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hersselder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Somtagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 106

Sonnabend, den? September

1907.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 2. September 1907.

Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Einzahlung des Betrages für das den Gemeinden im laufenden Jahre staats- seitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskasse unter­bleibt, wodurch die betreffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loosholz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herrn Bürgermeister schon jetzt aus den Inhalt der diesseitigen Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, aufmerksam zu machen.

A. 3986. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 2. September 1907.

In den Kreisen der Fleisch- und Trichinenbeschauer wird Klage darüber geführt, daß die Erhebung der tarifmäßigen Gebührensätze bei dem Publikum auf Schwierigkeiten stoße, weil häufig eine geringere Vergütung als die vorgeschriebenen Tarifsätze angeboten würden.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, dem schlach­tenden Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß die Beschauer unter die vorgeschriebenen Sätze nicht hcrnntergehen dürfen, widrigenfalls sie den Widerruf ihrer Bestallung zu gewärtigen haben.

1. 7887. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 30. August 1907.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche meine Verfügung vom 23. Juli d. Js. St. Nr. 1450 Kreis­blatt Nr. 88 betreffend Vervollständigung und Einrcichung der Verzeichnisse der steuerfreien Gewerbe noch nicht erledigt haben, ersuche ich um umgehende Erledigung.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.

von G r u n e l i u s.

Hersseld, den 2. September 1907.

Die neue Jagdordnung vom 15. Juli d. J. nebst Aus- sührungsanweisung vom 29. Juli d. J. bearbeitet von A. Ebner, Syndikus des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins wird in dem Verlage von Carl Heymann, Berlin W. 8. Muucrstraße Nr. 43/44 in Kürze erscheinen.

Das gebundene Exemplar in grünem Einband wird zum Vorzugspreise von 2 Mk. abgegeben, wenn die Bestellung bei dem gedachten Verlag bis zum 31. Dezember d. I. eingeht; nach dem 1. Januar 1908 erhöht sich der Preis auf 2,40 Mk. Ich verfehle nicht, die Herren Bürgermeister des Kreises auf das Erscheinen des Werks hinzuweisen.

I. 7878. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des verstorbenen König­lichen Kreisarztes, Mcdizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 10. September im Sitzungszimmer des hiesigen LandratsamteS von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 6. September 1907.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 31. August 1907.

Unter dem Schweinebestande des Schmieds Karl Schrodt ;u Philippsthal ist Rotlansseuche ausgebrochen.

I. 7896. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 2. September 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Schlvssermcisters Steinmetz zu Hersseld ausgebrochene Rotlausseuche ist er­loschen.

I. 7912. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 2. September 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Eduard Heurich zu Philippsthal auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 7979. Der Königliche Landrat

v o n Grunelius.

UZniglicher Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil.

Amerika und Saunn.

