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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 88. Sonnabend, den 31. Juli 1909.
Amtlicher Ccil.
Cassel, den 12. Juli 1909.
Da die Prüfung und etwa erforderliche Auswechselung von Funkensängern zahlreicher einzelner Maschinen (Lokomobilen) während der demnächst beginnenden Drcschkampagen nicht, oder nur unter erheblicher Störung der Betriebe durchführbar erscheint, so ist es geboten, die Frist bis zur Durchführung der Vorschriften des § 4 Ziffer 1 der Polizei-Verordnung vom 26. Juni 1908, Ausstellung, Beschaffenheit und Betrieb beweglicher Dampfkessel betreffend (A. Bl, 28 8. 202/6) bis zum 1. Juli 1910 hinauszuschieben. A. II. Nr. 5361.
Der Regierungspräsident. I. V.: gez. Unterschrift.
* *
Hersfeld, den 27. Juli 1909.
Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.
I. 7889. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hierselbst am Sonnabend, den 28. August d. Js., vormittags neun Uhr, in der Schmiede des Obermeisters Schade abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter Porto- und be= stellgeldsreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bis spätestens den 1. August an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. der Geburtsschein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur soche Schmiede zugelassen, die daS 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich ausgehalten haben.
Schmiede, die die Prüsung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel, den 9. Juli 1909.
Der Vorsitzende der staatlichen Husschmiede-Prüfungs- kommisfion des Regierungsbezirks Cassel: Veterinärrat Buch, Königl. Departements-Tierarzt, Wolssschlucht 13.
♦ *
Hersfeld, den 28. Juli 1909.
Wird veröffentlicht.
I. I. 7775. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 28. Juli 1909.
Unter dem Schweinebestande des Schmieds Schember auf Domäne Eichhof ist die Rotlausseuche auSgebrochen. I. 8090. Der Königliche Landrat von Grunelius.
HerSfeld, den 28. Juli 1909.
Die unter dem Schweinebestande des Georg Ekhardt zu Leimbach ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. I. 8126. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 28. Juli 1909.
Die unter dem Schweinebestande deS Landwirts Konrad Mohr in Ausbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. J. I. 7093. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 27. Juli 1909.
AuS Anlaß der 1900 st e n Wiederkehr des Jahrestages der Hermannsschlacht im Teutoburgerwalde ist von dem Maler Hugo Ulbrich auS DierSdors in Schlesien eine ausgezeichnet gelungene, großersaßte Originalradierung des Hermanndenkmals aus dem Gipfel der Grotenburg geschaffen worden.
Ulbrich beabsichtigt, diese Radierung, um die Anschaffung weitesten Kreisen zu ermöglichen, unter Ausschluß deS Kunst- handels im Subskriptionswege zu dem äußerst billigen Preise von 3 Mark zu vertreiben.
Aus das Bild, daS durch Alsred Langewort in Groß- Lichterselde bei Berlin, Potsdamerstraße 12, zu beziehen ist, mache ich empschlend aufmerksam.
I. I. Nr. 8018. Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 27. Juli 1909.
Der aus Donner-tag den 12. August d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgen- begonnen werden.
-"ach § i bet Polizei-Verordnung vom 24. 4. 1904 ist
daS Handeln mit Vieh und daS Mustern von Vieh zwecks Handeln innerhalb des Stadtbezirks vor und während der Dauer deS Marktes verboten.
I. 8060. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Der Saatenftand Mitte Juli 1909.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld. Begutachtungsziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. —)
Frucht arten usw.
Winterweizen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste .
Hafer .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein)
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)w ässerung
Andere Wiesen .
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
noten
für den
Staat
meg.-roez.
(N CG T< lO
Cassel
H | « | M ^ | >O
M 4
2,9
3,2
3 11
2,6
2,7
2
2,5
—
2,7
2,3
2 12
2,9
2,7
2
2,5
2,4
1 2 1
2,6
2,6
2 3
2,5
2,3
112 1
2,6
2,7
3 1
2,6
2,5
1 1
2,5
2,2
4 1
2,5
2,4
3,4
3,7
1
2,6
2,6
3,3
3,2
3 2
3,1
3,1
1
3,2
2,9
4 1
3,4
3,4
2 2
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.
