Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark,

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bet Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vs^v^

Herzfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 68.

Dienstag, den 11. Juni

1907.

Amtlicher C<

Hersjeld, den 1. Juni 1907.

Die Militär-Intendantur des XL Armeekorps hat daraus hingewiesen, daß die unmittelbaren Einlieferungeu der Produ­centen an die Proviantämter sowohl nach Menge wie nach Beschaffenheit noch sehr zu wünschen übrig lassen, obgleich die Proviantämter überall bestrebt seien, möglichst unmittelbar mit den Produzenten landwirtschaftlicher Verbrauchsgegenstände in Verkehr zu treten.

Sie glaubt die Ursache u. A. in folgenden Umständen suchen zu müssen.

1. Die Produzenten sind, abgesehen davon, daß sie ihre Ländereien vielfach noch nicht rationell bewirtschaften, kein reines Saatgut verwenden, Unkraut aus den Aeckern nicht beseitigen, in der Bereitung ihrer Produkte für den Verkauf auch nicht sorgsam genug; insbesondere besitzen viele keine zeitgemäßen Reinigungsmaschinen, um das Getreide magazinfähig zu machen.

2. Die Produzenten machen sich von dem Einflüsse der Händler und Makler, unter welchen sie vielfach stehen, oft noch nicht frei; sie lassen sich von diesen Anreden, daß sie seitens der Proviantämter unfreundlich ja chikanös behandelt würden, daß die Abwicklung von unmittelbaren Geschäften mit denselben sehr zeitraubend sei, überhaupt sich für sie nicht eigne.

3. Selbst die landwirtschaftlichen Genossenschaften machen die Geschäfte mit den Proviantämtern vielfach nicht unmittelbar sondern durch Makler.

4. Die Bürgermeistereien zeigen nicht immer das notwendige Interesse, um in ihren Ortschaften dem Verkehr der Producenten mit den Proviantämtern Eingang zu verschaffen, indem sie Bekanntmachungen der Proviantämter ohne Interesse be­handeln, erbetene Auskünfte unvollständig oder überhaupt nicht erteilen.

Um diesen Uebelständen entgegen zu wirken und den un­mittelbaren Verkehr zwischen dem Producenten und dem größten Consumenten, dem Militärfiskus zu sördern, werden die Herren Ortsvorstände veranlaßt, dahin zu wirken,

1. daß die Producenten sich bemühen, bei Verkäufen an die Proviantämter nur reelle und gut gereinigte Ware zu liefern, und daß sie sich hierzu nötigenfalls eventuell ortschaftsweise, die anderwärts üblichen Putzmühlen Preis cirka 150 Mk. anschaffcn,

2. daß sich die Producenten persönlich, nötigenfalls durch den Bürgermeister oder einen Vertrauensmann aus ihrer Mitte wegen Einlieferung ihres Naturals unter Bei­seiteschiebung der Händler und Makler, an die Proviant­ämter wenden,

3. daß die an sie gerichteten Aufforderungen der Proviant­ämter wegen der unmittelbaren Einlieferung von Naturalien ordnungsmäßig bekannt gemacht und erbetene Auskünfte bald und eingehend erteilt, ferner, daß die die Ortschaften bereisenden Proviantamts-Beamten mit Rat und Tat

Das Geheimnis.

Roman von Tea van Husen. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ich werde es zu den übrigen Dingen legen," fuhr sie in ihrem Selbstgespräch fort, wobei sie aus ihrer Kommode einen kleinen Kasten aus Zedernholz nahm und ihn öffnete. Der­selbe enthielt noch einige andere Bilder und Schmucksachen. Hierzu legte sie das Porträt, verschloß den Kasten und stellte ihn mit einem schweren Seufzer wieder in die Kommode.

Konstanzes Entdeckung hatte auf die beiden Mädchen die entgegengesetzte Wirkung gehabt, denn wärend sie in Wandas Innerem jeden Gedanken an Ludolf von Behringen und ihrer Freundin Interesse für diesen verscheucht, hatte sie Konstanze in dem Glauben bestärkt, daß auf WandaS Leben der dunkle Schatten einer geheimnisvollen und unglücklichen Liebe lagere.

III.

