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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 88.
Donnerstag, den 30. Juli
1908.
Amtlicher teil.
Cassel, den 10. Juli 1908.
Nachdem durch die Polizeiverordnung vom 9. Mai 1908 betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Auszügen (A.-Bl. 22 S. 133) das Prüfungswesen der Aufzüge neu geregelt ist, und ich als Sachverständige auf Grund der Bestimmungen in § 37 a. a. O. für die Prüfung der Anlagen des Staates und Reiches die Gewerbeinspektoren, für alle übrigen Prüfungen die Ingenieure der Dampskessel-Ueber- wachungsvereine in Cassel und Frankfurt ermächtigt habe, bedarf es der Mitwirkung anderer Sachverständiger nicht mehr.
Ich ersuche deshalb, die auf Grund meiner Verfügung vom 5. März 1903, A. II. 2166, dem technischen Aussichtsbeamten der Müllerei-Berufsgenossenschaft zu Frankfurt a/M., Valentin Feldmann in Eschersheim bei Frankfurt a/M., Villen-Kolonien, nach § 33 der vormals gültigen P. V. vom 19. Januar 1900 (A.-Bl. S. 53) etwa erteilte Ermächtigung zur Prüfung von Aufzügen und deren Projekte jetzt zurück- zunehmen. (A. II. 5072 a.)
Der Regierungspräsident. I. V.: gez. Schenk.
An die Herren Landräte des Bezirks, den Herrn Polizeipräsidenten hier, die Herren Polizeidirektoren in Hanau und Fulda und an die Polizeiverwaltungen in Marburg und Eschwege.
Hersfeld, den 24. Juli 1908.
Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises unter Bezugnahme aus meine Versügung vom 14. März 1903 A. Nr. 802 — Kreisblatt Nr. 34 — zur Kenntnisnahme mit.
J. I. 7574. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 25. Juli 1908.
In Kürze wird ein Beauftragter der Handwerkskammer in Cassel die Handwerksbetriebe des hiesigen Kreises revidieren.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, die Handwerker hiervon in ortsüblicher Weise in Kenntnis zu setzen und sie zugleich darauf aufmerksam zu machen, ihre Lehrlinge, die noch nicht zur Lehrlingsrolle angemeldet sind, alsbald bei Meidung einer Strafe bei der Handwerkskammer in Cassel Jordanstraße Nr. 12 zur Anmeldung zu bringen.
I. 7747. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 27. Juli 1908.
Den Herren Orts- und Gutsvorständen des Kreises werden in den nächsten Tagen die von der Landwirtschaftskammer geprüften Hebelisten über die Beiträge vom Jahre 1907 zugesandt.
Wem die Berge mim.
Line Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienen st ein.
(Fortsetzung.)
Solcher Entschlüsse hätte es gar nicht bedurft, wenn Toni gewußt hätte, welche Gedanken zur selben Stunde sein Vater über eine Verbindung seines Sohnes mit der Bergschießl-Tochter äußerte.
Aus allerlei Umwegen war nämlich der Hierhamer zu seinem Ziele gekommen, den Brandebner zu fragen: „Bist leicht du mit dem Bergschießl doch endlich einmal wieder eins worden?"
, „Ich?" fragte der Brandebner erstaunt, „ich weiß nix! Wie kommst denn du aus die Frag?"
„No, no, i hab mir nur so denkt, weil ich deinen Toni jetzt schon ein paarmal mit der Bergschießl Roserl hab gehen sehen."
„Meinen Buben? Da wirst "dich wohl irren!"
„Muß nit sein, daß ich mich irr'. I kenn' die zwei Leutl grad' so gut wie dich, und wenn du willst, i bring dir noch einen Zeugen her, nämlich meinen Buben. Der sagt sogar, daß sie sich recht gern hätten, grad so gern, als sich die Alten nicht ausstehen können."
„Das glaub i nit!" versetzte der Brandebner und schüttelte den Kopf.
„Glaubst es nit ? Weil du's nit glauben magst, deswegen, gelt?"
Der' Brandebner legte schwer seine Hand aus die des geschwätzigen Nachbars und sagte dann ernst: „I glaub's nit, weil i's nit glauben kann, daß zwischen mir und dem Bergschießl noch einmal alles gut werden könnt'. Aber wenn das die zwei jungen Leutl z'sammenbringen sollten, i danket unserm Herrgott aus ganzem Herzen und ich leg' meinem Buben sicher nix in den Weg."
Nun war das Staunen an dem Hierhamer. „So redst du?» fragte er zweifelnd.
Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 10. April 1908 I. Nr. 3816 — Kreisblatt Nr. 45 — ersuche ich, die Beiträge für das Jahr 1908 nunmehr alsbald einzutragen und die Erhebung und Ablieferung an die Königliche Kreiskasse hier bewirken zu lassen.
Ueber die bei der Prüfung gefundenen und im Vorjahr nicht aufgeklärten Anstände ist einer Anzahl Listen ein Auszug beigefügt. Diese Anstände find bei Erhebung der Beiträge für das Jahr 1908 zu erledigen.
Ferner ersuche ich diejenigen Herren Ortsvorstände, die mir das Jahressoll der aufzubringenden Beiträge noch nicht mitgeteilt haben, mir es nunmehr umgehend mitzuteilen. I. I. 7763. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Hersseld, den 24. Juli 1908.
Der auf Donnerstag, den 13. August d. J. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
I. 7699. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Der Saatenstand Mitte Juli 1908.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersseld.
Begutachtungsziffern (Rotem: 1 = sehr gut, 2 = gut, 3_= mittet, 4 = gering, 5 ----- sehr gering
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B C 9476 M. s. L. — I b 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durc noten
hsch'Mt-.s- für den
Reg.-Bez.
Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
rH
SO
03
co
03
co
7
1
Winterweizen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste .
Hafer .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln .
Zuckerrüben
Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein)
Klee ....
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)wässerung
Andere Wiesen .
2,4 2,7 2,2 2,5
2,9 2,8 2,9 2,7 2,7 2,7
2,8 2,8 2,6 2,7 2,6 2,6
2,4 2,8
2,3 2,8
2,5 2,8
2,8 3,1 3,0 2,8 3,3 3,0 3,0
2,8 2,7 2,9 2,7
2,5 2,9
2
1
3
1
3
2
1
3
1
3
2
4
1
1
2
3
1
5
4
1
i i
2
1
2
2 2
2
1
1
4
1
1
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
„Ja, so red' ich. Und wann ich dich um was bitten darf, Nachbar, so bitt ich dich um das: sag nix weiter, daß nit der Bergschießl was erfahrt, sonst is alles aus. Und ich möcht' noch erleben, daß ich von dem frei werde, was seit Jahr und Tag in mir nagt, daß ich dazumal in meiner Eifersucht so schlecht gewesen bin."
Der Hierhamer versprach Schweigen, aber er schüttelte immer wieder den Kopf. Daß der Brandebner seine Mitteilung so auffassen könne, war ihm nie in den Sinn gekommen.
Er hatte dem Nachbar damit nur ein bißchen Aerger über seinen Sohn anhängen wollen, damit auch er wisse, wie das sei, und nun hatte er ihm eine augenscheinliche Freude gemacht. Merkwürdige Welt das! Auf das mußte er sich noch ein Viertel Wein kaufen, obwohl der Brandebner erklärte, daß er ihm nun nicht mehr länger Gesellschaft leisten könne und fortging.
Toni empfing den Vater mit wenig freundlichem Gesicht, was diesen heimlich belustigte.
„Is mir ein wenig später worden, wie ich gesagt hab", meinte er, „der Hierhamer hat mich durchaus ins Wirtshaus haben wollen."
„Der könnt' auch gleich heimgehen!" grollte der Toni.
„Und ich mit ihm, willst sagen, gelt?" fragte der Brandebner launig.
Der Toni wurde rot, da er seine Gedanken erraten sah, doch knurrte er: „Das hab' i nit g'sagt."
„Aber sagen wollen. Na, mir liegt nix dran. Uebrigens hast noch Zeit genug zum Wirtshausgehen."
Toni ließ sich daö nicht zweimal sagen. Er hatte zwar sehr wenig Hoffnung, die Roserl noch zu treffen, aber für jeden Fall wollte er nachsehen. Vielleicht hatte sie sich, wie schon öfter, absichtlich in der Familie des Lehrers ein wenig verhalten, dann konnte es noch immer möglich sein, sie auf dem Wege einzuholen. Sicher würde sie sich auf diesem sehr Zeit'lassen, um ihm Gelegenheit zu geben, ihr nachzu- kommen.
Als der Toni ins Dorf hinunterkam, trat eben der Bergschießl ins Wirtshaus ein. Bei dem war der Fall mit dem
Hersfeld, den 24. Juli 1908.
Die unter dem Schweinebestande des Bäckermeisters W. Hettler zu Hersfeld ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 7697. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 24. Juli 1908.
