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herrselder Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 30. Dienstag, den 18. Februar 1908.

Amtlicher teil.

Landespolizeiliche Anordnung, betr. unschädliche Be­seitigung untauglichen Fleisches.

Gemäß § 9 des Reichsgesetzes, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900 (R.-G.Bl. S. 547), § 17 Abs. 2 des Gesetzes, betr. die Ausführung des Schlachtvieh- unb Fleischbeschaugesetzes vom 28. Juni 1902 (G.-S. S. 229), sowie § 67 Abs. 4 der Ausführungsbestimmungen, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau einschließlich der Trichinenbeschau bei Schlachtungen im Jnlande vom 20. März 1903 (Min.-Bl. S. 56) ordne ich für den Umfang des Regierungsbezirks folgendes an:

Einziger Paragraph.

Die Befugnis der Ortspolizeibehörde zur unschädlichen Beseitigung des zum Genuß für Menschen untauglichen und zur Verwendung für andere Zwecke nicht zugelassenen Fleisches (§ 9 Abs. 5 des Reichsgesetzes, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau) wird den Fleischbeschauern insoweit übertragen, als es sich um die unschädliche Beseitigung einzelner Organe und geringwertiger Fleischtcile handelt, und der Besitzer mit der Beseitigung einverstanden ist.

Diese Anordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Casfel am 23. Januar 1908. (A II 4657/07.)

Der Regierungspräsident Graf v. B e r n st o r f f.

* *

Hersfeld, den 7. Februar 1908.

Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis.

Die Herren OrtSVorstände des Kreises ersuche ich, die Fleischbeschauer mit entsprechender Anweisung zu versehen.

1. 1224. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für das III. Seebataillon in Tfrugtau (China).

Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung). Bau Handwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei Jahre zu richten an:

Kommando des 111. Stammseebataillons, Wilhemshaveu.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig-Freiwilligen

Der Mcksbott.

Roman von H. von K l i p h a u s e n.

(Nachdruck verboten) (Fortsetzung.)

Anna Neidhardt, die Unselige, hat alle Schwierigkeiten zu beseitigen versucht, um Hedwigs Heirat zustande zu bringen, aber aus reinster Anhänglichkeit und Ergebenheit, denn sie hat Morand ebenfalls nicht leiden können."

Es hat sich auch hier wiederum die Uebertretung des vierten Gebotes bitterlich gerächt," nickte der Fürst ge­dankenvoll.

Ich hatte einen furchtbaren Eid geschworen", seufzte Graf Albrecht,sie nie mehr zu sehen und mich nie um sie oder ihr Kind zu kümmern, und ich habe den Schwur gehalten. Noch als mein Vater tot war und sie mich anflehen ließ, ich möge sie zu der Leiche lassen, schlug ich es ihr ab. Alle Briefe blieben uneröffnet und wurden zurückgeschickt. Ich war hart wie Eisen, wenn auch mein Herz dabei blutete."

Wenn ich nur erfahren könnte, wo das Kind ist!" sagte der Russe schwermütig.Nach langem Forschen und Suchen hatte ich das kleine Stranddorf aufgefunben, wo die Neidhardt und ihr Vater wohnten; als aber mein Kommissionär hinkam, war das Mädchen tot und der Vater spurlos verschollen, das blonde Kind jedoch, welches bei ihnen lebte, hatte eine Kunstreiter- gesellschaft mitgenommen."

Kunstreiter? Hier in Hamburg ist ein Zirkus ange­kommen."

Hm, das müßte der wunderlichste Zufall.sein, wenn wir Margot hier fänden. Aber gut, ich bin einverstanden, heute abend wollen wir uns die glänzende Benefizvorstellung an­sehen. Ich las vorhin die Zettel. O, wenn geschehenes Un­recht dadurch wieder gut zu machen ginge!"

Es hat alles so sein und kommen müssen", nickte der Gras schwermütig,nur ein dunkler Punkt auf Hedwigs son­nigem Bilde zerreißt mir das Herz"

Ich weiß darum, Graf!"

Freienberg blickte ernst in des Freundes Gesicht.

für die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou in Tfingtau (China).

Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911 bzw. 1912. Be­dingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders körper­licher Entwicklung).

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei bzw. vier Jahre zu richten an:

Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie

Kiautschou, Cuxhaveu.

nichtamtlicher teil

Reichstag.

