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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr K«. Dienstag, den 8. Juni 1909.
Amtlicher teil.
Der Saatenstand Mitte Mai 1909.
Regierungsbezirk Caffel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 6 — sehr gering
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I I- 3646 M. d. I. —)
Durchschnitts-
Anzahl der von den
Fruchtarten usw.
noten
für den
Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Reg.-Bez.
Staat
03
CQ
1O
Cassel
,1
03
03
CQ
1
kO
Winterweizen .
3,3
3,5
1
2
3
1
Sommerweizen .
2,7
2,7
1
2
Winterspelz (Dinkel) .
2,7
—
Winterroggen .
3,1
2,6
3
1
2
1
Sommerroggen .
Sommergerste .
3,0
2,8
2,8
2,7
4
Hafer .... Erbsen
2,8
2,6
1
5
1
2,9
2,8
1
5
1
Ackerbohnen
2,7
2,6
2
1
1
1
Wicken
2,9
2,7
1
3
Kartoffeln .
2,9
2,8
2
Zuckerrüben
2,9
2,8
Winterraps u. -Rübsen
3,6
3,8
1
1
Flachs (Lein)
2,9
2,7
1
Klee .
3,0
2,8
4
2
1
Luzerne
Wiesen mit künstlicher
2,9
2,8
1
1
1
1
Be-(Ent°)w ässerung Andere Wiesen .
3,0 3,4
2,9
3,2
2
1
3
4
1
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
Her-feld, den 3. Juni 1909.
Die Militär-Intendantur des XI. Armeekorps hat darauf hingewiesen, daß die unmittelbaren Einlieferungen der Produzenten an die Proviantämter sowohl nach Menge wie nach Beschaffenheit noch sehr zu wünschen übrig lassen, obgleich die Proviantämter überall bestrebt feien, möglichst unmittelbar mit den Produzenten landwirtschaftlicher Verbrauch-gegenstände in Verkehr zu treten.
Sie glaubt die Ursache u. A. in folgenden Umständen suchen zu müssen.
1. Die Produzenten sind, abgesehen davon, daß sie ihre Ländereien vielsach noch nicht rationell bewirtschaften, kein reines Saatgut verwenden, Unkraut aus den Aeckern nicht beseitigen, in der Bereitung ihrer Produkte für den Verkauf auch nicht sorgsam genug; insbesondere besitzen viele keine zeitgemäßen Reinigungsmaschinen, um das Getreide magazinfähig zu machen.
2. Die Produzenten machen sich von dem Einflüsse der Händler und Makler, unter welchen sie vielfach stehen, oft noch nicht frei; sie lassen sich von diesen einreden, daß sie seitens der Proviantämter unfreundlich ja chikanös behandelt würden.
Der Pflicht getreu.
Von A. v. Liliencron.
(Fortsetzung.)
„Als letzter Wort, ehe wir scheiden, möchte ich Ihnen noch eine Beruhigung mitgeben auf Ihrem neuen Lebenswege", sagte Wolf in völliger Selbstbeherrschung und zog ein Blatt aus der Brusttafche, daS er ihr hinhielt. Es war der Postschein über die abgesandten dreißigtausend Mark.
Wie mit Blut übergossen war das schöne Antlitz an seiner Seite, als daS junge Mädchen es zu ihm erhob und erschrocken stammelte: „Da- — das taten Sie! Aber wie war denn da- üur möglich? Welche Opfer haben Sie gebracht?"
„Seien Sie unbesorgt, Elisabeth, ich konnte die Zahlung leisten ohne Schwierigkeit. Ich hatte mir reiflich überlegt, was ich dabei durchzuführen hätte, und bin gewillt, die- treu und umfassend zu erfüllen."
Die Worte waren festen Tones gesprochen, und Wolfs Züge trugen dabei den Ausdruck der Energie und Willensstärke.
Elisabeth stand still; sie reichte ihm ihre beiden Hände.
„Treuer — treuefter Freund", murmelte sie, „eS gibt Opfer, für die reicht kein Wort des DankcS aus, aber nie — nie werden sie vergessen."
Innig und ehrfurchtsvoll küßte er ihre Hand. Er wußte, daS war der AbschiedSkuß und darum hielt er auch die zarten Finger noch länger in seiner Rechten fest.
„Ich durste Ihnen dienen, das ist mir Lohn genug", antwortete er ihr. „Nehmen Sie von mir noch wie einen Treuschwur daS Wort, nie soll eine Silbe von dem, waS Sie mir jenen Abend in Rauschebach vertraut haben, über meine Lippen kommen."
Sie sah ihn an, ganz Bewunderung, ganz Vertrauen. „DaS weiß ich. Hätte ich nicht felsenfest auf die Verschwiegenheit und den ritterlichen Sinn des treuen Freundes gebaut,
daß die Abwicklung von unmittelbaren Geschäften mit denselben sehr zeitraubend sei, überhaupt sich für sie nicht eigne.
3. Selbst die Landwirtschaftlichen Genossenschaften machen die Geschäfte mit den Proviantämtern vielfach nicht unmittelbar sondern durch Makler.
