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Hemmer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 98.
Sonnabend, den 21. August
1909.
Amtlicher teil.
Wie bereits in den Jahren 1887 und 1888 durch daS Amtsblatt bekannt gegeben worden ist, gibt der Deutsche Samariterverein, um die Kenntnis der zur Wiederbelebung Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, Blechtaseln, aus denen eine durch Zeichnungen erläuterte Anweisung zur Wiederbelebung anscheinend Er- trunkener abgedruckt ist, an alle Eigentümer und Führer preußischer See-, Fluß- und Binnenschiffe, die in der Empfangsbescheinigung sich zur Anhestung der Tafeln auf ihren Schiffen verpflichten, unentgeltlich ab. Vom 1. Januar d. Js. ab werden diese Tafeln kostenlos nur noch an Königliche Behörden unter der Voraussetzung, daß in den Bestellungen die unbedingt notwendige Anzahl angegeben wird und zugleich die Ortschaften oder Stellen namhaft gemacht werden, für die sie in AuSsicht genommen sind, abgegeben; an Private dagegen erfolgt die Abgabe nur noch gegen Erstattung des Selbstkostenpreises.
Die Taseln werden im nächsten Jahre in besserer Ausstattung hergestellt und durch eine Anweisung zur Errettung Ertrinkender ergänzt werden.
Anträge aus unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an die Königlichen Polizeidirektoren und Landräte deS Bezirks zu richten. (A. II. 7633.)
Casfel, am 6. September 1905.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: gez. Mejer.
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HerSfeld, den 17. August 1909. Wird veröffentlicht.
J. I. 8710. Der Königliche Landrat
von Grünelius.
Hersseld, den 19. August 1909. Akten-Berkauf.
Aus dem hiesigen Landratsamt sollen ca. 40 Centner alte Akten zum Zwecke der Einstampfung an den Meistbietenden verkauft werden. Die näheren Bedingungen werden aus dem Landratsamte mitgeteilt.
Angebote, welche mit der Aufschrift „Verkauf alter Akten" zu versehen sind, sind mir
bis zum 30. d. Mts. verschlossen einzureichen.
Die Akten können während der Dienststunden besichtigt werden.
Der Königliche Landrat von GruneliuS.
HerSfeld, den 18. August 1909.
Eine Anzahl Gemeinden des hiesigen Kreises haben die am 1. d. Mts. fällig gewesene 2 t e KreiS st euerrate immer noch nicht eingezahlt, obwohl ich bereits besonders darum ersucht habe.
Die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, die eS angeht, wollen nunmehr dafür sorgen, daß die Einzahlung der Beträge noch biS spätestens zum 24. d. MtS. bei der KreiSkommunalkasse hier erfolgt.
Der Vorsitzende des kreisausfchuffes:
von GruneliuS. ,
HerSfeld, den 17. August 1909.
Unter dem Schweinebestande des Bergarbeiters Peter Georg Axt in Heringen ist die Rotlausseuche auSgebrochen.
I. 8766. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 17. August 1909.
Der Königliche Kreisarzt Dr. Ewers ist für die Zeit vom 31. August biS 25. September d. JS. beurlaubt.
Der Herr RegieruugS-Präsident hat mit feiner Vertretung Herrn Kreisassistenzarzt Or. M a l k u S in Hünfeld beauftragt.
3- I. 6607 a. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während eS in der inneren Politik still geworden ist, sind »n Parteileben Geräusche zu vernehmen, die nichts weniger als wohltuend berühren; denn daS Zustandekommen der ReichSfinanzresorm hat eine Hetze und ein Lügen- fplel im Gefolge gehabt, die geradezu anwidern. DaS Traurigste dabei ist aber, daß dieses widerliche Treiben nicht allem von der Sozialdemokratie anSgeht, sondern daß auch bürgerliche Parteien gegen bürgerliche Parteien hetzen. Ueber die dringende Notwendigkeit der ReichSfinanzresorm waren
alle bürgerlichen Parteien einig, und jetzt, nachdem sie zustande gekommen ist, wird gegen die Mehrheit, die sie zustande gebracht hat, in einer Weise gehetzt, die ihresgleichen sucht, obgleich weder die Höhe noch die Art der bewilligten Steuern den geringsten berechtigten Anlaß zur Bekämpfung und sogar Beschimpfung derjenigen Parteien bietet, die daS große Werk der ReichSfinanzresorm zu einem gedeihlichen Ende geführt haben. Es ist wieder einmal daS uralte nationale Gebrechen des deutschen Volkes, der zerrüttende Parteihader, der in der jüngsten Zeit wahre Orgien gefeiert hat, und dem sollte jeder, der eS mit seinem deutschen Vaterlande treu und ehrlich meint, schnell und energisch entgegentreten. Denn die Früchte davon erntet einzig und allein die Sozialdemokratie, wie schon der Ausgang der Reichstagsersatzwahl in Neustadt-Landau in voller Klarheit gezeigt hat.
