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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Snschlutz Nr. 8

Nr. 70.

Donnerstag, den 18. Jnni

1908.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 13. Juni 1908.

Ich habe dem Kgl. Förster Pfeiffer in Neuenstein die Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Gemeinde­bezirken Aua und Obergeis übertragen.

I. 5807. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 12. Juni 1908.

Ich habe unter dem 18. v. Mts. (I. 5106) die Orts­polizeibehörden des Kreises, d. h. sämtliche Orts- und Gutsvorstände, angewiesen, binnen 1 Woche eine amtliche Ausgabe derAnweisung des Bundesrates zur Bekämpfung der Pocken (Blattern)" vom 28. Januar 1904 zum Preise von 0,50 M vom Bürean des hiesigen LandratsamtS zu be­ziehen. Ich erwarte, daß diejenigen Orts- bezw. Gutsvor­stände, die dies bisher versäumt haben, zur Vermeidung von Weiterungen nunmehr binnen längstens 5 Tagen der Anweisung nachkommen.

L 5106. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 13. Juni 1908.

Den Herren Orts- und Gutsvorständen deS Kreises sind von dem statistischen Landesamt je zwei Exemplare der für die diesjährigen Ermittlungen der Grundlagen der Berechnung des Anbaues vorgeschriebenen Erhebungskarten zugegangen.

Die Karten sind unter genauer Beachtung der beigesügten Anweisung auszusüllen und mir alsdann bis zum 1. Juli d. Js. in einem Exemplar einzureichen.

I. 5919. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

MW FritSeilssaktsreii.

Die vor kurzem in Reval stattgesundene Begegnung des KönigS von England mit dem Kaiser von Rußland und der für den Monat Juli festgesetzte Besuch deS Präsidenten der französischen Republik am russischen Hofe, hat in der großen Politik eine gewisse Erregung hervorgerusen, die man jetzt von allen Seiten zu beschwichtigen sucht. Dabei ist natürlicher­weise auch immer wieder die Befürchtung aufgetaucht, daß der wachsende Austausch freundschaftlicher Beziehungen zwischen England, Frankreich und Rußland eine Gefahr für die Stellung Deutschlands und für den Bestand deS Dreibundes bedeuten könne. Alle diese Ausstreuungen sind aber nur wie der Schaum aus den bewegten Wellen des Ozeans, und bedeuten höchstens

Die hordpolfabrl

Novelle von Theodor Werner.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ich warte damit, bis wir allein, bis Sie alle nach dem Eismeer abgesegelt sind. Wollen Sie bis dahin alles, was ich Ihnen mitgeteilt habe, als nur für Ihr Ohr bestimmt be­trachten? Uud wollen Sie mir verzeihen, wenn ich gestehe, daß die Wendung, welche unser Gespräch genommen, mich nicht verlockt, es weiter zu verfolgen."

Der Kapitän befolgte den Wink. Er wechselte sogleich den Gegenstand.

Er sprach über Schiffe, die zu fremden Diensten komman­diert waren und als er merkte, daß dieses Thema Frau Cray- fordS Interesse nicht erregte, so ging er zu Schiffen über, welche man wieder nach Hause kommandiert.

Dieser zweite Versuch hatte seine Wickung, eine Wirkung aber, auf welche Helding nicht gerechnet hatte.

Wissen Sie schon", begann er,daß dieAtalanta" täglich von der Westküste Asrikas zurückerwartet wird? Kennen Sie vielleicht einen der Offiziere dieses Schiffes?"

Zufälligerweise stellte er Frau Crayford diese beiden Fragen, während sie bei einer Figur des Tanzes beteiligt waren, wobei sie von dem gegenüber tanzenden Paare gehört wurden.

In demselben Augenblick brächte Klara Burnham zum Er­staunen ihrer Freunde und Bewunderer die Quadrille durch einen Fehler in Unordnung.

