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herchlöer Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 62.

Donnerstag, den 27. Mai

1909.

Amtlicher Ceil.

HerSseld, den 25. Mai 1909,

Mehrere Gemeinden und Gutsbezirke des hiesigen Kreises befinden sich noch mit Einzahlung der 1. Rate der für das laufende Rechnungsjahr zu entrichtenden K r e i S st e u e r im Rückstände.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die eS an» geht, ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die Einzahlung der fällig gewesenen Beträge noch bis spätestens zum 1. I u n i d. I s. bei der KreiSkommunalkasse hier erfolgt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von GruneliuS.

HerSfeld, den 19. Mai 1909.

Die Ortstafeln und Wegeweiser, die von den Gemeinden zu unterhalten sind, befinden sich fast durchweg in einem schlechten Zustande.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreiseS ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die Ortstafeln in den Ge­meinden und die Wegeweiser, soweit die Gemeinden zu deren Unterhaltung verpflichtet find, alSbald in einen ordnungs­mäßigen Zustand gesetzt werden.

I. 5705. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Berichtigung.

In der Polizeiverordnung der Gemeinde Rotenfee in der vorigen Nummer muß e8 im § 6 stattProzesse"Rezefse" heißen.

nichtamtlicher Ceil.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag wurde nach Erledigung einiger kleiner Vor­lagen die Beratung der Stempelsteuernovelle fortgesetzt. Ein vom Abg. v. Tilly (kons.) begründeter Antrag, die Automaten- stcmpelsteuer staffelförmig auSzugestalten, wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Eine längere Diskussion knüpfte sich an die Besteuerung der Errichtung von Fideikommissen. Hierzu lag ein freisinniger Antrag aus Erhöhung des Stempels vor, der aber gegen Zentrum und Freisinn abgelehnt wurde. Dagegen wurde eine Steuer von 50 Psg. aus Radsahrkarten gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen.

Am Dienstag wurde nach kurzer Debatte der Antrag bei Frhrn. v. Zedlitz betr. den Anschluß der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen, nichtstaatlichen mittleren Schulen an die

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Wolf MartenS' Wangen waren eingefallen, die Augen sahen noch unendlich müde aus, und der schwermütige Aus­druck deS blassen Gesichtes sprach deutlich genug die Gedanken auS, die durch Wolfs Sinn zogen.Herr Gott, ich kann dir nicht einmal dafür danken, daß du mir das Leben gerettet hast, es ist eine Bürde, die mich niederdrückt, eine Last, mit der ich noch nichts anzusangen weiß!"

Aber dieser Zustand dauerte nur wenige Tage. Das Pflichtgefühl rüttelte ihn auS seiner apathischen Stimmung auf und weckte seine verloren gegangene Energie. Seine Wirtschaft, das übersah er, ging zurück ohne die tätige Hand, das wachsame Auge bei Gutsherrn, und das nein, bai durste jetzt nicht sein. Es lag ja eine namenlos schwierige Aufgabe vor ihm, eine Verpflichtung, die er einlösen mußte um jeden Preis.

Gott, mein Gott", rang es sich wie ein Stoßseufzer auS seiner gequälten Seele,gib mir meine alte Arbeitskraft zurück. Laß mich nur jetzt nicht unterliegen."

Das Pflichtgesühl war es, daS die Nebel zerriß, die sich um Herz und Sinne gelegt hatten, und das jetzt sein ganzes Ich durchströmte. Diese» energische Pflichtgefühl wurde bei ihm zur besten Arznei, so daß nun seine Genesung rasche Fort- schritte machte.

Bald nahm er wieder die Zügel seiner Wirtschaft in eigene Hand, und jetzt, wo er sich dem Wind und Wetter wieder rücksichtslos auSsetzen konnte, kehrte die Farbe der Gesundheit in seine Züge zurück, und sein Gang wurde elastisch wie ehedem.

