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Hersfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 19. Sonnabend, den 13. Februar 1909.
Amtlicher teil.
Für den Umfang bei Stadtbezirkes Hersseld wird fortan das Feilbicten von Milch aus öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen und an anderen öffentlichen Orten oder von Haus zu Haus an Sonn- und Festtagen auf Grund bei neuen Wort- lautes der Ziffer 138 Absatz 1 b der AusführungSanweisung zur Gewerbeordnung vom 1. Mai 1904 während der Zeit von 5 Uhr morgens bis I Uhr nachmittags — ohne Unterbrechung durch die Gottesdienstpause — gestattet.
Hersseld, den 9. Februar 1909.
I. I. 1363. Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Resercndar.
HerSfeld, den 9. Februar 1909.
Die unter dem 'tSchweincbestande der Witwe Diebel zu Niederjosia ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 1444. Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Reserendar.
Hersseld, den 10. Februar 1909.
Die unter dem Schweinebestande deS Landwirts Schott II. in Kleba ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 1471. Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r,
RcgierungS-Reserendar.
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Politischer Wochenbericht.
Der Besuch bei englischen KönigspaareS am deutschen Kaiserhose hat den gewünschten erfreulichen Verlauf genommen. Die von herzlicher Wärme durchhauchten Trinksprüche der beiden Herrscher, die stürmischen Ovationen, die den hohen Gästen überall, wo sie sich zeigten, von der Bevölkerung der Reichshauptstadt dargebracht wurden, die taktvolle Haltung der deutschen Presse, alles dies vereinigt sich zu einem lichten Gesamtbilde. Es kann daher auch nicht fehlen, daß die Eindrücke, die Englands Herrscherpaar und Volk von diesem Besuche empfangen haben, die denkbar günstigsten sind. Zeugnis hiervon legt der sympathische Widerhall ob, den die Berliner Tage in der britischen Presse gefunden haben. Man darf daher wohl mit herzlicher Befriedigung sagen, daß die FriedenS- Hoffnungen, die sich an den Besuch Königs Eduards und seiner erlauchten Gemahlin bei unserer Herrscherfamilie knüpften, durch den Verlaus bei Besuches in der Tat als berechtigt erwiesen worden sind.
Naturgemäß wird durch ein Ereignis der auswärtigen Politik von so hoher Bedeutung, wie ei der Berliner KönigS- besuch ist, daS Interesse an den innern Angelegenheiten etwas in den Hintergrund gedrängt. An und für sich aber sind auch die jüngsten Vorgänge in dem parlamentarischen Leben unsers Vaterlandes keineswegs bedeutungslos. Im Reichstage hat Staatssekretär von Bethmann-Hollweg ein großzügiges sozial- politisches Programm entwickelt und dabei insbesondere auch Darlegungen über die von der Regierung geplante Abänderung und Vereinfachung der Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung gemacht. Von großer Wichtigkeit ist ferner die im preußischen Abgeordnetenhause in zweiter Lesung erfolgte Annahme der Lehrerbesoldungs-Vorlage. Mit dem wunderbaren, geradezu genialen Geschick, das dem Leiter des preußischen VolkSschul- Wesens Ministerialdirektor Schwartzkopff eigen ist, hat dieser die betreffende Vorlage durch alle die gewaltigen Fährnisse und Klippen, die sich ihr entgegenstellten, glücklich hindurch- zusteuern gewußt. Der preußischen Lehrerschaft wird hiermit eine ungemein wertvolle Gabe zuteil, und es darf mit Zuversicht erhofft werden, daß nunmehr auch in den Reihen dieses Standes, der ja für die Geschicke bei Vaterlandes und seine Zukunft von so eminenter Bedeutung ist, Zufriedenheit ihren Einzug halten wird.
