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herss el-er Armblatt

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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 86.

Dienstag, den 23. Juli

1607.

Amtlicher teil.

Berlin, den 25. Juni 1907.

Aus den Bericht vom 26. Februar d. Js. No. 120 E.

Der Herr Staatssekretär des Reichs-Postamls hat die Postanstalten mit Weisung versehen, daß es zulässig ist, auf die Postkarten, die von den Gemeinden und Gutsvorständen an die preußischen Landräte und Oberamtmänner in den hohenzollernschen Landen in statistischen Angelegenheiten abge- sandt werden, das Portoablösungsverfahren anzuwenden.

Die fraglichen, von dem Königlichen Statistischen Landes­amte auszugebenden Postkarten haben aus der Vorderseite den Adlerstempel des Statistischen Landesamts, den Portoablöfungs- vermerk dieses Amts und die vorgedruckte AdresseAn den Herrn Landrat (bezw. Oberamtmann) in .... zu tragen und müssen aus der Rückseite mit dem Formularausdrucke für die handschriftlich einzutragenden statistischen Angaben versehen sein.

Der Minister des Innern. I. A. gez.: v. Kitzing

An das Königliche Statistische Landesamt hier. (1 a 1175.)

* *

*

Abschrift übersende ich dem Herrn Regierungspräsidenten zur gefälligen Kenntnisnahme.

Der Minister des Innern. I. A. gez.: v. K i tz i n g.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel.

* *

Cassel, den 8. Juli 1907.

Abschrift übersende ich zur gefälligen Kenntnisnahme und Anweisung der Nachgeordneten Behörden. (A. I. 2586.)

Der Regierungs-Präsident. I. V. gez.: F l i e d n e r. An die Herren Landräte des Bezirks.

*

Hersfeld, den 19. Juli 1907.

Abdruck bringe ich zur Kenntnis der Herren Ortsvorstände des Kreises.

I. 6460. Der Königliche Landrat

von Gru n e liu s.

Berlin, den 13. Juni 1907.

Aus den Bericht vom 27. Oktober v. Js. 10807.

Bei Abfassung der Bestimmungen in den § 3 Abs. 1 Nr. 4 und § 18 Abs. 4 der Grundzüge, betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, hat die Absicht vorgelegen, für das Abgeben von Warnungszeichen bei Kraftfahrzeugen Huppen mit ver­schiedenen aufeinander folgenden Tönen von dem allgemeinen Gebrauch auszuschließen. Dieser Absicht ist bei den Beratungen über dieGrundzüge" in den Bundesratsausschüssen Ausdruck verliehen worden.

Es unterliegt daher keinem Bedenken, bei Kraftfahrzeugen überall Huppen mit sogenannten Akkordtönen zuzulassen, da mit diesen das Warnungszeichen in einem geschlossenen Akkord- tone abgegeben wird. Einer Aenderung der den Grundzügen entsprechenden Polizeiverordnungen bedarf eS hierbei nicht, es

Die Erbin.

Roman von I. d'Anin. (Nachdruck verboten.)

L

Herrn Burklays Arbeitszimmer hatte an diesem klaren Septembermorgen ein ganz besonders einladendes Aussehen. Nichts trug den Charakter eines kahlen, unsympathischen Ge- schästsbureaus oder den einer Junggesellenwohnung. Was die Geschäfte betraf, so hatte er dieselben längst an den Nagel gehängt. Der fleißige, liebenswürdige Mann und geborene Sammler genoß nach rastloser Tätigkeit die wohlverdiente Ruhe.

Herr Burklay war ein Sechziger, groß und stattlich. Sein Gesicht zeigte einen an Melancholie grenzend stillen AnSdruck. Der Bart war ergraut, aber unter der hohen Stirn leuchtete ein blaues Augenpaar, das seinerzeit einen besonderen Glanz besessen haben mußte. Er stand vor dem Schreibtisch und blickte aus vereinzelt liegende Blätter mit langen Zahlreihen.

So", murmelte er vor sich hin,meine kleine Nell wird sich nicht über den Onkel beklagen können". Und Blätter und Bücher von sich schiebend, schritt er nachdenklich im Zimmer aus und nieder. Nell ließ auf sich warten. Ein Diener mit einem beladenen Prüfentierbrett trat ein.

Will der Herr mit dem Frühstück aus das Fräulein warten? Virginie sagt mir, sie würde in zehn Minuten hier fein."

Gut Baptiste, ich werte warten, ich bin nicht eilig."

Baptiste stellte einen kleinen Tisch, den er sorgfältig deckte, vor das knisternde Kaminfeuer, das trotz der hereinflutenden Sonnenstrahlen, am Morgen angezündet worden war. Die Mahagonitäselung hob sich glänzend von der graublauen, stilvollen Tapete ab. An den Wänden liefen niedere, englische Regale entlang, aus denen wertvolle, eigenartige Einbände, je zu ihrem Inhalte passend, hervorlugten. Bronzen, Terra­kotten und Elfenbeiugegenstände, die mit echtem Kunstsinn darüber gruppiert waren, gaben dem Ganzen einen warmen, lebenSfrischen Hanch.

empfiehlt sich aber die Polizeibehörden dahin zu verständigen, daß die Verwendung von Huppen mit Akkordtönen weiterhin von ihnen nicht zu beanstanden sei.

Dagegen ist die Verwendung von Trompeten mit einem Ton zur Abgabe von Warnungszeichen, selbst außerhalb der im Zusammenhänge gebauten Ortschaften unzulässig. Auch die stillschweigende Zulassung derselben würde in denGrundzügen" eine Stütze nicht finden.

III. B. 12. 323. M. d. r. M. II a. 4184. M. d. J.

Der Minister des Innern. I. V.: gez. v. Bischosshausen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. I. A.: gez. Kranke.

An die Herrn Oberpräsidenten, den Herrn Polizeipräsidenten hier und den Herrn Regierungspräsidenten in Sigmaringen.

*

Cassel, den 30. Juni 1907.

Abschrift übersende ich Euerer Hochgeboren zur gefälligen Kenntnisnahme und entsprechenden Mitteilung an die Nachge­ordneten Behörden. Nr. 6648.

Der Ober-Präsident. J. V.: gez. M a u v e.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier.

*

* Cassel, den 9. Juli 1907.

Abschrift zur gefälligen Kenntnisnahme und Beachtung. Die Herren Landräte ersuche ich, die Polizeibehörden mit ent­sprechender Anweisung zu versehen. A. II. 5830.

Der Regierungs-Präsident, I. V.: gez. F l i e d n e r. An die Herren Landräte und Polizeidirektoren des Bezirks.

* *

Hersseld, den 18. Juli 1907. .

Vorstehend abgedruckten Ministerial-Erlaß teile ich den Orts- polizeibchörden des Kreises zur Beachtung mit. I. 6320. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 19. Juli 1907.

Zündhölzer und andere Zündwaren, die unter Verwendung von weißem oder gelbem Phosphor hergestellt sind, dürfen nach § 3 des Gesetzes, betreffend Phosphorzündwaren vom 10. Mai 1903 (R. G. Bl. S. 217) vom 1. Januar 1908 ab nicht mehr scilgehalten, verkauft oder in den Verkehr gebracht werden.

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden die Inhaber von Wandergewerbescheinen bezw. von p ol izeiliehen Erlaubnisscheinen auf obige Bestimmung hinzuweisen. J. I. 6252. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 13. Juli 1907.

Im Verlage von Julius Springer zu Berlin ist die Tech­nische Anleitung zur Ausführung der polizeilichen Maß- und Gewichts-Revisionen nach ihrer Ergänzung durch den König­lichen EichungSinspcktor Zimmermann daselbst in vierter Aus­lage neu erschienen und von der Verlagsbuchhandlung zu be­ziehen.

Etwas ungeduldig schritt Herr Burklay dazwischen hin und her.

