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herrfeltzer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 108.
Donnerstag, den 12. September
1007.
Amtlicher teil
Hersseld, den 9. September 1907.
Nach Mitteilung des Kreisassistenzarztes Dr. Malcus zu Hünseld sind ihm von den Herren Bürgermeistern des Kreises mit Ausnahme von Hilmes noch nicht die Verzeichnisse über die außerhalb der Irrenanstalt lebenden Geisteskranken zugesandt worden.
Ich bringe daher meine Verfügung vom 3. Mai 1893 I. I. Nr. 2772 — Kreisblatt Nr. 57 — in Erinnerung und erwarte, daß die genannten Verzeichnisse nunmehr innerhalb 6 Tagen dem stellvertretenden Kreisarzt Herrn Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünseld zugesandt werden.
Der Termin ist in Zukunft genauer zu beachten.
I. 8225. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 4. September 1907.
Die Beschaubezirke der Gemeinde Philippsthal werden, hierdurch wie folgt anderweit abgegrenzt:
I. Bezirk: Beschauer Heinrich Eibert, von Haus Nr. 1 bis einschl. Nr. 80 und die Gastwirtschaft des Karl Zinn.
II. Bezirk: Beschauer H. Niebeling, von Haus Nr. 81 ab, mit Ausnahme der Gastwirtschaft des Karl Zinn.
I. 8135. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
UZnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich vo« 9—13 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Ieiilschliuiil unb die Marokkoasslitt.
Die französische Regierung hatte die Absicht, zusammen mit der spanischen in den acht marokkanischen Häfen französisch- spanische Polizeikorps aufzustellen. Nach der Konserenzakte von Algesiras soll die Polizei marokkanisch sein und haben Frankreich und Spanien nur Polizei-Instrukteure zu liefern. Es mag unter den gegenwärtigen Umständen schwierig sein, die Polizei in Gemäßheit der Algesirasaktc einzurichtcn. Anderseits wäre ein erhöhter Schutz für die Fremden in den Hafenstädten dringend erwünscht. Der französische Vorschlag hat aber das Bedenken gegen sich, daß die Ausstellung fremder Polizeikorps, eben weil nicht in der Konserenzakte vorgesehen, die Marokkaner noch mehr reizen und zu Uebersällen veranlassen könnte. Eine
Die Erbin.
Roman von I. d'Anin.
(Nachdruck verboten.) (Fortjetzung.)
XXL
Nach der Abreise der Damen von Verneuil und dem damit verbundenen entgültigen Scheitern seiner Hoffnungen, war der Prinz in ein wahres Labyrinth von Nöten und Schwierigkeiten schlimmster Art geraten. Angelotti, dessen Aussicht auf die Wiedererlangung seines Geldes immer ferner rückte, ließ die ganze Meute der Gläubiger auf den unglücklichen Cäsar los; denen er vorläufig nur gestattete, das gejagte Wild durch ihr Gebell in Angst zu versetzen. Das vorauf- gegangene Halali dazu hatte der Wucherer, der Don Cäsar das Kostüm für den Ball geliefert, geblasen. Prinz Cäsar war am Versinken. Er suchte Trost, Rat, Hülse bei Freunden und Angehörigen und fand statt dessen nur ein kühles, gleichgültiges Entgegenkommen. Die alte Eminenz hatte nur den einen Wunsch, ihr Leben in den wenigen von ihr benutzten Räumen des alten Palastes zu beschließen. Mochte sein Neffe sehen, wie er sich aus der Schlinge zog.
Gebrochen, verzweifelt kehrte er zu Bianka zurück. In seiner letzten Not gedachte er der Freundin seiner Kindheit, des Weibes, mit dein weichen, warmen, opferfreudigen Herzen.
Cäsar war im Grunde kein schlechter Mensch, ihm fehlte nur die Kraft zum Guten. Er war hülflos und schwach. — Daher kam ihm jetzt der Gedanke an Bianka. An dein Abend, als der Kardinal Angelotti seine Unterschrift zu der Vollmacht für den Verkauf des Palastes gegeben hatte, begab sich Don Cäsar zu seiner Kusine. Weshalb? Er wußte es selbst nicht. Vorläufig brauchte er nur Ruhe und Liebe.
