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Hersselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 103.

Sonnabend, den 31. August

1007.

Amtlicher teil.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des verstorbenen König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 3. September im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hcrsseld, den 30. August 1907.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 28. August 1907.

Die unter dem Schweinebestand des Gastwirts Heyer zu Biedebach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 7833. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Irr tag hob Schau.

Wieder ist der denkwürdige Tag gekommen, an dem vor nunmehr 37 Jahren die letzte französische Feldarmee in Stärke von 85 000 Mann die Waffen streckte und der französische Kaiser Napoleon III., der Neffe jenes Napoleon, der Deutsch­land einst aufs tiefste erniedrigt, gefangen genommen wurde, und es ist eine nationale Pflicht, der Ereignisse einer großen Vergangenheit zu gedenken, die leider Gefahr liefe, der Ver­gessenheit anheimzufallen, wenn es nach den Wünschen derer ginge, die unsrer nationalen Entwickelung entgegenarbeiten oder lau zur Seite stehen.

Von allen Ereignissen jener glorreichen Zeit hat keins den Eindruck erreicht, den die Kunde von dem Zusammenbruche des napoleonischen Frankreichs bei Sedan im In- und Aus­lande hervorrief. Siebenunddreißig Jahre sind seitdem ver­flossen, und immer noch schlägt unser Herz höher, wenn wir uns die Stimmung wieder ins Gedächtnis zurückrufen, die damals unser Volk ergriffen hatte.

Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm Durchs Land frohlocken im Jubelsturm, Des Flammenstoßes Geleucht sacht an! Der Herr hat Großes an uns getan.

Ehre sei Gott in der Höhe!

fang Emanuel Geibel, und er traf damit den richtigen Ton; denn überwältigend war der Jubel, der nach dem Tage von Sedan die deutschen Gaue erfüllte. Nun war erreicht, was viele Geschlechter vergebens ersehnt hatten : die aus dem Schlacht- selde in gemeinsamem Kampfe besiegelte Waffenbrüderschaft barg die Wiederaufrichtung des deutschen Kaiscrthroncs in sich.

Man wird nicht zuviel sagen, wenn man behauptet, daß trotz vieler Herz und Gemüt erhebender Ereignisse späterer Tage niemals wieder eine ähnliche weihevoll tiefe Erregung unser ganzes Volk von den Alpen bis zum Meere durchzittert hat. Deshalb wurde auch der Sedantag der Tag, in den wir die Erinnerung an die große Zeit zusammensaßten, und an dem wir unsere Friedensseier begingen. Er erinnert am die glor­reichen Waffentaten, denen nachzueifern in der Stunde der Gefahr die Pflicht gebeut. Er mahnt aber auch daran, nicht durch Zwietracht im Innern an der Unterwühlung der Funda­mente zu arbeiten, auf denen der stolze Bau des Reiches ruht. Die Sedanfeier regt nicht nur zu ernstem Nachdenken und Vergleichen zwischen einst und jetzt an, sie predigt uns auch stets aufs neue, daß ohne jene Begeisterung, die den Menschen mit sich fortrcißt und ihn das Leben gering achten läßt, wenn eS gilt, für die Ehre seines Volkes, seines Landes einzutreten, jede Nation zugrunde gehen muß. Deshalb ist eS auch mit besonderer Befriedigung zu begrüßen, daß durch ministerielle Verfügung die Schulen angewiesen wurden, den alten schönen Brauch der Sedanfeier zu wahren, damit sich die Jugend er­baue und erhebe an den Bildern aus der großen, gewaltigen, gesegneten Zeit.

