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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Rr. 80.

Amtlicher teil.

Durch Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs ist mir die Verwaltung des Oberpräsidiums der Provinz Ostpreußen übertragen worden.

Bei dem Scheiden aus meinem bisherigen Wirkungskreise sage ich den Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau für das mir stets und überall in reichern Maße bewiesene Wohlwollen, den Behörden und Beamten für die bereitwillige Mitwirkung und Unterstützung aufrichtigen Dank und bitte, mir ein freundliches Andenken zu be­wahren. (Nr. 6794.)

Cassel, den 2. Juli 1907.

von Windheim, Oberpräsident.

Hersseld, den 3. Juli 1907.

Die Ortsschulinspektion über die Schulen zu Wippershain und Eitra ist dem Pfarrer Menge zu Wippershain durch Ver­fügung Königlicher Regierung vom 29. v. Mts. B 6844 a übertragen worden.

I. 5966. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Hersfeld, den 3. Juli 1907.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche meine Verfügung vom 15. April 1879, I. I. 4433, Kreisblatt Nr. 31, die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschlag betreffend, noch nicht erledigt haben, werden mit 8tägiger Frist in Er­innerung gebracht.

1. 5915. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. M a l c u s in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des erkrankten König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 9. Juli im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 8. Juli 1907.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Das Geheimnis.

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Fand sie mit ihm zusammen!" wiederholte Frau von Hohenstein, während sie befremdet von dem Schreiben in ihrer Hand ausblickte.

Ja, Mama, man hätte es ihr nie zugetraut, und doch ist es so," entgegnete Konstanze und erzählte nun alles, was sie in der Ballnacht auf der Veranda gesehen, wiederholte die Worte, die sie dort gehört, und wie sie am folgenden Abend, wo sie heimlich vor Wandas Tür gelauscht, sie nach Mitternacht in Mantel und Kapuze habe einschleichen sehen."

Ich kann es nicht glauben," sagte Frau von Hohenstein. Konstanze, sag', wie kam Dir der erste Argwohn?"

Du weißt, daß ich immer viel mit ihr zusammen war," antwortete die Gefragte,und merkte sehr bald, daß sie irgend jemand, von dem sie nicht sprach, sehr lieb hatte; auch wußte ich, daß sie nicht imstande war, ruhig an die Vergangenheit zu denken, geschweige von ihr zu reden. Ucbrigens, Mama, glaubte ich, es wäre das, was Du mir verheimlichst."

Die alte Dame mußte sich erst einen Moment besinnen, bevor sie entgegnen konnte:O nein. Das war im Vergleich hierzu eine reine Kleinigkeit, nur hatte ich zufällig versprochen, darüber zu schweigen. Nun, ich will wieder zu ihr gehen," und mit einem schweren Seufzer verließ sie das Zimmer.

Ihre sonst so milden Züge waren kalt und streng, als sie das Toilettenzimmer wieder betrat.

Konstanze hat mir alles erzählt", sagte sie.Wanda, ist es denn wirklich wahr?"

Kein Wort der Verteidigung. DaS Mädchen schien vor jeder Antwort zurückzuschrecken. '

Wenn je ein Mann geliebt hat", fuhr Frau von Hohen­stein fort,so hat Ludolf Dich geliebt und Deine Gegenliebe auch im vollsten Maße verdient. Ich glaubte ganz sicher, er besäße sie, und freute mich um Euer beider willen; nun scheue ich mich fast, ihm wieder in die Augen zu sehen, wenn ich

Dienstag, den 9. Juli

Bekanntmachung.

Betr.: Maßnahmen zur Abwehr und Unterdrückung der

Maul- und Klauenseuche.

Wir bringen hierdurch die vom 1. Juli l. Js. ab geltenden Anordnungen zur allgemeinen Kenntnis:

1. Der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen wird wieder freigegeben.

lt. Klauentiere, welche aus verseuchten Ländern, als welche z. Zt. Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen gelten, eingeführt und nicht zum Zwecke sofortiger Schlachtung in ein öffentliches oder Privatschlachthaus übergeführt werden, müssen an demjenigen Standort, an dem sie nach ihrer Ein­führung in diesseitiges Gebiet zuerst eingestellt werden, mindestens 7 Tage verbleiben und dürfen diesen Standort innerhalb der nächsten 14 Tage (nach Ablauf der 7tägigen Quarantäne) nur verlassen, wenn sie innerhalb jener Beobachtungszeit nach dem Zeugnis des Großh. Krcisveterinärarztes keine seucheverdächtigen Erscheinungen gezeigt haben. Alle Klauentiere, welche mit den der Beobachtung unterstehenden während der Beobachtungszeit in einem Gehöft untergebracht sind, unterliegen den gleichen Vorschriften.

Alle dieser Anordnung unterworfenen Tiere müssen unver­züglich der Ortspolizeibehörde und von letzterer dem Kreisvetc- rinäramte angemeldet werden, welches über diese Anmeldungen eine Liste zu führen hat.