4. Die Bürgermeistereien zeigen nicht immer daS notwendige Interesse, um in ihren Ortschaften dem Verkehr der Produzenten mit den Proviantämtern Eingang zu verschaffen, indem sie Bekanntmachungen der Proviantämter ohne Interesse behandeln, erbetene Auskünfte unvollständig oder überhaupt nicht erteilen.
Um diesen Uebelständen entgegen zu wirken und den unmittelbaren Verkehr zwischen dem Produzenten und dem größten Consumenten, dem Militärfiskus zu fördern, werden die Herren Ortsvorstände veranlaßt, dahin zu wirken,
1. daß die Produzenten sich bemühen, bei Verkäufen an die Proviantämter nur reelle und gut gereinigte Ware zu liefern, und daß sie sich hierzu nötigenfalls eventuell ortschastsweise, die anderwärts üblichen Putzmühlen — Preis cirka 150 Mk. — anschaffen,
2. daß sich die Produzenten persönlich, nötigenfalls durch den Bürgermeister oder einen Vertrauensmann aus ihrer Mitte wegen Einlieferung ihre- NaturalS unter Bei- feitefchiebung der Händler und Makler, an die Proviantämter wenden,
3. daß die an sie gerichteten Aufforderungen der Proviantämter wegen der unmittelbaren Einlieferung von Naturalien ordnungsmäßig bekannt gemacht und erbetene Auskünfte bald und eingehend erteilt, ferner, daß die die Ortschaften bereisenden Proviantamts-Beamten mit Rat und Tat in ihren Absichten, den Verkehr mit den Produzenten zu beleben, in bereitwilligster Weise unterstützt werden,
4. daß die Landwirte bei jeder sich bietenden Gelegenheit dahin belehrt werden, daß sie bei den Proviantämtern für gute Ware jederzeit die höchsten Tagespreise erhalten und immer schnelle und entgegenkommende Abfertigung finden. Der Verdienst, welcher bei Umgehung des HändlerS in die eigene Tasche deS Produzenten fließt, ist nicht klein und macht eventuell mit der direkten Zufuhr verbundene Arbeit reichlich bezahlt.
Die näheren Bestimmungen für Lieferung landwirtschaftlicher Erzeugnisse an Proviantämter sind im Krcisblatt Nr. 38 de 1900 bereits bekannt gegeben worden.
J. I. 6133. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung.
Das Kurmärkische Dragoner-Regiment Nr. 14 in Colmar i. Elf. teilt mit, daß bis August d. Js. Freiwillige angenommen werden. Junge Leute, welche bereit und im Besitze eines Meldescheines zum dreijährig-freiwilligen Dienst sind, wollen denselben an das Regiment einsenden. Handwerker, insbe
so hätte ich mich nie zu ihm flüchten können, wie ich es getan habe."
Er drückte fest ihre Hand.
„Hier müssen wir scheiden, Elisabeth, dort durch den hellen Sonnenschein führt Ihr Weg. Leben Sie wohl, und Gott mit Ihnen."
„Wolf, alles Glück und allen Segen, den ich von Gott erbitten kann, den erflehe ich für meinen treueften Freund. Leben Sie wohl!"
Das letzte Wort klang wie ein leises Ausschluchzcn. Sie löste ihre Hand auS der seinen und wandte sich zum Gehen.
Wolf hielt sie nicht zurück. Er blieb unter der Buche stehen. Den Zügel des Rappen in der Hand, blickte er, traumverloren über die Landschaft hin und schaute ihr nach still und unverwandt, wenn auch ein Nebel seine Augen umflorte, bis die lichte Gestalt auf dem waldigen Hügel ver- fchwunden war.
Dann warf er sich auss Pferd und jagte heim.
Am anderen Tage erhielt er Elisabeths Bild. Es war eine große Photographie, die allen Liebreiz deS Mädchens wiedergab. Darüber hatte sie die Worte ihres Wappen- spruches geschrieben — Der Pflicht getreu! — und unter dem Bilde stand: — In unwandelbarer Dankbarkeit! Elisabeth."
Wolf betrachtete die Photographie lange — lange. — Die Augen wurden ihm dabei feucht. Dann verschloß er das Bild in seinem Schreibtisch.
„Da mußt du jetzt ruhen, bis ich dich mit anderen Augen ansehen kann, als jetzt, nicht so heiß, so verlangend darf das sein", murmelte er vor sich hin. „Die Zeit soll ja die blutenden Wunden heilen, wenn man sie nicht selbst immer wieder ausreißt. Und bei Gott, das will ich nicht, ich habe mirs gelobt! Ich muß gesunden um AnniS willen! Vor- wärts denn, der Pflicht getreu I
5. Kapitel.
Jahre waren vergangen seit jenem Tage, wo Elisabeth und Wolf unter der Buche voneinander Abschied genommen
sondere Schuhmacher, Schneider, Sattler, Schmiede, Schreiber pp. haben den Vorzug.
Hersfeld, den 2. Juni 1909.