Die unter dem Schweinebestande des Lohgerbers Adam Schönewolf hier ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 7666. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger,
Regierungs-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
MmK 1WrM MestT
Ein ernster Gedenktag ist der 30. Juli, an dem bereits 10 Jahre in den Schoß der Ewigkeit gesunken sind, seit uns der Staatsmann entrissen wurde, den wir nicht glaubten entbehren zu können, solange er machtvoll die Geschicke Deutschlands lenkte, und den Deutschland zurückersehnt hat bis an sein Lebensende, nachdem er vorzeitig aus Amt und Würden geschieden war. Und wahrlich, wenn einer, so hat er dieses treue Gedenken verdient, der dem deutschen Volke die Arbeit feines Lebens gewidmet hat, der es in der kurzen Zeit von 9 Jahren durch 3 unabwendbare Kriege zur Einheit unter sich und zur ersten Macht in Europa geführt hat, der es in den letzten 18 Jahren seiner Wirksamkeit durch seine unvergleichliche StaatSkunst auf der erworbenen Höhe erhalten und gleichzeitig jene Politik des Friedens eingeleitet hat, die unsere auswärtige Politik heute noch beherrscht. Mag ihm die Lösung dieser Aufgabe auch nur möglich geworden sein durch das felsenfeste großherzige Vertrauen, das Kaiser Wilhelm I. ihm geschenkt hat, so bleibt sein Verdienst doch unverrückbar, das weitgesteckte Ziel klar erkannt und die Mittel und Wege, es zu erreichen, gefunden zu haben. Das aber ist ein Werk, das nicht hoch genug veranschlagt werden kann, ein Werk, das ihn in die erste Reihe der größten Staatsmänner der Welt stellt. Denn mit seinem Lebenswerk sind Jahrhunderte schmachvoller Machtlosigkeit abgeschlossen und die Träume und Wünsche der besten Männer des deutschen Volkes verwirklicht worden.
Der schlagendste Beweis für die Bedeutung von Bismarcks Lebensarbeit ist der Umstand, daß sein Werk ihn nicht nur überdauert, sondern daß es sich, dank der gediegenen Grundlage, auf die sein Schöpfer es gestellt hat, weiter entwickelt. Mit gutem Gewissen kann Deutschland an diesem Gedenktage seinem großen Neuschöpfer vor die Augen treten und Rechenschaft darüber ablegen, wie es seitdem mit dem ihm hinterlassenen Pfunde Bismarcklscher Staatskunst gewuchert hat. Mag auch
Haushüten umgekehrt gewesen. Das hatte er selbst besorgt während die Rojerl zur Kirche ging.
Als er aber seine Tochter den steilen Hang zum Hause hatte heraussteigen sehen, hatte er dm Hut genommen und war fort, und da er den nächsten Weg benutzte, nicht den, den sonst die Liebenden gingen, wenn Toni die Roserl begleitete, so war er früher im Dorfe, als es sonst möglich gewesen wäre.
Toni war von dem Anblicke des Bergschießl nichts weniger als angenehm überrascht, denn er wußte, wenn der schon hier im Dorfe war, dann mußte die Roserl schon daheim sein und er könne sie also heute nicht mehr treffen. Aber was würde sie sich denken? Wie würde sie sich sorgen und grämen? Der Toni kannte ja die heimliche Angst der Geliebten, der das häusliche Elend so allen Glauben an ein dauerndes Glück genommen hatte. WaS sollte er da" tun? Er überlegte eine Weile, und dann war sein Entschluß gefaßt: er wollte hinauf zum Bergschießl-Haus, eine Gelegenheit, mit der Roserl ein paar Worte zu sprechen, würde sich sicher finden. Vor ihrem Vater konnte er sicher sein, denn der ging vor 9 Uhr gewiß nicht aus dem Wirtshause, und der alte Knecht, der Steffi, und die alte Dirn auf dem Bergschießl-Hof waren nicht gefährlich. Einen Verrat brauchte er also nicht zu fürchten.
Toni schlug denselben Weg ein, den der Bergschießl genommen hatte, aber so sehr er auch anfangs ausgriff, bald mußte er feinen Schritt mäßigen, denn der Pfad ging ungemein steil empor, sodaß er wieder Willen wiederholt stehen bleiben mußte, um zu verschnaufen.
Darüber sank mehr und mehr der Abend, und als Toni die letzte Höhe nahm, die zum Hause emporsührte, stand nur noch der Gipfel des Oedstein im sterbenden Lichte des Tages und leuchtete wie eine im letzten Brand ausflammende Fackel in den Himmel hinein, der sich schon dunkel gefärbt und mit dem ersten Sternenlicht geschmückt hatte.
Vorsichtig drückte sich Toni an den Saum des Hoch- Waldes, der aus der einen Seite knapp an das Haus heran- trat. Er konnte von seinem Standort gerade zum Röhrenbrunnen hinsehen, an dem, wie er sich zurechtgelegt hatte,