Nun hatte auch die Seele die genügende Spannkraft ge- Wonnen, daß er eS wagen konnte, den ersehnten und doch so gesürchteten Besuch in Waldhügel bei der Familie von Wartha zu machen.

Der Gutsherr hatte sich wiederholt während Wolfs Krank­

Alter»zulagekasse der BolkSschullehrer in zweiter Lesung an­genommen. Dann kam das Stempclsteuergesctz an die Reihe. Hier wird zunächst ein Zusatz angenommen, daß die bei der Vermietung von Wohnungen zu gemeinnützigen Zwecken nach­gelassene Stempelsteuer nachträglich zu entrichten sei, wenn dieser Besreiungsgrund in Fortfall kommt, und ferner ein Antrag v. Richthosen, daß für die bei Jnkrasttretung des Ge­setzes bereits in Benutzung befindlichen Fahrräder der Antrag auf Erteilung der Steuerkarte bei der Gemeinde- oder Zoll­behörde bis zum 1. Oktober 1909 unter Einzahlung deS Stempels von 50 Psg. zu stellen ist. Auch für die Auto­maten und Musikwerke wird die Erteilung einer stempel- pflichtigen Karte bereits vom 1. Juli an sestgesetzt. Schließlich wird der Rest des Gesetzes angenommen. In großer Eile erledigte dann das Haus noch die zweite Lesung bei Eisen- bahnanleihegesetzcs. Hier ist nur eine Bemerkung bei Abg. Schmedding (Zentr.) hervorzuheben, der im Hinblick auf bai Eisenbahnunglück bei Herlisheim eine gefahrlosere Beleuchtung der Eisenbahnzüge wünscht. Die Vorlage wird dann ge­nehmigt.

Reichstag.

Nachdem von der konservativ-klerikalen Mehrheit der Finanzkommission des Reichstages die Besteuerung der Wert­papiere, sowie die Umsatz- und WertzuwachSsteuer auf Immobilien beschlossen worden ist, gilt es für die verbündeten Regierungen, Stellung zu diesen Beschlüssen zu nehmen. Der erste Schritt ist hierzu in der Konferenz zu erblicken, welche am Montag im Reichsschatzamle zu Berlin, zwischen mehreren Vertretern dieses Ressorts und ".'er Anzahl Großbankiers stattfand, und wobei die genannten Beschlüsse der Finanz­kommission erörtert wurden. Ueber den Verlaus der Konferenz wird berichtet, daß ei sich in ihr im Wesentlichen nur um gutachtliche Aeußerungen von Vertretern derjenigen Kreise ge­handelt habe, welche durch die neuen Steuerprojekte in erster Linie in ihren Geschäftsbetrieben betroffen werden würden. Wie verlautet, sollen die Bankiers eine neue Art von Steuer, und zwar eine Dividendensteuer, anstelle der konservativen Wertzuwachssteuer vorgeschlagen haben. Es werden noch weitere Konferenzen Nachfolgen. Uebrigens gibt sich eine wachsende Bewegung gegen die neuen Steuerprojekte in der deutschen Börsen- und HandelSwelt kund; der in Frankfurt a. M. domizilierende Zentralverband des Bankiergewerbes will Anfang Juni einen Bankiertag einberufen, der sich mit der dem Bankiergewerbe durch die neuen Besitzstcuern drohenden Be­lastung beschäftigen soll. Ferner wird am 2. Juni eine Konferenz aller deutschen Handelskammern in Berlin stattfinden, die sich ebenfalls mit diesen Projekten besassen wird.

Am Dienstag wurde die zweite Lesung bei Entwurfs eines Gesetzes wegen Aenderung des BrausteuergesetzeS bei § 6 (Erhebungssätze der Brausteuer) fortgesetzt. Zunächst wurde die dort in erster Lesung beschlossene Staffel, zu der eine Reihe

heit nach dessen Befinden erkundigen lassen, unb der junge MartenS hatte, sobald er dazu imstande gewesen war, schrist- lich für diese Freundlichkeit gedankt und versichert, daß er nicht versäumen würde, nach seiner Herstellung seinen persönlichen Dank auszusprechen. Heute nun war der Tag gekommen, wo er in Waldhügel feinen Besuch machen wollte.

