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herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 76. Donnerstag, den 1. Juli 1909.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 25. Juni 1909.

Nachstehend veröffentliche ich das Ergebnis der im laufcndenMonat von derKörungtkommission des KreiseS angekörten Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

J. A. Nr. 4160.

von Grunelius.

S

W

DeS BullenhalterS

Alter.

Farbe u. Abzeichen

Des Bullen

Abstammung

Besund

Tag der Körung

Bemerkungen.

Name

Wohnort

1

Hold

Kirchheim

13 Mt.

Simmentaler

Gelbschack w. Kops

Z. G. GerSfeld

gut

11. 6.

2

Chr. Claus

Mecklar

18 Mt.

Gelbschack w. Kops

Z. G. Oberhessen

brauchbar

15. 6.

3

G. Bein

SchenklengSseld

15 Mt.

Gelbschack w. Kops

Z. G. Oberheffen

brauchbar

19. 6.

4

berf.

dergl.

14 Mt.

Gelbschack w. Kops

Z. G. Oberheffen

brauchbar

19. 6.

5

A. Burkhardt

RanSbach

22 Mt.

Falbschäck w. Kops

Z. G. Barsch

brauchbar

19. 6.

HerSfeld, den 25. Juni 1909.

Ein Beamter der Landerversicherungsanstalt Hessen-Nassau ist zur Zeit im hiesigen Kreise anwesend, um die Quittungskarten

28 cm breit, komplett mit Emailjchild Mk. 4.30 per Stück, zuzügl. Porto und 25 Pfg. für Verpackung.

II. Modell IV a für Telegramme und Wetterkarte, 65 cm

und die Verwendung der Beitragsmarken zu

kontrollieren.

hoch und 30 cm breit, komplett mit Emailschild Mk. 5.75

Die Ortspolizeibehörden deS KreiseS ersuche ich, dem bc-

per Stück zuzügl. Porto und 50 Pfg. für Verpackung.

treffenden Beamten

auf fein Ansuchen in seiner Tätigkeit die

Aus diese Wetterkästen mache ich die Gemeinden aufmerksam

ersorderliche Unterstützung zu gewähren.

I. I. 6781. Der Königliche Landrat

zur Berücksichtigung bei Neuanschaffungen.

I. I. 6866. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

von Grunelius.

HerSfeld, den 25. Juni 1909.

Die Firma Gebr. Schultheiß'sche Emailierwerke A.'G. in St. Georgen im Schwarzwald hat in diesem Jahre ein neues erheblich verbessertes Modell der Wetterkästen in a und IV a in den Handel gebracht.

Die Vorzüge dieses neuen Modells sind kurz folgende:

1. Der Kasten selbst ist mit einem starken, hölzernen Schutz, doch versehen, wodurch daS Ablausen von Regenwasser usw. gefördert und daS Eindringen desselben in das Innere des Kastens vermieden wird.

2. In der Konstruktion der neuen Kästen sind kräftige Berschraubungen vorgenommen worden, welche die Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit deS Wetterkastens gegen WitterungS- einflüffe jeder Art ganz bedeutend erhöhen.

3. Der Verschluß ist derartig angeordnet, daß der Scheiben- rahmen in den Kasten eingefügt ist, wodurch ein Eindringen von Regenwasser, Staub und dergl. vollständig ausgeschlossen ist und die im Innern angebrachten Schriftstücke von Ver­unreinigungen jeder Art unbedingt geschützt sind.

Diese verschiedenen Verbesserungen haben natürlicherweise die Herstellungskosten deS Kastens beträchtlich erhöht, wodurch auch die bisherigen Preise der Kästen eine Aenderung erfahren haben und sich nunmehr wie folgt stellen:

I. Modell in a für Wettertelegramme, 32 cm hoch und

Der Pflicht getreu.

Von A. v. Liliencron.

(Fortsetzung.)

Ursula lachte, und dat klang so kindlich fröhlich, daß er mit einstimmen mußte. Es war da- sorglose glück­liche Lachen der Jugend, daS nun harmonisch ineinander klang.

Sie brach von dem Eichbaum, unter dem sie hielten, einen kleinen Zweig und reichte ihn mit einer gewissen, feier­lichen Würde an Hasso. Sie versuchte, dabei einen sehr ernsthasten Ausdruck in ihre Züge zu legen, aber aus den Braunaugen blitzte doch der Uebermut, als sie ihm ant- «ortete.

Für den Starken, der den Eigensinnigen bändigte, eine bessere Belohnung. Von dem deutschen Baume dem deutschen Jüngling die Auszeichnung durch Eichenlaub."

Freundliche Sonnenlichter spielten um die beiden jungen Menschenkinder, und helle Lichtsunken strahlten auS ihren Augen herüber und hinüber, als sie jetzt im Schritt neben­einander langsam den Waldweg entlang ritten.

Hasso hatte den Eichenzweig genommen und in freudiger Erregung beteuert:Den werde ich mir ausbewahren, solange ich lebe."

Stolz hatte er ihn dann in sein Knopfloch gesteckt.

Ursula war ein klein wenig rot und ein klein wenig ver­legen geworden und hatte eifrig ihres Pferdes Hals geklopft. Dem jungen MartenS war es als da- natürlichste erschienen, mit ihr weiter zu reiten.

Er hatte zwar etwas gemurmelt von ich darf Sie wohl begleiten aber ob er daraus eine Antwort erhalten hatte, war ihm nicht klar gewesen, störte ihn jedenfalls aber nicht, denn er ließ fein Pferd an ihrer Seite mit dem ihrigen Schritt halten.

So war ei gekommen, daß sie sclbander durch den lauschigen Wald ritten, und daß sie eine lebhafte Unterhaltung

HerSfeld, den 26. Juni 1909.

Die unter der Schasherd. des Landwirt« Wilhcm P u p e zu Hattenbach auSgebrochene Räude ist erloschen.

I. 6949. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

At iAmutische BthMW her Frage her ReWmznftm.

Von allen Seiten wird bestätigt, daß der Reichskanzler Fürst Bülow aus den Wunsch des Kaisers nur noch solange in seinem Amte zu bleiben gedenkt, bis die ReichSfinanzreform zustande gebracht worden ist. Da nun aber wichtige Reichs- tagsbeschlüsse in der Frage der ReichSfinanzreform gegen die Politik deS Reichskanzlers gefaßt worden sind, aber man nichts von einer ReichStagSauflöfung hört, so kann daS vorläufige Bleiben des Reichskanzlers in seinem Amte nur bedeuten, daß man durch diplomatische Verhandlungen zwischen der Regierung und den Parteien des Reichstage- noch zu einer halbwegs

anknüpsten, bei der es unendlich viel zu fragen und zu er­zählen gab.

Hasso mußte ihr immer mehr von Farm Dornsried, von seinen Eltern und von seinen eigenen Zukunft-Plänen er­zählen.

Voll sprudelnder Lebendigkeit warf sie immer neue Fragen dazwischen. Alle- erschien ihr interessant und reizvoll, nur das eine nicht, daß Hasso schon mit dem nächsten Schiffe, also in zwei Tagen von Hamburg fortsahren wollte.

Schade, daß Sie nicht früher nach Rauschtbach kamen, dann hätten wir oft zusammen reiten können", sagte sie. Aber zugleich kam über sie ein scheues Gefühl mädchenhafter Be­fangenheit. Sie erinnerte sich Plötzlich, daß sie immer be­hauptete, sie sei kein Backfisch mehr, und da wurde sie un- sicher, ob ihr Begleiter eS ihr auch nicht zu sehr anmerken könne, daß es sie so gefreut habe, ihn wiederzusehen, daß sie ihn bewundert hatte, wie er den FuchS bändigte, und daß eS ihr solch ein Vergnügen war, mit ihm zu reiten.

Sie überhörte daher auch absichtlich HassoS stürmische Ver­sicherung:DaS wäre herrlich gewesen!" und lenkte da- Ge­spräch ab.

WaS für prachtvolle- Heidekraut da oben steht", meinte sie,ganz rot blüht es."

Wollen wir er pflücken? Einen Kranz binden? ES hält sich lange."

Hastig hatte Hasso daS gesagt. ES lag etwas Drängender in seinen Worten und Ursula ließ sich nur zu gern von ihnen bestimmen.

Fröhlich trabten sie die Höhe hinauf. Der Reitknecht mußte die Pferde halten, und Ursula setzte sich aus einen der bemoosten Baumstämme, mitten in daS blühende Heidekraut hinein, streckte jauchzend die Arme zum blauen Himmel empor und jubelte: Hier ist eS wonnig! wonnig!"

Haffo pflückte von den roten Büscheln, tat sie dem Mädchen in den Schoß und warf sich dann in das Blütenseld ihr zur Seite.

