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Illustrierte oLan dwirt gastliche Anlage urm , ^erskelder Kreisblatt.

«r. 3 Hersfelv^ V tV n ' % 0 1909

Znhalts-Verzeichnis: Wiesenbau auf Moorboden. Einwirkung des Frostes aus die Ackerkrume. Einwirkung der verschiedenen Stoffe auf den Boden. Torf- und Moorböden. Kompost für Wiesen. Stalldünger. Düngerhaufen im Winter. Regelung der Wafferläufe. Bom Pferde. Kaninchonräude. Rammler und Häsin. Reinlichkeit im Viehstall. Kröpf der Hühner. Wie lange hält man Hühner. Hühner-Mästung. Buschobstpflanzung. Granatbaum im Winter. Kubelpflanzen. Rebschnitt. Pfähle und Pfosten. Wirsing im Winter. Bohnen und Erbsen. Wintersalat. Perersilie und Schnittlauch. Eanna- und Dahlienknollen. Taubcndünger. Bienenkönigin. Kunstwaben. Wachs. Naphtalin gegen Mäuse. Obst im Keller. Witterung für Marder. Eiskruste. Meisen. Rammet- zeit der Hasen. Rost-Schutzmittel. Ausfallen der Haare Mitesser. Augenentzündung. Zahnpulver. Rote Nase. Plättbrettbc,ug. Takstwaren waschen. Weiße Schleier. Lackierte Möbel reinigen. Putzen des Silbers. Putzmittel für Metalle. Töpfe und Pfannen. Eierkuchenpfannen. Fleischsalat. Aale zu räuchern. Weiße Bohnen mit Aepfeln. Rindfleischpudding.

Wiesenbau aus Moorboden.

Kytstehung und Zusammensetzung der Moore und ihre Verwertung als Wiesen.

Nachdem so das Kcimbett vorbereitet ist, erfolgt auf Len kalkarmen Hochmooren die K a l k u n g und zwar für pro Hektar (d. h. 4 Morgen) ca. 60 Ztn. gebrannter Kalk, oder statt dessen 120 Zentner feingemahlener hochprozen­tiger Mergel erforderlich. Auf ganz unzersetzten und kalkarmen Hochmooren sind sogar bis zu 100 Zentner Kalk aufzubringen. Der Kalk ist möglichst innig und gleichmäßig mit der ganzen Oberflächenschicht bis auf Pflugtiefe (20 Zentimeter) zu mischen. Um dies zu er­reichen, muß noch nach beendetem Umbruch eine Zer­kleinerung erfolgen, nachdem die Hälfte des Kalkes Mufgesät ist. Am besten wird dies erreicht mit Hilfe der Teller- oder Flügelegge. Wer nicht im Besitze der er­forderlichen Gespannkräfte oder der Kulturgeräte ist, muß die halbe Kalkgabe ca. 20 Zentimeter tief unter- hacken.

Hierauf erfolgt das Ausstreuen und Vereggen der zweiten Kalkgabe.

Der Kalk soll den Boden zur Melioration vorbereiten und gewissermaßen als Gehilfe des Pfluges, der Egge oder Hacke wirken, indem er den Boden.entsäuert, ihn erwärmt und lockert und die schon vorhandenen Nähr­stoffe mobil macht. Es ist daher gut, diese Tätigkeit sich erst entfalten zu lassen, ehe die Melioration auf Hoch­moor weiter fortgesetzt wird. Am besten wird es sein, die Kalkung noch vor Einbruch des Winters zu beenden, damit der Frost im Verein mit dem Kalk den Boden durch gründliche Lockerung vorbereitet. Im Frühjahr erfolgt dann die Kaliphosphatdüngung, die sich nach dem vorhandenen Gehalt an Nährstoffen richtet, und bei Nie- derungsmooren in der Regel nicht in dem Maßstabe er­folgt, wie auf den kali- und phosphorsäurearmen Hoch­mooren. Letztere erhalten im ersten Jahre eine Gabe von 2030 Zentnern Kainit und 1216 Zentnern Tho­masmehl, während für die Niederungsmoore anfänglich eine Gabe von 16 Zentnern Kainit und 68 Zentnern Thomasmehl als Vorratsdüngung pro Hektar genügt. In den späteren Jahren kann eine Ermäßigung dieser Düngung bis zur Hälfte der vorerwähnten Mengen ein- treten.

Der Dünger ist möglichst nach geschehener Aussaat zu 'vereggen, darauf aber mit schweren Walzen anzuwal- ffen, damit sich der Boden, der im Winter stark aufge- froren ist, vor der Aussaat eines Kleegrasgemisches wie- der dicht lagert. Das Walzen ist eine der wichtigsten Maßnahmen, sowohl auf Hochmoorkulturen, als auch auf Niederungsmoorkulturen: die regelmäßige Anwendung schwerer Walzen, auch nach dem die Moore längst melio­riert sind, im Frühjahr und im Herbst ist ein unschätz- bares Mittel für die Unterhaltung der Wiesen. Die Moore frieren in jedem Jahre auf, durch das Anwalzen werden die Hohlräume im Boden verringert und es wird ein langsameres aber um so höheres Aufsteigen des Was­sers herbeigefübrt. Außerdem erhalten die Pflanzen, deren Wurzeln in dem aufgefrorenen Boden zu zerreißen drohen, wieder einen festen Stand.

