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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 141.

Donnerstag, den 28. November

1907*

Amtlicher teil.

Lehrschmiede Weiftenbor«.

Anfang Januar 1908 beginnt an der Husbeschlag-Lehr- schmiede in Weißenborn, im hiesigen Kreise, ein neuer Kursus zur Vorbereitung für Schmiede, die ihre Husbeschlagprüsung hier ablegen wollen.

Anmeldungen, denen ein Geburtsschein, ein polizeiliches Führungsattest, sowie ein Lehrzeugnis beizufügen ist, nimmt entgegen: Lehrschmiedemeister Siegel, Weißenborn bei Sontra, der auch jede weitere Auskunft erteilt.

Rotenburg, den 19. November 1907!

Der Vorsitzende des Kreisausschusses gez. T u e r k e, Landrat.

In den Orten Hilperhausen, Kerspenhausen, Kohlhausen und Roßbach, sämtlich im Kreise Hersfeld, sind Telegraphen­anstalten mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechzelle in Wirksamkeit getreten. '

- Cassel, 23. November 1907.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Ho ffma n n.

Der Saatenstand Mitte November 1907.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 = gut, 3 Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I d 3646 M. d. I. -)

Fruchtarten usw.

Duev noten

Staat

hschnittL-. für den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

20

20

70 1

CQ

I

U0

4

Winterweizen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste .

Hafer .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln .

Zuckerrüben

Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein)

Klee ....

Luzerne

Wiesen mit künstlicher

2,5

2,3

2,4

2,3

2,7

2,8

2,4

1

4

2

1

1

2

1

2

Be-(Ent-)wässerung Andere Wiesen .

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

Der Glücksbote

Roman von H. von K l i p h a u s e n.

(Nachdruck verboten.)

. (Fortsetzung.)

Nach vierzehn Tagen kam er auch wieder zurück und zeigte der Geliebten triumphierend einen Kontrakt, der auf drei Jahre mit steigender Gage sein Engagement an der großen Oper zu Paris besiegelte. Allerdings war das Ansangshonorar nur sünszigtausend Francs jährlich aber es bedeutete immer einen neuen großen Erfolg für den genialen Sänger, und er erklärte das Engagement in Paris zur Erreichung seiner hochfliegenden Pläne für vollauf genügend. Er wußte ab r auch zugleich, daß der adelsstolze Graf Freienberg auch jetz. noch nicht ein- willigen werde, seine Werbung um Komteß Hedwig zu erhören, und der tollkühn gewordene Sänger drang aufs neue in die Geliebte, daß sie heimlich mit ihm nach Paris gehen nnd sich dort als seine Ehefrau ihm antrauen lassen solle. Aber dieses Verlangen des Geliebten lehnte Hedwig wieder ab, denn sie konnte es nicht über daS Herz bringen, durch die Flucht aus dem Elternhause und durch eine Ehe ohne den Segen der Eltern diesen, sowie auch ihrem Bruder Albrecht so großen Schmerz zu bereiten.

Inzwischen wuchs aber die Seelennot der armen Komteß auf das höchste, denn sie vermochte den Werbungen deS heiß­geliebten Sängers, der beteuerte, alles für ihr Glück nur zu wollen, nicht zu entsagen. Ihr Zustand war derartig, daß sie in ihrem Kämmerlein oft von Herzkrämpsen befallen wurde und ihr nur der Tod oder die ehrliche Vereinigung mit dem Geliebten als eine Erlösung aus der Verzweiflung erschien. In dieser höchsten Not offenbarte sich eines Tages die unglück­liche Komteß der treuen Anna Neidhardt, die als Tochter des Portiers im gräflichen Schlosse Freienberg mit großer Liebe und Treue an der jungen Komteß hing und der deren Liebes­unglück jammerte. Und da faßte die Anna Neidhardt einen kühnen Plan. Sie hatte einen Vetter, der in Russisch-Polen hart an der Grenze der Kirche des Klosters Wialla Pfarrer war, und diesen wollte sie beschwören, die Komteß und den

nichtamtlicher Ceil.

