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hmfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 12.
Donnerstag, den 28. Januar
1909.
Amtlicher teil.
Berlin, den 30. Dezember 1908.
Die durch Erlaß vom 21. Dezember v. 3«. — üb. 5675 — begründete Verpflichtung zur Beschaffung von Jn- landsausweispapleren wird vom 1. Februar L 3«. an aus sämtliche ausländische Arbeiter au-gedehnt.
Demnach finden die Benimmungen deS genannten ErlasseS auf die Ausstellung von Legitimation-karten für die bisher nicht legitimierungSpslichtigen ausländischen Arbeiter mit folgender Maßgabe Anwendung.
a. Zum Zwecke der Ausstellung der Jnland-au-weiS« Papiere werden in nachstehend bezeichneten Orten weitere Grenzämter der Deutschen Feldarbeiter-Zentralstelle in Berlin errichtet:
1. Woyen-, Kreis Hader-leben,
2. Werner, Kreis Werner,
3. Borken, Kreis Borken,
4. Waldenkirchen, Kreis Kämpen,
5. Aachen, Stadtkreis Aachen,
6. Saarbrücken, Kreis Saarbrücken.
b. Die Legitimationstarten für die italienischen Arbeiter sind grün, für die niederländischen Arbeiter blau.
c. Von der Erhebung der in Nr. 5 bei genannten Erlasses festgesetzten und durch den Erlaß vom 4. Dezember d. Js. — II b. 4919 — für die dort in Betracht kommenden Arbeiter von neuem in Kraft gesetzten erhöhten Gebühr von 5 Mark ist für die bit jetzt dem LegitimationSzwange noch nicht unterliegenden Arbeiter bis auf weiteres abzusehen.
Die Erlasse vom 16. Januar — II b. 84, 31. Januar — üb. 5819, — 9. Juli II b. 3192, — 4. Dezember d. JS. — II b. 4919, letzterer mit Ausnahme der Nr. 4, finden auf die nach vorstehenden Bestimmungen angeordnete Inland-legitimierung sinngemäße Anwendung.
Zum Zwecke der durch Nr. 4 der erwähnten Verfügung vom 4. Dezember d. Js. bedingten stärkeren Besetzung der Wcstgrenze der Provinz Schlesien wird noch ein Grenzamt in Friedland, KreiS Waldenburg, errichtet.
II. b. 5742. Der Minister deS Innern. gez.: von M o l t k e.
* ♦
HerSseld, den 25. Januar 1909.
Abschrift teile ich den OrtSpolizeibehörden deS Kreise» unter Bezugnahme aus meine Verfügung vom 15. d. MtS., J. I. Nr. 13275, zur Kenntnis und genauen Beachtung mit.
Die OrtSpolizeibehörden deS Kreises, in deren Bezirk ausländische Arbeiter im Laufe deS Jahre- beschäftigt werden, ersuche ich, bei Erstattung ihre- durch meine vorgenannte Verfügung angesorderten Bericht- auf den oben ab gedruckten Erlaß Rücksicht zu nehmen.
J. I. Nr. 317. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, RegierungS-Reserendar.
3er Hm von Lorenzdorf.
Roman von Maximilian Moegelin.
(Fortsetzung.)
Die Leiter hinauf, die Leiter hinunter maßen ihn ihre Blicke, indem sie fragte, ob er eS vielleicht besser könne — ei war die „Zauberflöte".
„Verzeihung", sagte er noch einmal, .wenn Sie gestatten !"
Er kam herab, wischte sich an seiner blauen Schürze die Finger und — spielte Mozart ohne Noten. Als dann von ungesähr der alte Kammerherr inS Fenster sah und überrascht sich dieses Anblicks freute, da lachte er so tüchtig, wie er- seit Jahr und Tag nicht mehr getan hatte. Nach einer Herrenhaussitzung erzählte er dann sein Erlebnis auch im frohen Kreise — Fritz Krüger aber war am Scheidewege angelangt."
Erleichtert atmete Ottilie Zechow auf und sichtlich erfreute sie der Werdegang jene- ManneS, dessen meisterhaftes Spiel sie so entzückt hatte.
„UebrigenS", sagte der Referendar lächelnd und drohte mit dem Finger, „verehrtesteS Fräulein haben — aber daS sollte ich wirklich still für mich behalten — waS Schöne» — angerichtct!"
„Ich?" entgegnete Ottilie überrascht und blickte fragend auf Bornim.