III. Alle von außerhalb des Großherzogtums kommenden Klauentiere, von denen nicht glaubwürdig nachgewiesen wird, daß sie nicht aus verseuchten Ländern stammen, werden auf den Viehmärkten im Kreise Läuterbach nicht eher zugelassen, bis sie die unter H. vorgeschriebene Quarantänezeit in seuche- freiem Zustand durchgemacht haben.

L a u t e r b a ch, den 28. Juni 1907.

Großherzogliches Kreisamt Lauterbach. I. V.: G e b h a r d t.

nichtamtlicher Ceil.

Las HtrMr in Mmarl.

Der Deutsche Kaiser und die Kaiserin, Prinz Adalbert von Preußen, der König und die Königin und die übrigen Mit­glieder der dänischen Königsfamilie sind gestern um 2 Uhr 35 Min., wie aus Kopenhagen gemeldet wird, mittels Sonderzuges aus Fredensborg wieder dort angekommen. Vor dem Bahnhöfe hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, die die hohen Herrschaften ehrfurchtsvoll begrüßte.

Sofort nach der Ankunft in Kopenhagen fuhren sämtliche Kaiserlichen und Königlichen Herrschaften nach der Frauenkirche und besichtigten dieselbe. Von bort begaben sie sich nach der deutschen St. Petri-Kirche, wo ihnen die deutschen Pastoren, das Kirchenkollegium und die deutsche Mädchenschule vorgestellt wurden. Nach Besichtigung der Kirche fuhren sie nach dem

bedenke, wie tiefes Weh ihm in meinem Hause geschehen ist."

Nun laß mich gehen", flehte Wanda,fort von hier, fort von Euch allen."

DaS kann das Geschehene auch nicht ungeschehen machen," entgegnete ihre Tante.Auch muß ich erst einmal mit Deinem Onkel reden, er hat ja von allem noch keine Ahnung. Willst Du mit zu ihm kommen?"

Nein, nein," rief das Mädchen zurückschrcckend.

Es dauerte eine geraume Zeit, bevor Herr von Hohenstein die Mitteilungen seiner Frau begreifen und die empörten Aus­rufe, in denen er seiner Ueberraschung und seinem Zorne Lust machte, wieder einstcllen konnte.

Wenn Konstanze und Ludolf das nicht alles mit eigenen Augen gesehen hätten," fügte er hinzu,dann würde ich sagen, es ist ganz unmöglich!"

Auch ich," stimmte seine Frau traurig bei.

Und hat sie kein Wort der Entschuldigung?" fuhr Herr v. Hohenstein fort.

Nein. Ich fürchte, KonstanzeS Erklärung ist die richtige," antwortete die alte Dame.Der Mann wird sie ausgegeben haben, als der Schwager Schande über die ganze Familie brächte, und nun, sie bei uns lebt, an einem anderen Ort, wo die Sache nicht bekannt ist, wird er das Verhältnis wieder anknüpfen wollen. Vielleicht, daß ihre Verlobung mit Ludolf feine Eifersucht erregt und ihn zu dem Schritt angespornt hat.

Aber so treulos sie sich auch gezeigt hat, könnte sie mir dennoch aufrichtig leid tun, wenn nicht gerade Ludolf der Betrogene wäre. " Das Herz möchte mir bluten, wenn ich an sein glücklich strahlendes Gesicht denke!"

Es entstand eine Pause, während welcher beide traurig sinnend vor sich niederblickten. Nach einer Weile brach Hen von Hohenstein das Schweigen mit der Frage:Und wie denkst Du nun über ihr Fortgehen?"

Ich halte es für das Richtigste", lautete die Antwort. Ludolf kann doch nicht auf Mellwitz bleiben, so lange sie noch hier ist, und sie hat kein Recht, ihn seinem HauS und seiner armen Mutter fernzuhalten."

Wo aber soll sie denn hin? Sie ist noch zu jung, um ganz allein zu leben."

1907.

Thorwaldsen-Museum, welches sie sich mit großem Interesse besahen. Vom Thorwaldsen-Museum fuhren der Kaiser und der König nach dem Zeughause, während die Kaiserin und die Königin, sowie die übrigen Königlichen Herrschaften nach dem Rosenborg-Schloß fuhren. Vom Zeughause begaben sich der Kaiser und der König gleichfalls nach dem Rosenborg-Schloß, von wo gegen 5 Uhr die Allerhöchsten und Höchsten Herr­schaften nach dem Zollhause fuhren.

Nachmittags 5Va Uhr gingen die Kaiserlichen und die Königlichen Majestäten sowie die Mitglieder der Königsfamilie unter dem Salut der Forts und der Kriegsschiffe an Bord der Hohenzollern, wo der Thee eingenommen wurde. Anwesend waren ferner die Gefolge und die Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin attachierten Damen und Herren. Die Musik­kapelle der Kaiserjacht konzertierte.