Es war ein sonniger Junitag. Vor dem Mellwitzer Herren­haus warfen die breiten, blätterreichen Zweige der hohen Bäume kühlen Schatten, während sie leise rauschend die alten, ehrwürdigen Mauern streiften, weiterhin aber lagen im vollen Sonnenschein ansgebrcitct üppige Rasenplätze, nur hier und da von einem breitäftigen Baum besetzt, in dessen Schatten sich das Damwild und Rindvieh gelagert hatte.

Im Hintergrund znr Rechten lugte zwischen den Bäumen hindurch das Strohdach des Torwärterhäuschens, während zur Linken das Auge die freie Landstraße zu erspähen vermochte. Am Fuße einer mächtigen, alten Eiche. unweit der Terrasse, saß Fran von Behringen, ließ den Blick über die vor ihr auSgebreitete Landstraße schweifen, auf dem dunklen Fichtenwald, der das Bild begrenzte, und dem Hellen Bach, der plätschernd durch den Park lief, und wandle von Zeit zu Zeit lächelnd den Kopf, wenn von den fernen Wiesen her lauteS Rufen unb heiteres Lachen an ihr Ohr drang. Sie war nicht allein. Im Grase neben ihr lag Fritz Malten, den einen Arm um den Hals eines prächtigen LeonbergerS, Frau

in ihren Absichten, den Verkehr mit den Producenten zu beleben, in bereitwilligster Weise unterstützt werden,

4. daß die Landwirte bei jeder sich bietenden Gelegenheit dahin belehrt werden, daß sie bei den Proviantämtern für gute Ware jederzeit die höchsten Tagespreise erhalten und immer schnelle und entgegenkommende Abfertigung finden. Der Verdienst, welcher bei Umgehung des Händlers in die eigene Tasche des Producenten fließt, ist nicht klein und macht eventuell mit der direkten Zufuhr ver­bundene Arbeit reichlich bezahlt.

Die näheren Bestimmungen für Lieferung landwirtschaft­licher Erzeugnisse an Proviantämter sind im Kreisblatt Nr. 38 de 1900 bereits bekannt gegeben worden.

J. I. 4974. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuld­verschreibungen der 3Vs %igen deutschen Reichsanleihe von 1887 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Juli 1907 bis 30. Juni 1917 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 1. Juni d. Js. ab ausgereicht, und zwar durch die Königlich Preußische Kontrolle der Staats­papiere in Berlin S. W. 68, Oranienstr. 92/94, durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstr. 46 a, durch die Preußische Zentral- genossenschaftskasse in Berlin C 2, am Zeughause 2. Hurch sämtliche Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämt­lichen mit Kasseneinrichtung versehene Reichsbanknebenstellen, durch sämtliche preußische Regierungshauptkassen, Kreiskassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen, durch die Hauptzoll- und Steuerkassen, durch sämtliche preußische Hauptzoll- und Hauptsteuerämter, durch alle den preußischen Hauptzoll- und Hanptsteuerämtern-untergeordneten Amtsstellen der Verwaltung der indirekten Steuern, sowie durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet.

Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Ab­hebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungs­scheine (Anweisungen, Talons) einzuliefern sind, werden von den vorbezeichneten Ausreichungsstellen unentgeltlich abgegeben.

Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er- ncucrungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an eine der AusreichungSstellen mittels besonderer Eingabe einzureichen. H. 378.

Berlin, den 27. Mai 1907.

Reichsschuldenverwaltung. gez. v. Bitter.

Die Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher des Kreises ersuche ich mir innerhalb 3 Tagen anzuzeigen:

1. wieviel steuerpflichtige Hunde zur Zeit im Gemeinde­sGuts-) bezirk vorhanden sind und

von Behringen's Lieblingshund, geschlungen. Des Spielens müde, von Bewunderung für das edle Tier und dem sanften Lächeln und der vertrauenerweckenden Stimme von des Hundes Herrin gelockt, war das Kind der Gesellschaft auf der Wiese davongelaufen und lag nun hier im Grase, die braunen Augen voll gespannter Aufmerksamkeit auf die Züge der alten Dame geheftet, während ihm diese von den alten Rittern und Herren erzählte, denen Mellwitz dereinst gehört hatte.