Der Reichstag führte am Freitag die tags zuvor begonnene allgemeine Debatte über den Postetat weiter. Der erste Redner vom Tage war der Unterstaatssekretär Twele vom Reichsschatzamte, er machte die Mitteilung, daß sich der Zeit­punkt noch immer nicht bestimmen lasse, zu welchem die an­gekündigte Vorlage über die Gehaltsaufbesserung der Reichs­beamten werde an den Reichstag gelangen können. Dann ließ sich der Staatssekretär des Reichspostamtes Kractke ver­nehmen, er verhieß die baldige Einbringung der Vorlage über die Regelung der Telephongebühren im Reichstage, worauf er sich zumeist über das System der gehobenen Unterbeamten­anstalten verbreitete. Der Zentrumsabgeordnete Hamecher nahm sich mehrfacher Wünsche der Postbeamten an, der natio­nalliberale Abgeordnete Beck erörterte eine Reihe von Beamten­fragen in der Postverwaltung, äußerte Bedenken gegen die in Aussicht genommene Universitätsvorbildung der Anwärter auf die höhere Postlausbahn und wollte den Reichslagsabgeordneten das Recht gewahrt wissen, sich Informationen aus Beamten­kreisen zu holen. Der Reichsparteiler Linz sprach zu gunsten der Wiedereinführung der früheren ermäßigten Ortsportotaxen, erklärte sich gleich dem Vorredner gegen das akademische Studium der Kandidaten für die höhere Postlaufbahn und trug schließlich Wünsche der Telegraphenarbeiter vor. Zuletzt ließ sich nochmals Staatssekretär Kractke vernehmen; er ver­teidigte seine in der Debatte mehrfach angegriffene Stellung zu seiner Beamtenschaft und äußerte ernste Bedenken gegen eine Wiederherabsetzung der Ortsportotaxe.

Im Reichstag ist am Sonnabend die Beratung des Post­ete ts fortgesetzt worden, aber sie ist nicht einen Schritt vorwärts gekommen. Die Diskussion bewegte sich fast durchweg in denselben Bahnen, wie an den beiden vorangegangenen Tagen. Hin und wieder widmeten die Redner wohl auch der Post als Verkehrsanstalt ein Wort, im allgemeinen aber wurde über

Das können Sie nicht, Lermanoff, es ist ein Familien- geheimnis!"

Und dennoch meine Gemahlin kannte die Geschichte des Dolches durch Louis Morand."

Freienberg zuckte zusammen, und die Zornesader auf seiner Stirn schwoll beängstigend.Gut, daß ich den Burschen nicht hier vor mir habe", murmelte er drohend,sonst könnte ich in Versuchung kommen, ihn zu züchtigen wie einen Hund."

Wie heißt denn übrigens der Inhaber des Zirkus?"

Romand. Er kommt aus Marseille, wenn ich nicht irre."

Ein Franzose? Ueberall treten einem diese Leute in den Weg! Aber gleichviel, wir wollen hingehen, Lermanoff. Ich bin so erregt, als ob mir etwas Wunderbares bevorstände!"

Wie lange gedenken Sie in Hamburg zu bleiben?"

Nur bis morgen, dann muß ich auf mein Gut, um dort nach dem Rechten zu sehen."

Ich komme für einige Tage mit Ihnen, wenn es Ihnen recht ist, Graf. Wir haben uns soviel zu erzählen, und ich bin ja immer frei wie der Vogel in der Lust."

Das freut mich in der Tat außerordentlich, und ich hoffe, Ihren lieben Besuch für längere Zeit zu genießen. Also kommen Sie zuerst noch dem Zirkus."

Plaudernd schritten sie dem Gebäude zu, vor dem eine Menge Menschen sich bereits stieß und drängte. Ruhig, mit dem Ellenbogen arbeitend, machten sie sich Bahn und er­langten dann auch sehr bald ihre Eintrittskarten.

Es ist heute eine sehr feine Vorstellung", erklärte ihnen der Mann am Eingang,Miß Greta und Signor Roby werden sich das erste Mal vor dem Publikum aus ungesatteltem Pferde zeigen. Sie sind großartig dabei! Nur der Herr Direktor reitet heute nichtX

Weshalb nicht?"

Es ist der Todestag seiner Frau, und da bleibt er immer allein."

Er ist Franzose?"

Ja! Früher war er ein hochberühmter Künstler auf dem Theater, aber dann wurde er sehr krank und konnte nicht mehr auftreten, da wurde er Kunstreiter".

