Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark no
rDer Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer tin- gespaltenen Stile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seife 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.*»«*»«
herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 54. Sonnabend den 8. Mai 1909.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 4. Mai 1909.
Nach der im Extra-Blatt zum Her-felder Kreisblatt Nr. 16 vom Jahre 1909 abgedruckten Anweisung vom 5. Februar 1909 zur Ausführung der Ordnung für die Erhebung einer Hundesteuer im Landkreise HerSfeld vom 4. April 1908 ist bis zum 1. M a i jeden JahreS eine beglaubigte Abschrift der Hundesteuerhebeliste an mich einzureichen.
Mit Einreichung der für da» laufende Rechnungsjahr 1909 (1. 4. 1909 bis 31. 3. 1910) ausgestellten Kreishundesteuer» Hebeliste ist noch eine große Zahl der Herren Bürgermeister des hiesigen KreiseS im Rückstände. Ich sehe mich daher veranlaßt, die Erledigung der in Rede stehenden Anordnung m i t Frist bis zum 12. d. Mts. in Erinnerung zu bringen.
Die fragliche Liste ist, wie ich dieS bereits in speziellen Verfügungen zum Ausdruck gebracht habe, in zweifacher AuS» fertigung einzureichen.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. 2878. von Gruneliu ».
Hersfeld, den 4. Mai 1909.
Die Fleifch-Befchaubczirke der Gemeinde Niederaula werden wie folgt anderweit abgegrenzt:
I. Bezirk: Beschauer L. Schuchardt, von HauS Nr. 1 bis 80.
II. Bezirk: Beschauer F. Nutzn, Bürgermeister, von Hau» Nr. 81 bis 118 ausgenommen Nr. 99.
III. Bezirk: Beschauer Adam Bickhardt, von HauS Nr. 119 bis 182 und Nr. 99. Die Stellvertretung wird, wie folgt, geregelt:
Der Beschauer Schuchardt, Bezirk I, vertritt den Beschauer Nutzn, Bezirk H, der Beschauer Nutzn vertritt den Beschauer Bickhardt, Bezirk III und der Beschauer Bickhardt vertritt den Beschauer Schuchardt, Bezirk I.
Meine Verfügung vom 6. v. MtS. I. Nr. 3342 wird hierdurch aufgehoben.
I. 4560. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
In der Berichtswoche hat Reichskanzler Fürst B ü l o w feinen 60. Geburtstag gefeiert, und ungezählte Wünsche für sein fernere# Wohlergehen sind dem hochverdienten Staatsmanne von nah und fern zugegangen. Seit 37 Jahren steht Fürst Bülow im Staatsdienste, in dem er eine an Arbeit, aber auch an Ehren und Ersolgen reiche Lauf» bahn durchmcsscn hat. Sein weitblickender Geist, sein weit» wirkender Wille haben nur das eine Ziel: die Größe und Entwickelung seines Vaterlandes. Schon heute ist sein Charakterbild fest umrissen im Bewußtsein seiner Zeitgenossen als das eines Staatsmannes und Diplomaten von ungewöhnlicher Bedeutung, eines aufrechten Freundes und Wahrer- deS Frieden-, eines glänzenden Redners voll Geist und Schlagfertigkeit, in seiner rein menschlichen Persönlichkeit von bezwingendem Reiz, als eines Kulturmenschen, dem inmitten der rauhen Wirklichkeit deS politischen KampfeS die Freude an Wissenschaft und Kunst blieb. DaS liebste Geburtstagsgeschenk wäre dem Fürsten Bülow sicherlich gewesen, wenn die Reichsfinanzreform in annehmbarer Weise zustande käme, und daß ihm dieser Erfolg noch beschieden fein möge, das ist auch unser aufrichtigster Wunsch.
Auf die Erledigung der Reichsfinanzreform konzentriert sich auch das politische Interesse de- ganzen deutschen Volkes, das in seiner großen Mehrheit von der unausschiebbaren Notwendigkeit derselben überzeugt ist. Und doch ist sie trotz immer wiederholter Anläuse und Versuche während der letzten sechs Monate im Parlament nicht weiter gekommen. Im ganzen genommen sind wir nicht wesentlich weiter als Anfang November. Der Sommer steht vor der Tür. Die Resorm muß jetzt erledigt werden. DaS Volk verlangt es vom Reichstag, und das AuSland blickt mit Spannung aus unS. Die alsbaldige Erledigung ist zur nationalen Ehrensache geworden. Entzieht sich die Mehrheit des Reichstags dieser Ausgabe, so sind die Folgen unberechenbar. Einstweilen klafft zwischen dem rechten und linken Flügel de» Blocks eine Lücke, aber wenn auch viel Zeit zur Verständigung nachgerade nicht mehr zur Verfügung steht, so muß doch am letzten Ende bei allseitigem guten Willen auch in diesem Falle eine mittlere Linie ge- funden werden, aus der die Gegner von recht- und link- zu» sammengeführt werden können. Erst daS Vaterland, dann die Partei!
Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten, welche die Sanierung der Reichrsinanzen in Deutschland macht, verläuft diese Finanzresorm in England, dessen Budget zum erstenmal seit dem Burenkriege ein Defizit zu verzeichnen hat, über» auS glatt. Man muß es dem britischen Schatzkanzler Lloyd George lassen, daß er sich aus gründliche Arbeit wohl versteht.
Die deutschen Spuren schrecken. Im Deutschen Reiche hat man das Defizit von Jahr zu Jahr anwichsen lassen, bis er eine Höhe erreichte, daß seine Beseitigung jetzt auf die ernstesten Schwierigkeiten stößt. Dazu will die englische Regierung ei nicht kommen lassen. Ihre neuen Steuervorschläge finden freilich ebenso wenig den ungeteilten Beifall der öffentlichen Meinung, wie ei den Einzelheiten unserer Reichsfinanzreform bei uns beschieden ist. Trotzdem hat bai Unterhaus gleich nach der Rede bei SchatzkanzlerS mit großer Mehrheit eine Resolution angenommen, durch die provisorisch die Erhöhung der Steuer aus Spiritussen genehmigt wird, ebenso wurden bezüglich der Erhöhung der Tabaksteuer und bezüglich der Steuer aus Automobile sowie aus den für solche verwendeten Brennstoff zustimmende Resolutionen angenommen. Möge der deutsche Reich-tag sich an der glatten und schnellen Arbeit in England ein Beispiel nehmen I
DaS srohe Ereignis der Geburt einer holländischen Thronerbin, durch welche die Thronfolge in den Niederlanden gesichert ist, hat unter dem holländischen Volke große Freude und unendlichen Jubel hervorgerusen, und der Jubel und die Begeisterung, von den in diesen Tagen die sonst so ruhigen Niederländer überschäumen, erwecken in Deutschland ein lebhafte» Echo. Die Königin Wilhelmina stammt aus deutschem Hause, ihre Mutter ist eine deutsche Prinzessin, ihr Gemahl wurde ein deutscher Herzog. Unserem Kaiserhause ist sie durch Verwandschaft und Freundschaft ver- bunden. Wenn nun im Haag und in ganz Holland dir alte Weise bei „WilhelmuS von Nassauen bin ich von deutschem Blut" erklingt, tönen in Deutschland verwandte Saiten mit, das deutsche Volk gedenkt der ihm so sympathischen und vertrauten Gestalt der jungen Köm^n und glücklichen Mutter und stimmt im Geiste gern mit in den historischen Heilruf der Niederländer ein: Oranje boven I Hoch Oranien!
Die Lage in der Türkei ist noch keineswegs beruhigend. Zwar sind die Jungtürken in Konstantinopel Herren bet Situation, aber in der kleinasiatischen Stadt Adana wütet der Bürgerkrieg, und wie schon ja oft in der Türkei, sind ei besonders die Armenier, gegen die sich der nicht nur auf ReligionS- und Rassengegensätzen beruhende Haß der altgläubigen Muselmanen in furchtbaren Bluttaten Lust macht.
hat allen Anschein, als ob eS den Jungtürken so bald noch nicht vergönnt fein wird, auf ihren Lorbeeren au-zu- ruhen. Ueberall im großen Türkenreiche werden sich bald ge- nag alle Kräfte regen, die, unzufrieden mit der Gestaltung der Dinge, sich auflehnen gegen die Herrschaft bei KomitecS für Einheit und Fortschritt und im Namen bei entthronten Sultan- das Volk zur Empörung aufrufen werden. Im Interesse einer gedeihlichen Fortentwickelung und Festigung der jungen türkischen Verfassung kann man nur wünschen, daß es der Konstantinopcler Regierung baldigst gelingt, den Metzeleien Einhalt zu gebieten.
