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herrfelder Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 17.

Dienstag, den 9. Februar

1909.

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 4. Februar 1909.

Im Laufe diese- MonatS wird der Vertrauen-mann der Königlichen Ansiedlung-kommission Herr v. Schaumburg aus Cassel in einigen Gemeinden de« Kreise- Verträge über die Ansiedlung in Posen halten.

I. 1265. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, RegierungS-Reserendar.

Her-feld, den 4. Februar 1909.

Ich habe die Wahl deS Ackermann- Heinrich Scheer HL in Motzseld als Bürgermeister dieser Gemeinde auf Grund deS § 55 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen- Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.

A. 724. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger,

RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag wurde der Gesetzentwurf betreffend die Er­höhung des Grundkapital- der Zcntralgenossenschast-kasse von 50 aus 75 Millionen Mark beraten. In Vertretung bei Finanzminister- begründete Unterstaatssekretär von Domboi« die Vorlage mit den geschästlich.en Verhältnissen der Kasse und dem Ausbau bei ländlichen und gewerblichen Genossenschafts­wesens; er sprach die Hoffnung auS, sie werde für den Mittelstand in Stadt und Land von Segen sein. Die Abgg. v. Brockhausen (kons.), Faßbender (Z.) und Dr. Friedberg (natl.) stimmten namen- ihrer Parteien der Vorlage zu, während Dr. Cröger (sr. Vp.) in einstündiger Rede die Tätig­keit der Preußenklasse und die einzelnen Punkte der Borlage einer scharfen Kritik unterwarf. Der Präsident der Preußen­klasse Dr. Heiligenstadt trat ihm kräftig entgegen und recht­fertigte die Geschäftsführung deS ihm unterstellten Institut-. Dann wurde die Vorlage der Budgetkommiffon überwiesen.

Reichstag.

Der Reichstag hielt am Sonnabend die 200. Sitzung in der laufenden Session ab. Aus diesem Anlaß war der Platz de? Präsidenten mit einem Blumenstrauß geschmückt. Gras Stolberg bantte den Schriftführern, die ihn gestiftet haben, für ihre Aufmerksamkeit und fügte unter lebhaftem Beisall folgende Worte hinzu:Wir haben seit dem 13. Februar bei vorigen Jahre- zweihundert Sitzungen gehabt. Wir können also wohl sagen, daß der Reichstag fleißig gearbeitet hat.

Her Hm m LmuKrf.

Roman von Maximilian Msegelin.

(Fortsetzung.)

Wilhelm ergriff nach alter Gewohnheit den Braunen am Zaum und streichelte ihn, während Bornim den Schimmel auf die Hüfte klopfte und nach oben fragte:Ob die un­wohl alle ziehen würden?"

Und dieser einzige Karl im Gefühl von Stolz und Würde für seine Pserde entgegnete dann wieder:I, ja, Herr!" m,

Na Karl, so töw man en birken", sagte der Reserendar und sprach denn abseits mit dem Dirigenten, der lächelnd den Kops ein wenig schief haltend, aus die Höhe bei Wagen- blickte. . ,,

Dann sühlte dieser etwa- in die Hand gedrückt, wa- ihn veranlaßte, zweimal seine Rechte an den Mützenrand zu legen und sich besonder- tief zu verneigen. .

Bald daraus saßen hoch oben hinter Karl, dem Einzigen, die acht Musikanten die Studenten waren recht hüls-bereit bei deren Aufstieg, dann zogen die Gäule an, und die Nebenhergehenden bedauerten sehr, daß aus diesem luftigen Olymp nicht mehr Plätze zur Verfügung standen.

Etwa 50 Schriite vom Dorfe, während unsere Gesellschaft über den Graben sprang und links abbiegend an den Gärten entlang ging, schmetterten von ihrer Höhe herab plötzlich die Trompeten den Hohensriedberger am liebsten hätte Bomim Fansaren blasen lassen:Hie gut Brandenburg allewege" und wie nicht ander- zu erwarten war, kam eiligst da- ganze Dors groß und klein herbei, die zum 'mindesten da- Anrücken eine- Kavallerie-Regimente- zu erblicken hofften. Ueber- raschung und fragende Verwunderung zugleich stand in aller Gesichtern, die, lachend und vergnügt auf diese Fuhre blickend, nicht begriffen, waS ihrem Schulzen eigentlich eingefallen wäre.