So wollen wir denn auch in diesem Jahre den Sedantag in dankbarer Erinnerung und unbekümmert um Neider und Nörgler begehen! Möge seine Wiederkehr mit dazu beitragen, das gegenwärtige Geschlecht zu stählen, damit die Stunde der Gefahr, wenn sie, was Gott verhüten wolle, einmal kommen sollte, uns innerlich und äußerlich gewappnet finde und wir uns der Väter wert zeigen können! Vor allem aber wollen wir Sedan als ein Fest des Friedens feiern, den daS mächtige Deutsche Reich, soweit es in seinen Kräften und seine Ehre nicht auf dem Spiele steht, stets zu wahren gewillt ist. Und dabei wollen wir auch jener Männer gedenken, die unS er­

möglicht haben, so Großes zu erreichen. Vaterlandsliebe, Dank­barkeit und deutsche Treue sollen, das wollen wir auch heute wieder geloben, uns immerdar den Weg weisen, den wir zu gehen haben.

Zieh', deutsches Volk, heut' hoch am Mast die Fahnen

Und laß sie flattern weithin durch das Land!

Erfüllt ist jenes Sehnen unsrer Ahnen,

Der Himmel hat uns Einheit hergesandt.

Zwar ist gewonnen sie auf blut'gen Bahnen. Doch deutsche Kraft hat welsche übermannt, Und was uns einst durch schnöden Spott entwunden, Stolz haben wir's im bittern Kampf gefunden.

Wie zuckte es so freudig durch die Reihen, Als einst man stritt ums angestammte Gut! Erloschen war die Flamme der Parteien, Und Nord und Süd verband ein starker Mut; Von tiefer Schmach wollt man das Land befreien Und hrt's erreicht durch manchen Tropfen Blut; Der Deutsche Aar, der kraftlos brach zusammen. Er stieg verjüngt aus der Begeistrung Flammen.

Heut' haben wir, wonach die Väter rangen, Und wollen wahren unser einig Reich!

Was froh der Sänger Saiten je besangen, Fühl als das höchste unsre Brust zugleich. Ein idealer Geist halt' unsern Sinn umfangen Und stimme auch ein sprödes Herze weich. Treu Kaiser Wilhelm! soll die Losung heißen, Zu Glück und Sturm mag er den Weg uns weisen.

Drum hoch am Mast heut', deutsches Volk, die Fahnen

Und laß sie flattern weithin durch das Land!

Erfüllt ist jenes Sehnen unsrer Ahnen, Der Himmel hat uns Einheit hergesandt. Ein heller Stern, mag sie uns stets ermähnen, Und sanft umschlinge uns ihr trautes Band; Ja, Deutschlands Ruhm soll durch die Zeiten glänzen Und herrlich blühn in immer schönern Lenzen!

Otto Welther.

Politischer Wochenbericht.

Auch die abgelaufene Woche stand unter dem Zeichen der persönlichen Begegnungen. Zunächst ist der B e s u ch des französischen Botschafters Cambon beim Reichskanzler Fürsten Bülow in Norderney zu verzeichnen, der unter sehr befriedigenden Eindrücken verlaufen ist. Beide Staatsmänner sind feit einer Reihe von Jahren durch persönliche Beziehungen verbunden, und sie konnten in freundschaftlicher Aussprache ihr Einvernehmen und ihre Zu­versicht in der Entwickelung der deutsch-französischen Be­ziehungen feststellen. Um besondere Abmachungen und be­stimmte Fragen hat es sich, wie offiziös festgistellt wurde, nicht gehandelt, der Besuch war vielmehr der Ausdruck der gegen­wärtig zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden ruhigen und freundlichen Beziehungen. Er schließt sich damit an die Monarchcubcgeguung von Swinemünde und Wilhelmshöhe an.