Lermanoff wurde plötzlich ernst. Ein Seitenblick streifte

die Beamten, über die Beamten und noch einmal über die Beamten gesprochen. Warum alle gerade dieses Thema so ausführlich behandeln, das plauderte unter schallender Heiterkeit der freisinnige Abgeordnete Dr. Eickhoff aus, indem er sagte: Wir wollen ja alle gern wieder gewählt werden." Einen etwas anderen Ton schlug freilich Herr Kulerski an, der das bekannte polnische Klagelied sang. Er rügte unter anderem, daß ein Landbriesträger entlassen worden sei, nachdem er unter Zeugeneid zugegeben habe, daß er bei der Reichstagswahl den polnischen Kandidaten gewählt hätte. Staatssekretär Kraetke erklärte dies für unrichtig, der bereits 71 Jahre alte Mann habe vielmehr nach dem Voffall in den Ruhestand treten wollen, und sein Gesuch sei gewährt worden. Der freisinnige Abgeordnete Dr. Struve hinwiederum beschäftigte sich des längeren mit dem Fall Schellenberg und übte an dem Ver­halten der Postverwaltung in dieser Angelegenheit scharfe Kritik, die auf der Linken und im Zentrum von lebhaftem Beifall begleitet wurde. Der Staatssekretär aber ließ sich in der Ansicht nicht irremachen, daß ein Verttauensarzt der Post nicht in seiner Stellung bleiben könne, wenn es bekannt werde, daß er sozialdemokratifch gewählt habe. Jetzt erklang das Bravo rechts, und der Abgeordnete von Treuensels beeilte sich, dem Staatssekretär noch ausdrücklich zu bezeugen, daß die Konservativen sein Vorgehen billigen und volles Vertrauen zu ihm haben. Danach wurde die Beratung auf Montag vertagt.

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag wurde das Ministergehalr bewilligt und dann eine Anzahl Kapitel ohne wesentliche Debatte erledigt. Den Schluß der Beratungen bildete eine Interpellation der National­liberalen und Freikonservativen über die Heranziehung der­jenigen Personen zu den Schullasten, die von der Zahlung der Kommunalsteuerzuschläge zur Einkommensteuer befreit sind. In seiner Beantwortung der Interpellation wies der Kultus­minister darauf hin, daß die Frage sich am zweckmäßigsten bei der Revision des Kommunalabgabengesetzes regeln lasse, gleichzeitig mit der Regelung der Frage der Heranziehung der Privilegierten zur Kommunalsteuer. Bei der Besprechung dcr Interpellation erklärte sich Abg. Boss: (kons.) im Namen seiner Partei mit den Darlegungen des Ministers einverstanden.

Ist Entente zwWn Wrreich-llWrn und WM

über die Behandlung der mazedonischen Frage, des sog. Mürz- steger Programms, ist auf eine schwere Probe gestellt. Das Mürzsteger Programm beruht auf der Anerkennung des be­stehenden Zustandes; beide Mächte wollten unter Verzicht auf eigensüchtige Eroberungen aus friedlichem Wege da Ordnung schaffen, wo es bisher am unruhigsten zuging, in Mazedonien.

den Freund, der jedoch keinen Hintergedanken zu hegen schien, sondern ruhig an seinen Platz ging und sich niedersetzte. Eine sonderbare Ahnung erfaßte des Fürsten Seele. Unruhig durch- flog er den Zirkuszettel, um aus den fremden Namen irgend etwas herauszulesen.Miß Greta und Signor Roby" stand in fettgedruckten Buchstaben auf dem Papier; sie waren die Helden des Abends, und ihnen galten die großen im Publikum bereit gehaltenen Kränze.

Es sind Kinder", meinte Freienberg und deutete auf den schlanken, dunkeläugigen Knaben mit dem südlich warmen Teint, welcher am Eingänge zu den Ställen lehnte und mit den Stallmeistern scherzte,aber ich bin doch neugierig auf die Vorstellung. Sonst werden wohl unsere Vermutungen sich nicht erfüllen."

Wer weiß, ich gebe nicht allein die Hoffnungen nicht auf, sondern habe deren mehr denn je. Wissen Sie, wie der Direktor heißt?"

Ja gewiß, Romand."

Und glauben Sie nicht, daß es der Name Morand sein könnte, den man einfach umstellt hat?"

Freiberg zuckte zusammen.In der Tat, Lermanoff, Sie können recht haben. Heiliger Himmel, sollte es möglich sein? Und er war früher beim Theater!"

Kalte Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn, der Atein versagte ihm fast, und er konnte nur mühsam feine Fassung bewahren.

Ruhig, Freund", sagte der Fürst teilnehmend.Sie dürfen sich nicht so furchtbar ausregen; im günstigsten Falle werden wir Hedwigs Töchterchen sehen, aber der Vater gibt eS sicherlich nicht heraus."

Ich hätte auch kein Recht, dies von dem Manne zu ver­langen", erwiderte mit klangloser Stimme der Graf,ich bin ja nur der Bruder, jener ist der Gatte der Toten, deren Familie sie noch dazu verstieß. Und der Dolch, wo mag der Dolch fein?"

Doch jedenfalls in Morands Besitz; er wird ihn gegen eine schöne Summe Geldes wohl wieder herausgeben."

O, das wäre herrlich! Ich habe das Empfinden, als würde die Schuld gesühnt, die ich auf meiner Seele trage.