Dr. Blenk, Präsident.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
In der inneren Politik macht sich nach der so überaus arbeitsreichen parlamentarischen Kampagne und der großen Erregung deS Kanzlerwechsels nunmehr eine vom Ruhe- bedürfniS getragene Ferien st immung geltend. Die Oeffent- lichkeit beschäftigt sich nicht mehr so sehr mit den Sünden, welche die eine oder andere Partei bei der Bewilligung der neuen Steuern begangen haben mag, sondern ist bemüht, sich mit der höheren Steuerlast abzufinden und Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen. Leider aber gibt sich eine gewisse Sorte von Blättern alle Mühe, dem Volke die neuen Steuern zu verekeln. Wenn dies sozialdemokratische tun, so ist man ja daran gewöhnt, aber von bürgerlichen Blättern sollte man doch eine andere Haltung erwarten. Daß mancher der neuen Steuern Mängel anhaften, ist nicht zu bestreiten, und wenn diese Mängel besprochen und aus ihre Abstellung hingearbeitet würde, so wäre dagegen nichts einzuwenden. Daß aber diese Mängel vom Parteistandpunkte aus erörtert und die neuen Steuern mit Spott und Hohn überschüttet werden, daS sollte aus jeden Fall unterlassen werden; denn daS bedeutet nichts andere-, als Wasser aus die Mühlen der Sozialdemokratie leiten.
Herrscht nun in der inneren Politik Ferienstimmung, so ist in der auswärtigen Politik die abgelaufene Woche um so reicher an bemerkenswerten Ereignissen gewesen. Da ist zunächst die Bildung des neuen französischen Kabinetts durch den bi-herigen Justizminister Briand. Es ist daS erste Mal, daß ein Sozialist in einem europäischen Großstaat Ministerpräsident wurde. Allerdings ist Briand von den zielbewußten „Genossen" in Acht und Bann erklärt worden, da er als Minister im Kabinett Clemenceau ebenso wie srüher Millerand in gleicher Stellung einsehen mußte, daß sich nach sozialistischer Schablone überhaupt nicht regieren läßt, solange Frankreich noch nicht unter einem sozialdemokratischen Diktator steht. Daß die Sozialdemokratin Grund hatten, Briand auSzustoßen, hat dieser jetzt durch die Wahl seiner Ministerkollegen bewiesen, die nichts weniger als Sozialisten sind. Und noch mehr: der Sozialist Briand, dessen früheren Freunde den heeresfeindlichen Agitatoren nicht sehr fern standen, findet keinen Geschmack an der Wirtschaft der bürgerlichen Minister für das Kriegswesen, sondern will nicht nur an die Spitze des KriegSministeriums, sondern auch an die des Marineministeriums Fachmänner berufen, um der Mißwirtschaft in der Marineverwaltung ein Ende zu machen. Für daS AuSland wichtig aber ist eS, daß Delcaffö keine Aufnahme im Ministerium gefunden hat, und daß die Leitung der auswärtigen Politik nach wie vor in den Händen Pichoiis bleibt. Eine Abenteuerpolitik wird es also nicht geben, die auswärtige Politik Frankreichs wird im bekannten Geleise bleiben, und daS wird überall, besonders in Deutschland, mit Befriedigung verzeichnet werden.
Der allso mm.erlichen Streikbewegung der
französischen Arbeiter scheint der kühle und reg- nerische Sommer keinen Eintrag getan zu haben. An allen Ecken und Enden des Lande- gärt eS von neuem, just so, wie vor einem und vor zwei Jahren. Zwar ist der See- mannSau-stand, der rund fünf Wochen gedauert und die algerischen und tunesischen Pflanzer säst ruiniert hatte, mit Mühe und Not durch den zum Schiedsrichter gewählten Pariser Gerichtspräsidenten Ditte beigelegt worden, und auch nur dadurch, daß Herr Ditte den Seeleuten in fast allen Punkten Recht gab. Aber nun hält auss neue, gerade wie voriges Jahr um dieselbe Zeit, der Ausstand der Sandgruben- arbeiter und Pflasterer von Draveil und Vigneux die Gemüter in Erregung, und es hat ganz den Anschein, als solle eine Art Bürgerkrieg in diesen beiden Orten ausbrechen, weil weder die Regierung, noch die Gerichte, noch das Parlament ihre Schuldigkeit tun, sondem der anarchistischen Propaganda Tür und Tor öffnen. Schon werden die Frachtkähne, die Bagger, die Kräne und anderen Arbeitsutensilien militärisch bewacht, aber die „TerraissierS", die Erd- und Sandgrubenarbeiter, sind im allgemeinen nicht Leute, die sich vor einem Polizeisäbel oder auch einem Seitengewehr sürchten. Nannte sie doch kürzlich Herr de Marmande, einer der Jünger HervsS und wie dieser ein glühender Antimilitarist, die „republikanische Garde" deS Proletariats, auf die unter allen Umständen „Verlaß" sei. Wie man sieht, kann es also dort einen recht „heißen" Sommer geben trotz der Kühle und des Regens.