Unter den Ereignissen der auswärtigen Politik ist weiterhin von Wichtigkeit bai deutsch-französische Abkommen über Marokko, das kürzlich in der Form einer Deklaration der beiderseitigen marokkanischen Interessen und zur Ausführung der Algesirasakte von dem Staatssekretär Frhr. v. Schön und dem französischen Botschafter Cambon unterzeichnet worden ist. In diesem Abkommen werden von deutscher Seite die besondern Marokkointeressen Frankreichs anerkannt, und ei wird zu gleicher Zeit versprochen, diesen Interessen nicht entgegenzuwirken. Anderseits bekennt sich die französische Regierung von neuem zu den Grundsätzen der Unabhängigkeit Marokkos und der offenen Tür und verspricht, allen auf die wirtschaftliche Erschließung des Landes gerichteten Unternehmungen, bei denen ein deutsch-französisches Zusammenwirken stattfindet, Schutz und Förderung angedeihen lassen zu wollen. Dieser Teil des Abkommens ist denn auch schon bis zu einem gewissen Grade praktisch geworden, indem sich nämlich einige deutsch-französische
Syndikate, so beispielsweise für die Ausbeulung von Minen, gebildet haben. Im übrigen wird jeder, der unbefangenen Blickes den Inhalt bei deutsch-französischen Marokko-Ab- kommens prüft, eingestehen müssen, baß bte deutsche Diplomatie er verstanden hat, die vaterländischen Interessen hierbei geschickt und kraftvoll wahrzunehmen.
In Oesterreich ist die Bildung des neuen Kabinetts unter der bisherigen Ministerpräsidentschaft v. Biencrths nunmehr vollzogen. DaS neue Ministerium soll, wie eine amtliche Kundgebung sich vernehmen läßt, ein Ministerium der kräftigen, unbeeinflußten Verwaltung, der nationalen Annäherung und der sozialen Reformen sein. Seine Zusammensetzung bietet die Bürgschaft, baß in ihm keine einseitige parteimäßige oder nationale Tendenz herrschend sein wird. Es bekennt sich aus innerster Ueberzeugung zum parlamentarischen Prinzip und wird alles aufbieten, um aufs schnellste die Wiederkehr einer geordneten Tätigkeit des Reich-rates zu ermöglichen. Schon daß der bisherige Präsident des Abgeordnetenhauses der neuen Regierung angehört, schließt die Annahme aus, als ob das Kabinett seinen Weg abseits vom Parlamente suchen wollte. Die neue Regierung wird sich, wie es weiterhin in der er- wähnten Kundgebung heißt, der unabweislichen Pflicht widmen, den nationalen Frieden anzubahnen. Jeder Freund unseres verbündeten Nachbarstaates wird von Herzen wünschen, daß die Lösung dieser allerbmgi immer schwierigen Ausgabe gelingen möge.
Abgeordnetenhaus.
Im Abgeordnetenhaus« ExKtn am Donnerstag Saal und Tribünen dicht gefüllt. Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der Beratung betreffend die Gültigkeit der Berliner Landtagswahlen. Abg. Dr. Hager (Zentr.) «Üärt, seine Partei alS solche nehme zu der Angelegenheit nicht Stellung. Die Frage der angeblichen Unregelmäßigkeiten müsse aber eingehend geprüft werden. Seine politischen Freunde befürworten den Antrag der Kommission. Abg. Dr. Pachnicke (Frs. Vgg.) führt auS, der Abg. Ströbel (Sozd.) habe bei seiner gestrigen Rede nach dem Dichterwort gehandelt: „Suche nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer." Seine Behauptung, Abg. Fischbeck habe falsches Spiel getrieben, sei objektiv unwahr. Gegenwärtig stehe nur die Frage der Listenaufstellung zur Debatte, nicht aber der TerrorismuS der Sozialdemokratie. Deshalb enthalte sich seine Partei bis zum Gutachten der Wahlprüfungskommission jedes Urteils. Sollte sich aber nachweisen lassen, daß die Sozialdemokratie von dem geschäftlichen Boykott Gebrauch gemacht habe, so würden schon aus Grund einer solchen planmäßigen TerrorS die Wahlen zu kassieren sein. Solche Erscheinungen wären nach der Einführung der geheimen Wahl unmöglich, die Redner unter dem