„Jawohl Sie, meine Verehrteste. Aber", sagte er und hielt sich den Finger auf den Mund: „Diskretion Ehrensache I — Kaum eine Stunde Schlas fand unser Komponist, dem Frau Muse gestern ausnehmend hold gewesen war! — Sein OpuS kam da zur Vollendung — er taufte ei: „An Ottilie I"
— — „Wie liebenswürdig! — In der Tat zu gütig!" bemerkte sie gerührt von so viel Aufmerksamkeit, während ihr leicht errötendes Gesicht bekundete, daß ste die Ehre nicht zu niedrig schätzte.
„Und hören Sie weiter I Al» er dann eingeschlasen war
Die durch daS Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfungen für Schmiede, die ihre Befähigung zum Betriebe deS HufbeschlaggewerbeS dartun wollen, finden im Jahre 1909 vor der staatlichen Prüfungskommission in der Schmiede deS Obermeister» Schade zu Hasset an den Sonnabenden des 27. Februar, 22. Mai, 28. August und 27. November statt.
Meldungen zu diesen Prüfungen sind unter Porto- und bestellgeldsreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bis spätestens den 15. Februar, 30. April, 1. August und 1. November d. JS. an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. der Geburtsschein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbries u. dgl.)
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüsung ersolgloS unterzogen hat.
ES werden nur solche Schmiede zugelassen, die das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirke Hasset sich ausgehalten haben.
Schmiede, welche die Prüsung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüsung zugelassen werden.
Cassel, am 7. Januar 1909.
Der Vorsitzende der staatlichen Husschmiede-PrüsungS- kommission deS Regierungsbezirks Cassel.
Veterinärrat Buch, Königl. DepartementS-Tirrarzt, WolfSschlucht 13.
* * *
Hertk-ld den 22. Januar 1909.
Wird veröffentlicht.
I. 603. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger,
RegierungS-Reserendar.
HerSseld, den 22. Januar 1909.
Der Metzger Ewald Möller zu Heringen hat dahin beantragt, ihm die fernere Benutzung deS vor 10 Jahren ohne gewerbepolizeiliche Genehmigung erbauten
Schlachthauses
auf feinem HauSgrundstück Kbl. 12 Nr. 256/69 gemäß § 16 der Reich-gewerbeordnung zu gestatten.
Ich bringe diese» zur öffentlichen Kenntnis mit dem Bemerken, daß Einwendungen hiergegen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen find. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Die rechtzeitig erhobenen Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermine am
— ganz selig, daß sein Werk vollendet — fand er sich wieder am User seine» heimatlichen FlusseS — beim Angeln — e» war am Weidenbusche. — — Ein Fräulein Zechow war an seiner Seite — waS man sich selig doch erträumen läßtl Er sah sehr tief in — ein Paar lichte Augen und waS dann kam — ist bald erraten: zwei Menschen, die von ewig her bestimmt schienen füreinander — versprachen sich — zu einem treuen Bunde!" —
Ottilie, die nicht ohne Interesse gelauscht hatte, war völlig überrascht, sie blickte einige Augenblicke vor sich hin und meinte schließlich: „Ganz nett--ein Traum!" und sah zur Erde.
Bornim aber war eS zufrieden. Vorsichtig tastend hatte er still ein Feuer entfacht, ein Interesse wachgerusen durch einen Traum, der lebhaft seine Phantasie erträumte und die er nun in Wirklichkeit umgesetzt hatte — es war so ganz nach seinem Wunsche gegangen. Nun glaubte er zu wissen, daß sein recht wenig praktischer Freund diesem lebhaften Mädel, daS nun so schweigsam vor ihm saß, zum mindesten nicht einerlei sei.
In diesem Augenblicke vernahmen sie daS Oeffncn der Außentür. Bornim, dem der erste VerS feiner Zukunftsmusik durchaus gefiel und der von dem zweiten und letzten auch keine andere Wirkung erhoffte, erhob sich, sagte „aus Wiedersehen" und legte zum Zeichen, daß er, ganz gegen seine Ab- ficht ein wenig auS der Schule geplaudert hattet noch einmal den Finger auf den Mund.
Ottilie verstand. Sie lächelte verbindlich für da- Berttauen, mit dem er sie beehrte, und erhob sich gleich- sallS.
„Morgen, Krüger!" begrüßte er gleich darauf den Musik- beflissenen, der vor dem Spiegel stand und feinem Künstler- Haupte mit großer Sorgfalt den nötigen Schwung gab. „War großartige Sache von den Alten", fuhr der Referendar sogleich fort, ,un« nach ihren Dörfern einzuladen!"
„War jedenfalls sehr nett, machen selbstverständlich hin!" bemerkte Fritz Krüger, ohne sich im geringsten stören zu lassen.
