„ 25/5. „ Ziegeleibesitzer Wilb. Schimmelpfeng in HedderSdorf,
„ „ „ Landwirt Adam Leister in Holzheim,
„ 27/5. „ Zimmermeister Adam Becker in.Mengshausen,
„ „ „ Schmied Justus Brehm ih Kathus,
„ „ „ Agenten Johann Simon Volkenand in Heringen, „ „ „ Direktor Paul Thiel zu Hattorf bei Philippsthal,
„ „ „ Edmund Koch daselbst,
„ 28/5. „ Bergwerksdirektor Reinhard Effcrtz in Heringen,
„ 29/5. „ Müller Johannes Raacke in Schenksolz,
„ „ „ Bierbrauereibesitzer Heinrich Engelhardt in Hersfeld,
„ „ „ Leutnant von Oheimb daselbst,
„ „ „ Oberleutnant Witte daselbst,
„ „ „ Holzhändler Peter Schlößler daselbst, „ „ „ Maurermeister Heinrich Bätza daselbst, „ „ „ Amtsgerichtssekretär Schultheiß in Niederaula,
„ „ „ GutsbesitzerHeinr.BurgardRügerinUnterweisenborn
„ „ „ Oberlandmesser Breitung in Hersfeld, „ '„ „ Installateur Wilhelm Raacke in Schenksolz, „ 30/5. „ VersicherungS-Inspektor J. H. Stelzner in Hersfeld,
„ „ „ Postassistenlen Karl Stelzner daselbst,
„ „ „ Hauptmann Baun daselbst, „ „ „ Fabrikbesitzer Gustav Koch in Eisenach, „ „ „ Rentner Johannes Harnickel in Hersfeld,
„ „ „ Gutsbesitzer August Niemeyer in Tann,
„ 31/5. „ Rittergutsbesitzer Heinrich Frank in Meisebach, „ „ „ Bierbrauerei-Geschäftsführer Wilhelm Steinweg jun. in Hersfeld,
„ „ „ Postassistenten Reinhard in Niederaula,
Das Geheimnis.
Roman von Tea van Hufen. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Frau von Hohenstein sah den Wechsel, sah ihn gern, und doch mit einiger Besorgnis. Er war fast zu plötzlich, meinte sie und würde glücklicher darüber gewesen sein, hätte sie mit Bestimmtheit sagen können, daß Konstanze ebenso gut wie alle anderen wüßte, in welchem Grade ihre glühende Liebe erwidert wurde. Erwidert wurde sie allerdings, auch aus freien Stücken, aber nicht mit solcher Wärme. Wanda liebte Konstanze, doch aus andere Weise; die sanfte, stille Gertrud war ihr ebenso lieb und für Frau von Hohenstein flößte ihr die Dankbarkeit ein viel innigeres Gefühl ein. Die tiefste Liebe ihres Herzens, der erste Platz in ihren Gedanken aber gehörte dem kleinen Fritz Malten. Vielleicht standen in ihrem Herzen und ihren Gedanken noch andere Personen ebenso nahe, doch wenn dem wirklich so war, dann lagen sie in der Vergangenheit begraben und ihre Namen wurden nie genannt, während diese Liebe offen war vor den Augen der ganzen Welt. Sie war der Leitfaden ihres Lebens. — Gleichviel, womit Wanda beschäftigt war, — sie legte alles beiseite, um Fritzchens Wünsche zu erfüllen und seine Bedürsnisse zu befriedigen; mochte sie auch noch so müde sein, zeigte sie sich doch stets bereit, mit ihm zu spielen. Nicht Regen, nicht Sturm noch Schnee waren imstande, sie von ihrem täglichen Besuche auf der Lambertussarm zurückzuhalten.
Wen» es etwas gab, womit Wanda Konstanze ärgern konnte, so war es in den Augen der letzteren übertriebene Liebe und Fürsorge für den Kleinen. Der Anblick des KindeS, wenn es sich an der Hand der Wärterin dem Hause näherte, und der freudige Ruf: „Tante Wanda!" trieben eine leichte Wolke über Konstanzes Stirn hin, weiter aber ging sie nicht, denn bei all ihrer Heiterkeit und Milde gehörte Wanda nicht zu denen, die leicht einen Widerspruch duldeten, und Konstanze wagte es nicht, durch eine Laune die Frenndschast auf das Spiel zu setzen, die ihr so teuer geworden war.
b. un entg eltliche:
„ 15/5. „ von Baumbach'schen Waldwärter Andreas Kehl in Goßmannsrode,
„ 30/5. „ dem Königl. Förster Schmidt in Friedewald.