Beifall der Linken fordert. Abg. Witzmann (natl.) bedauert, daß es formell unzuläfsiig wäre, auch die anderen acht Berliner Wahlen zu prüfen, bei denen die Verhältnisse ähnlich liegen wie bei den vier angesochtenen Wahlen. Abg. Malkewitz (Ions.) tritt den Worten PachnickeS über den sozial- demokratischen TerrorismuS mit den Konsequenzen, die dieser Redner zog, namens seiner Partei bei und geht dann zu scharfen Angriffen aus die Sozialdemokratie über, durch Zurufe dieser Partei ständig unterbrochen. Wenn die Sozialdemo- kraten den Protest gegen die vier Wahlen als Klassenjustiz bezeichneten, so verraten sie dadurch ihr Unsicherheitsgefüyl in dieser Angelegenheit. Die tonferüat.oe Partei werde sich aus den Standpunkt bei Kommissiousberichts stellen. Die Abgg. Lüdicke ffrkons.) und Aronsohn (freif. Vp.) billigen bai Vorgehen der Wahlprüfungskommission. Demgegenüber hat es der Abg. Ströbel (Sozd.) nicht leicht, seinen Worten Nachdruck zu verschaffen. Er beruft sich auf den Abg. Witzmann, der vorher bedauert habe, daß nicht auch die anderen 8 Berliner Wahlen angefochten würden. Immerhin befleißigt er sich im Gegensatz zu seiner gestrigen Rede großer Zurückhaltung und beschränkt sich im wesentlichen daraus, für die Ziele und Rechte seiner Partei einzutreten. Abg. S t r o s s e r (kons.) erklärt das Verhalten der Kommission für durchaus unparteiisch. Der Staat, so erwidert er dem Abg. Ströbel, handle in Notwehr, wenn er den Beamten verbiete, der Sozialdemokratie beizu- treten, die außerhalb des HauseS tatsächlich die Revolution predige. Nach einem Schlußwort des Referenten Fischbeck wird der Antrag der Kommission auf Beanstandung der vier Wahlen und Beweiserhebung angenommen.
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Wendung.
Wenn auch Fürstcnbcsuche und Tischreden gekrönter Häupter nicht immer gleichbedeutend mit maßgebenden diplomatischen und politischen Handlungen sind, so jühlt doch alle Welt aui dem Besuche bei Königs von England in Berlin heraus, daß die bedauerliche Spannung, die seit vier Jahren zwischen England und Deutschland bestanden und zu so vielen Verdrießlichkeiten geführt hat, als überwunden anzuschen ist, denn wenn ein so staatsklugcr Herrscher wie der König Eduard von England sich veranlaßt fühlt, anläßlich seines Besuches in Berlin die friedliche Politik Englands und die Erhaltung der guten
Beziehungen zwischen England und Deutschland wiederholt zu betonen, so ist dies ein geschichtlicher Akt, dessen Einfluß aus die politische Lage sich bemerkbar machen muß. Aus die Befestigung der l-eundschastlichen Beziehungen zwischen Deutsch- land und England und aus einen günstigen Einfluß dieser Besserung der Beziehungen zwischen England und Deutschland inbezug auf die ganze Weltlage ist also zu rechnen, und zwar ist zu hoffen, daß beide Großmächte auf der Grundlage der Gleichberechtigung ihren politischen Verkehr und die Wahrnehmung ihrer Interessen gestalten werden. Die Engländer sind zwar in einem gewissen Punkte, und das ist die Ent- Wickelung der deutschen Flotte, noch immer sehr empfindlich, aber diese Frage hat tatsächlich gar keine ernste politische Bedeutung, weil sich in Zahlen nachweisen läßt, daß Deutsch- land gar nicht im Stande ist, eine Flotte zu bauen, die so stark wie die englische Flotte sein würde. Dazu fehlt ei in Deutschland vollständig an den genügenden Geldmitteln, da der Unterhalt der englischen Flotte, ihre Ausrüstung und ihr Ausbau jährlich fast eine Milliarde Mark kostet. Kein Land der Erde außer England kann sich eine solche Riesensumme für FlottenauSgaben leisten, und mit dieser Erkenntnis in Eng- land wie in Deutschland sollte der Flottenstreit und die Nebenbuhlerschaft zur See endlich einmal zu Ende gebracht werden. Wir wollen