Als Mine Lorenz aber diesen musikalischen Henwagen er- blickte, da glaubte sie genug zu wissen, nach ihrer Berechnung

Soweit es sich dabei um ein Verdienst handelt, ist es nicht mein Verdienst, sondern unser aller. Wenn diese Arbeit auch bisweilen nicht ganz leicht gewesen ist, so nehme ich doch an, daß Sie dieselbe doch gern tun in der Hoffnung, daß die Arbeit dem Baterlande zum Segen gereicht." Daraus wurde die zweite Beratung bei Etat- für da- Reich-amt bei Innern fortgesetzt.

Her tauf um hie RMMemr.

Die Frage der Nachlaßsteuer gestaltet sich immer mehr zumspringenden" Punkt in der ganzen Aktion zur Resorm der Reichsfinanzen. Die verbündeten Regierungen erklären, an der Nachlaßsteuer wegen der von ihr zu erwartenden Er- gibigkeit sesthalten zu müssen, anderseits machen die Konser­vativen und da- Zentrum entschieden Front gegen diese« Steuerprojekt, da- beiden Parteien au- verschiedenen Gründen nicht paßt. Von den anderen Parteien stehen seltsamerweise nur die Sozialdemokraten ali energische Verteidiger der Re- gierung-vorlage über die Nachlaßsteuer da, dann sind ihr noch die Freisinnigen freundlich gesinnt, obwohl sie eine Reichs­vermögen-steuer vorzogen. Von den anderen größeren Parteien haben auch die Nationalliberalen und die Reich-partei Be­denken gegen die Nachlaßsteuer, doch würden sie unter Um­ständen hierüber mit sich reden lassen. In den vorigen Wochen abgehaltenen Sitzungen der Finanz- und Steuer­kommission deS Reichttaget haben sowohl die Vertreter der verbündeten Regierungen wie die der einzelnen Parteien ihre Anschauungen über die Nachlaßsteuer dargelegt, und aui diesen Verhandlungen ergibt sich schon zur Genüge der in der Frage der Nachlaßsteuer entstandene Zwiespalt. Zur Besserung der Sachlage dient ei auch keineswegs, daß sich die in der Finanz- und Steuerkommission anwesenden Finanzminister der Einzelstaaten sowohl gegen die freisinnigerseit- empfohlene ReichSvermögen-steuer ali gegen die von der Reich-partei zum Ersatz für die Nachlaßsteuer beantragteVeredelung" der Matrikularumlagen erklärt haben. Jedensall- steht die Sache so, daß bei einem Festhalten der verbündeten Regierungen einerseits an der Nachlaßsteuer und der Konservativen und bei Zentrum- anderseit- an ihrer schaffen Opposition gegen diese- Steuerprojekt mit dessen vorläufigen Scheitern gerechnet werden muß, und vielleicht ist denn auch zurstunde die Nachlaßsteuer in der Kommission gefallen. Die zweifellos zugespitzte Situation in dieser Angelegenheit ließ e- erklärlich erscheinen, wenn in Berliner parlamentarisch-politischen Kreisen vergangene Woche bereit- sensationelle Gerüchte über eine mögliche Auflösung bei Reich-tage- bei einem etwaigen Scheitern der Nachlaßsteuer, welche- dann vermutlich auch alle anderen, mit der Reichs- finanzresorm zusammenhängenden Steuerprojekte zu Fall bringen würde, aufgetaucht waren. Sie werden allerdings auf anderen Seiten nicht sonderlich ernst genommen. Man sührt neben Gründen allgemein-politischer Natur gegen eine Auflösung bei jetzigen Reich-tage- besonder- auch an, daß die Forderung

mußte ihr Besuch heute bestimmt eintreffen. Sie ließ Line allein vor dem Hause {sieben, zupfte an ihrer Schürze, strich über ihr wellige- Haar und ging scheinbar so ruhig nach dem Hof, ali hätte sie im Leben nie etwa- von Herzklopfen ge­spürt.