8 Tagesjagdscheine r
„ 27/5. dem Juwelier Wilhelm Brehm aus Eisenach, mit Gültigkeit vom 30/5. 07 ab.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuld- verschreibungen der preußischen konsol.i- dierten 3 V2 prozentigen Staatsanleihe von 18 8 7/8 8 über die Zinsen für die Zeit vom 1. April 1907 bis 31. März 1917 nebst den Ernenerungsscheinen für die solgende Reihe werden vom 1. März 1907 ab von der Kontrolle der Staatspapiere in Berlin, S.W. 68, Oranienstraße 92/94, werktäglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftslage jeden Monats ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungs-Hauptkassen sowie in Frankfurt a./M. durch die Kreiskasse zu beziehen. Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abholung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Anweisungen) einzuliefern sind, werden von den vorbezeichneten Ausreichungsstellen, dem Postamt I in Hamburg, sowie von den in den Amtsblättern von den Königlichen Regierungen zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneu- erungsschcine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 13. Februar 1907. (I. 293.)
Hauptverwaltung der Staatsschulden, v. Bitter.
* *
*
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die erforderlichen Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauptkasse und den Kreiskassen des Bezirks verabreicht werden.
Cassel, den 21. Februar 1907. (K. 243.)
Königliche Regierung. Schenk.
Hersseld, den 1. Juni 1907.
Unter dem Schwcinebestande des Lehrers Schäfer in GerS- hausen ist die Schwcineseuche ausgebrochen.
I. 4941. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Noch in einem anderen Punkte übte Konstanze Selbstbeherrschung, hier aber ohne selbst zu wissen warum. Während sie nämlich ihrer Cousine alle Freuden des Lebens anvertraute, — ihre ernstesten Gedanken und tiefsten Gefühle — schwieg sie fast gänzlich über Ludols von Behringen. Sie erwähnte ihn wohl gelegentlich, wie die anderen auch taten, mit keinem Worte aber enthüllte sie die Gefühle, welche sie für ihn hegte. Vielleicht auch beschäftigte sie sich in ihrem Innern jetzt nicht so viel mit ihm, wie in letzter Zeit. Nicht, daß ihr Interesse geringer geworden wäre — nein — im Gegenteil; nur schrak sie davor" zurück, sich wirklich klar zu machen, wie groß dasselbe sei; aber durch Wanda war es doch anders geworden. Bis diese kam, waren LudolfS Besuche auf Deubitz und die ihren aus Mellwitz die süßesten Stunden ihres Lebens gewesen, während die Tage und Wochen, welche dazwischen lagen, sich nur mühsam dahinzuschleppen schienen. Jetzt hatte sie ihn seit mehreren Monaten nicht gesehen — feit jenem Sommernachmittag auf Mellwitz nur ein einziges Mal — und doch hatte sie ihn nie so wenig vermißt. In der neuen Neigung, den neuen Freuden lernte sie der Gegenwart zu leben und die Zukunft, so unklar und unsicher diese in ihren Augen auch vor ihr lag, in einem helleren Lichte zu betrachten. Die Ungewißheit mochte eS fein, die ihr Schweigen gebot. Aus was auch hatte sie soviel gebaut ? Aus höfliche Worte, ein freundliches Lächeln, häufige Besuche, heitere Gespräche und allerhand Aufmerksamkeiten. Daß er sie liebe, hatte er ihr mit keinem Wort, keinem Blick zu verstehen gegeben.
n.
„Willst Du ausgehen, Wanda?" fragte Frau von Hohen- ftcm, als sie in das Zimmer trat und diese ihr in Hut und Mantel entgegenkam.
. „Ja, Tante. Brigitte hat heute morgen zu tun und hat mir Fritzchen herübergebracht, damit ich mit ihm angeln gehe. Ich habe eS ihm gestern versprochen und der alte Fährmann will ihm eine Angel leihen. Wenn er das Vergnügen satt hat, bringe ich ihn gleich nach der Lambertussarm und bin zum Mittagessen wieder zurück."
„Begleitet Euch niemand?" fragte die alte Dame weiter.
nichtamtlicher teil.