Eine Ergänzung dieser Begegnungen bildete der Empfang des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau beim englischen Könige in Marienbad und die M i n i st e r z u so m m e n - kunft auf dem Semmering, wo sich die beiden Minister deS Aeußern Italiens und Oesterreichs Tittoni und Freiherr v. Aehrenthal in der Berichtswoche ein Stelldichein gegeben hatten, dem sich kurz daraus ein Empfang des italie­nischen MinisterS Tittoni beim Kaiser Franz Joses von Oester­reich anfchloß. Mit aufrichtiger Genugtuung wird man in Deutschland vernehmen, daß durch die jüngsten Besprechungen das während des Besuches des Freiherrn v. Aehrenthal bei Herrn Tittoni in Desio erzielte rückhaltlose Einvernehmen über alle schwebenden Fragen der internationalen Politik auf dem Semmering besiegelt worden ist. Insbesondere hat die Stel­lung der beiden Mächte zu den Problemen, die Oesterreich- Ungarn und Italien in erster Linie berühren, sowie namentlich zu den Angelegenheiten des europäischen Orients völlige Klärung erfahren, so daß der fernere Gang der Politik durch keinerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen Wien und Rom gehemmt erscheint. So schließt sich auch die Ministerbegegnung auf dem Semmering den bisherigen Monarchenbesuchen und Besprech­ungen leitender Staatsmänner harmonisch an und darf wie diese als ein denkwürdiges Ereignis von allen sriedliebenden Nationen mit lebhafter Sympathie begrüßt werden.

Eine neue Wendung Hot das W i e d e r a u ft a u ch en des Hottentottenführers Morenga genommen, der sich nach den letzten Nachrichten aus unserm Schutzgebiete noch auf englischem Boden befindet ober dahin zurückgekehrt ist und die englischen Farmen plündert. Jetzt lernen die Eng­länder diesen Banditen in seiner praktischen Tätigkeit aus eigener Anschauung kennen. Bisher plünderte Morenga auf deutschem Gebiet und zog sich zur Sommerfrische und zur neuen Aus­rüstung auf englisches Gebiet zurück. Wir können mit dieser Wendung der Dinge nur zufrieden sein. Die Anwesenheit MorengaS aus englischem Gebiete hat die Kapregierung in

heilsamer Weise angespornt, eine größere und ausreichend Truppenmacht zu mobilisieren und dem Straßenräuber ernsthast aufs Fell zu rücken. Anderseits gewinnen wir durch das Grenz-Jntermezzo Zeit, unsere Truppen an die Grenze heran- zusühren, um dann gemeinsam mit der englischen Kappolizei den Angriff gegen Morenga zu beginnen. Welchen Nnfluß Morenga im Hottentottenlande noch besitzt, zeigt die Tatsache, daß bereits Morris, allerdings nur mit wenigen Leuten, zu ihm übergegangen ist. Hoffentlich gelingt es, beider Banden- führer endlich habhaft zu werden.

Die Erörterung der Abrüstungsfrage aus der Haager Friedenskonferenz ist fast unbeachtet vor sich gegangen. Das ganze Ergebnis der Verhandlung war, daß der Kongreß die im Jahre 1899 angenommene Resolution betreffs der Erwünschtheit allseitiger Erwägungen wegen Ein­schränkungen der Rüstungen wiederholt hat. Auch ohne eine solche Anregung ist indessen jeder Staat und nicht zum wenigsten das Deutsche Reich von dem Bestreben beseelt, keine überflüssigen Auswendungen für militärische Rüstungen zu machen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß nichts so sehr die Erhaltung des europäischen Friedens seit Jahrzehnten ge= sördert hat wie die starke militärische Machtstellung des Deutschen Reiches zu Lande und zu Wasser.

Recht beunruhigend ist die L a g e i n M a r o k k o ge­worden. Zwar herrscht in den Küstenstädten und auch in Casablanca vorläufig Ruhe, aber die Europäer haben nunmehr insgesamt Fez verlassen. Ein Gegensultan in der Person Mulay Hafids, des Bruders des Sultans, ist von der europa- seindlichen Bevölkerung ausgerusen worden, der mit einem Heer aus Casablanca marschiert, ja es geht das allerdings noch un­bestätigte Gerücht, dr.^ der Sultan Abdul Aziz in seinem eigenen Palaste ermordet worden sei. Der französische General Drude rüstet sich zu einem Vorstoß gegen die Kabylen. Frank­reich sieht sich genötigt, immer größere und kostspieligere Kampf­mittel aufzubieten, während das mit ihm verbündete Spanien keine Neigung verspürt, sich allzu tief in ein nicht ungefähr­liches Abenteuer einzulassen. Die Schwierigkeiten werden voraus­sichtlich noch wachsen, wenn die Herbststürme ein weiteres Ver­bleiben der Kriegsschiffe an der marokkanischen Küste unmöglich machen.