Fürchtet man, daß durch die vorerwähnten Maß- vahmen das Moor noch nicht genügend zersetzt ist, so empfiehlt es sich, im ersten Jahre noch nicht Kleegras nn= Susäen, sondern Hackfrüchte in Stalldung anzubauen, wo­durch die llmwandclung der unzersetzten Schichten in Humus in hohem Maße gefördert wird. Der Anbau mit Hackfrüchten wird besonders nachträglich anzuwenden sein, wo wegen ungenügender Zersetzung der Grassamen "ült aufgegangen ist.

Die nach den Versuchen der Moorversuchsstation in Aremen empfehlenswertesten Grasmischnugeu, ca. 40 Kilogramm pro Hektar, ist für Hochmoor eine wesentlich ""dere, wie für Niederungsmoor, sie wird, nachdem der zuvor angLwalzte Boden mit einer leichten Wiesenegge Lieder aufgeeggt ist, in unserem Klima etwa Mitte Mai

ausgesät und dann wieder mit ausreichend schweren! Walzen angewalzt.

Bei Hochmoorflächen wird das Gedeihen der SaaE durch Kleeimpferde d. h. 20 Zentner feingesiebte Erde Pro Hektar, welche nach dem Streuen sofort einzu- eggen ist, sowie durch kleine Gaben guter Komposterde in den ersten Jahren erheblich gefördert. Da die Pflanze die Stickstofsnahrung vorzugsweise in der Form von sal- petersauren Salzen aufnimmt, so empfiehlt sich auf Hoch­moor auch eine Düngung von 4 Zentner Chilisalpeter pro Hektar.

Fürchtet man die schädlichen Wirkungen des Frostes, so empfiehlt es sich, zum Schutze der jungen Gräser vor­her 6080 Kilogramm Hafer pro Hektar als Schutz­frucht anzusäen, sobald schädliche Fröste nicht zu befürch­ten, der aber mit hoher Stoppel grün abgemäht werden muß, da sonst die junge Saat erstickt wird.

Um die Kulturarbeiten zu erleichtern, sind in den letz­ten Jahren mannigfaltige Verbesserungen an den Knl- turgeräten vorgenommen worden. Eine ganze Anzahl Firmen gibt es, die sich fast nur mit der Herstellung von Moorkulturgeräten befassen und diese so billig liefern, daß auch ein iveniger bemittelter Landwirt sich die nötig­sten Geräte, namentlich Eggen und Walzen anschaffen kann. Um auch mit Pferden das Moor betreten zu kön­nen, werden jetzt hölzerne Moorschuhe konstruiert, die das Durchtreten verhindern. Mit Hilfe der Pferde, die sich sehr bald an die Schuhe gewöhnen, können dann ge­rade die wichtigsten Arbeiten, das Pflügen, Eggen und Walzen, unter großer Ersparnis von Zeit und Kosten ausgeführt werden.

Was nun die Pflege und Unterhaltung der in angegebener Weise meliorierten Moorflächen betrifft, so ist zunächst das wichtigste, die mit großen Kosten aus­geführte Vorflut alljährlich durch gründliche Räumung der Haupt- und Nebengräben zu sichern; ebenso wichtig ist das erwähnte Festwalzen im Frühjahr und im Herbst. Selbstverständlich müssen die Wiesen in jedem Frühjahr oder auch Herbst nachgedüngt, und wo Fehlstellen sich zeigen, nachgesät werden. Unkräuter, wie Binsen und Klappertopf müssen ausgerottet werden; am besten geht man diesen durch häufiges Ausmähen der jungen Triebe zu Leibe.

Wer diese Maßregeln nicht beachtet und die Wiesen vernachlässigt, der wird bald um die Früchte seiner Ar­beiten betrogen werden, während der immer größere Erträge erzielt, der seinen Wiesen sorgsame Pflege an­gedeihen läßt. Daß die Anlagekosten sich rentieren, geht aus unzähligen Beispielen hervor, sind doch hier schon auf Hochmoorwiesen 50 Zentner erstklassiges Heu pro Morgen geerntet worden.

Die Einwirkung dcs Frostes auf die Beschaffenheit der Ackerkrume.