Und als man Jrmgard sagte", fuhr sie in ihrer Geschichte fort,-daß die Raubritter, welche ihren Vater erschlagen hatten, sie nun aus ihrem Heim vertreiben würden, da zeigte sie keine Furcht, Sie lächelte nur und entgegnete, es sei schön, für eine edle Sache zu dulden, und ihre Dienerschaft um sich versammelnd, schütt sie"

Hier brach Frau von Behringen plötzlich ab, denn eine Hand hatte sich Plötzlich auf ihre Schulter gelegt und eine Stimme sagte:Jrmgard muß vorläufig noch zu Hause bleiben, liebe Mutter. Wir brauchen Dich."

Ich wußte nicht, daß Du hier bist, Ludolf", sagte sie, ich glaubte Dich bei den Nebrigen."

Das war ich auch noch vor wenigen Augenblicken. Du gingst aber so gänzlich in Deiner Geschichte auf, daß Du mich nicht kommen hörtest. Doch, wie gesagt, Fritzchen muß bis ein anderes Mal warten, um Jrmgard's trauriges Schicksal zu erfahre«, denn jetzt soll er auf den Heuwagen gesetzt werben und Du mußt auch mitkommen, Mutter, damit Du die letzte Ladung einfahren siehst."

Fritzchens Augen wurden noch einmal so groß, und ver­gnügt sprang er in die Höhe mit dem Ausruf:Auf den Heuwagen! Ja, das gefällt mir! Bitte, kommt schnell!"

Undank ist der Welt Lohn", lachte Frau von Behringen. Meine Dienste sind gänzlich vergessen; nun, ich ergebe mich. Ihr seit zeitig fertig geworden, nicht, Ludols?" fügte sie sich erhebend hinzu, indem sie des Sohnes bargebotenen Arm er­griff, obgleich sie einer Stütze nicht bedurfte, aber es war ihr angenehm, sich auf seinen starken Arm zu lehnen.

Ziemlich", antwortete er.Wir hatten viel Hände znr Hilse. Es war wirklich eine gute Idee von Dir, die HohensteinS einzuladen", fügte er mit freudigem Lächeln hinzu.

2. für wie viele von diesen der volle Steuerbetrag bezw. ein ermäßigter Steuerbetrug zur Gemeindekasse zu zahlen ist.

Hersseld, den 10. Juni 1907.

Der Königliche Landrat v on Gr uneliuS.

Hersfeld, den 8. Juni 1907.

Der in der Stadt Fulda am *13. Juni d. Js. abzu- haltende Vieh- und Schasmarkt ist zur Vermeidung von Störungen der am 12. d. Mts. stattfindenden Berujs- und Betriebszählung aus Donnerstag, den 20. Juni d. Js. ver­legt worden.

I. 5165. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Gemeinfaßliche Belehrung über Schweineseuche.

Wesen.

Die Schweinepest ist eine ansteckende Krankheit der Schweine, die in Form einer Entzündung der Schleimhaut des Darmes auftritt. Der AnsteckungSstoff wird von den erkrankten Tieren mit dem Kote ausgeschieden. Durch Wühlen im Boden, der durch die Ausscheidungen pestkranker Sd>m eine verunreinigt ist, werden gesunde Schweine angcsteckt. Die Verschleppung der Erreger der Schweinepest erfolgt nicht nur durch kranke Tiere, sondern auch durch Zwischenträger, so können Personen, deren Kleider und Schuhwerk durch die Ausscheidungen pestkranker Schweine ver­unreinigt sind, die Seuche in gesunde Bestände einschleppen, und in ähnlicher Weise kann die Schweinepest durch. Stallgeräte, Futtermittel, Streu und Dünger aus verseuchten Ställen in andere Ställe übertragen werden.

"Merkmale an den lebenden Tieren.

Die Aufnahme des AnsteckungSstoffes der Schweinepest hat nicht sofortige Erkrankung der Tiere zur Folge. Offensichtliche Erscheinungen der durch die Ansteckung bewirkten Erkrankung treten erst nach einer bestimmten Zeit (Inkubationszeit) hervor. Die Inkubationszeit bei der Schweinepest ist nicht in allen Fällen gleich, beträgt aber durchschrilirtiü) etwa 10 Tage. Nach dieser Zeit zeigen die Tiere heftigen Durchfall.