Im Westen der großen Nordamerikanischen Republik er­schallt jetzt Heller Jubel, denn die Amerikaner an der ganzen Westküste der Vereinigten Staaten wissen jetzt, daß Ende dieses Jahres die Regierung eine große Schlachtflotte, aus 16 Schiffen bestehend, an die Suite des Stillen Ozeans senden wird. Es ist also doch wahr, daß sich Nordamerika in Bezug aus Japan für schlimme Ereignisse rüste, denn sonst würde es der Regie­rung in Washington nicht einfallen, fast die ganze amerika­nische Kriegsflotte nach der fernen Küste des Stillen Ozeans zu schicken. Es ist dies sowohl eine politische, als auch eine militärische Maßregel ersten Ranges, denn Nordamerika legt dadurch den ganzen Schwerpunkt seiner Streitkräfte zur See auf die Stelle, die von den japanischen Kriegsschiffen bedroht erscheint. Nun kann es ja allerdings als richtig gelten, daß weder die amerikanische noch die japanische Regierung Lust haben, sich in einen Krieg zu stürzen, aber es kommen für den Ausbruch eines Krieges sehr oft Faktoren in Betracht, welche eine Regierung gar nicht in den Händen hat, und der gefähr­lichste Faktor für den Ausbruch eines Krieges zwischen Japan und Nordamerika ist in den Volksleidenschaften zu erblicken, welche sich zumal der Bevölkerung in Kalifornien gegenüber den dort ansässig gewordenen Japanern bemächtigt haben. Die Einwohner Kaliforniens und der ganzen amerikanischen West­küste erblicken in dem japanischen Kaufmann, Handwerker und Kulivermieter hinsichtlich des wirtschaftlichen Lebens in Amerika Konkurrenten aus Leben und Tod. Der japanische Handwerker arbeitet in Amerika, in dem Lande der hohen Arbeitslöhne und der großen Handelsprofide für die Hälfte, ja für den dritten Teil des sonst üblichen Arbeitslohnes, und der japa­nische Kaufmann sucht sich durch Einführung der spottbilligen japanischen Artikel in Amerika fest zu setzen, und den amerika­nischen Kaufmann zu verdrängen. Dabei möchte der in Amerika eingewanderte Japaner mit seinen Kindern gleichzeitig an allen geistigen und technischen Errungenschaften Amerikas wie ein Vollbürger teilnehmen. Kurz und gut, der gelbe Mann aus dem Reiche des Mikado hat sich in Amerika in einer Weise verhaßt gemacht, daß der amerikanische Mob in Kalifornien jeden Augenblick bereit ist, unter dem Beifall der freien amerikanischen Bürger die eingewanderten Japaner samt den ebenfalls in Amerika lebenden Chinesen totzuschlagen oder in das Meer zu werfen. Bekannt ist aber, daß die Japaner in Bezug auf ihre Weltstellung und ihre Bestrebungen, überall Einfluß zu erlangen, das stolzeste, leidenschaftlichste und kühnste Volk der Erde sind, denn die Verletzung dieses Stolzes und deS angeblichen Rechtes der Japaner, sich überall auszubreiten und einzunistcn, hat ja zu dem russisch-japanischen Kriege ge­führt, dessen Zweck die erneute Zulassung der Japaner in der Mandschurei und deren Festsetzung in Korea war. So stehen sich in einer sehr prekären Lage in dem Gegensatze zwischen Nordamerika und Japan große und furchtbare Volsleiden- schaften, Rassenhaß und Ehrgeiz, Selbstsucht und Ausbreitungs­trieb gegenüber, und die durch einen unglücklichen Zufall zur Flamme werdende Volksleidenschaft in Kalifornien kann wie der Funke in ein Pulverfaß wirken. Gegenüber dieser gefähr­lichen Lage haben die leitenden Männer in Washington natür­licherweise auch erkannt, daß die amerikanische Westküste fast gar nicht gegen feindliche Angriffe bisher geschützt war, und deshalb wird die große amerikanische Schlachtflotte dahin ent­sandt. Nordamerika, das nun auch auswärtige Gegner be­kommen hat, wird nun aber auch zu ganz anderen Rüstungen zu Wasser und zu Lande schreiten müssen, wenn es im Ernst­fälle im Stande sein will, seine weiten Gebiete mit Erfolg zu verteidigen.

Politischer Wochenbericht.

Die abgelaufene Woche hat unter dem Zeichen von Truppen- vorftellungen gestanden. In Hannover und Westfalen war das X. und VII. Armeekorps, in Berlin das Gardekorps zu einer Heerschau vor dem obersten Kriegsherrn ver­sammelt, und weiten Kreisen in Stadt und Land war dies ein willkommener Anlaß, dem Kaiser bei seinem Erscheinen den Zoll der Ehrfurcht zu entbieten und vor aller Welt die Eintracht der Nation in der Fürsorge für daS deutsche Rüstzeug zu er­weisen. Während seines Aufenthalts in der westfälischen Haupt­stadt Münster hat der Kaiser bei dem Festmahle der Provinz eine hochbedeutsame Rede gehalten, die sich als ein Mahnruf zur Einigkeit im Innern darstellt. Sie gestattet der Oeffeut« lichkcit einen tiefen Einblick in die Denk- und Empfindungs­weise unseres Kaisers. Mit begeisterten Worten rief der Herrscher wiederum sein Volk zur Einigkeit auf, zu gemeinsamer Arbeit zu des Vaterlandes Wohl und Wehe, und wiederum sucht er den Ausgleich in der christlichen Religion, der Religion der Liebe, die hinwegsieht und sortschrcilct über trennende Schranken und alle Konfessionen und alle Berufe vereinen soll unbeschadet des Rechts des einzelnen aus freie Betätigung dessen, was er für recht und billig hält. Er wendete sich an alle LandeS­

kinder; er gedachte der Bürger und Bauern, der Bergleute und der Arbeiter, jedem teilte er gleichmäßig das Lob treuer Arbeit zu und will nicht ablassen von den Bahnen sozialer Fürsorge, die sein Großvater eröffnet hat. Seinem Herzen stehen die alten preußischen Landesteile und die später erwor­benen Provinzen, die Angehörigen aller Bekenntnisse, aller Be­rufe gleich nahe. Führwahr, es waren goldene Worte, die unser Kaiser in Münster gesprochen hat, und sie werden ihre nachhaltige Wirkung in den Kreisen, für die sie vorzugsweise bestimmt sind, sicherlich nicht verfehlen.

Der S e d a n t a g ist auch diesmal von allen national gesinnten Kreisen im gesamten deutschen Vaterlande als natio­naler Fest- und Ehrentag begangen worden, und das mit gutem Rechte, ist doch der 2. September von keinem Geringeren als dem Fürsten Bismarck als der eigentlicheGeburtstag des neuen Deutschen Reiches" bezeichnet worden.

