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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 64.
Donnerstag, den 3. Juni 1909.
Amtlicher teil.
Hcrsseld, den 27. Mai 1909.
Unter den Schafherden der Schäfer Breul, Schmermund und Heinrich Schmidt zu Oberjossa und der dem Landwirt Johannes Vetter zu Giebjeshos bei Brcitenbach a/H., Kr. Ziegenhain, gehörigen Herde ist die Räude ausgebrochen. I. 5962. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
K»liz«ivcrordn«ng.
Aus Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen LandeSteilen und des § 143 deS Gesetzes über die allgemeine LandeS-Verwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Gemeindebezirk Rotensee folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1.
DaS Hemmen ohne Hemmschrauben an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege (jedoch ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in hiesiger Gemarkung verboten.
§ 2.
DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Acker-Gerätschaften ist verboten.
§ 3.
DaS Verunreinigen der Gräben sowie das Befahren derselben an den Wegen außer den vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.
§ 4.
DaS unbefugte Befahren sämtlicher WirtschaftSwege mit Lastsuhrwerken jeglicher Art ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer in hiesiger Gemarkung sind, verboten.
§ 5.
Das Befahren hiesiger Wege von Grundbesitzern anderer Gemarkungen zum Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist verboten.
§ 6.
Diejenigen Wege, die in dem Rezesfe über das Zusammen- legungSverfahren der hiesigen Gemarkung nicht ausdrücklich alS Holzabfuhrwege bestimmt sind, dürsen als solche nicht benutzt werden.
§ 7.
DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.
§ 8.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mk. oder entsprechender Hast bestraft.
Rotensee, am 9. Mai 1909.
Die Ortspolizeibehörde Reuber.
Der Pflicht getreu.
Von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
Der alte Herr war, während Wolf sprach, im Zimmer auf- und abgegangen, jetzt blieb er vor ihm stehen.
„Herzliche Zuneigung, das ist ein besseres Unterpfand für eine dauerhafte gute Ehe als so ein Wolkenschwärmen und Anglühen", erklärte er. „So ein Paar frische, ehrenfeste Naturen, wie ihr zwei, das stimmt zusammen und wird sich einleben. Ihr nehmt euren Herrgott in die Ehe mit und das ist eine feste Grundlage."
Wolf blickte nicht aus. Er schlang immer neue Knoten in die Gardinenschnur, die er in der Zerstreuung aufgegriffen hatte.
„Ich habe dir noch mehr gebeichtet", erinnerte er.
Der alte Herr machte eine abwehrende Handbewegung. „Larifari, die 80 000 Mark, die du Schulden gemacht hast in sicherer Annahme der Erbschaft, brauchen dich nicht aufzu- regen. Das macht daS verdrehte Mädel, die Anni, womöglich noch froh, daß sie dir gleich etwas zuliebe tun kann. Aber sage mal, Junge, eigentlich sieht es dir gar nicht ähnlich, so 30 000 Mark einfach zu versimsen. Wie hast du denn daS angestellt?"
„Ich muß bitten, daS für mich behalten zu dürsen."
Fast schroff hatte diese Entgegnung geklungen, und der alte Herr antwortete begütigend: „Nun, eS kaun auch dem Besten passieren, daß er mal eine Dummheit macht. Kein Wort weiter darüber, daS macht mich nicht an dir irre. Ich sage dir, mir würde ein Stein vorn Herzen sollen, wenn ich das Mädel, daS an dir hängt, als deine Frau wüßte. Ich bin alt, kann jeden Tag ringehen, und dann steht sie schutzlos da."
nichtamtlicher Ceil.
Wer hat Hit ZW?
Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges ist soeben in der französischen Zeitschrift „Revue des Deux Mondes" eine bemerkenswerte Darstellung jener politischen Vorgänge aus der Feder des jetzt noch lebenden damaligen französischen Ministerpräsidenten Emile Ollivier erschienen. Die Darstellung Olliviers wiegt um so schwerer, als sie von französischer Seite stammt, Ollivier außerdem als französischer Ministerpräsident die Verhältnisse aus eigener Anschauung wie kein anderer kannte.
Bekanntlich ist der äußere Anlaß zu dem Kriege die Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern für den spanischen Königsthron gewesen, die Frankreich glaubte nicht zugeben zu dürfen. Ollivier stellt in Uebereinstimmung mit den Tatsachen fest, daß diese Kandidatur sowohl von dem Vater deS Prinzen wie von diesem selbst zurückgezogen worden ist, nachdem ein Abgesandter deS spanischen Botschafters in Paris in Sigmaringen die Gefahren dargestellt hatte, die sich aus einer der- artigen Kandidatur ergeben würden. AlS die Nachricht von diesem Verzicht in Paris cintras, hatte Ollivier als damaliger Ministerpräsident den Eindruck, daß jede Kriegsgefahr beseitigt fei. Durchaus unerwünscht war jedoch dieser Ausgang sowohl dem sranzösischen Hofe, wie auch den französischen Abgeordneten. Gerade dieser letzte Punkt ist zu betonen, weil er im Gegensatze zu den bisher in Frankreich verbreiteten Darstellungen beweist, daß daS sranzösische Volk in diesen Krieg nicht etwa nur durch höfische Einflüsse hinein getrieben worden ist, sondern daß die Kriegslust in weiten Kreisen deS französischen Volkes ebenfalls vorhanden war.