Es schlug fünf, als er bei der Prinzessin eintrat. Sie befand sich im Garten. Der bescheidene Palast, in dem Donna Bianka eine Zuflucht gefunden, machte einen Teil der Nebengebäude eines früheren Klosters aus. Er besaß einen kleinen Garten von hohen Mauern umgeben, der mit dein Beginn des Frühlings eine wahre Oase von frischem, saftigem Grün
solche Gefahr besteht namentlich für Tanger, das leicht einen Angriff der aufgeregten Stämme in seiner Umgebung ausge- sctzt ist. Raisuli hat sich der Sultanstruppen, die ihn gefangen nehmen sollten, erwehrt und wieder großen Anhang unter den Kabylen bei Tanger gewonnen.
Die französische Regierung hatte der deutschen ihr Vorhaben in einem Promemoria mitgeteilt und dabei bemerkt, daß die Maßregel nur provisorisch ergriffen werden sollte. Damit glaubte man, etwaige Bedenken im voraus zerstreut zu haben. Gleichwohl hat es die deutsche Regierung für gut befunden, die französische an die Algesirasakte zu erinnern und größere Rücksicht aus die Lage der fremden Kolonien zu verlangen, als sie bei dem militärisch nicht genügend vorbereiteten Vorgehen in Casablanca geübt worden war. Eine solche Erinnerung war durchaus am Platze. Mit aller Deutlichkeit heißt es in der deutschen Antwort: Die Kaiserliche Regierung wolle zwar der mit außergewöhnlichen Umständen motivierten militärischen Aktion Frankreichs keine Hindernisse bereiten, wünsche aber, daß sich schwere Schädigungen der fremden Kaufleute, wie die in Casablanca erlittenen, nicht wiederholen möchten.
Eine bloße Mitteilung, daß provisorisch etwas im Widerspruch mit der Algesirasakte übernommen werden soll, genügt nicht, dazu ist eine Verständigung nötig. Sonst könnte pro- visoiisch alles Mögliche an der Akte geändert werden, was hinterher schwer wieder zu beseitigen wäre. Garantien oder Kompensationen — sonst geht es nicht. Der ruhige und freundschaftliche Ton der deutschen Antwort sowie die Anerkennung der außergewöhnlichen Umstände, durch die sich Frankreich zu militärischem Einschreiten genötigt gesehen hat, wird dazu beitragen, das Verständnis dafür zu erhöhen, daß, so lange nicht ein neues Abkommen getroffen ist, die Beobachtung der Algesirasakte das beste Mittel zur Vermeidung neuer, allerseits unerwünschter Konflikte bildet.
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Nach Meldungen aus Casablanca waren französische Truppen, dreitausend Mann stark, bereit, am Sonntag morgen nach Taddert zu marschieren, als die Aerzte dem General Drude absolute Ruhe auserlegten. Da dieser es nicht für notwendig hielt, die Ereignisse zu überstürzen, so verschob er den Marsch, den er selbst kommandieren wollte aus den folgenden Tag. Es handelt sich um einen Anfall von gastrischem Fieber. Der General hofft, ihn heute so weit überwunden zu haben, daß er das Kommando wieder übernehmen kann.
SelWiitz ihr Mm in tak
Die in harte Bedrängnis geratenen Scharen der japanischen Arbeiter in Vancouver sind zur Selbstverteidigung geschritten und haben damit alsbald die besten Erfahrungen gemacht.
