Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt füryerrseld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ra
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10pfg.,im amtlichen Teile 20psg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^svsnLvs
herrfelder Armblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 146.
Dienstag, den 10. Dezember
1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 29. November 1907.
Da die bisherige Einteilung der Fleischbeschaubezirke der Gemeinde Philippsthal zu Zweifeln Anlaß gegeben hat, erfolgt hiermit eine anderweite Abgrenzung:
I. Bezirk: Beschauer Heinrich Eibert, von Haus Nr. 2 bis einschließlich 80, 117' 118, Gastwirtschaft Zinn, Neue Schule, Waidenhain, 121, 121V2 sowie Hof Thalhausen Nr. 12 und 4.
II. Bezirk: Beschauer Heinrich Niebling, von Haus Nr. 81 ab alle übrigen Nummern einschließlich der Schloßbewohner.
I. 11039. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 28. November 1907.
In der heutigen Kreisausschußsitzung wurden gemäß § 18 dcs Gesetzes vom 12. März 1881, betr. die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises solgende Herren als Schiedsmänner für das Jahr 1908 gewählt:
1. Rentner Peter Heil in Hersfeld,
2. Ockonom Friedrich Friedrich daselbst,
3. Oberamtmann Suntheim daselbst,
4. Oeconom Franz Roll daselbst,
5. Gutsbesitzer Richard Braun Oberrode,
6. Amtsrat Freise Bingartes,
7. Bürgermeister Stuckhardt in Kohlhausen,
8. Bürgermeister a. D. Nuhn in Asbach,
9. Oeconom Johannes Jakob Schenk in Kerspenhousen,
10. Oeconom Philipp Schäfer in Mengshausen,
11. Gutsbesitzer Friedrich Boß in Kirchheim,
12. Oeconom Meister zu Hof Beiersgraben,
13. Bürgermeister a. D. Bätz aus Kalkobes jetzt in Hersseld,
14. Landwirt Johannes Claus in Mecklar,
15. Gutsbesitzer Heinrich Hoßbach zu Hof Weisenborn,
16. Gutsbesitzer Adam Führer in Lautenhausen,
17. Gutsbesitzer Georg Gliemeroth sen. in Wölfershansen,
18. Gastwirt Georg Ruch in Widdershausen,
19. Landwirt Georg Weitz in Harnrode,
20. Bürgermeister Lingemann in Philippsthal,
21. Ackermann Rudolph in Ausbach,
22. Schmied Scheer in Schenklengsseld,
23. Oeconom Adolf Reinhard in Unterweisenborn,
24. Landwirt Heinrich Rüger daselbst,
25. Bürgermeister Wilhelm Brandenstcin inHeimboldshausen,
26. Bürgermeister Ludwig Mohr in Conrode,
27. Bürgermeister Groscurth in Unterbaun,
28. Landwirt Asmus Burghardt in Ransbach.
Die Ortspolizeibehörde hat die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schätzungssall aus der Zahl dieser Personen zu er
Der 6lück$bort
Roman von H. v 0 n K lip h a u s en.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzun g.)
Flehend wandte Hedwig sich zur Mutter, widerstrebend bot ibr diese die Hand zum Kusse, ebenso der Gras, der noch das Haup t abwandte. Nur Albrecht trat kalt und unnahbar zurück.
„Wozu die Komödie, Madame! Ich habe auf mein Edelmannswort erklärt, keine Schwester von jetzt an zu haben, und eine Fremde hat keinen Anspruch aus den Händedruck eines Grasen Freienberg," rief er, und sporenklirrend, erhobenen Hauptes verließ er das Zimmer. Länger vermochte er es nicht auszuhalten, diese Qual und dieses Weh, und hier draußen, wo niemand ihn sah, arbeitete seine Brust heftig, feine Züge zuckten, und eine Träne rann in seinen Bart. Albrecht kämpste den furchtbar schweren Kamps zwischen der Liebe zur Schwester und dem Stolze feinet gräflichen Geburt.
„Meine arme Hedwig!" murmelte er dumpf, „0, über den Schurken! Könnte ich ihn uiederschmettern mit dieser Faust. Sie wird unglücklich werden durch ihn, und niemand kann es hindern!"
* *
*
Unruhig schritt Hedwig in ihrem Wohnzimmer auf und ab, bis ein Gedanke ihr Hirn durchblitzte, ein verzweifelter, tollkühner Gedanke. „Sie haben mich verstoßen um meiner Liebe willen, ich bin ihnen nichts mehr wie ein totes Reis am unbefleckten Stammbaum. Nun, so sollen sie sich nicht wundern, wenn der Wurm sich krümmt, der getreten wird. Ich will auch meinen Teil am Glück haben wie jeder, den Gottes Sonne bescheint. Sie haben ja alles, was sie brauchen, und ich will nichts außer jenem Unterpfand deS Glücks, das verlassen baliegt und mir dereinst vielleicht zum Mittel dient, sie alle wieder zu versöhnen."