Um 6 Uhr verließen der König und die Königin von Dänemark sowie die übrigen Mitglieder der Königsfamilie und das Gefolge unter Salut die Hohenzollern und landeten am Zollhause; von hier aus erfolgte sofort ihre Abfahrt. Um 7 Uhr verließ die Jduna, geschleppt von einem Torpedoboote, den Hasen und segelte darauf nordwärts. Bald darauf ging der Sleipner in See. Um 8 Uhr lichtete die Hohmzollem den Anker und verließ, begleitet von der Königsberg den Hafen. Die Forts und die dänischen Kriegsschiffe schössen Salut. Der Kaiser stand auf der Kommandobrücke. Auf der Langen Linie hatte sich eine große Menschenmenge angesammclt.

Kaiser Wilhelm tritt von hier seine diesjährige Nordlands- rcise an. Die Kaiserin gedenkt mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise aus der Segeljacht Jduna an der dänischen und schleswig-holsteinischen Küste zu segeln.

Bergen, 6. Juli. Die Hohmzollem, mit Sr. Majestät dem deutschen Kaiser an Bord, traf heute abeiib 10 Uhr, be­gleitet von dem Depeschenboot Sleipner hier ein. Der Hohen­zollern wechselte Salut mit der Festung und ging auf dem Puddcfjord vor Anker. Der deutsche Gesandte in Christiania von Treutler, welcher hier eingetroffen war, sowie der deutsche Konsul Mohr begaben sich sofort an Bord der Hohmzollem.

5er Besuch des Herrn Wem in Jeulschlaud

hat nun auch zu einer Interpellation in der französischen Kammer Anlaß gegeben. Vorher hatten sich einzelne Blätter ziemlich gereizt darüber geäußert, daß Herr Etienne aus der Kulisse hervorgetreten sei und in die Rolle des berufenen Darstellers französischer Angelegenheiten des Botschafters Cambon in Berlin, hineingeredet habe. Zur Eifersucht hatte aber Herr Cambon in Wirklichkeit keinen Grund. Hätte er die Gelegen­heit der Anwesenheit französischer Seeleute bei den Regatten benutzt, um selbst nach Kiel zu gehen, würde er wahrscheinlich ebenso freundlich ausgenommen sein wie seine Kollegen Tower

Sie hat Brigitte und Fritzchen," entgegnete Frau von Hohenstein,auch braucht sie ja nicht so weit fortzuziehen."

Du hast Recht. Ich sehe allerdings seinen anderen AuSweg", meinte ihr Mann.

Hohenstein und seine Frau suchten gemeinschaftlich Wanda auf, die ihnen mit traurigem Blick banste für all' die ihr er­wiesene Güte. Ihr Wunsch, Dcubitz zu verlassen, traf auf keinen Widerspruch. Ihr Onkel fragte nurWohin?"

Ich weiß nicht," antwortete sie,jeder Ort ist mir recht." Hohenstein sann einen Augenblick nach, dann sagte er: Wir haben eine alte Haushälterin, eine gewisse Frau Säuber­lich die in W. lebt und Zimmer vermietet. W. ist ein alter nettes Städtchen, ungefähr acht Meilen von hier entfernt. Wenn du willst, bringe ich Dich morgen dorthin."

Nicht morgen," bat Wanda,jetzt gleich, bitte, laß mich gleich fort!"

Wann fährt die zweite Post?" fragte Hohenstein, zu seiner Frau gewendet.

Äst um zwei Uhr", antwortete diese,da kommt Ihr zu rechter Zeit."

So wurde es beschlossen. Ein Bote trug sofort ein ver­siegeltes Briefchen von Wanda nach dem Vorwerk GrieS, und Punkt 1 Uhr waren Brigitte und Fritzchen auf Deubitz. Der arme, kleine Junge war ganz traurig über die ungewöhnlichen Vorbereitungen, seiner Tante totenbleiche? Gesicht und Brigittens strenge Miene und rotgeweinten Augen. Während der letzten Stunde blieb diese mit Wanda auf deren Zimmer; erst als die Zeit zur Abreise da war, gingen sie zusammen hinunter. Die Knaben und Marion hatte man fortgeschickt. Frau von Hohenstein und ihre älteren Töchter erwarteten Wanda im Wohnzimmer. In der ersteren Augen schimmerten Tränen, auch in denen Gertruds; Wanda's Äugen aber blieben troefen. Ein stummer Händedruck, ein Kuß und sie, die länger als ein Jahr der Sonnenschein deS ganzen Hauses gewesen, war fort. Fort! Konstanzc sagte es sich immer und immer wieder, während sie dem davoneilenden Wagen nachjah. Ihre Hoff­nungen waren erfüllt, ihr Ziel erreicht, und dennoch war sie nicht froh.