London, 10. September. Aus Vancouver wird gemeldet, daß bei weiße Pöbel gestern abend abermals Ruhestörungen beging. Zuerst begab er sich in das chinesische Viertel, wurde aber von der Polizei mit gezogenen Stäben
darstelltc. Die Natur trug die Kosten für dieses versteckte Wunderplätzchen und Bianka verbrachte dort ihre Tage. Das Gärtchen war ihr unbestrittenes Reich, denn die alten Leute, die den übrigen Teil beS Palastes bewohnten, fürchteten sich vor der Lust und vor der, den Pflanzen entsteigenden Feuchtigkeit. Hier in tiefster Einsamkeit und Abgeschlossenheit bemühte sich Bianka ihr Innerstes kennen zu lernen.
Der Prinz, der den Ort zum erstenmal betrat, blieb zögernd und überrascht an dem Eingänge stehen. Ein verrostetes Gitter von alter, schöner Schmiedearbeit umschloß einen kleinen Kreuzgang mit grauen Steinsäulen, unter denen einige Trümmer der Bildhauerkunst umherlagen. Wie jeder noch so kleine römische Palast, enthielt auch biefer sein keimendes Museum.
Schwerfällig drehte sich die Türe unter den Händen des Prinzen und ohne Bianka zu bemerken, schritt er zwischen hohem Gras und Blättergerank dahin. Ein schmaler Pfad lief zwischen dichtem Buschwerk in gerader Linie jiuf eine Rosenlaube zu. Dort saß die Prinzessin auf einer Steinbank und Cäsar, der stehen geblieben war, betrachte sie auS der Entfernung. In ein langes, weißeS Sergekleid gehüllt, lehnte sie gegen einen Sarkophag. Ein Genueserschal fiel vom Kops über die Schultern herab und sein milchweißer Widerschein umspielte schmeichelnd ihre blassen Wangen. Ihr zur Seite, in einem kleinen Bassin, stritten sich zwei Nymphen um eine Blume, auS der sich ein dünner Wasserstrahl mit monoton leise plätscherndem Sang ergoß.
Bianka träumte. Schmerz verriet der friedvoll-verklärte Ausdruck der reinen Züge nicht. Ueber ihrer Stirne lag es wie überirdischer Glanz. _
Vor dieser friedeatmenden Schönheit begann Don Cäsars Herz rascher zu schlagen. Jetzt nur zu ihr! In ihrer Nähe die gleiche Ruhe finden!
In diesem Moment standen seines Vaters Pläne und Hoffnungen klar vor seinem Gedächtnisse da, bereu Verwirklichung Bianka sehnlichst entgegengcharrt hatte. Er hatte fein Glück verscherzt. . .
Endlich hob Bianka die Augen und bemerfte ihren Vetter, der langsam auf sie zuschritt und in der Güte ihres Herzens
zersprengt; 26 der Ruhestörer wurden verhaftet. Sodann wälzte sich der weiße Mob, mehrere tausend Mann stark, in die japanische Straß» Powell-Street. Hier fand er jedoch die Japaner vollständig gerüstet. Sie hatten mit Erlaubnis der Polizei fünf Häuserblocks in ein ordentliches Lager verwandelt, in welchem sie in großer Stätte mit Revolvern, langen Messern und Totschlägern bewaffnet umherpatrouillierten und die Angreifer mit Bomben zu empfangen drohten. Der weiße Pöbel zog sich daher diskret zurück. Kein Weißer wagt es mehr, sich im japanischen Viertel sehen zu lassen. Der Direktor der Handelsabteilung im japanischen Auswärtigen Amt Jschi, der sich aus einer Tour durch Amerika zur Untersuchung der Arbeiter- und Einwanderungsfrage gerade in Vancouver befindet, erklärte die Ausschreitungen für viel erheblicher, als die in San Francisco vorgesallencn. Ansprüche aus Schadenersatz sollen der Stadt sofort eingereicht werden. Der Gouverneur von Kanada telegraphierte an den Bürgermeister von Vancouver sein tiefes Bedauern über die Ausschreitungen. Sämtliche Blätter in Kanada sowie die englische Presse tadeln sie aus das energischste.
Der Verkauf von Waffen und Munition an die Asiaten wurde von den Beamten in Vancouver den Händlern untersagt, aber Hunderte von Japanern und Chinesen hatten schon vorher sich den nötigen Scharf verschafft. Im Falle eines neuerlichen Angriffes soll die Miliz einberufen werden.
