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herrsel-er Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 99.

Dienstag, den 25. August

1908.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Fünfzig- Pfennigstücke der älteren Geprägeformen. Vom 27. Juni 1908.

Auf Grund des Artikel 1 Ziffer II des Gesetzes, betreffend Aenderungen im Münzwesen, vom 19. Mai 1908 (Reichs- Gesetzbl. S. 212) hat der Bundesrat die nachfolgenden Be­stimmungen getroffen.

§ 1.

Die Fünfzigpfennigstücke der älteren Geprägeformen mit der Wertangabe50 Pfennig" gelten vom 1. Oktober 1908 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkte ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

§ 2.

Die Fünfzigpfennigstücke der im § 1 bezeichneten Formen werden bis zum 30. September 1910 bei den Reichs- und Landeskassen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Reichsmünzen umgetauscht.

§ 3.

Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausch (§ 2) findet aus durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte fowie auf ver­fälschte Münzstücke keine Anwendung.

Berlin, den 27. Juni 1908.

Der Reichskanzler. J. V.: gez. Sydow.

* *

Hersfeld, den 19. August 1908.

Wird veröffentlicht.

I. 8611. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 22.^81uguft 1908.

Nach den Jahresberichten der Hessischen Brandversicherungs­Anstalt findet eine nicht geringe Zahl der Brandunglücke ihre Entstehungsursache in dem Spielen der Kinder mit Streich­hölzern und sonstigen Zündstoffen.

Ich sehe mich daher veranlaßt, jetzt, wo beim Hüten des Viehes die Kinder Streichhölzer bei sich führen, um der ver­derblichen Sitte gemäß im Felde resp, auf dem Weideplätze Feuer anzumachen und Kartoffeln rc. zu braten, an die Be­wohner des Kreises die dringensteMufforderung zu richten, die Streichhölzer doch so aufzubewahren, daß sie unverständigen Kindern nicht zugänglich sind, denn es sind Fälle vorgekommen, daß Kinder, eben sowie im Freien, in Wohnräumen, Scheunen rc. ein Feuer'chen angezündet haben, wodurch dann große Schadenfeuer entstanden sind.

Daß auch die Herren Lehrer ihren Einfluß in dieser Hin­sicht auf die Schulkinder zur Geltung zu bringen wissen werden, setze ich als selbstredend voraus.

WeMe Berge 01*11.

Eine Geschichte von Haß und Liebe von Karl Bienen st ein.

(Fortsetzung.)

Der Bergschießl stieg langsam,L denn der WeinZ wirkte in ihm, nicht nur in seinen Füßen, sondern.mehr in.seinem Kops, und wirbelte dort Gedanken auf, wahnwitzige, wie sie nur in den Abgründen verlorener Seelen entstehen können. Der Hinterleitner hatte ihm vor dem Fortgehen noch ein paar Tropfen Gift in die Seele gegossen und die fraßen und brannten nun wie höllisches Feuer und verzehrten das letzte bißchen Rest von Vernunft, das dem jBergschießl noch ge­blieben war.

Gegen ein Uhr hatte er den Saumides Hochwaldes er­reicht und suchte unter dem Brombeergestrüpp das Gewehr hervor. Dann griff er in die Tasche nach der Patrone. Er wog sie in der Hand.

. Hm, so ein Stückchen Blei und konnte dem Brandebner seinen schönsten Ochsen niederstrecken. Vierhundert Gulden waren dann hin. Vierhundert Gulden? War das nicht eigentlich ein Pappenstiel? War damit all' die Schande gerächt, die er, der Bergschießl, ertragen muß ? Eigentlich sollte man

Den Bergschießl durchlief ein Zittern, der Schweiß trat ihm aus die Stirne, das Herz schlug ihm bis zur Kehle hinauf, er sprang auf und schritt weiter. Der Gedanke, der ihm durch den brennenden Kopf geschossen war, ließ ihn nicht mehr ruhen.

Er kam immer wieder, er marterte und quälte, er bohrte mit glühenden Nadeln in das Hirn des Bergschießl, so daß dieser schließlich nur mehr ein Gefühl hatte, ein allmächtiges, verlangendes Gefühl: Erlösung I Erlösung durch eine rasche Tat!

Wie im Taumel stieg der Bergschießl den trümmerbesäten kahlen Berghang empor, nun ging es über die Terasse, nun an der Felsnase vorbei, wo sich die Wege zu den beiden Almen scheiden, und jetzt stand er auf der Brandebner-Alm.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die vor­stehende Bekanntmachung wiederholt in der Gemeinde zu ver­öffentlichen.

I. 8690. Der Königliche Landrat

I. V.: F elling er, Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher Ccil.

Australien mit Amerika.