In Waldhügel wurde er von dem Hausherren liebens­würdig empfangen, auch Frau von Wartha erschien bald und forderte den Gast in gewinnender Weise aus, den Nachmittag und Abend bei ihnen zu bleiben.

Wolf nahm die Einladung an, obgleich er fühlte, daß er sich selbst Folterqualen auferlegte. War er doch jetzt schon wie im Fieber, wenn eine Tür ging, oder er im Nebenzimmer einen leichten Schritt hörte. Die Erwartung, daß das geliebte Mädchen jeden Augenblick eintreten konnte, peinigte ihn schon bis zur Unerträglichkeit.

Doch gleichviel. Er wollte diese schmerzlich schönen Stunden mit ihrer Wonne und ihrer Pein bis aus die letzte Minute auSkosten, mochten seine zitternden Nerven sich dabei zurechtfinden, so gut sie vermochten. Er konnte nicht anders handeln, denn er mußte Elisabeth sprechen. In der geschützten Veranda, die an den Gartensaal stieß, war der Kaffee aufge- tragen. Frau von Wartha forderte die Herren aus, ihr dahin zu solgen.

Nun war der ersehnte und zugleich gefürchtete Augen- blick gekommen. Elisabeth trat ihnen entgegen. Sie reichte Wolf die Hand und murmelte ein paar BegrüßungS- Worte.

Wie schön sie war, als sie so vor ihm stand, das Gesicht von rosiger Glut überhaucht, in den Augen, die sich rasch wieder senkten, einen schüchternen, bittenden Blick.

Er verstand diese stumme Sprache und empfand cS wie einen beglückenden Reiz, daß er Hüter ihres Geheimnisses war. Fester drückte er ihre Hand, während er sie langsam an seine Lippen sührte.

Sie verstand seine schweigende Antwort, die in dem warmen Drucke der Hand lag, wie eine Erneuerung seines Gelübde».

von Abänderungsvorschlägen Vorlagen, durchberaten. Die Vor­lage setzt folgende Sätze fest: Von den ersten 250 Doppel­zentnern 14 Mk., von den folgenden 1250 Doppelzentnern 15 Mk., von den folgenden 1500 Doppelzentnern 16 Mk., von den folgenden 2000 Doppelzentnern 18 Mk., und von dem Rest 20 Mk. Die verschiedenen Anträge (Reichspartei, Nationalliberale und Zentrum) bezwecken eine Vermehrung der Staffel zum Schutze der mittleren Brauereien, find jedoch in ihrem finanziellen Ergebnis verschieden.

Im weiteren Verlaus der Sitzung nahm die Finanz- kommission zunächst die Erhebungssätze für die Brausteuer un­verändert nach dm Vorschlägen des Regierungsentwurfs an. Unterstaatsjekretär Sydow befürwortete diese Sätze, da die anderen Vorschläge teils eine zu große Spannung enthielten, teils aber auch ein zu geringes finanzielles Ergebnis unter 100 Millionen Mark in Aussicht stellten.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin» den 25. Mai 1909.

S e. Majestät der Kaiser begab Sich heute früh bald nach 6 Uhr vom Neuen Palais bei Potsdam im Auto­mobil nach Döbcritz, wo von 7 Uhr ab unter dem Befehl Seiner Majestät ein Exerzieren der 2. Garde-Jnsanteriebrigade abgehalten wurde. Während der Uebungen der Brigade, die mit einem Parademarsch der drei beteiligten Regimenter endeten, manövrierten über dem Truppenübungsplatz auch die beiden Militär-LuftballonS Parseval II. und Groß II., deren Exerzitien der Kaiser eingehend beobachtete. Nach Schluß der Uebungen kehrte Se. Majestät der Kaiser nc,^ dem Neuen Palais zurück.

