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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 98. Dienstag, den 20. August 1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 14. August 1907.
Die Ortsschulinspektion über die Schulen zu Wippershain und Eitra ist dem Pfarrer Todenhöfer zu Wippershain durch Verfügung Königlicher Regierung vom 7. d. M., B. 9342 II, übertragen worden.
I. 7324. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 15. August 1907.
Unter der Schafherde des Schäfers Strech zu Hof Ottersbach, Kreis Ziegenhain, ist die Räude erloschen.
1. 7354. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
In Wölsershausen bei Heringen, Werra, ist eine Telegraphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fern- sprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, 13. August 1907.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hosfmann.
nichtamtlicher teil.
Sie Gefahr des Kieheraastraches öes HolleatatteaaHaahes in Teuisch-M- westafri!.
Morenga, der noch übrig gebliebene Hottentottenhäuptling, der mit einigen hundert Hottentotten eine Zuflucht in der englischen Kapkolonie gesunden hatte, ist mit 400 seiner An- bänger wieder in Deutsch-Südwestafrika eingefallen und soll sich mit seiner Schar aus dem Wege nach Warmbad befinden. Mit dieser Rückkehr Morengas nach Deutsch-Südwestafrika ist die Frage des Wiederausbruches des Hottentottenausstandes in der deutschen Kolonie eine aktuelle geworden, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der kühne Hottentottensührer Morenga aufs neue gegen die deutsche Herrschaft in Südwest- afrika kämpfen will. Es ist auch damit zu rechnen, daß noch einige Hottentottenführer, wie Simon Copper und die Gebrüder Lambert, in schwer zugänglichen Landesteilen von Deutsch-Südwestafrika noch ihr Unwesen treiben und wahrscheinlich auch noch einige hundert Anhänger haben, welche bereit sind, mit ihren Führern aus Tod und Leben gegen die Deutschen zu kämpfen. Diese übrig gebliebenen Parteiführer der Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika kämpfen auch deshalb mit dem Mute der Verzweiflung, weil sie manchen Meuchelmord gegen deutsche Offiziere, Soldaten und Farmer
Die Erbin.
Roman von J. d'Anin.
Machdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Nichts, Signor Angelo, es sei denn der Besuch der Priorin unserer Frauen von „Sainte Parole", welche in Mexiko eine Erziehungsanstalt zu gründen beabsichtigt, zu der ihr die nötigen Mittel fehlen. Sie wünschte darüber mit Ihnen zu reden. Ich habe der ehrwürdigen Dame indes zu verstehen gegeben, daß wir uns auf derartige Geschäfte nicht einließen, daß wir niemals Geldvorschüsse geben, sondern uns damit begnügen, dasjenige unserer Kunden in Empfang zu nehmen um es, lediglich zu ihren Gunsten, zu verwerten."
„Recht so, Tomaso. Diese würdigen Damen haben für dergleichen kein Verständnis. Die Zeiten sind schlecht und mein Geld kommt nur spärlich ein."
„Da fällt mir noch ein, Signor Angelo, Prinz Monte- corvello war vor einem Augenblick hier."
„Was wollte er?" fragte gespannt aushorchend Angelolti.
„Nichts besonderes", kicherte der alte Beamte, „die Kleinigkeit von fünftausend Lire!"
„Fünftausend Lire!" schrie Angelolti purpurrot vor Zorn. „Fünftausend Lire!" Und Du hast sie ihm gegeben? Ich hoffe doch nicht etwa“ . . .
„Gott bewahre! Ich anwortete ihm, Sie würden um 5 Uhr zurückkehren, dann solle er seine Sache mit Ihnen abmachen, da ich diese Verantwortung nicht auf mich nehmen könne."
„Gut!" cntgcgnctc Angelolti sichtlich beruhigt und betrat sein Arbeitszimmer. „Wenn der Prinz kommt, dann führe ihn hier herein, Tomaso."
„Fünftausend Lire!" murmelte er abermals vor sich hin, während er an seinem Pult, das nichts anderes als ein kleiner, weißlackierter, mit einer Wachsdecke bezogener Tisch war. Platz nahm. „Das geht ja flott! Er soll sich doch nachher mal gleich sein Schuldkonto näher mischen.