Der gegenwärtige Besuch der amerikanischen Schlachtflotte in den Häfen Australiens hat durch den Begeisterungssturm, welchen er bei der australischen Bevölkerung entfesselte, die all­gemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf das Verhältnis zwischen Australien und Amerika gelenkt. Es ist zweifellos, daß diese australische Begeisterung sür die Amerikaner nicht lediglich in einem Sympathiegesühl der Australier sür die stammverwandte amerikanische Nation wurzelt, sondern auch und noch weit mehr in dem Gefühle der Bundesgenossenschaft Australiens und Amerikas gegenüber einem künftigen furcht­baren Feind begründet ist. Die wirtschaftliche Lage Ausstraliens war durch die massenhafte Einwanderung billiger japanischer Arbeitskräfte ernstlich bedroht, gerade wie in Amerika infolge der Einwanderung zahlreicher japanischer Kulis sich eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die einheimische Bevölkerung zu bilden begann. Diese Gefahr haben nun die Amerikaner in ihrer bekannten rücksichtslosen Energie durch eine Reihe von Maßnahmen, die aus die Einschränkung der japanischen Ein­wanderung hinzielten, erfolgreich entgegengewirkt. Auch Australien sieht sich allmählich in die Notwendigkeit versetzt, entschieden Stellung gegen die sich wie Heuschreckenschwärme über das Land ergießenden mongolischen Einwanderer aus dem Reiche des Mikado zu nehmen. Seine Bemühungen, vom britischen Mutterlande eine kräftige Unterstützung in dem Streben, der japanischen Einwanderung einen Damm entgegenzusetzen, zu finden, stießen in London aus Gründen der hohen Politik auf wenig Entgegenkommen. Kaum vermochterffes die Australier bei der englischen Regierung durchzusetzen,^daß sie den Ab­sperrungsmaßregeln der australischen Kolonialregierungen gegen­über der Einwanderung der Japaner die notwendige Ge­nehmigung erteilte; in London mochte man eben den gelben Bundesgenossen nicht ohne zwingendste Not gern verletzen, trotzdem es sich um das wirtschaftliche Wohl der australischen Kolonie handelte.

Die Folgen einer solchen verkehrten englischen Politik sind jetzt in dem begeisterten Empfang der amerikanischen Flotte bei den Australiern zu Tage getreten, Australien schließt sich in seinem Unmute darüber, vom Mutterlande in seinen Be­strebungen, sich die japanischen Kulis möglichst vom Leibe zu halten, im Stich gelassen worden zu sein, an Amerika an. Die jubelnde Begrüßung des Sternenbanners auf australischem

Aber wie weit er auch seinen Blick durch das Dunkel schweifen ließ, nirgends war ein weißer Fleck zu sehen, der ihm lagerndes ViehIverraten hätte.

Es mußte aljo^ oberhalb der Sennhütte sein» und da hinauf konnte er nicht, denn von dort gab es keinen Ausweg.

Also warten! Der Bergschießl barg sich mit schußbereitem Gewehr hinter einem Felsklotz und wartete. Er wußte, mit Sonnenaufgang erhebt sich das Vieh von seinen Lagern und geht zur Tränke. Dann hatte er es auf Schußweite.

So saß er und wartete. Ein leises Grau begann gegen Osten den Himmel zu überziehen, aus dem Tale stieg Nebel auf, es wurde empfindlich kühler, unb] nun kam ein leiser, feiner Ton durch den Hochwald heraus: die Morgenglocke von Rotwald.

Und als sei es von diesem Ton aufgeweckt worden, kam von der Alm.herunter ein tiefesMuh!"

Das Vieh war erwacht.

In diesem Augenblick öffnete sich auch die Tür der Alm­hütte und Toni kam mit einem Eimer heraus. Ein lauter Juchzer begrüßte den jungen Morgen und dann schritt der Bursche abwärts zum Bründl, um Wasser zu holen.

Vor den Augen des Bergschießl flirrte es. Zum Greifen klar stand die Szene im Wirtshause vor seiner Seele, er fühlte den Stoß, der ihn zu Boden geschleudert hatte, und da war auch wieder der gräßliche Gedanke da und stach unbarmherzig in sein Hirn, und als plötzlich von Tonis Mund wie ein Hohn herüberklang:

Brinnrot is der Almrausch

Und d' Lieb' is brinnrot Und Hätt' i mein Roscrl da, Bußlet i's z' Tod!"

da war nur mehr ein wildes Singen und Rauschen in deS Bergschießls Kopf, ein Toben in den Adern, ein Flammen- tanz vor den Augen, er schnellte empor, die Arme zuckten empor und preßten den Stutzen an die Backe, der Zeigefinger krümmte sich um das Züngel und donnernd rollte der Schuß durch die Morgenstille.