Das Herrenhaus erledigte am Dienstag zunächst einige kleinere Vorlagen ohne wesentliche Debatte und wandte sich dann dem Etat der Landwirtschaft und Forsten zu. Hierzu lag eine Resolution bei Herrn v. Salisch vor, an die sich eine längere Diskussion knüpfte. Es handelte sich um ein Ersuchen an die Regierung, reichere Geldmittel zu einem rascheren Fortgang der Oedlandsaufforstung und Hebung bei Zustandes der Privatsorstwirtschast herbeizusühren und eine Statistik über das Vorhandensein von Oedland und den zur Ertraglosigkeit herabgewirtschafteten Forstflächen auszustellen. Der Antragsteller fand mit feinen temperamentvoll vorgetragenen Ausführungen nicht die Zustimmung des Ministers v. Arnim, der vor einer Uebertreibung der Staatsaufsicht über Privat- waldungen warnte. Auch wies er aus die Schwierigkeiten hin, auf die die Ausstellung einer derartigen Statistik stoßen dürfte. Schließlich wurde der Antrag v. Salisch angenommen.

Das Programm für den Besuch der R c i ch r t a g S a b- geordneten beim Grafen Zepplin ist nunmehr sestgestellt. Für den 5. Juni, nachmittags, ist eine Sonder- dampsersahrt nach Manzell zum Ausstieg desZ. II" vorge­sehen. Der Dampfer begleitet das Luftschiff mit den Gästen nach Lindau und Bregenz. An Bord des Dampfers wird

Seine Krankheit und teilnehmende Fragen nach seiner Gesundheit gaben dem jungen Mädchen einen willkom- menen Stoff, um eine unverfängliche Unterhaltung einzu- leiten.

DaS Gespräch berührte nur die alltäglichsten Dinge. Der Hausherr bemächtigte sich bald der Führung desselben und leitete e» auf die TageSfragen der Politik.

Elisabeth versank in Schweigen, und jetzt, wo die heiße Blutwelle, die ihr bei der Begrüßung mit Wolf ins Antlitz gestiegen war, zurücktrat, fiel eS dem jungen MartenS aus, wie blaß und zart sie aussah.

Im Garten tobten die jüngeren Kinder deS HauseS und vollsührten schließlich einen solchen Lärm, daß Frau von Wartha es doch nötig fand, für etwas mehr Ruhe zu sorgen. Sie ging selbst zu dem lärmenden Chor und wollte beschwich- tigen, wurde aber mit so jubelndem Hurra begrüßt, daß sich der Tumult nur steigerte, und eS ihr nun zweckentsprechend erschien, sich mit der unbändigen Schar etwas weiter ab von der Veranda zu entfernen.

Herr von Wartha spann unterdessen den Faden der Unter- Haltung unverdrossen weiter, bis dieser jäh abgerissen wurde durch die Meldung des Dieners, daß der Inspektor den Herrn zu sprechen wünsche.

Mit einer Entschuldigung an seinen Gast verließ der Haus­herr die Veranda.

Wolf und Elisabeth waren allein.

Einen Augenblick schwiegen beide, aber MartenS sagte sich, daß die Minuten kostbar wären, und er sie ausnutzen müsse.

Er stand auf und lernte sich an den Pfeiler dem jungen Mädchen gegenüber.

Befürchten Sie nicht»! Mein Schweigen ist un- verbrüchlich! Ich werde dafür Sorge tragen, daß alle­in Richtigkeit kommt, ohne den leisesten Verdacht zu er- wecken."

Elisabeth sah ihn an. Es lag eine scheue Bewunderung in ihren Augen.

Zugleich aber hob sie bittend die Hände zu ihm empor und mit zitternden Lippen wehrte sie:Unmöglich! Jetzt