„Natürlich!" fiel der Resnendar sofort ein, pfiff den
€onnabenh Den 11 Februar 1 K
10 Uhr vormittags
erörtert werden und zwar auch im Falle det Ausbleiben- bei Unternehmer- oder der Widersprechenden.
Die Zeichnungen und Beschreibungen liegen während der Dienststunden hier zur Einsicht der Beteiligten offen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. Nr. 475. J. A.: Fellinger,
RegierungS-Reserendar.
Die Aktiengesellschaft Kaliwerke Hattorf zu Philippsthal beabsichtigt in der Gemarkung HeimboldS- haufen auf dem Grundstück ihrer Turbinenanlage den daselbst lagernden Boden wegzuräumen bezw. in die nicht aufgefüllte Fläche zwischen dem neu angelegten Turbinengraben und der Werra einzucbncn.
Um den durch Ansüllung deS Bodens beengten Hoch- wasscrabzug wieder herzustellen, soll nach den hier vorgelegten Querprofil- und Lageplänen das
rechte User der Werra zum Teil abgetragen werden.
Die Beteiligten können innerhalb einer Frist von zwei Wochen gegen dieses Unternehmen beim KreisauSschuß dahin Widerspruch erheben.
Die Zeichnungen liegen während dieser Zeit in den Dienst- stunden zur Einsichtnahme dahier offen.
A. 462. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger,
, RegierungS-Reserendar. .
HerSseld, den 22. Januar 1909.
Ich mache bezüglich dn Ausführung von Eisenbeton- Bauten die in Betracht kommenden Interessenten darauf aufmerksam, daß die Verwendung von Kohlenschlacke zur Herstellung von Beton, deS sogenannten Schlackenbeton-, allgemein, also auch für dir sogenannte Zugzone in Decken und Balkon, unzulässig ist.
Die Verwendung der Schlacke zur Herstellung von sonstigem Beton, sogenannten Stampfbeton, kann nur da zugelassen werden, wo die Gefahr ausgeschlossen ist, daß tragende Eisenteile mit derartigem Beton in Berührung kommen oder Menschen von herabsallendem Putzmörtel getroffen werden können.
Die Herren Bürgermeister und Gendarmen deS Kreises ersuche ich, in diesem Sinne auf die Aussührung von Eisen- betonbauten besonders zu achten. Bei etwaigen Zuwiderhandlungen oder in Zweiselsällen ist mir hierüber alsbald zu berichten.
B. 1674/08. Der Königliche Landrat.
3. A.: Fellinger,
RegierungS-Reserendar.
neuesten Gassenhauer und durchmaß, die Hände auf dem Rücken, KrügerS Zimmer.
„UebrigenS, Krüger, höre und staune I — Ich weiß einen Titel für deine Dichtung."
„So! — Meinst du?" suhr jener fort und sah Bornim durchdringend an.
„Ja, — et fiel mir so plötzlich ein — ich meine — wird ihr große Ehre sein und ■ Freude, — nämlich: „An Ottilie!'
Höchlichst überrascht blickte jener, in seiner Arbeit inne- haltend, auf den Referendar und sagte: „Du, Bornim, — aber allen Ernstes — warst Du die Nacht in meinem Zimmer?"
„Aber keinen Schimmer — bei zwei Stunden Schlaf — daS könnte mir gerade fehlen."
„Hm", sagte Krüger sichtlich erleichtert. „Dann hast Du eS erraten; ich glaubte schon, ich hätte eS im Traum gesagt."
„Aus Ehre, Krüger, daS hast Du nicht gesagt! Aber ein-, mein Junge, laß Dir gesagt sein: WaS tief ein Menschenherz bewegt, daS sollte man besser still für sich bewahren. Nun ja, was siehst Du mich so seltsam an? — Du sprichst so laut im Traum und wenn das eine Dame erfahren hätte, die Wand an Wand mit Dir geruht hat, dann kannst Du Deine Werbung ersparen, dann weiß sie alles und sie weiß genug!" ...
Hätte Bornim in weniger ernstem Tone gesprochen, so hätte Krüger wohl gelacht oder die Achsel gezuckt; nun aber . . .
„Krüger — die strengste Wahrheit", fuhr der Reserendar fort, der staunende Verwunderung aus dessen Zügen laS, „habt ihr an eurem User einen Weidenbusch, wo Du öfter geangelt hast?"
„Ganz, wie Du sagst!"
— „Na also! — Dort saßest Du in dieser Nacht im Traum und nicht allein,--- ein Fräulein Zechow war an Deiner Seite. Du fragtest sie — noch jetzt bewunde-e ich Deinen Mut — ob sie wohl Dein für immer werden möchte und — wie ich deutlich dann noch zu vernehmen glaubte —