Ein harter Kampf tobte in der mächtig wogenden Brust, dann aber stand sie auf, schritt zur Tür und ging hinüber in das Schlafzimmer der Eltern. Dort im Nachttisch mußte der
nennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Tierarzte und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission. Die Schiedsmänner sind von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Tierarztes ein nicht beamteter Tierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse bestritten.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen von der auf sie gefallenen Wahl alsbald in Kenntnis zu setzen und denselben dabei zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet sind, aus amtliche Requisition erforderlichenfalls an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.
A. 5437. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 2. Dezember 1907.
Die unter den Schweinebeständen des Konrad Bom und Johannes Lotz zu Kathus ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 11588. Der Königliche Landrat.
J. V.: T h a m e r.
Hersfeld, den 3. Dezember 1907.
Die unter dem Schweineoestande des Heinrich Schleichert zu Reckerode ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11516. Mr Königliche Landrat.
* I. V.:
- - * Thamer.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
König Oskar von Schweden f.
Stockholm, 8. Dezember. König Oskar von Schweden ist heute vormittag 9 Uhr 15 Minuten ge - st 0 rben.
S t 0 ck h 0 l m , 8. Dczcniber. Heute morgen 5Vs Uhr ließ der Kronprinz-Regent den Ministerpräsidenten, den Minister des Auswärtigen und die höheren Hosbeamten rufen; auch die ganze königliche Familie war im Krankenzimmer versammelt.
Schlüssel zum Geldschrank liegen, ihr Vater vergaß ihn häufig, und daraus allein baute sie ihren Plan, zumal man sie in dieser Stunde ganz allein im Hanse gelassen hatte. Richtig, sie täuschte sich nicht, er lag an seinem gewohnten Platze, und zitternd nahm sie ihn auf; ihre Kniee bebten, drin in der Brust mahnte laut das Gewissen: „Was tust Du? Es ist ein Raub, ein Diebstahl!" Aber Hedwig biß die Zähne zusammen, drängte die ausquellenden Tränen zurück und schritt hin zum Geldschrank. Wie laut und kreischend er sich in den Angeln drehte! Und nun öffnete sich das Geheimfach, wo das Futteral mit dem „Glückshort" der gräflichen Familie lag und entnahm ihm den blitzenden Damaszenerdolch, schloß dann die leere Hülle und auch sogleich den Schränk. Erst nachdem sie den Schlüssel an seinen Platz zurückgelegt hatte, atmete sie erleichtert auf und betrachtete die Waffe. Blutrot glänzten die Rubinen in der Sonne, daß Hedwig unwillkürlich schauderte.
„Ob er auch uns Glück bringen, ob er eines Tages die Versöhnung bewirken wird?" flüsterte sie halblaut, und prüfend glitt der seine Finger über den scharfgeschliffenen bläulichen Stahl; dann verbarg sie die Waffe in der Tasche ihres Morgenkleides und eilte, ohne jemandem zu begegnen, in ihr Schlafzimmer. Es galt, ehe man sie ins Kloster brächte, noch dem Geliebten mit einigen Worten Aufklärung zu geben, damit er sie befreien könne. Sie schrieb in fliegender Eile ein kleines Billett und versiegelte es sorgfältig, schrieb auch die Adresse darauf und schellte dann erst dem Stubenmädchen.
„Nanni, möchtest Du mir einen Dienst erweisen? Natürlich nicht umsonst, ich schenke Dir meine neue rotseidene Bluse, die Dir so gut gefiel."
„Aber gnädigste Komtesse," wehrte verlegen das Mädchen, deren Augen nichtsdestoweniger vor Vergnügen funkelten, „das ist doch nur meine Pflicht und Schuldigkeit!"
„Nein, diesmal liegt die Sache anders, Du sollst diesen Brief an seine Adresse befördern, ohne daß irgend jemand hier im Hause es merkt."
„Ah, nun verstehe ich, gnädige Gräfin," nickte das schlaue Zöschen, „und will meinen Auftrag gewiss sehr vorzüglich besorgen, daß Ew. Gnaden damit zufrieden sind."
Um 7 Uhr morgens teilte der Adjutant des Königs mit, daß der Tod nahe bevorstehe.
S t 0 ck h 0 l m, 7. Dezember. Nach dem Bulletin von 2 Uhr 45 Minuten war keine wesentliche Veränderung im Zustand des Königs eingetreten. Um 3 Uhr 30 Minuten wurde aus dem Schloß gemeldet, daß der Zustand im ganzen unverändert aber andauernd äußerst ernst sei. Nach dem letzten Bulletin hat König Oskar einen anscheinend schmerzenfreien Tag gehabt; der Puls betrug 80 Schläge und war weniger unregelmäßig; die Atmung ist wie bisher ungleichmäßig. Das Herzogpaar von Wöstergötland und Prinz Eugen verbringen die Nacht im Schloß. Das Nobelfest wird sich aus eine einfache Preisverteilung beschränken. Der Hofprediger Hohl und Bischof Billing aus Lund wurden ins Schloß gerufen.