Abgeordnetenhaus.
Am Mittwoch wurde von verschiedenen Abgeordneten die Einführung eine- obligatorischen SpielnachmittagS angeregt. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff stand dem Gedanken an sich sympathisch gegenüber, er setzte seiner Durchführung nur daS Bedenken entgegen, daß s e eint Vermehrung der Pflicht- stundenzahl veranlassen mürtr. Beim Kapitel „Elementar- Unterrichtewesen- wurden eine Reihe von Anträgen auf stärkere Beschäftigung von Lehrerinnei gestellt, worauf Geheimrat Altmann erwiderte, daß für die Vermehrung der Zahl der Lehrerinnen genügend gesorgt werde. Der Abg. Dr. Hcß (Z.) machte einen heftigen Ausfall gegen die liberale Lehrerschaft, insbesondere die Bremer Lehrer und den Lehrer TewS, den er als Feind der christlichen Kirche bezeichnete.
Am Donnerstag erwies sich das Gebiet der Elementar- schulen als ein recht ergiebiges Thema. Am kürzesten faßte sich Freiherr von Zedlitz (srkons.), der ali ein freiwilliger RcgicrungSkommiffar daS Bestreben bei Kultusministerium« anerkannte, die Zahl der Lehrerinnen zu vermehren. Der Abg. Borgmann (Sozd.) befleißigte sich, entgegen der sonstigen Gepflogenheit seiner Parteigenossen im Abgeordnetenhause, einer milden Tonart, beklagte den Lehrermangel und will den Sozialdemokratin denselben Einfluß auf bai Schulwesen zu- gestanden wissen wie anderen Parteien. Noch au-sührlicher behandelte der Abg. Schepp (freif. Vp.) da- Thema der Elementarschulen. Seiner liberalen Grundanschauung entsprechend, sieht er in der Kirche nicht mehr die Mutter, sondern nur noch die Stiefmutter der Schule; dagegen hält er die Erteilung bei Religionsunterricht« für erforderlich. Bei dieser Frage kommt der Redner auf den sogenannten Moralunterricht zu sprechen, zu dem er sich nicht bekennen kann. Endlich tritt er noch für die Einführung bei schwedischen Turnens ein. Der Abg. Stychel (Pole) stimmt ein Klage» lieb über die Vergewaltigung polnisch-katholischer Lehrer und Schüler, ungerechte Behandlung, Spionagesystem und dergleichen mehr an. Mit seinen Auffassungen beschäftigt sich ebenso eingehend wie sie zurückweisend Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff, häufig von Zwischenrufen der Polen unter- brochen. Er gibt sich nicht der Hoffnung hin, Herrn Stychel
zu bekehren, aber er weist dem Polnischen Parteisührer nach, daß er immer nur von den polnischen Katholiken rede, aber niemals von den deutschen spreche. Dir sogenannten Zwang- schulen seien notwendig um den Deutschen ihre Nationalität zu erhalten. Eine Spionage würde gerade von der polnischen Presse auSgeübt, die katholische Geistliche, die deutsch gesinnt seien, denuziere. Hieraus wendet sich der Ministerialdirektor zu den Ausführungen bei Abg. Schepp.
Aus 3»* und Ausland.
Berlin, den 6. Mai 1909.
AuS Achilleion (Korfu), 6. Mai, wird gemeldet: Gestern nachmittag machten die Majestäten eint Ausfahrt im Automobil, heute vormittag statteten sie dem König Georg alt an feinem Namenstage einen Besuch im Stadtschloß ab. Zur FrühstückStasel im Achilleion bei den Majestäten waren geladen der Kommandant und eine Anzahl Offiziere von Hohenzollern, Stettin und Sleipner. Da« Wetter ist regnerisch. — An einem Tedeum aui Anlaß bei Namenttaget bei König« von Griechenland in der Hauptkirche von Korfu, dem auch die Königliche Familie beiwohnte, nahmen auf Befehl bei Kaiser« Generaladjutant Generaloberst V. Plessen, der Chef bei Militär- kabinett« Generalleutnant Frhr. v. Lyncker, der Ches bei Marinekabinett- Vizeadmiral v. Müller und Gesandter Frhr. v. Jenisch teil.