I. M. 930 III. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
Hie Konferenz her Finnnzniinister her deutschen Bunhessianten.
Die Schwierigkeiten der Reichsfinanzreform sind so groß geworden und in ein so kritischer Stadium gerückt, daß die ReichSregierung ihre Stellung zu den Steuerfragen offenbar noch einmal im engsten Gedankenaustausche mit den Finanzministern der deutschen Bundesstaaten klären und festigen will. Deshalb ist seit Dienstag eine Konferenz der Finanzminister der deutschen Bundesstaaten in Berlin zusammengetreten, und es wird sich dabei nicht nur um die Klärung der Stellung des Bundesrates zu der Reichsfinanzreform, sondern auch um die Haltung des BundeSrateS zu den neuesten Vorschlägen der Finanzkommission zur Finanzreform handeln. Dabei scheint aber die eigentliche Ursache für die Konferenz der Finanzminister der BundeSstaaten darin zu bestehen, daß die ReichSregierung im Bezug auf ihre Stellung zu den Borschlägen der Finanzkommission nicht im vollem Einklänge mit den Regierungen der BundeSstaaten sich befindet, denn die BundeSstaaten, zumal Bayern, Sachsen und Württemberg verhalten sich voraussichtlich ablehnend gegen alle Diejenigen Vorschläge von Besitzste iern. die alt Eingriffe h bi- den BundeSstaaten allein vorbehaltene EinkommenSsteuer betrachtet werden müssen, und will man in dieser Hinsicht im Interesse der Reichsfinanzreform nur eine Ausnahme mit der Reichs- erbschastssteucr machen, an welcher der BundeSrat sesthält. Auch die Vorschläge der Finanzkommission im Bezug auf die Einführung einer Mühlenumsatzsteuer, eines Kohlenausfuhr- zolles und einer besonderen Besteuerung der Wertpapiere und der Dividenden werden voraussichtlich vom BundeSrate nicht angenommen werden, und die als eine Ergänzung deS BundeSrateS anzusehende fachmännische Konferenz der Finanzminister der BundeSstaaten dürfte in dieser Hinsicht nur dazu berufen sein, die politischen und finanziellen Bedenken der BundeSstaaten gegen die Einführung gewisser Steuern noch weiter zu bekräftigen. Da nun aber der Reichstag am 15. Juni seine Beratungen fortsetzt und die Reichsfinanzreform möglichst in diesem Sommer beendigt werden soll, so wird eS außerordentlich wichtig sein, daß die ReichSregierung am 15. Juni dem Reichstage ein revidiertes, aber im übrigen fertiges Programm für die Reichsfinanzreform vorlegt, damit
hatten, Jahre, die dem Leben der Beiden Bahnen vorge- schrieben hatten, die weit voneinander geschieden lagen, und deren Pflichtenkrcis weltenweit verschieden war. Elisabeth, die Freifrau von Hagenow, war ihrem Mann auf seine ausgedehnten Besitzungen im südlichen Schlesien gefolgt. Sie war ihm geworden, was er von ihr erwartet hatte, die viel gefeierte Herrin seines Hauses, die Krone seines fürstlich geschmückten Heims, daS er sich nicht mehr ohne Elisabeth denken konnte, um deren Schönheit, Geist und Herzensgute ihn so viele beneideten.
Schloß Hagenow, der Stammsitz des Freiherrn, war ein Mittelpunkt der Umgegend geworden, in dem alle Geselligkeit und alle Interessen der Nachbarschaft zusammenströmten. Es war aber zugleich auch für den viel in Anspruch genommenen Hausherrn die Stätte, wo er sich mit wahrem Behagen von seinen Geschäften auSruhte und sich an dem warmem Glänze sonnte, der ihn hier umgab, und der — so behauptete es der glückliche Freiherr, und niemand widersprach ihm darin, — hauptsächlich doch von seiner schönen Frau auk- ginge.
In dieser dankbaren Erkenntnis kargte der Freiherr denn auch in keiner Weise mit den Mitteln, die er der Familie seiner Frau zur Verfügung stellte, und ermöglichte es den Söhnen derselben, die OffizierSlausbahn zu ergreifen, die ihrem ererbten Soldatenblut von Kindheit an als das Begehrenswerteste vorgeschwebt hatte.
Nur mit Willy, dem um zwei Jahre älteren Bruder seiner Frau, hatte sich der Freiherr nie stellen können. Durch die damalige sehr bedrückte Lage der Familie von Wartha Halle dieser Aelteste seiner Offizierspassion entsagen müssen nnd war in ein großes Bankhaus in Breslau einge- treten.
Sei es nun, daß dem Freiherrn diese Laufbahn de§ Schwager« nicht genehm war, oder daß die Charaktere nicht zueinander stimmten, kurz, es gab nicht nur stets Reibereien zwischen den beiden, wenn sie einmal zusammenkamcn, sondern die gereizte Stimmung gegen Willy verschärfte sich bei dem Freiherrn derart, daß ihm dieser Schwager geradezu unerträglich wurde, und ihm dadurch jedc-mal der'Aufenthalt in