Furt mit Dem AM!
Im Auslande wird es nicht verstanden, wie man bei uns den Schmutz so breit treten und sittliche Verfehlungen einzelner verallgemeinern und als Kennzeichen unserer innern Zustände oder ganzer Klassen hinstellen kann. Andere hängen ihre Gobelins und Teppiche heraus, wir unsere schmutzige Wäsche. Das homosexuelle Uebel oder Laster kommt bei uns nicht häufiger vor als in Frankreich oder England oder gar in den südlichen Ländern. Bebel hat zugegeben, daß es sich unter Arbeitern ebenso findet wie in den oberen Klassen.
Am schlimmsten hat sich im Falle Harden und was damit zusammenhängt die Witzpresse benommen. Die „Deutsche Zeitung in den Niederlanden" nennt die Art der Karikierung anstößiger Vorfälle das Werk eines Wahnsinnigen, der seine Familie mordet. Der Fremdling, der nur nach den Bildern urteilt, muß glauben, gu^ deutsche Regimenter feie:. ^rftucht.
Fürst Bülow und der Kriegsminister v. Einem sind den Uebertreibungen und Verallgemeinerungen scharf entgegen- getreten. Letzterer kehrte sich am Mittwoch gegen das unbegreifliche Vorgehen eines Abgeordneten, der aus einer Zeugenaussage Hardens in einem noch schwebenden kriegsgerichtlichen Verfahren einzelne Stücke vorgebracht hatte. Dabei sagte Herr v. Einem, daß doch nun endlich mit dem Klatsch und Tratsch Schicht gemacht werden möchte. In dem von Harden erregten Skandal ist viel zu viel mit halben Andeutungen, mit versteckten Angriffen und mit Berufung auf geheimnisvolle Dinge gearbeitet worden. Damit erregt man leicht Gcraune und Getuschte, und bei wenig Beweisbarem wird eine Menge Unbewiesenes geglaubt.
So ist überhaupt die hervorgerufene Erregung mehr und mehr auf die Art, wie der Kampf geführt wurde, als auf das tatsächliche Material zurückzuführen. Der höchst nachteilige Eindruck im Auslande ist hauptsächlich durch die suggestive Kraft solcher geheimnisvollen Andeutungen, wie Homosexueller Ring am Hofe, hervorgerufen worden. Machen wir mit diesem unmännlichen undeutschen Wesen ein Ende!
„Nun gut, Nanni, Du sollst meine Bluse und noch ein andres Andenken erhalten, aber nun geh, damit man nichts merkt. Es dürste dann zu spät sein."
„Muß ich auf Antwort warten."
„Nein, komme nur sogleich nieder; Du sollst mir einpacken helfen."
Verwundert blickte Nanni ihre schöne Herrin an, die so blaß und erregt schien und nun mit einemmale verreisen wollte. Da mußte zweifellos etwas vorgefallen fein, das mit diesem Briefe hier zusammenhing. Knixend eilte sie hinaus, und Hedwig warf sich nieder, um ihre Seele vor Gott aus- zuschütten.
Morand war in der Probe gewesen und nicht zu Hause als Nanni, die Zofe, den Brief abgab. Als er ihn sodann erhielt, ging er erregt im Zimmer aus und nieder. „Ich will zu Fräulein von Ronau" sagte er dann halblaut, „sie wird mir vielleicht raten oder wohl gar helfen können. Frauen sind nie verlegen um einen AuSweg."
Und in der Tat nahm ihn Fräulein von Ronau sehr liebenswürdig aus; ein neuer Plan war in dem dunkeln Lockenköpfchen entstanden, der mehr dem Verstände als dem Herzen Ehre macht. Hastig berichtete der stattliche Künstler von Hedwigs eigentümlicher Lage, die sie der Eltern Zorn gebracht hatte, und fügte sodann hinzu: „Was müssen wir tun, gnädiges Fräulein, um vereinigt zu werden?"
„Sie müssen fliehen," sagte sie, einen besonderen Nachdruck auf dies Wort legend, „und wenn ich Ihnen dabei helfen kann, soll es geschehen. Aber wie? Doch halt, ich habe eS! Lassen Sie mich nur machen, ich fahre zur Gräfin."
„Sie sind ein Engel, gnädiges Fräulein," rief Morand, begeistert ihre Hand küssend, „wie sollen wir Ihnen danken?"
Sie fand in diesem Augenblick, daß er doch eigentlich gut außfähe und die besten Manieren besitze, und Hedwigs Geschmack kam ihr sehr erklärlich vor, doch für jetzt drückte sie ihm nur eilig die Hand, lächelte verheißungsvoll und erhob sich. „Lassen Sie mich nur machen," wiederholte sie, „ich helfe so gern, wenn es in meiner Macht steht. —"
Gräfin Hedwig hatte sich inzwischen den Wünschen der