New Aork, 10. September. Die Chinesen in Ban- couver beantworteten ihre Mißhandlung mit der Einstellung der Arbeit in denjenigen Hotels und Restaurants, die auf sie angewiesen und nun lahmgelegt sind. Die Japaner unternahmen einen Umzug und versorgten sich mit Waffen. Sie drohen jetzt ihrerseits den Frieden zu stören.
Als MHitotfifrito.
Bekanntlich sind am 29. August in Warmbad Boten von 70 bei Morenga sich aushaltenden BondelswartS eingetroffen, die um Aufnahme in das mit dem Stamm im Dezember 1906 geschlossene Unterwerfungsabkommen baten, woraus sie am 31. August mit dem Unterwersungsbefehl zurückgesandt worden sind.
Nun wird aus Deulsch-Südwestafrika gemeldet: Von den Anhängern Morengas haben sich am 8. d. Mts. 42 Männer, größtenteils Kriegsleute, mit 97 Weibern und Kindern und 140 Stück Kleinvieh in Ukamas unterworfen. Sie werden in Warmbad interniert.
Ae Vorgänge in WM
Die gegen die Juden gerichteten barbarischen Ausschreitungen von Mitgliedern des Verbandes echt russischer Leute in Odessa werden jetzt von beteiligten Behörden zu beschönigen versucht. Eine amtliche Mitteilung geht davon aus, daß am 31. August
konnte sie sich eines innigen Mitleids mit dem Verlassenen nicht erwehren.
„Mut, Cäsar," sagte sie ihn begrüßend, „wenn ich heute nicht zum Onkel kam, so geschah es aus dem Grunde, weil ihr eine Unterredung mit Angelotti haben solltet, bei der ich nicht zugegen zu fein wünschte."
Cäsar antwortete nicht und sie wiederholte noch einmal: „Mut!"
Wie schal kam ihr indes das Wort vor. Was aber sollte sie dem dreißigjährigen, energielosen, niedergeschlagenen Manne da vor ihr sagen?
„Bianka!" flüsterte er endlich, „Alle und Alles verläßt mich. Wirst Du eS auch tun?"
„Ich verlasse Dich nicht und werde es nie tun, bist Du mir doch wie ein Bruder. Denke nicht, daß Dein Leid und Deine Sorgen mir gleichgültig sind. Deinen Herzenskummer verstehe ich nur zu gut, um Dir heute irgend welchen Trost zusprechen zu können."
Der Prinz sah sie verständnislos an.
„Was sagst Du, Bianka? Gerade heute bin ich Deines Trostes am meisten bedürftig. Heute, wo mich Alles preis gibt und mich der Verkauf unseres Palastes mitten inS Herz trifft. Ich hoffte ihn zu retten und nun verliere ich Alles! Blind ging ich am Rande deS Abgrunds dahin, bis zu dem Augenblicke, in dem es keine Rettung mehr gibt, ich sinke.. ."
„Ist das die einzige Ursache Deines Kummers, Cäsar? Hast Du weiter nichts zu beklagen?" forschte Bianka zögernd.
„Nein, Bianka, endlich hab ich Einkehr gehalten bei mir selbst und zu meinem tiefen Schmerz erkannt, daß ich mein Glück verscherzte."
„Hast Du denn alles, waS in Deinen Kräften stand, getan, um Dir dies Glück zu erringen, um es zu erhalten? Wie mit dem Himmelreich reißen eS auch nur die an sich, die ihm Gewalt antun. WaS tatest Du, um Dir die Liebe zu sichern, die in diesem Augenblick Deine einzige Retterin fein könnte, diese Liebe, die stärker ist als der Tod?"
„Nichts, Bianka, nichts. Ich verstand sie nicht, weder in mir selber noch um mich herum. Ich brauchte ja nur die Hand danach auszustrecken und die Liebe war mein."