Wenn auch scheinbar die Natur im Winterschlaf liegt, so hören im Winter die Kräfte der Natur doch nicht auf zu wirken und der Frost selbst ist ein gewaltiger Faktor, dessen Einfluß auf die Beschaffenheit der Ackerkrume von hervorragender Bedeutung ist. Zu jeder Zeit, nament­lich aber im Herbst, enthält der Boden eine gewisse Menge Feuchtigkeit, welche die Ackerteilchen aufs innerste durch­drungen hat. Tritt nun Frost ein, so gefriert diese fein verteilte Bodenfeuchtigkeit je nach dem Grade der Tem- peraturerniedrigung bis zu mehr oder weniger bedeuten- her Tiefe. DaS in Eis übcrgehcndc Wasser verlangt aber, wie allgemein bekannt, einen größeren Raum und übt mithin auf alles, waS seiner Ausdehnung sich widersetzt einen Druck aus, dessen Kraft zwar im Einzelfalle klein fein mag, dessen Wirkung aber zur Geltung kommt in der Summe aller der ungezählten Druckkräfte, welche unter der Einwirkung des Frostes in Tätigkeit treten. Aus diese Weise werden die kleinen Bodenteilchen, welche die

natürliche Quelle für die Pflanzennährstoffe sind, immer von Neuem zersprengt und dem Eindringen der die Ver­witterungsvorgänge beeinflussenden Atmoshärilien zu­gänglich gemacht, so daß also Frost die Ackerkrumeauf- schließt", damit dieselbe unbehindert an den noch unver- wetterten Feldteilchen der Krume zerstörend und lösend wirken können. Alle die für das Wachstum unserer Kul­turpflanzen so überaus wichtigen Verwitterungsvorgänge in der Ackerkrume werden demnach aufs wirksamste ge­fördert und unterstützt durch die Kraftäußerung des Frostes. Damit nun der Frost seinen günstigen Einfluß auf die Erschließung des Ackers äußern kann, müssen wir das sei die Nutzanwendung zu dem eben Gesagten durch zweckmäßige Bodenbearbeitung dafür sorgen, daß ihm seine Arbeit erleichtert wird. Dies geschieht dadurch, daß wir vor Eintritt des Winters alles pflügbare Land möglichst unter den Pflug bringen; denn die Einwirkung des Frostes auf die Bodenkrume ist am intensivsten, wenn er letztere in rauher Furche vorfindet.

Die Einwirkung der verschiedenen Stoffe auf ben Boden.

Kalten Boden erwärmen: Kalk, Kalkmergel, Gips, Sand, Ziegen-, Schaf-, Esel- und Roßmist. Hitzigen Boden kühlen: Thon, Gassenabraum, Lehm, Thonmergel, Rindsdünger, Rasen. Feuchten Boden trocknen: Stein- kohlcnasche, Schiefer, Kalk, Kalkmergel, Sand, Bauschutt, Schaf- und Pferdedünger. Zähen Boden lockern: Sand, Mergel, Asche, Ruß, Pferdedünger, Gerberloh, Schafmist. Feuchtigkeit anziehen und verschließen: Gips, Stein- kohlenasche, Schieferstand, Kreide usw.

Die Torf- und Moorboden,

die Wiesen mit dicker, oft mosiger Grasnarbe, die humus- rcichell Böden der Wiesen und Felder schattiger Lagen der Winterseite von Bergen und Hügeln, und die lange Zcii naß bleibenden Gelände (saure Wiesen) enthalten viel Säure, bei welchen die Superphosphate durch ihren Säuregehalt nicht günstig wirken, die aber durch den Gehalt des Thomasmehles an Kalk wesentlich verbessert werden können.

Kompost für Wiese«.

In den eigentlichen Wiesengegenden wird der Kom­post in der Weise bereitet, daß man zur Hälfte Stall dünger und zur Hälfte Erde nimmt und dieselbe auf große Haufen setzt; diese Haufen mehrmals mit Jauche übergießt und alsdann öfter umarbeitet. Je länger der Haufen liegt, je öfter er umgearbeitet, umso mehr er mit den flüssigen Exkrementen gemischt wird, desto besser und wirksamer ist er.

Der Stalldünger.

Bei aller Wertschätzung der richtig angewandten künst­lichen Düngemittel raten wir doch, bevor man Geld für solche ausgibt, zunächst auf zweckmäßige Behandlung des Stalldüngers weit mehr Gewicht zu legen, als dies bisher meistens der Fall ist. Der in der eigenen Wirt schaft produzierte Stalldünger kostet zunächst nicht bares Geld und dann hat er auch Eigenschaften, welche den künstlichen Düngemitteln abgehen. Wir brauchen nur darauf hinzuweisen, daß der Stallmist nicht allein dem Boden die entzogenen Nährstoffe zum großen Teil wieder zuführt, sondern denselben auch physikalisch verbessert, in- dem er den schweren Boden lockert und erwärmt, den leich­ten Boden bindiger und wasserhaltiger, beide aber reicher an Humus macht.

Düngerhaufen im Winter.

Wer im Frühling, welcher ohnehin genug Arbeit bringt, Zeit sparen will, schafft seinen Dünger jetzt schon auf das Feld. Das hat seine guten Seiten. Aber leider herrscht noch in vielen Gegenden die üble Gewohnheit, den Dünger, anstatt ihn sofort aurzuvreiten auf acn Feldern in Hausen zu setzen und den Winter über sitzen zu lassen. DaS ist ganz verfehlt. Denn die Haufen werden durch Schnee und Regen ausgelangt, so daß der Dünger bis zum Ausbreiten im Frühjahr bedeutend an Wert verloren hat. Aber auch das Aus-streuen und