Angelolti trat an den Geldschrank, den er vorsichtig öffnete. Aus den ersten Blick hatte man den Eindruck, in eine Bibliothek
aus dem Gewissen haben und deshalb schwere Strafen fürchten, wenn sie sich freiwillig in die deutsche Gefangenschaft be- geben. Der Hottentottenführer Christos Lambert wird ja sogar direkt beschuldigt, den Leutnant von Trotha meuchlerisch erschossen zu haben, und man kann sich daher denken, wie das letzte Häuflein der Hottentotten um ihr Dasein kämpfen wird, um nicht den Deutschen in die Hände zu fallen. Zwischen Morenga und Simon Copper und den Gebrüdern Lambert scheint überhaupt schon vor dem Einfalle Morengas in das deutsche Gebiet eine Verabredung getroffen worden zu fein, denn eS heißt, daß Morenga deshalb auf Warmbad marschieren will, um sich dort mit den Anhängern Simon Coppers und der Gebrüder Lambert zu einem gemeinsamen Kampfe gegen die Deutschen zu bereinigen. Es ist aber wahrscheinlich, daß dieses letzte Aufflackern der aufständischen Bewegung in Deutsch- Südwestafrika doch zu keinem großen Aufruhre führen wird, da man die mit Gewehren bewaffneten Hottentotten unter Morenga, Simon Copper und den Gebrüdern Lambert nur aus einige hundert Mann schätzt. Auch scheint diesmal der englische Gouverneur der Kapkolonie mit Hilfe seiner zahlreichen Polizei denjenigen Schritt zu tun, der es ermöglichen wirb, Morenga aus deutschem Gebiete zu sangen oder mit seinem Anhänge niederzumachen. Der Gouverneur der Kapkolonie hat erklärt, daß Morenga alle Zuflucht in der Kapkolonie verloren habe, weil er gegen sein Versprechen mit bewaffneter Macht heimlich entwichen und in Deutsch-Südwestafrika eingefallen sei. Auch hat die englische Polizei den Befehl erhalten, Morenga mit seinen Anhängern entweder gefangen zu nehmen oder in das deutsche Gebiet zurückzutreiben. Es ist daher zu hoffen, daß es den deutschen Truppen, die noch in einer Stärke von etwa 6000 Mann in Deutjch-Südwcstafrika stehen, gelingen wird, die Hottentottenhäuflein unter Morenga, Simon Copper und Gebrüder Lambert einzukreisen und unschädlich zu machen. Auch find bereits im Südosten von Deutsch-Südwestafrika Truppen in Bewegung gesetzt worden, um den Hottentotten die Ausbreitung in das Innere zu verwehren. Auch sei bemerkt, daß von den Hereros ein neuer Ausstand nicht drohen kann und auch eine nennenswerte Anteilnahme von Hereros an dem Ausstande nicht möglich ist. Von den Hereros, die nicht in dem großen Aufstande gefallen oder im Sandselde verhungert und verdurstet sind, hat sich nur eine Anzahl von etwa 700 Mann nach dem englischen Betschuanenland geflüchtet, und der Führer dieser HereroS, Samuel Maharero, ist von den Engländern sogar nach Johannisburg gebracht worden. Es ist also von diesen in der Ferne weilenden Hereros unter diesen Umständen eine Beteiligung an einem neuen Ausstande nicht so leicht zu fürchten. Die Hauptmasse der Hereros, etwa 12 000 Männer, Frauen und Kinder, befinden sich in deutscher Gefangenschaft, und sind an verschiedenen Orten als Strafgefangene untergebracht, wo sie teils in Farmen, teils bei Straßenbauten arbeiten müssen.
* *
♦
Zu der Meldung, daß Morenga beabsichtige, mit seinem
zu sehen. Nebeneinander standen reihenweise kleine Bücher. Das waren Angelottis Schuldner. Jeder von ihnen hatte sein eigenes Buch, das oft die wunderlichsten Bemerkungen enthielt. Dasjenige dcS Prinzen wies endlose Zahlenreihen auf, die Don Urbino bereits zur Zeit, als er mit seinem Länderverkauf begann, eingeweiht hatte.
Bei Don Cäsar angelangt, fügten die Zahlen eine einzige Spalte aus. Hin und wieder schien eine große, der ein geheimnisvolles Zeichen vorausging, das Gleichgewicht herstellen zu sollen. Seit einigen Monaten figurierten nur noch Angelottis Vorschüsse, die er durch ein unvorsichtiges Angebot für die Kosten deS Matrimonialguics noch bedeutend erhöht hatte.
Zu dieser Stunde schuldete ihm der Prinz die runde Summe von fünfzigtausend Lire.
Soeben ging die Tür auf und Don Cäsar erschien auf der Schwelle.
„Sagt einmal, Angelolti," begann er, seine Nervosität unter dem Schein verächtlichen Hochmuts verbergend, „was soll denn das eigentlich bedeuten? Vorher kam ich bereits her und der Staffieret verweigerte mir eine kleine Summe mit der Bemerkung, mich mit Euch darüber zu verständigen. Habt Ihr mir nicht versprochen, alles Nötige zu besorgen?"
„Tomaso hat Recht getan. Die Summe, Prinz, ist durchaus nicht so gering, wie Sie anzunchmen belieben. ES sind fünftausend Lire! „Und, rasch den Ton verändernd, fügte er hinzu „Euer Exzellenz wissen doch, was Sie mir schulden?"
„Davon ist ja schon vor drei Monaten bic Rede gewesen", entgegnete Don Cäsar betroffen.
„Allerdings. Und Euer Exzellenz zeigten sich damals willig meinem Rate zu folgen, deshalb hielt ich mich Ihnen auch zu Diensten bereit. Wie weit sind Sie denn nun vorgeschritten, Prinz, mit Ihren Heiratsaussichten?"
„Ihr gebt zu rasch vor, Angelolti, ich habe beiden Mädchen bis Jetzt den Hof gemacht."
„Beiden?"
„DaS mußte ich doch. Aber jetzt darf ich einigermaßen hoffen aus Ziel zu gelangen. Ich glaube der kleinen Erbin Liebe sicher zu sein .
ehemaligen Raubgenossen Johannes Christian zu unterhandeln, sei bemerkt, daß dieser Anfang Oktober 1906 in Keetmanns- hoop durch einen Boten um Frieden hat bitten lassen. Nachdem ihm freies Geleit zugesichert war, traf er am 24. Oktober mit 50 Kriegern in Heirachadis ein und begab sich nach Ukamas, um dort mit Oberstleutnant v. Estorff zu verhandeln. Da er aber erklärte, er könne über die Waffenabgabe nicht ohne Zustimmung Joses Christians und anderer Großleute der Bondelzwarts beschließen, verzögerten sich die Verhandlungen, so daß sie erst im Dezember zu Ende geführt und am 28. Dezember der Vertrag unterzeichnet werden konnte. Dieser spricht die Unterwerfung aus. Die Waffen mußten abgegeben werden. Als Wohnsitze, die sie nur mit Erlaubnis verlassen dürfen, wurden den sich Unterwerfenden Lokationen bei Warmbad, Gabis, Draaihoek und Worte! zugewicsen. Ihre Ueber- sührung dahin ging glatt von stattcn.
Ae Sitten in Marokko.
Ueber die bedrohliche Lage in Marokko sind aus Mogador Briefe in Tanger eingegangen. Sie besagen, daß in Mogador wegen des von den berühmten Saharahäuptling Maalainin angedrohten Angriffes große Unruhe herrsche und daß die Bewohner die Stadt auf einem französischen Dampfer verlassen. In Tanger geht das Gerücht, daß durch die Nachrichten aus Casablanca alle Städte im Innern ausgcreizt seien und daß an verschiedenen Stellen der heilige Krieg gepredigt werde. Die Europäer verlassen Marra- kefch. Der Auszug aus Tanger dauert an. Viele europäische Familien sind nach Gibraltar gefahren. Diese ernsten Meldungen werden durch eine Nachricht aus Marrakeich ergänzt, der zufolge sämtliche Mitglieder der dortigen europäischen Kolonie unter dem Schutze Muley Hamids nach dem Hafenplatze Saffi abgereist sind. Franzöfischerseits ist man ersichtlich bestrebt, die Lage in Marokko in einem möglichst günstigem Lichte darzustellen. Admiral Philibert depeschierte aus Casablanca, daß in Mazagan Ruhe herrsche und daß auch in Casablanca, Saffi und Rabat die Lage eine besriedigende sei. Weiter verheißt eine Meldung der „Agence Havas" aus San Sebastian den Wiedereintritt friedlicher Zustände in Marokko, sobald die Kabylenstämme die Gewißheit erlangt hätten, daß das französisch-spanische Vorgehen ein beschränktes beiden werde. Weiter kann der Optimismus wohl nicht getrieben werden. In Casablanca herrschen Mißhelligkeiten zwischen dem französischen und dem spanischen Truppenkommandanten. — Die Pariser Blätter melden aus Casablanca, daß das französische Konsulat die Verluste, welche die Europäer erlitten haben, auf zehn Millionen schätzt. Nach Blättermeldungen aus Tangxr schifften sich 83 Franzosen aus Magador in einem Kriegsschiffe ein. Die Berber sollen Mckines geplündert haben und auf Fez marschieren. Der Wachsen habe einen angesehenen Scherif ausgeschickt, um die Stämme in der Umgebung von Casablanca zu beruhigen.
„Hier, Prinz, sehen Sie sich dies einmal an," begann Angelolti kurz entschlossen. „Sie schulden mir 50000 Lire, ohne die 5, die Sie jetzt aufs neue beanspruchen, die ich Ihnen aber leider zu geben außerstande bin. Die Saison geht zu Ende und die Fasten beginnen. Nach Ostern verlassen die Damen Rom. Dann tritt die Hitze ein und die Festlichkeiten erreichen ihren Abschluß. Was bleibt nun noch von den Empfängen übrig ? Heute ein letzter Hvsball und übermorgen der Kostümball der Roccabellas. Und nun mein letztes Wort, Prinz! Wenn Seine Eminenz, Ihr Onkel, nicht binnen acht Tagen für Sie um die Hand des jungen Mädchens angehalten hat, so ziehe ich mich zurück, und Sie mögen zusehen, wie sie sich verteidigen können."
„Mich verteidigen?" rief der Prinz erstaunt aus, „und gegen wen?"
“ „Gegen Ihre Gläubiger, mein Prinz! Denn nicht ich bin eS, der Ihnen die Summe vorgeschossen hat; haben Sie das etwa geglaubt? Hin und wieder gab ich eine Garantte für Sie, aber bares Geld — nie! Ich bin selbst nur ein armer Mann, der schwer arbeiten muß und nicht in der Lage, dem Prinzen Montecorvello 50000 Lire vorschießen zu können. Es ist das Geld von Kunden und Freunden meinerseits, das Sie auSgeben, Don Cäsar, und diese Leute sind keineswegs gewillt, es zu verlieren."
„Aber," erwiderte der Prin^ endlich aus seiner Betäubung erwachend, „wodurch hoffen denn diese Leute, ihr Geld wieder zu erhalten, es sei denn, daß ich eine reiche Heirat mache?"
„Auf Ihren Palast hoffen sie, Prinz! Alt und verfallen ist er allerdings, aber feinen Wert hat er noch immer. Der Palast ist eS, der für die Summe gut sagt, die man Ihnen geliehen!"
„Der Palast?"
„Natürlich! Dachten Sie etwa, daß man mir ohne jedwede Garantie dieses Geld anvertrauen würde? Es wurde gegen eine Hupotbck auSgehändigt, die Sie also, ohne einen Blick darauf zu werfen, unterzeichnet haben!"
„Mein Palast!" wiederholte der Prinz niedergeschmcttert, „folglich . . .'