Kiiisertksiiih in öannouer und SitltftD.

S e. Majestät der Kaiser nahm gestern nach dem Diner im Königlichen Schlosse Gesangsvorträge des Königlichen Schloßkirchenchors, des Hannoverschen Männergesangvcrcins und eines gemischten ChoreS, bestehend aus dem Lehrergesang­verein und tausend Knaben der Hannoverschen Bürgerschulen, entgegen. Die beiden ersteren hielten ihre Vorträge in den Roten Sälen deS Schlosses, der letztere auf dem Schloßvorhose. Der Kaiser dankte -ben Dirigenten und wurde, während er die Vorträge des gemischten Chores vom Schloßbalkon aus an« hörte, vom Publikum mit lebhaften Ovationen begrüßt.

Vom Generalkommando begab sich Se. Majestät im Auto­mobil mit den Herren der Umgebung zur Rennbahn auf der Großen Bult, wo er vom Direktorium mit dem Oberpräsidenten an der Spitze empfangen wurde. Der Kaiser wohnte den angesehen vier Jagdrennen der Offiziere bei. Dem Sieger deS Kaiscrpreis-Rcnnens, Rittmeister von Rabenau, der auf seiner Stute Urahne gewonnen hatte, überreichte der Kaiser persönlich den silbernen Pokal.

Abends 7 Uhr fand im Residenzschloß bei Seiner Majestät dem Kaiser Tafel für die Provinz Hannover statt.

Heute vormittag 10 Uhr sind Se. Majestät der Kaiser, der Kronprinz, Prinz Eitel-Friedrich und Prinz Oskar mit Umgebung im Sonderzuge von Hannover nach Bielefeld ab­gereist. Zur Verabschiedung waren der Oberpräsident Dr. v. Wcntzel und der kommandierende General v. Stünzner er­schienen.

Die Stadt Bielefeld ist allenthalben reich mit Fahnen und Girlanden geschmückt. An der Feststraße vom Bahnhof zum Schillerplatz bildet sich ein Spalier von Kricgervercinen, Schulen und anderen Vereinen. Aus der Umgegend sind viele Tausende herbeigeströmt. Aus dem Schillerplatz gegenüber dem neuen Rathaus ist ein Prunkzelt errichtet, aus der Terrasse des Rat­hauses erhebt sich daS noch verhüllte marmorne Reitcrdenkmal Kaiser Wilhelms des Großen von Frhrn. v. Tettau und Bild­hauer Albrecht. DaS Wetter ist schön.

Se. Majestät der Kaiser traf mit dem Kronprinzen und den Prinzen Eitel-Friedrich und OSkar um 113A Uhr Vor­mittags hier ein. Aus dem Bahnhöfe waren zum Empfang der Kommandierende General Freiherr v. Bissing und der Oberpräsident Frhr. V. d. Recke anwesend. Der Kaiser fuhr, stürmisch begrüßt, durch die Feststraße zum RathauS, wo die Vertreter de? Stadt Aufstellung genommen hatten. Eine Ehren- kompagnie vom zweiten Bataillon deS Infanterieregiments Nr. 55 erwies die Honneurs, Ehrenjungfrauen überreichten Blumen. Se. Majestät der Kaiser begrüßte den Wirkl. Geh. Rar. Bros. Hiilzpcter und Pastor v. Bodelschwing sowie andere Herren. Die Vereinigten Männergesangverrinc Bielefelds sangen die Hymme: Die Himmel rühmen b^ Ewigen Ehre. Oberbürger­meister, Geh. RegicruugZral Bunnemann hielt eine Ansprache