Jedermann erwartete, daß sie ihren Irrtum wieder gut- machen würde, sie aber machte keine Anstalten dazu, wurde totenblaß und griff heftig nach dem Arme ihres Herrn.

Diese Hitze", sagte sie schwach.Führen Sie mich weg führen Sie mich an die Lust."

Leutnant Crayford führte sie gleich vom Tanze weg und brächte sie in das kühle, leere Nebenzimmer am Ende des Saales, während ihnen Kapitän Helding und Frau Crayford auf dem Fuße folgten.

rein äußerlich die Anzeichen veränderter politischer Situation zwischen hervorragenden Großmächten. Kein Land der Erde braucht jetzt mehr den Frieden als Rußland, da Rußlands Finanzen gänzlich auf den Kredit des Auslandes angewiesen sind und die politische und soziale Gährung in Rußland noch lange nicht zur Ruhe gekommen ist. Dazu kommt, daß die schwere Niederlage, welche Rußland im Kampfe mit Japan in Ostasien erlitten hat, die russische Regierung förmlich dazu drängt, sich in ihrer asiatischen Politik die Aufgabe leichter zu machen, und dies ist nur durch eine Verständigung mit Eng­land möglich, weil England und Rußland sich schon seit hundert Jahren als die natürlichen Gegner in Asien angesehen haben und schon seit langer Zeit sogar damit gerechnet wurde, daß Rußland und England einmal um den Besitz Persiens und Indiens einen blutigen Krieg führen würden. Dieses drohende Gespenst in den Beziehungen zwischen Rußland und England ist nun durch das freundschaftliche Einvernehmen in wichtigen asiatischen und orientalischen Streitfragen verscheucht worden. Aber auch England hat alle Ursache, sich über die Annäherung an Rußland zu freuen, denn die Gährungen und revolutionären Bewegungen an den indischen Grenzen, sowie in Afghanistan und auch in Persien hören nicht auf, und England kann infolge seiner besseren Beziehungen zu Rußland die Unruhen in Asien viel leichter beseitigen, als wenn es Rußland zum hinterlistigen Gegner hätte. Merkwürdigerweise gibt sich auch die russische Presse alle Mühe, anläßlich der freundschaftlichen Begegnung des Kaisers Nikolaus mit dem Könige Eduard von England ihre friedliche Gesinnung gegen­über Deutschland mehr als früher zu bekunden, und die an­gesehene russische ZeitschriftNowoje Wremja" tritt sogar eisrig für eine friedliche Politik Rußlands gegenüber Deutschland ein», da nur eine solche Politik die rechte Grundlage für die allgemeine russische Politik sein könnte. Dabei ist diese Zeitung auch offen genug, zuzugeben, daß im Osten Europas der Germanismus und Slavismus als zwei Kulturkräfte aufeinander gestoßen seien, und sich gegenseitig in den Grenzen hielten, ohne daß Rußland daran dächte, aus diesem Gegensatze die Ursache eines Krieges gegen Deutschland zu entnehmen. Man könnte nun noch fürchten, daß die Revanchelust und der natio­nale Eifer und Größenwahn der Franzosen infolge der günstigen Beziehungen Frankreichs zu Rußland und England derartig ausschäumen könne, daß Frankreich die Zeit für einen Angriff aus Deutschland für gekommen erachte. Aber in diesem Ge­danken irrt man sich wohl auch, da die Mehrheit des fran­zösischen Volkes friedlich gesinnt ist, und weil die republikanische Regierung Frankreichs sehr wohl weiß, daß sie in einem Kriege mit Deutschland nicht nur die Existenz der französischen Republik, sondem auch die ganze Zukunft Frankreichs aus das Spiel setzt. Man darf also nach wie vor auf die Fortdauer des Friedens hoffen, und Deutschland wird sich auch durch keine Stimmungen und Zwischensälle aus seiner Ruhe bringen lassen, sondern wird ruhig bei seiner Arbeit und bei der Stärkung seiner Wehrkraft verharren.