Eröffnung des Preußen Lndtaies.

Der preußische Landtag ist am Dienstag, den 26. No­vember, vormittags 11 Uhr vom Ministerpräsidenten Fürsten von Bülow eröffnet worden. Die Thronrede bringt keinerlei Ueberraschungen, wird aber allenthalben im Lande mit großer Besriedigung ausgenommen werden, weil sie die Ankündigung der in allen patriotischen Kreisen sehnlichst erwarteten Vorlagen enthält. Dies gilt in erster Linie von der P o l e n v o r l a g e. Die Thronrede sagt über diesen Gegenstand:Wie die Ent­wickelung der Verhältnisse in den östlichen Provinzen der Monarchie zeigt, sind die gesetzlichen Befugnisse der Regierung nicht ausreichend, um die deutsche Bevölkerung in diesen Landesteilen wirksam zu schützen und zu stärken. Die Regierung ist deshalb gezwungen, eine Erweiterung ihrer Vollmachten in Anspruch zu nehmen und wird die entsprechenden, bereits in Ihrer vorigen Tagung angekündigten Gesetzesvorschläge alsbald Ihrer Beschlußfassung unterbreiten. Sie ist überzeugt, daß sie in dieser so ernsten nationalen Frage die tatkräftige Mitwirkung beider Häuser des Landtages finden wird." Wir hoffen zu­versichtlich, daß diese Ueberzeugung keine trügerische fein wird.

Mit großer Befriedigung wird allseitig auch die Ankündigung einer Erhöhung der Beamten-, Lehrer- und Geistlichen-Gehälter ausgenommen werden. Nachdem in der Thronrede vorher auf die weniger günstige Gestaltung der Finanzlage des preußischen Staates hingewiesen worden ist, heißt es alsdann weiter: Gleichwohl hält die Staatsregierung es für notwendig, in der gern betätigten Fürsorge für ihre Beamten die durch bei. Staatshaushaltsetat für 1907 begonnene Ausbesserung bt Bcamtengchälter durchzusühren und Ihnen zugleich eine Neu­regelung der Vorschriften über den WohnungSgeldzuschuß Vor» zuschlagen. Behufs angemessener Erhöhung der vielfach un­zureichenden Gehälter der Volksschullehrer wird eine Novelle zum Lehrerbesoldungsgesetz vorgelegt werden. Auf kirchlichem Gebiete sind gesetzgeberische Vorlagen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der evangelischen und katholischen Geist­lichen im Einvernehmen mit den zuständigen kirchlichen Körper­schaften in Aussicht genommen. Diese Maßnahmen werden eine dauernde Mehrbelastung des Staatshaushalts um einen Betrag von mehr als 100 Millionen Mark zur Folge haben, dessen Bereitstellung nicht unerhebliche Schwierigkeiten bietet. Die Königliche Staatsregierung wird Ihnen deshalb ent­sprechende Vorschläge zur Beschaffung der erforderlichen Deckungs­mittel machen. Zugleich ist es aber auch geboten, bei der Ausstellung des Etatentwurfs für 1908 größte Sparsamkeit in allen Verwaltungszweigen walten zu lassen, indem alle nicht durchaus erforderlichen Mehrausgaben zurückzustellen und auf die Erträge der vorhandenen Einnahmequellen in den nächsten Jahren zu verweisen sein werden. Auch soll zur Entlastung des Etats im Anschluß an den Vorgang des Jahres 1906

Sänger kirchlich zu trauen, um größeres Unglück zu verhüten. Das Kloster Wialla war von B. aus mit dem Schnellzuge in etwa zwei Stunden zu erreichen, die heimliche Trauung der Komteß Hedwig mit Ludwig Morand konnte also an einem Nachmittage oder gegen Abend geschehen, ohne daß dazu erst eine Flucht der Komteß Hedwig aus dem Elternhause nötig war. Die Komteß konnte sich also, wenn sie sich später den Eltern offenbarte und deren Verzeihung und Segen erfleht hatte, ehrlich verbunden mit dem Geliebten nach Paris, wo er seine Stellung an der Großen Oper bald vertreten mußte, begeben.