Prüfend blickte fie noch einmal in die Runde, sie dursten kommen. Karl hatte den Auftrag erhalten, von der Straßenseite in dir Scheune zu fahren, und dachte so bei sich, al» er in aller Frühe den Hos peinlichst reinigen und harken mußte:Wenn bet mit de Mine, die ja ut Rand und Band ii, so weiter geht, dann lieber uft Altendehl."

Eben, al« der Wagen, bejubelt von ganz Lorenzdorf, vor der Scheune hielt, wo der Schulze kopsschüttelnd neben dem Krugwirt staub, der just ein Achtel Bier gebracht hatte, traten, aui dem gegenüerliegenden Garten kommend, die Studenten in da- Schulzen-Hau-, wo Wilhelm seiner Base Line Lorenz die Kommenden sogleich vorstellte.

Der Reserendar inde-, der Mine auf dem Hofe erblickte, eilte ihr entgegen und sagte:Habe die Ehre, guten Tag, Fräulein Lorenz da wären wir ja nun!"

Und mit Musik!" entgegnete Mine lachend und drohte mit dem Finger.Nun, herzlich willkommen, Herr von Bornim!"

Und wie zwei gute Freunde schüttelten sie sich die Hände.

Ach! wie sah diese- Mädel aui alles Frische, Leben und Gesundheit, einPrachtmädel" empfand er im Augenblick wieder und sagte:Ist ja großartig hier!" Prüfend glitt sein Blick über alle« dahin.Das reine Mustergut! Und alle- so traut, so heimisch! Ei der Tausend 1 hätte aus Ehre mir da- nicht träumen lassen!"

Und wie idyllisch!" fuhr er fort und nickte nach oben. Mit eigentümlichen Lächeln sah er von Mine Lorenz aus da« Scheunendach, wo eben, unbekümmert um die Unterwelt, Familie Storch in würdiger Ruhe eine Konferenz abhielt. Allerliebst was? Aeußerst nützliche Hau«tiere, sollten aus keinem Dache fehlen!"

Aber Mine ging ruhig daraus ein und sagte nur:Aeußerst

von 500 Millionen Mark neuen Steuern gewiß nicht al« eine zugkräftige Wahlparole für die verbündeten Regierungen an­gesehen werden könne. Vor allem aber glaubt man nicht, daß sie sich vor einer dritten Lesung der Reich-finanzresorm definitiv über eine eventuelle Auflösung deS Parlamente- ent­scheiden würden, sodaß also die Entscheidung in der entstandenen Krisis zunächst als vertagt erscheint. ES ist auch nach frü Vorgängen keineswegs ausgeschlossen, daß bei «ntt^ .,t;I,f der Nachlaßsteuer oder auch des gesamten finanziellen "eso^ . werkeS in der Kommission eine Einigung noch im Plenum zustandekommt, daS ist zwischen Regiemng und Reichstag in wichtigen Fragen schon mehr ali einmal dagewcsen. Freilich ließe sich zurzeit nicht einsehen, wie eine Verständigung betreff! der Nachlaßsteuer zustandekommen soll, wenn man sowohl regierungsseitig ali auch im Lager der Opposition hartnäckig aus dem hierbei eingenommenen Standpunkte verbleibt. Vielleicht haben darum jene Gerüchte, welche von Kompromiß­verhandlungen zwischen der Regierung und den Konservativen wegen der Nachlaßsteuer wissen wollten, trotz ihreS Dementi« durch den Reichsschatzsekretär Sydow, doch nicht ganz unrecht gehabt; auch wenn jetzt die Nachlaßsteuer in der Kommission sällt oder schon gefallen ist, so darf darum wohl noch nicht alle Hoffnung aufgegeben werden, daß hinter den parla­mentarischen Kulissen Einigung-verhandlungen eingeleitet werden. Die Verantwortung für ein Scheitern bei gesamten mühsamen Reformwerke- und für die hieraus zu befürchtenden bedenklichen Folgen wäre in der Tat auch für die Regierung wie für die maßgebenden Reichstag-parteien eine gleich große.

