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herrselder Kreisblatt
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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 41.
Dienstag, den 7. April
1908.
Amtlicher teil.
Cassel, den 22. März 1908.
Der Verteilungsplan über den Bedarf der Alterszulagekasse für das Rechnungsjahr 1908 ist noch nicht ausgestellt.
Die Kreiskassen werden daher angewiesen, vom 1. April 1908 ab bis aus weiteres die seitherigen Beiträge zur Alters- zulagekasse von den Gemeinden bzw. Schulverbänden zu erheben. Königliche Regierung, Abtl. für Kirchen- und Schulwesen.
An die Kreiskassen des Bezirks.
* *
Hersfeld, den 1. April 1908.
Vorstehende Verfügung teile ich den Herren Bürgermeistern des Kreises zur Kenntnisnahme und entsprechenden weiteren Veranlassung mit.
Ich verweise hierbei auf meine Verfügung vom 11. März 1907 — J. Nr. I. 2274 — Kreisblatt Nr. 12.
I. 3389. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Hersfeld, den 1. April 1908.
Mit Bezug auf die Bestimmungen im § 15 der Dienstanweisung für die Gemeinderechner in den Landgemeinden vom 22. März 1898, wonach diese alsbald nach Schluß des Rechnungsjahres (31. März) mit der Aufstellung der Jahresrechnung zu beginnen und die fertiggefteßte Rechnung in zweifacher Ausfertigung spätestens bis zum 15. Mai dem Bürgermeister vorzulegen haben, weise ich die Herren Bürgermeister unter gleichzeitigem Hinweise auf mein Ausschrciben vom 13. Oktober 1906 — Kreisblatt Nr. 122 de 1906 — hiermit an, streng darauf zu halten, daß die Jahresrechnung gum gedachten Termin ihnen vorgelegt wird.
Bis zum 22. Mai er. ist mir anzuzeigen, daß die Rechnung rechtzeitig zur Vorlage gebracht worden ist.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die vorgelegte Rechnung alsbald unter Zuziehung der Schöffen der vorgeschriebenen Vorprüfung zu unterziehen und sie darauf mit den gezogenen Erinnerungen der Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) zur Prüfung, Feststellung und Entlastung vorzulegen.
Die Herren Bürgermeister wollen ferner dafür sorgen, daß die Abhörung und Feststellung der Rechnung durch die Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) tunlichst bald nach ihrer Vorlage erfolgt und mir sie nach der vor- geschriebenen Auslegung von 2 Wochen sofort mit den Belägen und Prüfungsverhandlungen p p. zur Oberrevision vorlegen, damit diese von mir so zeitig bewirkt werden kann, daß die geprüfte Rechnung bei Ausstellung des Voranschlags für das kommende Rechnungsjahr bestimmungsmäßige Verwendung finden kann.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 1778. von Grunelius.
Wahrheit, Klarheit.
Von A. von Liliencron.
Das Wettter tobte. Brausend fuhr der Sturm durch die Bäume und knickte ihre Zweige. Der Regen prasselte herunter und ergoß sich in Strömen von den Bergen und Hängen herab, die das liebliche Schwarzatal umsäumten. Sie selbst, die sonst so friedlich plätschernde Schwarza, jagte jetzt schäumend durch ihr Bett und schlug im schwellenden Laufe weit über ihre Ufer. Die elementare Kraft, mit der das Unwetter seit Stultden wütete, hatte mit einem Schlage den ganzen Charakter der anmutigen Landschaft verändert.
Auf dem vorspringenden Plateau eines Höhenzuges im Schwarzatale lag Villa „Felseck" wie in einem grünen Waldnest.
Der Oberst Freiherr von Bodenstein pflegte mit Frau und Tochter einige Sommermonate hier zuzubringen und war auch rn diesem Jahre in Felseck mit den Seinen eingekehrt, um nach angestrengtem Dienst sich hier zu erholen und zu kräftigen. Heute früh bei lachendem Sonnenschein war er zeitig mit seinem Diener nach Schwarzburg gefahren, um einen Tag den Freuden der Jagd zu widmen.
Die Damen waren mit einer Dienerin allein zurückgeblieben.
Beim Ausbruch des Gewitters hatte ein Blitzstrahl die hohe Tanne am Hause getroffen und sie in Stücke zersplittert. Frau von Bodenstein, die am Fenster gesessen hatte, war von Schreck überwältigt worden. Sie war zart und leicht erregbar; Mann und Tochter pflegten nach Kräften ihr alle Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu räumen, weil ihr körperlich und geistig die Widerstandskraft mangelte, um den Kamps mit den Schwierigkeiten des Lebens aufzunehmen.
Dieses Naturereignis, das sich in ihrer nächsten Nähe ab- fplclte, hatte zwar keine bösen Folgen nach sich gezogen, aber vie Nerven der zarten Frau doch so erschüttert, daß eine kurze -Bewußtlosigkeit eintrat und sich dann gleich darauf beunruhigende Herzerscheinungen einstellten.
Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hier- selbst am Freitag den 22. Mai d. Js. abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter porto- und be- stellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 cM bis spätestens den 25. April d. Js. an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen: 1. der Geburtsschein, 2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.), 3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede zugelassen, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.
Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel am 6. März 1908.
Der Vorsitzende der staatlichen Huischmiede-Prüfungskommission für den Regierungsbezirk Cassel: Veterinärrat Tietze,
Königl. Departements-Tierarzt, Parkstraße 9.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Freitag in teilweise recht stürmischer Debatte die Paragraphen 3, 3a usw. bis 6 des Reichsvereinsgesetzes. Sie wurden sämtlich, wie schon die ersten Paragraphen dieser Vorlagen, nach den Kompromißvorschlägen der Blockmehrheit der Kommission unter Zurückweisung aller Abänderungsversuche deS Zentrums, der Polen und der Sozial- demokraten angenommen. Für die einzelnen Paragraphen in der Kompromißsassung sprachen aus dem Hause eigentlich nur die Abgeordneten Müller-Meiningen (fr. Volksp.), Hieber (nat.-lib.) und Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.), ein stärkeres Kontingent zu den Verteidigern der Kommissionbeschlüsse stellte aber die „Regierungsbank", von welcher sich im Sinne der Kommissionsbeschlüsse wiederholt Staatssekretär von Bethmann-Hollweg, dann Unterstaatssekretär Wermuth, der bayerische Bundesratbevollmächtigte Graf Lerchenfeld und der Württembergische Staatsrat Schicker vernehmen ließen. Als Gegner der Kommissionsbeschlüsse und als Befürworter der gestellten Abänderungsanträge traten vor allem die Redner vom Zentrum und von der äußersten Linken auf, die Abgeordneten Trimborn, Zehnter, Schädler, Kohl, Hildenbrand, Göck, Heine und Stücklen, ferner die Polen von Driembowski-Pamian und Kularski. Außerdem wandten sich jedoch auch einzelne Mitglieder der Blockparteien gegen die Kommissionsbeschlüsse, nämlich die
Eine schlanke Mädchengestalt beugte sich über das Lager der Leidenden.
„Fühlst du dich jetzt etwas besser, Mütterchen?" fragte eine sanfte Stimme.
Die Kranke schüttelte matt den Kopf. „Meine Pulver, wenn ich nur ein Pulver hätte!" murmelte sie.
„Die Dorothee sucht schon danach, de wird sie sicher gleich finden", beruhigte die Tochter und rieb die kleinen, kalten Hände der Mutter.
Aber sie wurden ihr mit einer unwilligen Bewegung entzogen.
„Warum siehst du denn nicht selber nach, Elsa, du weißt doch, wie ich leide", wurde ihr vorgeworfen.
Das junge Mädchen verteidigte sich nicht, sie ging an den Schränk, den Dorothee durchstöberte und forschte sorgsam unter all den tausend Kleinigkeiten der verwöhnten Frau, ob sie nicht die so schmerzlich vermißten Pulver entdecken könne.
Als aber alles Suchen vergebens blieb, wandte sie sich wieder zur Mutter, die mit geschlossenen Augen dalag. Sanft strich sie über deren herabhängende Hand. „Sie sind wirklich nicht zu finden, Mütterchen, aber ich gebe dir noch einmal von den Baldriantropfen, das tut Dir sicher gut."
Wie Kranke, die gewohnt sind, durch ihre Schwäche zu herrschen und ihren Willen durchzusetzen, beharrre Frau von Bodcnstein auf ihrem Begehren.
„Du mußt mir die Pulver schaffen, Kind, ich halte es sonst nicht aus."
Wieder flammte ein grelles Blitzlicht durch das Zimmer, und fast zu gleicher Zeit knatterte der Donner. „Ich will es nicht sehen, ich will es nicht hören!" stieß die Kranke heftig hervor. „Schließe die Laden! Mache Licht!"
Elsa gehorchte und bald darauf verbreitete die rote Ampel einen milden Dämmerschein in dem Zimmer. Zugleich schien es, als ob das Wetter sich mit diesem letzten heftigen Donnerschlage ausgetobt hätte, denn keiu dumpfes Grollen war mehr zu vernehmen, auch schlug der Regen nicht mehr so heftig gegen die Fenster.
Aber das alles übte keine beruhigende Wirkung aus die Leidende aus, sie hatte sich mehr und mehr aufgeregt und
Abgeordneten.Osann (nat.-lib.) und Potthoff (fr. Bereing.) Aber alle Bemühungen dieser Kompromißgegner, Bresche in die Kommissionsfassung der einzelnen Paragraphen zu legen, waren vergebens, die Kommissionsbeschlüsse wurden, wie schon erwähnt, von der Blockmehrheit in allen Punkten bestätigt.