Kille Dorlamtniarifijt eijidfalsfroit in
Immer und immer wieder tauchen in Rußland Gerüchte auf, daß die Duma aufgelöst werden soll. Nach der Aeußerung des Führers der Kadetten, des Herrn Roditschew, wird die Auflösung der Duina sogar schon in den nächsten Tagen erwartet. Die neue Duma soll dann auf Grund eines neuen Wahlgesetzes erst am 2. November wiedergewählt werden. Andere Gerüchte gehen sogar soweit, daß sie von dem Bestreben berichten, daß die Macht der Duma gestürzt werden müsse. Diese Nachrichten aus Rußland legen offenbar davon Zeugnis ab, daß der so junge und noch so wenig entwickelte russische Parlamentarismus schon vor einer schweren Schicksalsfrage steht, und daß die russische Regierung noch immer nicht einen gangbaren Weg gefunden hat, mit der Volksvertretung Rußlands, wie sie nun einmal in der Duma verkörpert ist, gemeinsam für daS Wohl des Landes zu arbeiten und vor allen Dingen durch eine neue Gesetzgebung mit den verlodderlen Zuständen in Rußland aufzuräumen. Es mag ja fein, daß in der russischen Duma auch Elemente enthalten sind, die nur sich von starken politischen Leidenschaften leiten lassen und jede Ver- Handlung im parlamentarischen Sinne erschweren. Doch die richtigste Erklärung für die parlamentarische Krisis, die nun schon wieder in Rußland besteht, dürste darin zu erblicken sein, daß der russischen Regierung die Duma in ihrer ganzen Zusammensetzung zu liberal oder gar zu radikal erscheint, und daß die maßgebenden Steife Rußlands die Duma zu einem gefügigen Werkzeuge in den Händen der Regierung machen möchten. Aus einer solchen Art der Behandlung der politischen Geschäfte in Rußland und der versuchten Herabdrückung der Volksvertretung zu einer Werkzeugmaschine kann natürlich Rußland kein Heil erwachsen. Aller Welt ist klar, daß das gegenwärtige Rußland in seiner Rückständigkeit, in seiner geistigen und moralischen Unfreiheit und in seinem Sumpfe inbezug auf die öffentliche Moral nur durch eine gründliche Resorm, an der das Voll mit der Regierung Hand in Hand arbeitet, für eine bessere Zukunft gerettet werden kann; in der Umgebung des Zaren scheinen sich aber immer wieder Einflüsse geltend zu machen, nach denen man es wieder mit einem Rcgierungssystcme versuchen will, welches der Freiheit und dem Fortschritte in Rußland fast gar keine Konzessionen macht. Tieftranrig ist es auch, daß die Duma inbezug auf parlamentarische Arbeiten bisher so gut wie nichts geleistet hat, und ist es dabei allerdings schwierig zu erkennen, ob daran die russische Regierung die Hauptschuld trägt, oder ob die Starrköpfigkeit der russischen Parteien die russische Duma zur Unfähigkeit, neue Gesetze zu machen, ver- damint. Aus der ganzen Situation geht aber auch hervor, daß in keinem Lande der Erde ehrliche und große Reformen, so
„Ja," antwortete Wanda, „Konstanze sprach davon. Da ist sie schon," fügte si: hinzu, als diese an dem Gartentor erschien, „und nun wollen wir keine Zeit weiter verlieren, denn eS ist ein weiter Weg, den wir vor unS haben."
An der einen Seite des Nixenteiches war ein hübsches, schattiches Fleckchen, wo das Gras dicht und weich unter den Bäumen wucherte, deren lange Aeste tief herabhingm und das Wasser streiften. Hier ließen sich Konstanze, Wanda und Fritz mit seiner Angel nieder. Ein leises Lüftchen strick ihnen sanft die Wangen, zu jhren Füßen lag daS silberhelle Wasser, jenseits desselben der Wald in seinem prächtig grünen FrühlingS- kleide — wie glücklich und zufrieden wäre Konstanze jetzt gewesen, wenn sie Wanda allein an ihrer Seite gehabt hätte! Doch da war wieder der Knabe und immer wieder mußte sie es sich gefallen lassen, daß ihr Gespräch dadurch unterbrochen wurde, daß Wanda entweder aussprang, um die an einem Ast oder Stein hängen gebliebene Angel loszunesteln, oder sich voll Interesse zu dem Wasser hinabbog, um die buntge- flcckte Beute zu beobachten.
Konstanze atmete auf, als Fritz, des furchtlosen AngelnS müde, aussprang, um mit dem großen Neufundländer um die Wette zu laufen, und die beiden Mädchen endlich allein ließ. Die Blicke nach dem fernen Wald gerichtet, saß Wanda ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit in tiefes Nachdenken versunken. Plötzlich fuhr sie, sich besinnend, auf und sagte: „Verzeihe mir, Konstanze, ich bin eine sehr langweilige Gesellschaft, aber ich dachte nach."
„Ich konnte gar nicht begreifen,“ begann Konstanze, doch Wanda fiel ihr lachend in das Wort: „Daß so etivaS möglich ist? Das glaube ich gern, und dennoch war eS so. Dn sollst meine Gedanken hören. Ich dachte nämlich" — und hier nahmen ihre Züge einen sehr ernsten Ausdruck an — „ob ich Fritzchen' nicht verwöhne? Ich möchte ihn stets glücklich sehen und sürchte, daß ich ihm dadurch zu oft den Willen tue."
Konstanze zögerte zwischen dem Wunsch, ihren lang unter- drücklen Gefühlen Lust zu machen und der Furcht, Wanda zu erzürnen. — „Ich meine", sagte sie schließlich, „daß Du Dir gar zu viel Sorge um ihn immer machst."