Aus 3m- und Ausland.

Berlin, den 6. Februar 1909.

Seine Majestät der Kaiser traf heute abend 6 Uhr 40 Minuten in PotSdam ein und bcgab sich nach dem RegimentShauS des 1. Garde-Regiments zu Fuß zur Feier des Gedenktage- seine- Einttitts in da- Regiment. Es waren erschienen der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm, der Fürst von Hohenzollern, Prinz Friedrich Wilhelm, Prinz Friedrich Leopold, die Generalität, die Vor­gesetzten und die Offiziere des Regiments. An die Festtafel schloß sich eine Theatervorstellung. Seine Majestät der Kaiser bleibt heute in PotSdam und nimmt im Stadtschloß Wohnung. Der Kronprinz begibt sich gegen HV2 Uhr im Automobil nach Berlin zurück.

Ein Erlaß bei preußischen Minister- bei Innern an die Regierungspräsidenten betreffend die Besoldung der Kommunalbeamten lautet folgendermaßen:Die aus den Erlaß vom 25. Mai 1907 erstatteten Berichte haben ergeben, daß die Besoldung der Kommunalbeamten an vielen Orten einer Ausbesserung dringend bedürftig ist. Im Hinblick auf die im Reiche und in Preußen bevorstehende Gehaltt- erhöhung der Staatsbeamten und mit Rücksicht auf die all­

nützlich! Freuen uns jedesmal, wenn sie wiederkommen! Singvögel in ihrem Nestchen und Rebhühner in den Wiesen lieben die frommen Heuchler ganz besonders, und für Jung- Härchen kennen diese unschuldigen Vögel keine Schonzeit. Aber ist denn Frau Benz nicht mitgekommen?" suhr Mine ganz unvermittelt fort, die wohl empfand, daß sie bei längerem Ausspinnen dieser Storchgcschichte schließlich doch zu kurz käme.

Noch einmal blickte der Reserendar, der eben zu einer Antwort ausholte, mit sonderbarem Lächeln nach dem Storch­idyll, dann sagte er:Mit unk, verehrtestes Fräulein Lorenz, ist Ihre zukünftige Frau Mama jeDenfaüi nicht gekommen, indessen dürfte sie zur rechten Zeit schon ein- treffen!*

Da- war nun wieder so eine gewundene Antwort, nach der man um mit Faust zu sprechen so klug war wie zuvor, dachte sie, während nun beide in die Stube traten, wo Fritz Krüger, auf sie zueilend, Mine Lorenz mit besonderer Ehrfurcht begrüßte, und Bornim die anderen Studenten vor­stellte.

In diesem Augenblicke trat auch der Schulze ein, der seine Wiederschenssreude in derben, aufrichtigen Worten be­kundete.

Dabei standen die jungen Männer lebhaft und erfreut um ihren hochverehrten Herrn Schulzen wie die Wandelsterne um die Sonne und die Sonne stand im Zenith und leuchtete »rdentlich vor Vergnügen.

Sehr überrascht war auch er, auf seine Fragen nach Frau Benz die gleiche unbestimmte Antwort zu erhalten.

Line, die auS dem anstoßenden Zimmer kam und in ihrer schlichten, fast ängstlichen Freundlichkeit wenig ihrer jüngeren Schwester glich, bat die Herren zum Frühstück, waS diese sich nicht zweimal sagen ließen, während des Schulzen Neffe mit großem Geschick den Hahn in ein Bier-Achtel trieb, das bereit- auf einem Schemel seines Zweckes zu harren schien.

Bald schwelgte man in Erinnerungen an die zum Teil gemeinsam sroh verlebten Stunden in der Residenz, wobei Bornim, der natürlich neben Mine Lorenz saß, deren Vater