Ihre schlanken Finger wanden den «ranz und dabei sang

annehmbaren Reform der Reich-finanzen zu kommen hoff^ Von einem großen scharfen Kampfe um die ReichSfinanzreform kann jetzt gar nicht die Rede sein, der könnte höchsten- später auSbrechen, wenn aus dem Wege der diplomatischen Behand­lung der ReichSfinanzreform nichts zustande kommt. Will man aber durch diplomatische Behandlung einer Sache zum Ziele timmen, so kann dieS gewöhnlich nur durch eine gewisse Nachgiebigkeit geschehen, und da entsteht natürlich sofort die Frage, wer denn im Streite um die Finanzreform in einigen wichtigen Punkten nun nachgeben soll. Da der Block, aus welchen sich der Reichskanzler in seiner ganzen Politik stützen zu müssen glaubte, während der Finanzreformkämpfe ausgehört hat, eine Reichstagsmehrheit zu sein, so könnte eS sich doch nur jetzt entweder um eine Nachgiebigkeit der Konser­vativen oder um eine solche der Regierung handeln. Es lohnt sich nicht, in dieser Hinsicht schon jetzt Vermutungen aufzu» stellen, da bis jetzt kein einziger Plan ausgetaucht ist, der zu einem Kompromiß zwischen der Regierung und den Konser­vativen in der Frage der ReichSfinanzreform führen könnte. Wir wissen nur soviel, daß die Regierung gewisse von der neuen Reichstag-mehrheit beschlossene Steuern, wie die Kotierungssteuer, die Mühlenumsatzsteuer und den Kohlen- au-suhrzoll, nicht annehmen will, ob aber die Regierung jetzt selbst neue Steuervorschläge machen will oder solche vom Reichstag erwartet, da- muß erst abgewartet werden. ES scheint, daß jetzt aber doch wohl hinter den Kulissen verhandelt wird, um eine ReichSfinanzreform noch vor dem 1. Oktober zustande zu bringen. Jedenfalls drängen aber zwingende Ver­hältnisse dazu, daß für die Reich-finanzresorm nun bald wirk- lich etwas noch geschieht, und ist auf dem Wege der diplo­matischer Behandlung oer Frage etwas ersprießliches nicht in nächster Zeit erreichbar, so muß es zu einem offenen Kampfe zwischen der Regierung und der neuen Reichstag-mehrheit kommen. Die ganze Angelegenheit liegt dem deutschen Volke wie ein Alp auf dem Herzen, und versumpfen darf diese Frage unter keinen Umständen, denn fic ist eine Leben-frage für bal Deutsche Reich, und ist eS für alle VaterlandSsreunde schon sehr ärgerlich, daß wir in dieser reinen Geld- und Steuer- frage so ganz und gar nicht vorwärt- kommen und schon viele Monate parlamentarische Aergernisse darüber bis zum Ueberdrusse gehabt haben. Dieser Zustand könnte unter der Leitung eines großen Staatsmannes doch wohl auch zu einer Gesundung unserer parlamentarischen Zustände führen, die immer noch in vieler Hinsicht ganz unnatürlich und eines großen Volkes nahezu unwürdig sind. DaS deutsche Volk gilt sonst in der Welt als das tüchtigste. Wie kommt nun da daS deutsche Volk dazu, in seiner inneren Politik nicht aus der Höhe bezüglich der zu lösenden Ausgaben zu stehen I Es muß da doch eine gewisse politische Rückständigkeit bei unS in vielen Kreisen noch vorhanden sein.

sie vor sich hin, mit einem weichen herzbewegenden Ton da« alte Lied: Wenn die Schwalben heimwärts ziehn.

Er hätte immer so sitzen mögen, sie ansehen und ihr zu- hören. AlS sie aber alle Verse durchgesungen hatte und zum letzten Male den Schlußsatz wiederholte fragt da- Herz in bangem Schmerz, ob ich dich wohl wiederseh da hatte sie auch ihm es angetan mit ihrem Singen. Der rasche Herz­schlag ging mit ihm durch, er legte feine Hand in die ihre und sagte mit unsicherer Stimme:Ich komme noch einmal zurück in die Heimat, wir sehen uns wieder."

Ursula antwortete ihm nicht darauf. Ihr Gesicht war wie in Glut getaucht. Aber da- war wohl nur der Widerschein der Sonne, die ihr gegenüber so rot und blendend unterging. Und auch das mochte nur Täuschung gewesen sein, daß er meinte, die Augen hätten feucht geschimmert, als sie ihn er­schrocken angesehen hatten bei seinen Worten. Die bunfien Wimpern entzogen ihm rasch den Einblick, und die Hände ar- betteten emsig weiter.

Keiner von beiden sprach ein Wort.

Der Kranz war fertig, Ursula sprang aus.

Da ist die Sonne schon untergegangen, ich muß schnell nach Hause."

Er hielt sie nicht zurück. Schweigend begleitete er sie zu ihrem Pferd und hals ihr beim Aufsteigen.

Dann befestigte er den Kranz an ihrem Sattel, und daS dauerte merkwürdig lange.

Wenn morgen die Sonne wieder am Himmel steht, dann geht's fort", erzählte er dabei, ohne auszusehen.Ich will Schritt fahren lassen auf der holprigen Klenkendorfer Straße, die am Gutshause vorbeisührt, damit ich Ihren Morgenschlas nicht störe."

Ursula fand auch diesmal keine paffende Antwort, sie zauste die Silbermähne ihres Schimmels und senkte den Kopf tief.

Dann aber setzte sie sich im Sattel zurecht und erklärte sehr energisch:Ich muß fort."

Ihre Hand hatte sie dabei Hasso hingestreckt, und dieser, einem raschen Impulse folgend, drückte seine Lippen daraus.