Die Glückwunschdepesche de« Deutschen Kaiser« an den Sultan hat folgenden Wortlaut: „Au« Anlaß der Thronbefteim-ng Eurer Majestät bringe ich meine aufrichtigsten Glückwünsche für Ihre Regierung und bai Glück bei oSmanischen Volke« bar.“ Darauf antwortete Sultan Mohammed V. mit folgendem Telegramm: „Für die Glückwünsche, die Eure Majestät aui Anlaß der Besteigung bei Throne« meiner Väter mir zu senden geruht haben, und für die edlen Gefühle, welche Eure Majestät geäußert haben, bitte ich, meinen aufrichtigsten Dank entgegen« nehmen zu wollen. Ich flehe zum Himmel für die glückliche Regierung Eurer Majestät sowie für da« Glück und die Zufriedenheit Eurer Majestät Untertanen. -
Da« Reichtmilitärlustschiss „Groß I" wird in den nächsten Tagen nach seinem neuen Bestimmungsort Metz übergeführt werden, wo zurzeit die letzten »Arbeiten zur Instandsetzung bei LustschiffhafenS ihrer Vollendung entgegengehen. Sobald der Hasen sertiggestellt ist — und die« dürste in den nächsten Tagen der Fall sein — wird „Groß 1“ dorthin übergeführt. Er liegt augenblicklich verpackt und zum Trantport fertig in der Halle. — Da« Reichsmilitärlustschiff I, wie „Groß I" mit seinem offiziellen Namen heißt, wurde in in der ersten Hälfte bei JahreS 1907 nach vielfachen Versuchen erbaut. Seine erste Fahrt unternahm e« am 23. Juli 1907; sie war gleich von Erfolg begleitet und dauerte etwa« über 3 Stunden. Ueber 70 Fahrten hat „Groß I“ dann noch bi« zum heutigen Tage unternommen. E« ist in letzter Zeit einem gründlichen Umbau unterzogen worden, wobei verschiedene technische Neuerungen nutzbringend verwertet wurden. Immerhin ist „Groß I* nicht so vollkommen wie „Groß H", daS seinerseits allerdings gegen bai jetzt im Bau befindliche neue Luftschiff wesentlich zurückstehen wird. Dieser wird ganz neuartige Propeller erhalten, auch find die Motoren ander- und stärker konstruiert, so daß ei nach den angestellten Berechnungen imstande sein wird, gegen einen Wind von fünfzehn Sekundenmeter Stärke anzukämpfen. Die Manöverier- sähigkcit von „Groß I“ und „Groß II“ hört bereis bei einer Windstärke von über elf Sekundenmetern auf.
Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: In einer Betrachtung über den Stand der R e i ch «s i n a n z r e s o r m greift die Conservative Correspondenz auf die ReichStagSverhandlungen bei Jahre« 1906 zurück. Als damals ein Teil der Konservativen dem Erbschaftrsteuergesetze zustimmte, sei ei geschehen im Vertrauen auf feierliche Erklärungen aui dem Munde bei Fürsten Bülow und bei Frhrn. v. Rheinbaben, „daß diese Steuer niemals auf Kinder und Ehegatten ausgedehnt werden würde.- Solche feierliche Erklärungen sind nicht abgegeben worden. Der Reich-kanzler hat bei den damaligen Verhandlungen lediglich die Bedenken gegen eine Erbschaftssteuer überhaupt entwickelt, umzu beweisen, „daß die verbündeten Regierungen an diesem Bedenken nicht achtlos und leichtsinnig vorbeigegangen sind". Der preußische Finanzminister hat bei jenen Beratungen zwar feine Gegnerschaft gegen die v»m Abg. Fritzen (Zentt.) all möglich behandelte Deszendentensteuer bekundet, aber keineswegs ein bindende« Versprechen gegen diese Steuer gegeben. Unrichtig ist auch die Darstellung, al« würdige die Reich«. regierung nicht in sachlicher Weise die konservativen Einwände gegen die Nachlaßsteuer und die Erbansallsteuer. Wenn der Reichskanzler an der Erweiterung der Erbschaftkbesteuerung scstbält, so geschieht biei nicht aui Gegner;chast gegen die konseivarive Partei, sondern, wie er am 10. April angeführt hat, in der Erwägung, daß „der Besitz nach fast allgemeiner Uebereinstimmung in Höhe bei aui der Nachlaßsteuer veran- fchlagten Betrage» an den neuen Steuern beteiligt sein muß, und eine andere gerechte, zweckmäßige und gleich ertrag-