Ist das der Vorbote des magnetischen Schlafes?" flüsterte der Kapitän, der mit einem kleinen Scherze nicht zurück­halten konnte.Wenn dem so ist, so habe ich als Komman­dierender der Nordpol-Expedition eine besondere Frage zu stellen. Wird mir daszweite Gesicht" den Gefallen tun und mir den nächsten Weg zur Nordwestdurchfahrt zeigen, bevor wir England verlassen?"

Frau Crayford war nicht in der Stimmung, auf den Scherz einzugehen, sondern sagte ruhig:Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie verlasse, ich will zu Fräulein Burnham gehen und zusehen, was ihr fehlt."

Beim Eingang in das Seitengemach begegnete Frau Crayford ihrem Manne.

Der Leutnant war ein großer, stattlicher Mann in den mittleren Jahren. Durch seine einfache, herzliche Art und Weise, und die unwiderstehliche Güte, die sich in seinen offenen, blauen Augen aussprach, gewann er gleich jedermann für sich, kurz, er war ein Mann, den alle Welt lieb hatte seine Frau nicht ausgeschlossen.

Aengstige Dich nicht", sagte er beschwichtigend,die Hitze ist ihr zu Kopse gestiegen, weiter ist es nichts."

Frau Crayford schüttelte den Kopf und blickte zärtlich ihrem Manne in das Gesicht, indem sie ausrief:

Du liebe, alte Unschuld! Die Entschuldigung mag Dir genügen, ich für mein Teil glaube kein Wort davon. Geh, hole Dir eine andere Dame zum Tauzen und überlasse mir Klara."

2.

Nun, meine Liebe", begann Frau Crayford,was be­deutet das?"

Nichts!"

Das kann ich nicht gelten lassen, willst Du nicht den wahren Grund gestehen?"

Die Hitze im Saal"

Auch das glaube ich Dir nicht. Sag lieber, dyß Du vorziehst, Dein Geheimnis für Dich zu behalten, dann verstehe ich Dich."

Klaras traurige, klare graue Augen blitzten jetzt zum ersten­

At Wirren in Wo.

Tanger, 15. Juni. Die am Sonnabend in El Ksar erfolgte Ausrufung Mulay Hafids zum Sultan ging, wie auS neueren Nachrichten zu ersehen ist, vom Gouverneur und von den Notabeln der Stadt und der Umgegend aus. Die Ma- halla Abdul Asis' schloß sich sofort der Proklamierung Mulay Hafids an, nur ihr Führer Abdul Malik machte Schwierig­keiten und wurde verhaftet. Die Ruhe wurde nirgends ge­stört. Auch sämtliche Bewohner der Provinz Gharbia zwischen El Ksar und Akba el Hamna, fünf Wegstunden von Tanger entfernt, riefen gestern Mulay Hafid zum Sultan auS. Die in diesem Distrikt unter der Führung Ben AudaS lagernde asiatische Mahalla hat ebenfalls Mulay Hafid proklamiert und bei der Proklamation große Feste gefeiert. Der Gouverneur von Andjeras schrieb aus unmittelbarer Nähe von Tanger an Hafid und zeigte ihm seine Unterwerfung an. Buchta ben Bagdadi, der frühere Heerführer Abdul Asis, der, wie bereits gemeldet, mit großer Eskorte in Fez eingezogen ist, wurde bei seiner Ankunft von Mulay Hafid aufs freundlichste empfangen.