AlS Ollivier die Nachricht von dem Verzicht deS Prinzen von Hohenzollern im Parlament den Abgeordneten mitteilte, erhob die Rechte sofort Einspruch gegen diesen AuSgang. Ein Abgeordneter, der Ingenieur Talabot, flüsterte Ollivier ins Ohr: „Preußen macht sich über uns lustig", und ein anderer Abgeordneter der Mehrheit bezeichnete es alS „unwürdig", die Angelegenheit damit für erledigt zu halten. „Preußen hat mit uns angebunden, wir müssen mit ihm ein Ende machen." Gleichzeitig brächte der Abgeordnete Duvernois namenS der Mehrheit eine Interpellation ein, in der von dem Ministerium Bürgschaften gefordert wurden, um die „Wiederkehr solcher Verwicklungen mit Preußen" zu verhindern.
Aehnlich hatte diese Zurückziehung der Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern, nach welcher Ollivier als verantwortlicher Staatsmann jede Kriegsgefahr für beseitigt erachtet hatte, am Hofe gewirkt. Noch am selben Tage erhielt Ollivier von Kaiser Napoleon einen Brief, in dem er aufgeforbert wurde, bei der Mitteilung an die Kammer durchblicken zu lassen, daß die Kandidatur auf Befehl des Königs von Preußen zurückgezogen worden sei, um so den Eindruck zu erwecken, als ob Preußen vor den Drohungen Frankreichs zurückgewichen sei. Dazu konnte sich allerdings Ollivier nicht entschließen, da er voraussah, daß eine derartige falsche Dar
Durch den Garten kam eine jugcndfrifche Gestalt, lachende Blauaugen, blühende Wangen und ein Grübchen im Kinn. DaS war Anni Roth. Sie jagte die Hühner vom Rasen herunter, zog im Vorbeigehen eine Brennessel auS dem Blumen- bett und stellte Erziehungsversuche mit dem Jagdhund an, der durchaus lernen sollte, sittsam auf dem Wege zu gehen.
Die beiden Herren sahen von dem Fenster aus ihr schweigend zu.
„Die wird mal eine famose Hausfrau abgeben", meinte der alte Jobst, lehnte sich aus dem Fenster und rief: „Komm mal herauf, Mädel, aber fix."
Flink war sie da. Die Tür noch in der Hand, blieb sie wie gebannt stehen. Blutübcrgossen sah sie wie gebannt auf Wolf, der ihr entgegenging, um sie zu begrüßen.
„Wies mich freut, daß Sie gekommen sind", gestand sie treuherzig, „ich wußte ja nichts davon."
„Anni, unser Wolf hat mit dir zu reden. Wir zwei sind schon einig. Nun mach, daß ihrs auch werdet!"
Verständnislos sahen die Blauaugen den alten Herrn an, der ihr bei seinen Worten liebkosend über den braunen Scheitel strich und dann zur Türe ging.
Aus der Schwelle drehte er sich noch einmal um. „Nun, Wols, mein Junge, rede frei von der Leber weg, damit ihr inS Klare kommt."
Dann war er fort, und die zwei standen sich allein gegenüber. Schneller, als er geahnt und gewollt, stand nun MartenS vor der Entscheidung.
Sein Blick haftete an Anni. Sie stand vor ihm. Jubel und Erwartung, Hoffen und Bangen sümpften in ihren Zügen. Die Farben kamen und gingen in dem jungen Gesicht und über die halb geöffneten Lippen stahl sich ein zitternder Seufzer.
Es lag etwas unendlich Mädchenhafte-, Rührendes in ihrer Haltung und in dem Ausdruck ihre- Gesichts. Da- er
stellung einen scharfen Widerruf von preußischer Seite zur Folge haben müßte. Vor allen war auch die Kaiserin mit dem AuSgange sehr unzufrieden, und zwar besonders deshalb, weil, was bisher sranzösischerseitS stets geflissentlich verschwiegen worden ist, man die Stimmung im Volke sürchtete, die eine Demütigung Preußens um jeden Preis wünschte.