Vergiß auch die Orangen nicht, Baptiste", rief er dem sich entserneyden Diener nach, der soeben noch die Lampe unter dem Kupserkessel angezündet hatte.

Sie sind schon hier, Her Burklay, Virginie kennt den Geschmack des FräuleinS."

Bei diesen Worten trat die Erwartete ein und stand in zwei Sätzen vor dem Onkel, der das schlanke Mädchen freubig in seine Arme schloß.

Nellie, meine kleine Nellie, ich bin wirklich ganz stolz auf Dich!" rief er aus.

Und voller Entzücken betrachtete er das junge, lebensfrohe Geschöpf vor sich, das auch keinerlei Spuren modernen KränkelnS an sich trug. Ihre Bewegungen waren geschmeidig und harmonisch. Arme, Schultern und die volle Büste, die eines Weibes und nicht einer Puppe. Bei ihren zwanzig Jahren ließ ihre Figur das schönste Ebenmaß ihres jugend- srischen Körpers erraten. Das kastanienbraune Haar umrahmte in Naturlöckchen die weiße Stirn und die klaren, lachenden Augen, die einen fest anschauten, blickten weder verträumt ^och sehnsüchtig ins Leere. Die gerade Nase und der etwas große Mund mit den schönen geschwungenen Lippen, deren Winkel ein schelmisches Lächeln unmerklich hochzog, sowie das runde Küpr verrieten überlegte Willenskraft. Und über dem Allen lag der Schein der Morgenröte. Die rosige Ge­sichtsfarbe, an jeder Wetters Unbill gewöhnt, zeugte von Ge­sundheit und ließ die Beimengung zweier Rassen erkennen, die einer älteren, feineren, in Verbindung mit einer jüngeren, neueren, solideren. Nellie von Verneuil trug einen schlichten, dunkelblauen Rock, dessen tadelloser Sitz ihre schlanke Figur vorteilhaft hob, dazu eine cremefarbene in winzige Fältchen gelegte Seidenbluse.

So, kleine Nell, jetzt laß uns aber frühstücken", jagte Herr Burklay, feine Nichte an den kleinen, einladenden Tisch führend.

Von amerikanischer Herkunft hatte Herr Burklay die Ge­wohnheit eines etwas konsistenten ersten Mahles beibehalten, das dem drüben arbeitenden Manne gleich bei Beginn des

Der Preis eines Abdrucks beträgt 40 Pfg. Beim Bezüge von mehr als 10 Abdrücken tritt eine Preisermäßigung aus 35 Psg. für den Abdruck ein.

Die Ortspolizeibehörden mache ich hieraus aufmerksam.

I. 6265. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher Cell.

Korea.