Beim raschen (akuten) Verlauf der Schweinepest ist gleichzeitig das Allgemeinbefinden der Tiere schwer gestört. Die Tiere nehmen nur wenig oder gar kein Futter zu sich, haben Fieber und sind sehr schwach. Die Tiere verkriechen sich in der Streuund bewegen sich nach Auftreiben träge und teilnahmlos unter Schwanken des Hinterteils. Akut erkrankte Tiere können schon nach einigen Tagen zugrunde gehen, oder sie sterben im Verlauf von ein bis zwei Wochen. Tiere, die erst nach ein bis zwei Wochen eingehen, magern stark ab. Bei der akuten Form der Schweinepest erkranken ältere und jüngere Tiere ohne Unterschied.

Beim schleichenden (chronischen) Verlauf der Schweinepest werden vorwiegend die jüngeren Tiere lFerkel und Säufer) von der Erkrankung befallen. Die chronisch erkrankten Schweine können wachen- und "monatelang leben und zeigen im Anfang der Er­krankung außer Durchfall wechselnden Appetit und Abmagerung. Daneben haben sie häufig verklebte Augen und einen mir Schors- bildung verbundenen Hautausschlag. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann bei den mit chronischer Schweinepest behafteten Tieren Durchfall mit Verstopfung abwechseln.

Merkmale an den toten Tieren.

Bei gestorbenen, getöteten oder geschlachteten pestkranken Schweinen findet man die Schleimhaut des Darmkanals in grö-

Was für ein reizendes Bild!" rief die alte Dame, als sie vor einer Heckentür angelangt waren und einen Moment stehen blieben, um diese zu öffnen.

Und ein sehr reizendes Bild war es in der Tat. Am Ende eines langen Feldes, welches sich leicht abfallend bis zum Walde hinzog, stand ein hoch mit Heu beladener Wagen, die Köpfe der Pferde waren mit bunten Bändern besetzt, die Schnitter in ihren weißen HcmdSärmeln lehnten aus ihren Sensen und Heugabeln, darüber wölbte sich ein blauer, wolken­loser Himmel und ringsum zog sich wie eine liebliche, grüne Wand der Wald in seiner ganzen Pracht und Frische.

Frau von Hohenstein und Gertrud sitzen dort unter der Ulme, sagte Ludols und sührte seine Mutter quer über die Wiese.Es ist Dir doch lieber, wenn ich Dich zu ihnen bringe. Die anderen stehen an dem Wagen, es würbe Dir aber zu sonnig bort fein. Hier ist meine Mutter gnädige Frau", rief er Frau von Hohenstein schon von weitem zu, ich muß sie nun Ihrer Obhut überlassen."

Er führte sie den Damen zu, worauf er Fritz an die Hand nahm und mit ihm davonlief.

Wo sind die Anderen? Ich sehe sie ja nicht?" fragte Frau von Behringen.

Dort, gerade' hinter dem Wagen", antwortete Gertrud, sehen Sie nicht Wanda's blaues Kleid? Herbert und Arnold sind natürlich wieder ihr Schatten. WaS ist aber aus Kon­stanze geworden? Richtig, da ist sie", antwortete sie sich selbst, mit Bertha Osbom und deren Bruder zusammen, auch Marion steht bei ihnen. Jetzt spricht Ihr Herr Sohn mit ihnen. Was wollen sie tun ? Auf den Wagen steigen ? Ja, ich glaube wahrhaftig, die Damen Nettem alle hinauf. Papa und die Jungen wollen sie nicht hinaus lassen; da jetzt hilft Herr von Behringen dem kleinen Fritz in die Höbe, ach, wenn ich doch auch dabei sein könnte!" schloß die arme Gertrud seufzend, und ihre bleichen Wangen erglühten.

Der Sommerwind trug den Klang heiteren Lachens und Plauderns zu ihnen herüber als der Wagen der Scheune zu knarrte und schwankte, und Gertrud fragte sich, ihm nach­schauend, ob daS nächste Heumachen sie wohl wieder gesund und kräftig finden werde?