Die Kämpfe der Spanier inMarokko ergeben ein für die spanischen Waffen zwar ehrenvolles, aber wenig günstiges Bild. Der Stand der Dinge ist dort offenbar der, daß sich die Spanier nur unter den äußersten Anstrengungen in ihren Stellungen behaupten, da die Kabylen, die mit vorzüglichen modernen Repetiergewehren bewaffnet sind, ständig Zuzug aus dem gebirgigen, ungemein schwer zugänglichen Hinterland erhalten, wo der heilige Krieg gepredigt wurde. Auch die Nachrichten aus Spanien selbst lauten sehr beunruhigend. In Barcelona, dem revolutionären Wetterwinkel Spaniens, protestiert das Volk gegen den Feldzug bei Melilla und schreckt trotz des Belagerungszustandes nicht vor den gewaltsamsten Mitteln zurück, um seiner Erregung AuS- druck zu geben, so daß mit dem Ausbruch einer allgemeinen Revolution gerechnet werden kann; denn bereits ist über die ganze Provinz Katalonien der Belagerungszustand und für ganz Spanien die Diktatur verhängt worden. Das allerge- sährlichste aber ist, daß auch eine Demoralisation unter den spanischen Truppen einreißt; es sind bereits Unteroffiziere und Mannschaften, die sich nicht nur den Befehlen der Offizieren widersetzt, sondern diese sogar mißhandelt haben, erschossen worden, kurz die armeefeindliche Agitation der Sozialdemo- kratie und Anarchisten ist im spanischen Heere aus günstigen Boden gefallen. Ohne Zweifel ist die Lage in Spanien sehr ernst.
Die K r e t a s r a g e, die eine Zeitlang einen recht bedrohlichen Charakter zeigte, ist zwar noch nicht definitiv erledigt, aber sie scheint nunmehr doch einer friedlichen Regelung ent- gegenzugehen. Denn wenn jetzt die Kreter wirklich, nachdem inzwischen die Truppen der Echutzmächte die Insel geräumt haben, ihre Vereinigung mit Griechenland proklamieren sollten, so würden daraus keinerlei Konsequenzen entstehen, da die Gewähr besteht, daß sich die griechische .Regierung jetzt ebenso wie früher gegen die Wünsche der Kreter ablehnend verhalten wird. Ohne die Hilfe Griechenlands aber oder die der Schutzmächte vermögen die Kreter nichts auszurichten.
Köms Wilhelms Abreise ziir^rmee 1870.
Mit nie dagewesener Einmütigkeit halte sich ganz D-ntsch- land in den Sommertagen von 1870 erhoben, um welschen Uebermut gebührend in die Schranken zu weisen. Ein Volk, ein Herz, ein Zorn, ein Vaterland, ein König! Das war daS Kennzeichen der großen, unvergeßlichen Zeit. In wenigen Togen stand die gesamte deutsche Streitmacht am Rhein. Am 31. Juli 1870 reifte König Wilhelm zu seiner Armee ab, um den Oberbefehl zu übernehmen. In einem Abschieds- Worte: .An mein Volk" hatte der hochherzige Monarch einen Straferlaß für politische Verbrechen und Vergehen erteilt und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß der aufgezwungene Kamps mit größter Entschlossenheit durchgeführt werden würde. Kurz vor der Abreise versammelte der königliche Greis noch einmal seine Minister um sich und hielt eine kurze, kernige Ansprache: Mit dem Ausdruck der herzlichen Freude über die Einmütigkeit deS deutschen Volkes verband er die Mahnung an die zurückbleibenden Minister, dafür zu sorgen, daß der herrliche Geist der Julitage im Volke lebendig erhalten bleibe, insbesondere dann auch fest und treu zu bleiben, wenn ungünstige Nachrichten vom Kriegsschauplätze eintreffen sollten. Als die Stunde der Abreise nahte, waren viele Tausende von begeisterten Männern und Frauen vor dem Palais des KönigS und auf dem weiten Wege zum Bahnhöfe versammelt, um dem König Lebewohl zuzurufen. Um 5Va Uhr öffnete sich daS Gitter zum Seiteneingang des Palais, und der König und die Königin fuhren im gewöhnlichen, zweispännigen, offenen Wagen heraus. Ein vieltansendstimmiges Hoch und