aui der neuen Lage auch die Hoffnung schöpfen, daß die Erkenntnis der gemeinsamen Interessen überhaupt die Friedenspolitik ganz allgemein zwischen den Großmächten begünstigen wird und alle jetzt noch schwebenden Streitfragen, zumal diejenigen im Orient, einer friedlichen Lösung entgegen führen wird. Unverkennbar hat das bessere Verhältnis zwischen England und Deutschland auch dazu geführt, daß sich Frankreich und Deutschland in der marokkanischen Frage nun so rasch verständigt haben, und die Großmächte werden jetzt wohl ziemlich einmütig dazu beitragen, daß Bulgarien und die Türkei sich über die bekannten Streitfragen verständigen und Serbien und Montenegro ihre wahnwitzigen Kriegstreibereien unterlassen. So ist es jetzt sehr erfreulich, zu erfahren, daß Rußland nicht nur an Bulgarien, sondern vor allen Dingen auch an Serbien eine Warnung gerichtet hat. Diese Warnung bedeutet soviel, daß wenn diese übermütigen Kleinstaaten es aus einen Krieg mit der Türkei oder Oesterreich ankommen lassen, sie auf keine Hilfe von Seiten Rußlands zu rechnen haben. Dieser kalte Wasserstrahl wird wohl dazu helfen, daß auch der Orient in den nächsten Monaten beruhigt wird. Ein ewiger Friede ist ja von der günstigen Wendung in der politischen Lage nicht zu erwarten, denn die Gegensätze in den Ländern und Völkern werden immer wieder auscinandcrstoßcn, aber die Großmächte und auch die verständigen kleineren Staaten haben sich in ihrer Politik doch auf die Erkenntnis hinaus gearbeitet, daß ein Krieg, der noch dazu ein Weltkrieg werden könnte, soviel ali möglich im Interesse der Kultur und der Menschlichkeit vermieden werden muß, und biet ist eine sehr große Errungenschaft auf dem politischen Gebiete. Sie wird auch hoffentlich bald für die darniederliegenden wirtschaftlichen Verhältnisse ihren günstigen Einfluß zeigen.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 11. Februar 1909.
Der König und die Königin von England besichtigten heute mittag mit dem Kaiser und der K a i s e r i n den Königlichen Marstall. Von hier aus begab sich der König mit seinem militärischen Gefolge und den Herren bei Ehrendienstes nach dem Kasernement des 1. Garde-Dragoner- regiments Königin Viktoria von Großbritanien und Irland in der Bellealliancestraße. Aus dem Kasernenhof bildeten die Mannschaften zu Fuß mit der Lanze in zwei Gliedern Spalier, bai OffizierkorpS stand am Eingang zum Kasino. Die Musik spielte die englische Hymne. Die Tafel war in dem kleinen aber intim freundlichen Speisesaal festlich gedeckt, mit silbernen Cups und Blumen geschmückt. Die Wände zieren die Bilder der Königin Viktoria, des KönigS Eduard, des Prinzen von Wales, des alten Kaisers, Kaiser Wilhelms II., des verstorbenen Prinzen Albrecht, deS Prinzen Karl von Hohenzollern, sowie ein schöncS Bild vom Ehrentage bei Regiments bei MarS la Tour.
Der König von Sachsen ist von einem bedauerlichen Unfall betroffen worden. Er glitt am Mittwoch nachmittag auf der Treppe des Dresdener ResideuzschlosseS aus und erlitt hierbei eine Verstauchung der rechten Hand, sowie einen Bruch des dritten Mittelhandknochens. Infolge dieses Mißgeschickes hat sich der Monarch veranlaßt gesehen, seinen für die Tage vom 16. bis 18. Februar anberaumten Besuch in ,Leipzig wieder abzusagen.
Für die Förderung der l ä n d l i ch e n Arbeiter- a n s i c d l u n g in Preußen hat die preußische Regierung eine sehr wesentliche Entscheidung getroffen. ES ist bestimmt worden, daß die neuerdings veröffentlichten Grundsätze über staatliche Beihülfen für die Ansiedlung ländlicher Arbeiter in Ostpreußen auch aus alle übrigen preußischen Provinzen ausgedehnt werden sollen. Dieser Beschluß hat praktisch zur Folge, daß der Staat auS den laufenden Mitteln bei LandwirtschaftS-