General Bourbaki war über den AuSweg so empört, daß er seinen Degen auf ein Billard warf und rief: „Wenn c- dabei bleiben soll, werde ich den Dienst verweigern!" Die Folge war, daß der Minister deS Aeußern Herzog von Grammont, die bekannte Anweisung an den französischen Botschafter am preußischen Hofe, Grasen Bencdetti, richtete, vom damaligen Könige von Preußen die Versicherung zu sordern, daß er eine derartige Kandidatur niemals genehmigen werde. Damit war aber französischerseits der Anlaß zum Kriege gegeben. Denn König Wilhelm konnte damals, nachdem er der ersten Kandidatur völlig fern gestanden hatte, eine derartige Verpflichtung keinesfalls aus sich nehmen, ohne seiner Würde etwas zu vergeben.
Nicht Deutschland hat also damals auf den Krieg hin- gearbeitet, sondern Frankreich, und in Frankreich nicht nur der Hos und die militärischen Kreise, sondern auch weite Kreise des Volkes, während König Wilhelm und seine Berater nichts getan haben, als daß sie eine derartige unverschämte Zumutung, die nur den Zweck hatte, Preußen vor der Welt zu demütigen, zurückwiesen. Wir haben allen Grund, unsern damaligen verantwortlichen Staatsmännern dankbar zu sein, daß sie eS nicht zu einer neuen französischen Herausforderung haben kommen lassen, sondern daß sie dem französischen Uebermut gleich das erste Mal mit der Festigkeit und Würde begegnet sind, die einem großen Volke geziemen.
Zeppelin» Luftschiff auf der Rückfahrt gestrandet.
Die Launen des Schicksals, die bei so kühnen und schwierigen Unternehmungen, wie sie Ballonreisen bik zur Stunde nun einmal sind, niemals außer Rechnung gestellt werden dürfen, haben dem Grasen Zeppelin auch diesmal aus der Rückfahrt einen argen Streich gespielt, so glücklich die Fahrt von Friedrichshasen nach Bitterseld verlausen war, so wenig begünstigt war die Heimreise. Nahe dem Ziele, nach ununterbrochener, beinahe achtunddreißigstündigcr Fahrtdauer, hat der Graf, durch eine recht erhebliche Beschädigung seines Luftschiffes gezwungen, zwischen Stuttgart und Ulm sich zu einer Zwischenlandung entschließen müssen.
Ueber die Ursache deS Unfalles, der dem Luftschiff „Z. II" zugestoßen ist, wird folgendes bekannt: Graf Zeppelin wollte auf einer Höhe bei Göppingen in der Nähe deS Dorfes Jcben- hausen landen, um den knapp gewordenen Benzinvorrat zu ergänzen. Die Motore waren bereits abgestellt, und eS schien, als ob die Landung glücklich vollzogen würde. Plötzlich trat ein heftiger Windstoß auf, der das Luftschiff mit der Spitze gegen die Aeste eines Birnbaumes trieb, wodurch die Umhüllung des Luftschiffes zerfetzt wurde. Das Gerippe und die
griff ihn und gab feinen Worten einen warmen Herzenston. Nicht mit den Gefühlen eines Liebhabers trat er an das Mädchen heran, sondern mit dem ernsten Vorsätze bei Mannes, der gewillt ist, seine Hochachtung und Zuneigung alt Grundstein eine- Bundes zu legen, der in Treue gehalten werden sollte.
„Was mich hergeführt hat, weiß Ihr Vormund. Er ist es auch, der mir den Mut machte, Ihnen eine ernste Frage vorlegen zu dürsen."
Glühend in Verwirrung stammelte sie: „Sprechen Sie, ich bitte."
Er nahm ihre Hand, die sie ihm willenlos überließ; „Fräulein Anni, was ich Ihnen zu bieten habe, ist wenig, ich bin mir dessen voll bewußt; aber dennoch frage ich Sie, darf der Enterbte vor Sie hintreten und bitten/ seien Sie mir die treue Lebensgefährtin in guten wie in schweren Tagen?"
Ein Zittern ging durch ihre Gestalt.
„Ich will — ich will", murmelte sie mit gesenkten Augen, „o wie gern!"
Sanft legte er den Arm um sie und zog sie an sich. „Anni, alles, was nur irgend in meinen Kräften steht, werde ich tun, um dich glücklich zu machen, das verspreche ich dir!"
Ihr Kops ruhte an seiner Brust. Sie sah zu ihm auf, ganz Liebe, ganz Hingebung und Vertrauen. „Wenn ich dich habe, dann kann ich ja gar nicht anders als glücklich sein."
Sie lächelte und die Grübchen in Kinn und Wangen vertieften sich dabei. Herzgewinnend sah sie aus, wie sie ihn nun anstrahlte und in innigem Tone hinzusügte: „Wie danke ich Gott für dieses Glück!"
Da küßte er den roten Mund, der ihm gestand, wie rück» halt-loS dieses Herz ihm angehörte, und gelobte sich heilig