Von heute mittag wird aus Paris gemeldet: Petit Parisien erfährt von zuständiger Seite, daß die Politik Frankreichs Mulay Hafid gegenüber selbstverständlich von dessen eigen« Haltung abhängen werde. Falls Mulay Hafid die Befreiung der in El Ksar gefangen gehaltenen französischen Schutzbefoh­lenen anordnen und seine Truppen eine korrekte Haltung be- ' wahren würden, werde Frankreich sich von dem Gesichtspunkte leiten lassen, daß die Anerkennung Mulay Hafids nicht von Frankreich allein, sondern von allen Signatarmächten der Al- geciras-Akte abhänge; auch könne die Anerkennung ganz gut ausgeschoben werden, ohne daß Frankreich Mulay Hafid be­kämpfe oder als Feind betreute, solange er nur selbst keine seind- felige Handlung gegen Frankreich unternehme. Wenn beispiels­weise die Truppen Mulay Hafids in eine der Hafenstädte ein- rückten, so könne Frankreich jeden Zwist, jede Einmischung in die marokkanischen Angelegenheiten vermeiden und ruhig zulassen, daß beide Parteien ihren Streit unter einander auS- trügen; Frankreich werde keinem Thronbewerber Beistand leisten. Falls Vertreter Mulay Hafids in einer Hafenstadt, in der Frankreich den Polizeidienst zu versehen habe, als Be­hörde anerkannt werden sollten, könne Frankreich sich aus die ihm durch die AlgeciraS-Akte zugewiesene Ausgabe, für den Schutz der Europäer zu sorgen, beschränken. Die Politik Frankreichs lasse sich mit einem Wort als Politik der Nicht­einmischung kennzeichnen.

Paris, 16. Juni. Dem Matin wird vom 13. bezw. 14. d. Mts. aus El Ksar gemeldet, die beiden von den An­hängern Mulay Hafids gefangen genommenen französischen Instrukteure seien durch Kolbenstöße arg mißhandelt worden. Nur dem Gouverneur der Stadt sei es zu danken, daß sie nicht getötet wurden. Einer der Instrukteure habe übrigens mit einem andern Franzosen zum Direktor der Compagny Maroccaine, Lacasse de l'isle flüchten können. Die Lage der

male in Frau Craysords Gesicht und füllten sich Plötzlich mi* Tränen.

Wenn ich nur wagte, es Dir zu gestehen!" sagte sie leise. Ich gebe so sehr viel auf Deine gute Meinung von mir, Lucie, und fürchte, sie zu verlieren."

Diese Worte machten Frau Crayford betroffen. Ihr Auge heftete sich ernst und besorgt auf Klaras Antlitz.

Du weißt so gut wie ich selbst, daß nichts meine Liebe zu Dir erschüttern kann. Sei offen gegen Deine alte Freundin mein Kind. Hier hört unS niemand. Oeffne mir Dein Herz, Klara. Du bist so bekümmert und ich möchte Dich so gerne trösten."

Klara sing an nachzugeben. Mit anderen Worten sie fing an, Bedingungen zu stellen.

Willst Du mir versprechen", sagte sie zögernd,daS, was ich Dir mitteile, vor jedem lebenden Wesen geheim zu halten?"

Frau Crayford begegnete dieser Frage mit einer anderen ihrerseits.

Schließt jedes lebende Wesen auch meinen Mann ein?"

Ihn mehr als irgend jemand. Ich liebe, ich ehre ihn, er ist edel, so gut! Wollte ich ihm sagen, was ich Dir jetzt gestehen will, so würde er mich verachten. Sage mir offen heraus, Lucie, ob ich zu viel von Dir verlange, wenn ich Dich bitte, vor Deinem Manne ein Geheimnis zu be­wahren."

Thorheit, Kind! Wenn Du erst verheiratet bist, wirst Du ersahren, daß es das leichteste Geheimnis ist, vor einem Manne ein Geheimnis zu bewahren. Ich gebe Dir das feste Versprechen. Und nun fange an!"

Klara hielt noch beklommen und zögernd zurück.

Ich weiß nicht, wie ich beginnen soll!" rief sie in auS- brechender Verzweiflung.Ich kann keine Worte dafür finden!"

Dann muß ich Dir helfen. Fühlst Du Dich heute abend unwohl? Fühlst Du Dich wie an jenem Tage, als Du Dich mit meiner Schwester und mir im Garten befandest?"

Ach nein!" , ,,

Du bist nicht unwohl, die Hitze im Saal ist Dn mcht