Verzweifelnd Liebende haben keine ruhige Ueberlegung mehr, und als Anna Neidhardt der Komteß den Plan vorschlug, stimmte diese schluchzend und die treue Freundin umarmend dem Plane als dem einzigen Auswege aus tiefster Herzensnot zu, und Ludwig Morand, der bald ins Vertrauen gezogen wurde, jubelte Beisall.

Einige Tage später reifte Anna Neidhardt mit den nötigen Geldmitteln versehen nach dem Kloster Wialla ab, und eS gelang ihr auch durch vieles Bitten und Drängen den Vetter Pfarrer Milow zu bewegen, die Trauung zu übernehmen und für zwei Trauzeugen zu sorgen, und der Spätabend, an welchem die Komteß Hedwig bei Beginn unserer Erzählung unter auffälligen Umständen in daS Elternhaus zurückkehrte, war der Tag ihrer heimlichen Trauung in der Klosterkirche Wialla in Russisch-Polen gewesen.

* *

*

Freilich der Komteß heimliche Trauung mit dem Sänger Ludwig Morand war doch unendlich schwer für die schluchzende Braut gewesen.

Dreimal mußte der Priester die bedeutungsvolle Frage an sie richten, ehe sie jähemporsahrend hastig und mit schwankender Stimme das bindendeJa" auösprach. Nun gab's kein Zurück mehr, nun mußte sie vorwärts und allen die Stirn bieten, was ihr eigener Wille herausbeschworen hatte. Die stille, fröhliche Mädchenzeit daheim im vornehmen Elternhause war vorüber!

Der Pfarrer sprach den Segen. Noch einen Moment

zur Beschaffung von Betriebsmitteln und zur Ausstattung der Eisenbahnen mit weiteren Gleisen der Anleiheweg beschrittm werden, um die Eisenbahnanlagen wieder auf eine der statt- gehabten außergewöhnlichen Steigerung des Verkehrs entsprechende Höhe zu bringen." Man ersieht hieraus, daß die preußische Regierung vorn regsten Fürsorgeeifcr für ihre Beamten beseelt ist, und daß sie sich anderseits aber auch der Verantwortlich­keit bewußt ist, für die erhöhten Ausgaben alsbald auch durch vermehrte Sparsamkeit und Erschließung neuer Einnahmequellen Deckung zu schaffen. Wir wünschen von Herzen, daß alle Parteien des Landtages sich von dem gleichen Vcrantwortlich- keitsgesühl leiten lassen und der Regierung bei Deckung deS Ausgabebcdarss tatkräftig zur Seite stehen möchten. Der Ruf nach vermehrten Ausgaben ist unsinnig und leeres Getön, wenn er nicht von dem Streben nach entsprechenden Einnahmen ge­stützt und getragen wird. Demagogische Forderungen inS Blaue hinein, die einzig und allein der Popularitätshascherei entspringen, gehören nicht in ein Parlament, das sich auf einem Besitz und Bildung zur Geltung bringenden Wahlrechte auf- baut, wie es der preußische Landtag zurzeit Gott sei dank doch noch ist.

Die Thronrede kündigt schließlich auch noch eine Reihe kleinerer Vorlagen wie einen Gesetzentwurf über die ander­weitige Verteilung der Polizeikosten zwischen Staat und Ge­meinde in den Gemeinden mit königlicher Polizeiverwaltung und einen Gesetzentwurf zum Schutze gemeinnütziger Mineral- und Thermalquellen an. Der preußische Landtag hat seine Arbeiten wiederausgenommen, wir rufen ihm ein herzliches Heil und Glückauf zu.

Reichstag.