Korea, das Land derMorgensrische", hat durch die Ab­dankung des jetzigen Kaisers zu gunsten des Kronprinzen, wieder einmal das politische Interesse auf sich gezogen, wie dies schon bei Ausbruch des Krieges zwischen Rußland und Japan der Fall war, bildete doch Korea den Zankapsel zwischen den beiden Gegnern. Der für die Japaner siegreiche AuSgang des Krieges mit Rußland hatte zur Folge, daß Japan eine Art Schutzherrschaft über Korea ausübte und dasselbe ganz wie einen Vasallenstaat behandelte, was sich auch in dem zwischen Japan und Korea abgeschlossenen Protektoratsvertrag ausdrückte, laut welchem sich Korea so ziemlich aller Selbständig­keit begab. Seitdem sind von koreanischenPatrioten" wieder­holt Versuche gemacht worden, für ihr Land wieder etwas mehr Selbstbestimmungsrecht zu erlangen, doch alle diese Ver­suche scheitern an der Unbeugsamkeit und Rücksichtslosigkeit, mit welcher die Japaner alle freiheitlichen und nationalen Regungen in Korea von Anbeginn ihrer Schutzherrschast an niedergehalten haben, dasLand der Morgensrische" blieb der japanischen Willkür preisgegeben, sein Herrscher blieb eine Marionette in den Händm Japans. Jüngst hatte nun der koreanische Schattenkaiser eine Anwandlung von Sebstgefühl bekommen und auf eigene Faust eine Sondergesandtschaft zur internationalen Friedenskonferenz im Haag geschickt, welche bort feierlichen Protest gegen das Auftteten Japans in Korea ein» legen sollte. Die Friedenskonferenz hat es jedoch abgelehnt, die koreanische Sondermission anzuerkennen und auszunehmen, und da die koreanischen Herren im Haag überdies an Geld­mangel leiden, so spielen sie dort eine bemitleidenswerte Rolle. Dem Kaiser von Korea aber hat sein unüberlegter Schritt die Krone gekostet; nachdem sein Vorgehen schon zu scharfen Aus­einandersetzungen zwischen ihm und seinen Ministern geführt hatte, ist nun japanischerseits mit rauher Hand eingegriffen worden, denn sicherlick ist es auf die energischen Vorstellungen deS japanischen Residenten in Söul, Marquis Jto, und deS aus Tokio in der koreanischen Hauptstadt angekommenen japa­nischen Ministers des Auswärtigen, Vicomte Hayoschi, zurück- zuführen, wenn sich nunmehr der Kaiser zur Abdankung cnt- schloß. Was mit dem bisherigen Inhaber des koreanischen Thrones geschehen wird, ob man ihn vielleicht aus lebens­längliche Verbannung nach Japan schicken wird, wie dieS mehrere japanische Minister befürworten sollen, das scheint noch

Tages einegehörige Stärkung zuführt. Beide hatten gleichzeitig zu den bereits abgeschälten Orangen gegriffen, die sie aus die zierlichen, langen Gabeln ausspießten. Daraus brühte Nell . den Tee an, während der Onkel ein saftiges Stück Schinken aus seinen Teller legte.

Weißt Du, Nell", begann er,ums Haar hättest Du mich nicht in Patts angetroffen, worüber ich geradezu un- ttöstlich gewesen wäre, Kind! Ich war nämlich im Begriff nach Leipzig zu fahren, von wo man mir eine seltsame Pracht­ausgabe von Luthers Erstlingswerk angezeigt halte. Wie kam es denn, daß Du Dich zu der plötzlichen Abreise ent- schloffest?"

Ganz einfach, lieber Onkel. Freunde von Tante, bte Hobsons, kamen nach Paris und ich zog es natürlich vor, lieber die Reise in Gesellschaft mit ihnen zu machen, als erst zwei Monate später und dann vielleicht allein. Darum siehst Du, lieber alter Onkel, mich hier vor Dir viel schneller, als Du es erwartetest, ja vielleicht gar, als Dn es gewollt, jedenfalls aber viel früher als Virginie es gewünscht", setzte sie lachend hinzu.

Für Virginie ist eS auch eine gewaltige Sache eine Herrin im Hause zu haben! du mußt bedenken, daß sie mir seit zwanzig Jahren den Haushalt als Selbstherrschern! führt. Wie hat sie sich denn mit der Einrichtung Deiner Zimmer abgesunden?"

Gar nicht übel. DaS darf Dich nicht bekümmern, Onkel. Die Hauptsache ist die, daß ich Dich, deinen letzten Nachrichten entgegen, bei guter Gesundheit finde, was ich kaum zu hoffen wagte. Aber ivaS sind denn das für Abrechnungen, die Du mir vorlegen willst, derentwegen Du mich kommen ließest? Wenn Du mich zu sehen wünschtest, brauchtest Du doch nur zu schreiben:Nell, ich habe Sel>nfncht nach Dir, komm!" und ich hätte die Reife bei weitem ruhigeren HerzenS angetreten, währenddem ich mich so immer wieder fragen mußte, waS mich wohl erwartete. Erst feit gestern atme ich ordentlich auf."

Herr Burklay stand gerührt auf, nahm den Kopf seiner Nichte in beide Hände und küßte sie zärtlich.

WaS mich betrifft", entgeguete er,so bin ick vou'tänbig