Der Reichstag nahm mit 200 gegen 179 Stimmen bei 3 Stimmenenthaltungen den Paragraph 7 (Sprachenparagraphen) des Vereinsgesetzes in der Kommissionsfassung an. Das Resultat wurde mit brausendem Beifall von der Mehrheit des Hauses ausgenommen.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag wurde das Polizeikostengesetz in dritter Lesung debattlos angenommen. Eine längere Diskussion rief die Interpellation des Abg. Linz (Z.) wegen der Reform der rheinischen Landgemeindeordnung hervor. Minister v. Moltke erklärte, daß bereits ein Entwurf über die etwa einzuschlagende Reform den Provinzialbehörden vorgelegen habe, daß er aber die ganze Angelegenheit noch näher prüfen werde, ehe er sich zu einer Vorlage an den Landtag entschließen könne. Schließlich wurde noch eine große An^hl von Petitionen erledigt.
% Sorgöngt in AM.
Gerüchten über Meutereien in Rußland tritt folgende Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur entgegen: Die in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten über Matrosemevolten im Schwaben Meer und Wladiwostok beruhen, wie von zuständiger Seite festgestellt wird, auf Un- wahrheit. Meutereien sind weder ausgebrochen, noch ist eine Vorbereitung von Meutereien entdeckt worden. Die hier kürzlich vorgenommenen Haussuchungen und Verhaftungen halten sich im Rahmen gewöhnlicher polizeilicher Sicherheitsmaßregeln. Es ist keinerlei aufrührerische Organisation unter den Soldaten entdeckt worden.
In einem Petersburger Telegramm der Kölnischen Zeitung von heute äußerte sich der Finanzminister Kokowzew mit Bezug auf eine Aussprache des Grafen Witte in einer Privat- versammlung des Reichsrats über die Finanzlage Rußlands günstig. Der Finanzminister denkt den sich etwa ergebenden Geldbedarf durch eine innere Anleihe von hochgerechnet 200 Millionen Rubel zu decken. Beim Andauern der jetzt in Rußland herrschenden Geldflüssigkeit dürfte nach seiner Ansicht dies ohne nachhaltigen Einfluß auf den russischen Geldmarkt von statten gehen. Eine ausländische Anleihe erklärt der Minister in diesem Jahre nicht zu planen, trotz aller anderslautenden Nachrichten, die er übrigens nicht immer von neuem widerlegen wolle.
Sie Wirre« in Marokko.
B erlin, 5. April. Die Norddeutsche Zeitung schreibt:
verlangte jetzt in ungestümer Heftigkeit, daß der Arzt kommen sollte.
Das war ein Wunsch, der schwer zu befriedigen war. Elsa sagte sich das, doch zugleich auch, daß hier irgendwie Rat geschafft werden müsse, sollte der immerhin bedenkiche Zustand der Mutter sich nicht zu einem gefährlichen steigern.
„Wir wollen den Arzt holen, in drei Viertelstunden kann er hier sein", tröstete sie. „Aber nicht wahr, nun nimmt mein Mütterchen noch einmal die Tropfen und versucht dann zu schlafen" bat sie.
Beruhigt durch die Aussicht auf den Besuch des ArzteS zeigte sich die Kranke jetzt ruhiger und fügte sich willig den Anordnungen der Tochter.
Das junge Mädchen hatte, nachdem sie die Mutter besorgt, das Zimmer verlassen und verhandelte mit Dorothee. Aber diese zeigte so große Furcht vor dem Wetter und behauptete mit solcher Entschiedenheit, daß sie den Waldweg, der zum Doktor führe, nicht kenne, daß Elsa kurz entschlossen erklärte: „Dann werde ich gehen."
Den langen Regenmantel umgehängt, die Kapuze tief in die Stirn gezogen, so stand sie wenjge Augenblicke darauf vor der Tür des Hauses.
Der Regen schlug ihr in das Gesicht und unheimlich klang das stoßweise Heulen des Sturmes.
Die großen, stahlgrauen Augen deS Mädchens blickten scharf den schmalen Waldweg hinab, der vor ihr lag, dabei zogen sich die fein gezeichneten dunklen Brauen zusammen und eine Falte grub sich in ihre Stirn.
Das Wetter, der schlüpfrige Pfad, der völlig dunkel übr ihr lag und den sie nun so mutterseelenallein betreten sollte, das trat ihr wie etwas Unheimliches entgegen. Ihr graute davor und sie hätte sich am liebsten der Aufgabe entzogen.
Aber nun warf sie den Kopf zurück, ein flüchtiges Leuchten strahlte aus den Augen und raschen Schrittes eilte sie den Waldweg entlang.
Was eben wie eine kurze Vision vor ihrem Geiste aufgetaucht war, beschäftigte sie noch weiter auf der Wanderung. Es handelte sich um ein Wort ihres Vater, das dieser seinem Liebling vor Jahren zugerufen hatte, als sein Töchterchen bei