Der Reichstag beriet in seiner Sitzung vom Montag den 25. November über die sozialdemokratische Jnterpellatton be­treffs der außergewöhnlichen Teuerung der notwendigsten Lebensmittel. Der sozialdemokratische Abgeordnete Scheidcmann begründete die Jnterpellatton, er wies auf die fortgesetzte Steigerung der Preise für die wichtigsten Lebensmittel und fast alle Haushaltartikel hin und unterließ es hierbei natürlich nicht, scharfe Vorstöße gegen die Agrarpolitik der Regierung zu unternehmen. Der Redner bezog sich in seinen Schilde­rungen der angeblich gedrückten Lebensverhältnisse der Arbetter­bevölkerung besonders auf sächsische Zustände, er schloß mit den Forderungen der sofortigen Aufhebung deS Vieheinsuhrverbotes und der schleunigsten Suspendierung aller Zölle auf LebenS- mittel. Im Namen ' des Reichskanzlers beantwortete der Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren v. Bethmann- Hollweg die Interpellation, er gab das Bestehen einer Teuerung zu, aber er meinte, man habe es hierin wohl nur mit einer wieder vorübergehenden Erscheinung zu tun und um ihret­willen könne die Reichsregierung an den Grundlagen ihrer bewährten und der deutschen Landwirtschaft förderlichen Zoll» Politik nicht rütteln lassen. In der Debatte stellte sich Abge­

neigten alle in stiller Andacht das Haupt und dann wa die Trauung zu Ende. Morand bot seiner jungen Gattin mit aufleuchtendem Blicke den Arm, um sie hinauszugeleiten; die beiden Zeugen schloffen sich bescheiden an; aber jetzt war auch Hedwigs physische Kraft zu Ende. Sie hob unsicher tastend die Hände, aber eS war Lust, wonach sie griff. Mn Schwindel erfaßte sie und drehte alles mit ihr im Kreise umher, die Kirche, den Altar, das drohende Bild und die düster schwelenden Kerzen. Noch einen Moment und tiefer sanken schwarze Schleier über das Haupt der jungen Frau, ein leiser Schmerzensruf, beinahe nur ein Seufzer, und dann sank sie bewußtlos in die sich ihr angstvoll entgegcnbreitenden Arme des Gatten.

Hedwig", rief Morand erschrocken,was ist Dir um des Himmels willen. Sie stirbt!"

Nein, Sie ist nur ohnmächtig", sagte Anna Neidhardts Stimme dicht neben ihm;beunruhigen Sie sich nicht, mein Herr; eS wird vorüber gehen, sobald wir zu Hause sind. Nehmen Sie die gnädige Frau in Ihre Arme, der Wagen wartet und bringt uns gleich nach der Bahn."

Ich danke Ihnen," sagte er, aber noch immer klang die Stimme hochmütig,es tut mir leid, Ihnen so viel Mühe zu bereiten."

O, nicht doch," gab sie zurück, und jetzt war ihr Ton schneidend und abweisend,es geschieht einzig nnd allein für meine junge gnädige Gräsin."

Rasch, rasch," drängte jetzt der alte Küster,nur nicht den Wagen warten lassen! könnte Aussehen erregen, und daS müssen die Herrschaften vor allen Dingen vermeiden."

Der stattliche Künstler hob eilig sein schönes, junger Weib in den Wagen, schlang den Arm um die Leblose und schloß dann ohne weiteres den Schlag.Vorwärts, Kutscher, an die Bahnstation, wo mir herkamen," befahl er herrisch, während sich Anna ruhig anfdiicfte, zu Fuß zu gehen. Sie hatte es durch ein Mauerpförtchen auch viel näher nach dem Bahnhöfe.

Hedwig hatte die Augen bereits wieder geöffnet; sie blickte verwirrt und unruhig um sich, und nur die Nähe des Ge­liebten schien sie etwas zu beschwichtigen.

Inzwischen hatten alle drei den Schnellzug bestiegen, der