Das zwanzigjährige Regierungsjubiläum des Fürsten Ferdinand von Bulgarien ist vom ganzen bulga­rischen Volke als Nationalfest gefeiert worden. In einer von der Bevölkerung sehr freundlich aufgenommenen Kundgebung zieht der Fürst einen Vergleich zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und erklärt, daß die erzielten Erfolge haupt­sächlich den bewunderungswürdigen Eigenschaften des Volkes zu verdanken seien. Er fordert das jüngere Geschlecht auf, das begonnene schöne Werk fortzusetzen, indem es sich von dem Patriotismus der beiden letzten Geschlechter leiten lasse, welche die Freiheit zu schätzen wußten und es verstanden, die von Rußland für die Befreiung des Landes gebrachten Opfer nutz­bringend zu verwerten. Möge es ihm vergönnt sein, sein Volk aus der Bahn der Wohlfahrt rüstig weiter zu sührcn!

Die Verworrenheit der Lage in Marokko hat sich in keiner Weise geändert. Der Gegensultan Muley Hafid hat eine Proklamation erlassen, in der er seine Thronbesteigung ver­kündet und denHeiligen Krieg" gegen den Franzosen erklärt. In Fez sind mehrere hohe marokkanische Würdenträger, darunter der Minister des Aeußern, ermordet worden. Bei Casablanca haben neue Kämpfe stattgefunden, in denen auch die Franzosen Verluste an Toten und Verwundeten hatten. Der Räuber Raisuli rüstet sich zum Streite. Alle marokkanischen Berg­stämme sollen sich mit ihm vereinigt haben, wodurch seine Macht erheblich verstärkt worden ist.

Die noch so kurze Geschichte des jüngsten parlamentarischen Staatswesens Persien ist durch die an russische Vorbilder er­innernde ErmordungdesGroßvesirs, des persischen Ministerpräsidenten, befleckt worden. Die Bluttat ist zweifellos als ein Akt des politischen Terrorismus anzusehen, der in Persien seinen Einzug gehalten hat, seitdem die durch den kürzlich verstorbenen Schah cingeführte Konstitution die auf sie gesetzten Hoffnungen getäuscht hat. Der Getötete wurde von den Liberalen für den langsamen Gang der Reformen ver­antwortlich gemacht und hat nun seinen Widerstand gegen das allzu ungestüme Drängen der Opposition mit dem Tode büßen müssen. Der Ermordete galt als ein sehr kluger Staats­mann, von dem für das Wohl Persiens im Lande noch viel erhofft wurde.

Sie MyleMm-fe bei Casablanca.

Der 3. September war für die ftanzösischen Truppen vor Casablanca offenbar ein recht kritischer Tag. Alle Bravour, die ihnen in den bisherigen Gefechten nachgerühmt wurde, hat die Angriffskrast des den Tod verachtenden Gegners bisher nicht im mindesten erschüttern können, eS scheint im Gegenteil, als wüchse die Kampflust der Kabylen von Tag zu Tag, und die vereinzelten Erfolge, die sie bei den letzten Angriffen un­streitig errungen haben, werden ihr Selbstbewußtsein zweifellos in hohem Grade steigern.

Ueber die Affärc vom 3. September liegt folgende ergän­zende Meldung vor: Gegen Mittag war das Gefecht in einer Ausdehnung von über zehn Kilometern zwischen Taddert und dem im Gebiete der Ziadia-Stämme gelegenen Fitmellil im vollen Gang. Zwei Batterien-Millimeter Geschütze, eine Batterie Achtziger wurde gegen die von allen Seiten amückenden Kabylen gerichtet, welche sogar versuchten, die Höhen zu er­klimmen, wo die Geschütze aufgestellt waren. Die Franzosen wollten, da weiteres Vordringen bedenklich schien, den Rückzug mitteten, als an ihrem linken Flügel zwei Abteilungen, durch 800 Meter voneinander entfernt, hatt ins Gedränge gerieten. Die Führer dieser Abteilungen, Obersten Blaue und Brulard, ordneten Karreebildung an. Die Fremdenlegionäre setzten die Bajonette auf, und im mörderischen Nabkampi fielen acht fran= zösijchc Soldaten. Major Prsvost konnte sich nicht enthalten, beim Anblick der beiderseitigen Bravour in die Hände zu klatschen, da brach er, vvn einer Kugel in die Brust getroffen, zusammen. Dieser Verlust des geliebten Führers erregte Bestürzung unter )cn Legionären. Die Mauren nutzten da§ momentane Er- chlafsen der Franzosen zu einer Umgebung. Die Legionäre vollten um jeden Preis die Leichname von Prevost und Be nizzaS bergen. Zum Glück für die Franzosen griff im rechten Augenblick Artillerie ein und sprengte die maurischen Abteilungen auseinander.

Paris, 5. September. Nach Bläuermeldungen auS