Mit vorgequollenen Augen sah der Bergschießl den Toni

Boden wird nun wohl die Herren in London nachdenklich stimmen, sie dürften einsehen, wie bedenklich es ist, den Rück­sichten der hohen Politik, die Rücksichten auf die Rassengegen- sätze zwischen den Weißen und den Mongolen zu opfern. Amerikas ablehnendes Verhalten gegenüber den Japanern ist von vornherein weniger durch politische Rücksichten, als viel­mehr durch Erwägungen kultureller und wirtschaftlicher Art bestimmt worden. Dies rechnet man in Australien den Amerikanern hoch an und darum sind die warmen Sympathien für Amerika, welche die Australier anläßlich des jetzigen amerikanischen Flottenbesuches bekunden, wohl zu verstehen. Sie helfen ein neues Band zwischen den Vereinigten Staaten und Australien bilden, und sicherlich wird man auch in Tokio die Bedeutung dieser australisch-amerikanischen Sympathien» gemeinschast zu würdigen wissen. Sollte es wirklich einmal zum Kampfe zwischen Amerika und Japan um die Oberherr­schaft im Stillen Ozean kommen, dann dürste dem Lande deS Sternenbanners wahrscheinlich eine keineswegs nur platonische Unterstützung von australischer Seite zu teil werden, trotz der englisch-japanischen Bündnisses.

Sie Wirren in IM.

Die am Sonnabend über die Kämpfe bei Marrakesch ein­gelaufenen Meldungen beweisen, wie berechtigt es ist, wenn man die aus französischer Quelle stammenden Nachrichten über die Vorgänge in Marokko mit Vorsicht aufnimmt. Während es bisher immer so dargestellt wurde, als wenn das KriegS- glück sich zugunsten des Sultans Abdul Asis gewendet hätte und die südliche Hauptstadt des SchcrifenreichS bald endgültig wieder in feiner Gewalt fein , würde, stellt sich jetzt heraus, daß die Anhänger Mulay HascL> die Mahalla seines Bruders am Mittwoch vernichtet haben und Abdul Asis selbst sich auf der Flucht befindet.

Tanger, 22. August. Hier ist die Meldung eingetroffen, daß die Mahalla des Sultans Abdul Asts 50 Kilometer vor Marrakesch durch El Glaui vollkommen geschlagen worden ist. Der Sultan selbst ist entkommen. In dem noch zu Tanger gehörenden Gebiete am Roten Berg hat ein Zusammenstoß zwischen einer Truppenabteilung des Wachsen und einer Hafi- dischen, aus Andschera-Leuten gebildeten Mahalla stattgefunden. Hierbei wurden vier Machsenleute getötet und drei schwer ver­wundet. Die Soldaten des Wachsen sind zum Feinde über­gegangen.

Paris, 22. August. Seit 24 Stunden wußte man in Tanger und in Paris in den offiziellen Kreisen, daß die Sache Abdul Asis' verloren war. Gegen den Rat des Kaids Mtugi verfügte Abdul Asis, der einen Beweis seiner strategischen Be­gabung liefern wollte, am letzten Mittwoch die Entsendung einer verhältnismäßig starken Abteilung aus Elkelaa, von wo der Anmarsch der aus Fez entsandten hafidischen Entsatztruppen gemeldet worden war. Die asisische Kolonne operierte an diesem Punkte vollkommen disziplinlos. Die Schaujaleute

mit der Hand gegen die Brust zuckenBergschießl!" hallte ihm ein gellender Schrei entgegen, und da schoß ihm ein namenloses Grauen und Entsetzen in die Brust, er warf den Stutzen von sich und stürmte wie von Bluthunden gehetzt von bannen.

So war noch kein Mensch den Almsteig herabgestürmt. Die Steine flogen unter den grobgenagelten Sohlen, die Luft pfiff ihm um die Ohren; aber ebenso schnell liefen zu seinen Seiten zwei Unsichtbare mit, von denen der eine mit der Stimme des getroffenen Toni beständig rief:Bergschießl! Bergschießl!" der andere aber mit dem Ton einer Posaune schrie:Mörder! Mörder!"

Der Bergschießl lies, was er konnte, die Zunge klebte ihm schon am Gaumen an, aber die zwei Unsichtbaren brächte er nicht los, und sie schrien, daß es die ganze Welt hören mußte.

Kam nicht aus dem Walde schon das Echo ihrer furcht­baren Stimmen? Rief es nicht schon ein Baum dem andern zu:Der Bergschießl hat den Toni umgebracht!"

Ja, der ganze Wald wußte es schon, die Felswände hallten eS wider, aus den Lüften scholl es herab und ein Kolkrabe trug es krächzend in das Tal hinab.

Da stürzte der Bergschießl ins Moos nieder, stöhnend und röchelnd, seine Finger gruben sich krampfig in das Moos ein, die Kinn^den schlugen klappernd auseinander, und dann brach es über seine Lippen und in die Stille des Morgenwaldes hinein, halb Brüllen, halb Lachen, ein wahnsinniges, entsetz­liches Lachen.

Die Bergschießl-Leute saßen eben beim Mittagessen, als sich die Stubentür austat und der Bauer barhaupt mit wirrem Haar hereinschlich.

Mit irren Augen sah er auf die Leute am Tisch hin, denen bei dem Anblicke die Löffel in der Schüssel stecken blieben.

Dann hob er den Finger an den Mund und tat ein ge­heimnisvollesPst!"

Und ein paar Schritte näherschleichend, fragte er flüsternd: