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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 56 Donnerstag, den 13. Mai 1909.
Amtlicher teil.
Herkseld, den 11. Mai 1909.
Zum Zwecke der Verakkordierung der Lieferung und Anfuhr von Basaltsteinen und Sand zur außerordentlichen Instandsetzung der Landwegestrecken MalkomeS—Schenklengsseld und Friedewald—Schenklengtfeld pro 1909 sind nachfolgende Termine an gesetzt:
a. Schenklengsseld am 17. Mai -. 3s.
nachmittags 3 Uhr
in der Steinhauer'schen Gastwirtschast für die OrtSgemeinden MalkomeS—Schenksolz—Schenklengsseld—Oberlengsseld und WchrShausen.
b. Frie-ewald am 17. Mai -. 3s. nachmittags 3A5 Uhr in der Zinn'schen Gastwirtschast für hie Ort-gemeinden Hilme-— Motzfeld und Friedewald.
Ich ersuche die beteiligten Herren OrtSvorstände VorstchcudeS umgehend aus ortsübliche Weise zur Kenntnis der Ortseingesessenen zu bringen.
A. 3013. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 6. Mai 1909.
Der Wetterdienstbezirk in Weilburg a/d. Lahn ist mit dem 1. Mai er. wieder eingerichtet und hat den telegraphischen Wcttcrnachrichtendienst wieder ausgenommen. Mit Bezug aus mein Ausschreiben vom 9. Oktober 1906, I. 7868 — Kreis» blatt Nr. 121 — weise ich erneut aus die außerordentliche Bedeutung deS WetternachrichtendiensteS für die ländliche Bevölkerung hin und empfehle den Herren Ort-vorständen dringend den Bezug der Wetterkarten.
In den Gemeinden, in denen Aushängekästen bisher noch nicht angeschafft sind, erwarte ich, daß die- nunmehr alsbald geschieht.
I. 4654. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
HeiSfeld, den 6. Mai 1909.
Gemäß § 9 Abs. 1 der im Reichsgesetzblatt Nr. 27 für 1895 Seite 357 ff. veröffentlichten Bundesrcus-Jnstiuktion dürten, wenn in einem weniger als 20 Stück enthaltenden Rindvieh- oder Schlachtviehbestande eines Gehöfts innerhalb 8 Tagen mehr als ein Tier am Milzbrände erkrankt, innerhalb der nächstfolgenden vierzehn Tage Tiere des betreffenden Bestandes ohne polizeiliche Erlaubnis weder tot noch lebend über die Grenzen der Feldmark ausgeführt werden.
Diese Bestimmungen haben sich nach den seither gemachten Erfahrungen als nicht ausreichend erwiesen.
Die höhere macht
Novelle von F. Suta n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ich habe die Beantwortung dieser Fragen rundweg abgelehnt, denn ich kann sie jetzt nach Jahren und in meinem krankhaften Zustande überhaupt nicht mehr richtig beantworten, aber so viel weiß ich genau, daß ich an Mariannen kein Verbrechen begangen und absichtlich niemals Gabrielen kompromittiert habe", schrieb Heinz noch in seinem Briese, „und wenn Eberhard diese Antwort nicht befriedigt hat und er mir feindlich begegnen wird, |o bin ich nur ein Opfer vcr- hängnisvoller Umstände. Im übrigen werde ich als Mann wohl auch noch meine Ehre zu verteidigen wissen und bitte Dich, zwischen Eberhard und mir nicht die Vermittlerin zu spielen, denn Du kannst ihm in dieser peinlichen Sache nicht mehr sagen, als ich ihm bereits mitgeteilt und erklärt habe."
„DaS ist ja die Ankündigung eine- schweren Zerwürfnisses, vielleicht schon gar eines Duells zwischen Eberhard und Heinz", jammerte Emmy, als sie diesen Bries zu Ende gelesen hatte. „Barmherziger Himmel, verhüte e-, daß zu dem schweren Unheil, da- uns schon einmal betroffen, nun noch ein neues Unglück kommt. Eberhard ist auch fast vierzehn Tage lang nicht dagewesen, während er sonst doch jede Woche einmal kommt. DaS sieht ja auS, als wenn er sich heimlich schon zu dem Duell mit Heinz vorbereite. Natürlich seine arme Braut und ihr armer Vater dürfen davon nichts erfahren, wir werden ja später hören, ob er tot oder lebend daS Duell überstanden hat. Die Männer sind in diesem Falle un« beschreiblich hartherzig und verschlossen. Soll ich gleich nach Großdabbern hinüber eilen, um Schlimme- zu verhüten! Eberhard dars auch den unglückseligen Heinz im Duell nicht erschießen, daS dars nicht geschehen, dann wäre es auch mit unserem Glücke vorbei, denn einem Manne, der meinen Schwager im Duell erschossen hätte, könnte ich nie die Hand
Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat daher aus Grund der § 1 der gedachten Instruktion bestimmt, daß die im § 9 Abs. 1 ebenda vorgc- schriebene Maßnahme ohne Rücksicht aus die Zahl der in dem Bestände vorgekommenen Milzbrandfälle auch dann Anwendung zu finden hat, wenn ein milzbrandkrankeS Tier unter solchen Umständen notgeschlachtet oder zerlegt ist, daß dadurch die Gefahr einer weiteren Verbreitung der Seuche hervorgerufen ist.
Die Ort-polizeibehörden mache ich auf Vorstehende- aufmerksam und ersuche, hiernach in Zukunft entsprechend zu verfahren.
I. I. 4615. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 6. Mai 1909.
Nach den Erlassen deS Herrn Minister- für Landwirtschaft, Doniäncn und Forsten vom 14. April 1903 veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 82 (vergl. Vers, vom 10. Juli 1903) und vom 13. Februar 1906 (veröffentlicht im Krei-blatt Nr. 42 vergl. Vers, vom 6. April 1906) ist dem Hygienischen Institut der Tierärztlichen Hochschule in Berlin von allen stark trichinösen Schweinen ein Fleischstück von 2 Kg. einzusenden.
Seit einiger Zeit geht bei dem genannten Institut verhältnismäßig wenig trichinöses Fleisch ein. Die Bestimmungen scheinen Nicht immer beachtet worden zu sein.
Ich bringe sie hierdurch in Erinnerung und ersuche die Ortspolizeibehörden die Vorschriften tünftig genau zu beachten. I. 4615. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 10. Mai 1909.
Ich habe die am 1. d. MtS. erfolgte Wiederwahl des Bürgermeisters Weitz zu Harnrvb« auf Grund bei § 55 der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
A. 2973. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 10. Mai 1909.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Einreichung vrS Protokolles über die Revision der Gemeindekasse am 30. April d. Js. noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert. Ich sehe feiner Vorlage nunmehr bestimmt innerhalb 3 Tagen entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 2987. von GruneliuS.
Der nächste Termin der durch daS Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe bei Husbeschlaggewerbcs wird hier- selbst in der Schmiede des Obermeisters Schade am Sonn
zum Ehebunde reichen, auch Eberhard nicht, so sehr ich ihn liebe und schätze. DaS Beste ist schon, ich vertraue alles meinem Vater an, der wird schon Rat wissen", dachte Emmy in ihrer unbeschreiblichen Sorge und Erregung weiter, „aber der ist ja auf der Obersörsterkonserenz in der Kreisstadt und kehrt erst morgen abend zurr ck. So rächt sich an mir die Schuld, daß ich meinem Vater nicht schon alles in bezug auf Heinz und Eberhard- Argwohn gegen ihn mitgeteilt habe, dann wäre in dieser Schärfe wohl kein Konflikt zwischen den beiden Männern ausgebrochen."
In der schweren Besorgnis über das feindselige Verhältnis zwischen Eberhard und Heinz und in ihrer augenblicklichen Rat- und Hilflosigkeit dem drohenden Duell zwischen den beiden Männern gegenüber verfiel Emmy in ein bitterliche- Weinen, und um ihrer Sorge und Erregung einigermaßen Herr zu werden, zog sie sich zum Gebet und zur seelischen Sammlung in ihr Kämmerlein zurück. In ihrer Angst und Not wußte sie aber schließlich keinen anderen Rat, als daß sie am anderen Morgen hinüber nach Großdabbern laufen, Eberhard ihr Herz ausschütten, und um Verzicht auf daS Duell mit Heinz bitten wolle. Eberhard konnte ihr ja schließlich diese Bitte nicht abschlagen, sie war ja seine Braut und er hatte ihre große, edle Liebe zu ihm so oft fein schönstes Glück genannt. Sollte er dieses Glück jetzt in einem finsteren Argwohne gegen einen Dritten, der sonst ihrem Glücke aber garnicht im Wege stand, zerstören wollen? Nein, da- wollte Eberhard sicher nicht. Also gab eS nur eine Befreiung für EmmyS Scelenqual, wenn sie Eberhard morgen aussuchte und ihn von einem verhängnisvollen Entschlüsse abhiclt.
Dieser Gedankengang beruhigte allmählich einigermaßen daS junge Mädchen und sie vermochte wieder ihren häuslichen Verrichtungen nachzugehen und für die Leute im Forsthause das Abendessen zu bereiten.
Abend- wurde ihr auch eine freudige Ueberraschung zu teil. Der schon lange vergeblich ersehnte Brief von Gabrielen traf ein und er lautete:
Meine liebe, gute Emmy I
Au- Deinem werten Briefe habe ich mit Freuden er- sehen, daß Du wohl und munter und glückliche Braut bist,
abend den 22. Mai d. Jt., Vormittag- 9 Uhr, abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter Porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfung-gebühr von 10 M. bis spätesten- den 30. April an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. der Geburt-schein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Au-bildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede zugelassen, die da- 19. Leben-jahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis er« bringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirke Cassel sich aufgehalten haben.
Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel, am 3. April 1909.
Der Vorsitzende der staatlichen Hufjchmicde-PrüsungS- kommission bei Regierung-bezirk- Cassel: Veterinärrat Buch, Königl. DepartementS-Tierarzt, Wolf-schlucht 13.
Her-feld, den 6. Mai 1909.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
. T h a m e r.
HerSfeld, den 10. Mai 1909.
ES besteht die Absicht, eine Anzahl Zuchtbullen reiner Eimmentaler Rasse durch die KörungSkommlsslon antaufen zu lassen.
Ich ersuch« daher die Interessenten bei Kreiset, welche bei der demnächst stattfindenden Versteigerung der anzukausenden Zuchttiere auf ein solche- reflektieren, mir von ihrer Absicht bii spätesten- den 18. Mai er. Mitteilung zu machen. Die Bedingungen bleiben die gleichen, wie sie in meinem Autschreiben vom 8. Mai 1907 I. Nr. 14156, abgedruckt im Kreirblatt Nr. 55 vom 9. Mai, enthalten sind.
Eine Verpflichtung zur Abnahme einet Tiere- entsteht hieraus nicht.
Der Vorsitzende des kreisausschusses
A. 2986. von GruneliuS.
Die amtliche Lehrerkonferenz für die Aufsicht-bezirke HerSfeld (Land)I und II soll Montag, den 17. Mai, vormittags 10 Uhr im Saale der Hotel- Stern (Kniefe) zu HerSfeld ftattfinben.
KrutpiS, den 10. Mai 1909.
Die Königliche KreiSfchulinspeklion. Gonnermann.
Gefundene Gegenstände.
Ein Portemonnaie mit Inhalt. Meldung bei Eigentümer- bei dem Ort-vorstand in Schenklengsseld.
noch mehr hat e- mich aber gefreut, daß Ihr den armen Wandervogel, bet einst in böser Zeit heimlich von Euch entwichen ist und sich dann vor Euch im Verborgenen hielt, nicht gram seid und mich inS ForsthauS zu Gaste geladen habt. Ja, es wäre zwischen unS einmal ein Wiedersehen und eine Aussprache wünschen-wert und zwar nicht nur wegen mir, sondern auch wegen einer anderen mir peinlichen Angelegenheit. Ich nehme Deine freundliche Einladung an. Der Tag, an welchem ich demnächst im Forsthausr ein- treffen werde, soll aber mein Geheimnis bleiben, damit Du keine Umstände hast, und ich an demselben Tage, an dem ich ankomme, wieder ungeniert abreifen kann, wenn mich, waS leicht der Fall sein kann, die Verhältnisse dazu zwingen sollten.
Herzliche Grüße an Deinen verehrten Vater und Deinen lieben Bräutigam, dessen edler Charakter Dein Glück an seiner Seite verbürgt und tausend Grüße, die ich in den letzten Jahren versäumt habe, an Dich.
Deine getreue Freundin Gabriele.
So sehr erfreut Emmy auch über diesen Brief war, so erhöhte er doch auch wiederum ihre wehmütige Stimmung, denn er zeigte ihr aufs Neue, waS sie verlieren konnte, wenn daS Zerwürfnis zwischen Eberhard und Heinz zu einem Duell sühren würde. Emmy verbrachte daher eine sehr unruhige, von schrecklichen Träumen gequälte Nacht, und der frühe Morgen sah sie schon mit Vorbereitungen für ihre Reise nach Großdabbern.
Da sie mit derselben kein Aussehen im Forsthause erwecken wollte, so übergab sie für heute die Regelung der häu-lichen Angelegenheiten der erfahrenen Köchin und sagte dieser, daß sie dem Vater entgegengehen und mit diesem sich in Großdabbern zu treffen gedenke. Tatsächlich war die- ja auch möglich, denn ihr Vater pflegte, wenn er nach der Kreisstadt reiste, gewöhnlich über Großdabbern zurückzukehren und dort Eberhard einen kurzen Besuch zu machen. Aber würde Emmy auch heute vormittag Eberhard in Großdabbern antreffen ? — Sie hoffte da auf gut Glück, und wenn er nicht mehr in seiner Dienstwohnung war, so mußte er doch irgendwo zu