Eine Mahnung, den unseligen Parteihader endlich beiseite zu lassen, sollte auch die 1900-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Walde sein, die in der BerichtSwoche festlich begangen worden ist. Als vor neuzehnhundert Jahren an der Stätte, wo jetzt der Tag der Teutoburger Schlacht gefeiert worden ist, Römer und Germanen in wildem Kampfe zusammentrasen und die siegreichen Legionen des gewaltigsten Eroberervolkes des Altertums unter der Führung des Cheruskersürsten Hermann vernichtet wurden, hat es sich zum erstenmal gezeigt, welch gewaltige Kraft in der deutschen Einigkeit ruht. Der junge Chcruskcrsürst, der noch nicht der Führer eines großen und starken Volkes, sondern nur der Herzog einer kleinen Stammes war, forderte die Gemanenstämme aus, sich gegen die Römer zu vereinigen, und wenn er auch bei vielen kein Verständnis fand, so riß er doch Tausende Widerstrebende empor und führte sie zu einem Werke, dessen Glanz alle diese neunzehn Jahrhunderte mit gleicher Stärke strahlte, zur Befreiung der Germanen von dem Römerjoche. Durch Hermanns Tat erst wurde die germanische und romanische Welt voneinander getrennt; während Gallier und Spanier im Romanentume ausgegangen sind, ist das Germanentum zur siegenden Rasse geworden, und daß das geschehen ist, daß es überhaupt noch Germanen gibt, verdanken wir Hermann dem Befreier.
Den amerikanischen Schutzzöllernistnunmehr der „große Wurf gelungen", der neue Zolltarif ist glücklich in den Hafen gebracht. Der neue Tarif erhöht im allgemeinen die Zölle des Dingleytariss um rund 3 v. H., die Schutzzollmauer ist also nicht niedriger, sondern höher geworden. Jedenfalls wird durch den neuen Tarif dem Aus- lande auch nicht das geringste Zugeständnis gemacht und gewichtig sind die Erschwerungen und die Verteuerung der fremden Einfuhr. Jnbezug auf Deutschland ist beispielsweise im Kongreß wie in der Presse bemerkt worden, daß es den Minimaltarif nicht bekommen könne, wenn eS die amerikanische Fleischcinfuhr nicht freigebe und nicht aus eine sanitätSpolizei» liche Untersuchung der Eingangsartikel, die bereits von amerikanischen Behörden untersucht seien, verzichte. Daß aber darauf Deutschland nicht eingehen kann, liegt aus der Hand.
Der Massenstreik in Schweden dauert zunächst noch an, aber die Stimmung unter den Streikenden wird immer deprimierter und die Unlust zu weiterem Beharren im Streik täglich größer. Dazu kommt als ausschlaggebendes Momet, daß die Unterstützung der Streikenden wohl eingesetzt hat und die Mittel im Verhältnis auch zu fließen beginnen, daß sie jedoch keine Gewähr dafür bieten, nun auch immer in ausreichender Menge vorhanden zu sein. Diese Befürchtung teilt man augenscheinlich auch in der Streikleitung; denn während deren Organ anfangs eine recht gemäßigte Sprache führte, schimpft eS jetzt in ganz auffälliger Weise. Dazu kommt, daß die Geldmittel aus dem AuSlande weit bescheidener eingehen, als die Arbeiterführer vorher angenommen hatten. Zwar hat die deutsche Sozialdemokratie ihr Solidari- tätSgcsühl mit den Streikenden bereits durch klingende Münze zu erkennen gegeben, aber von Unterstützungen aus England, aus die man besondere Hoffnungen gesetzt hatte, hört man nichts. Die natürliche Folge all dieser für die Streikenden so unerquicklichen Tatsachen ist die, daß besonders die Unorganisierten von Tag zu Tag in größeren Scharen zur Arbeit zurückkehren, und es herrscht denn auch in Schweden die Ueberzeugung, daß der Massenstreik ein gewaltiges Fiasko sein werde, deren Folgen sich noch lange für die Arbeiterschaft fühlbar machen werde.
In der K r e t a s r a g e ist einer der hauptsächlichsten Gründe für die Spannung zwischen der Türkei und Griechenland beseitigt worden: Truppen der Schutzmächte haben die griechische Flagge, die wochenlang allen Vorstellungen zum Trotz aus dem Fort von Kanca lustig im Winde flatterte, niedergeholt und eine Besatzung im Fort zurückgelassen. Dieses entschiedene Eingreifen der Schutzmächte dürste wesentlich zu einer friedlichen Lösung der Kretafrage beitragen, wenn auch das Schicksal Kretas noch immer nicht auS der Ungewißheit heraus ist. Aber er gäbe nicht Unsinnigeres, als wegen Kreta einen Krieg zwischen der Türkei und Griechenland zu führen. Der Griechenhaß der Albanesen und der Tatendrang der Jungtürken in Saloniki und Monastir sind keine genügenden Gründe, um eine wenig gefestigte Regierung in Konstantinopel
gegen die Wünsche des ganzen übrigen Europa- zu einer kriegerischen Unternehmung zu bestimmen, mag diese auch vom rein militärischen Standpunkte aus nicht gefährlich erscheinen.
5tw Zeppelin-Fahrt nach Berlin
werden jetzt dort sowohl wie in Friedrichshafen alle Vor- bcrcitungcn getroffen. Eine Anzahl von Kommunen hat sich anläßlich der Fahrt des „Z. 3" nach Berlin zur Anlegung von Ankerplätzen erboten in der Annahme, daß das Luftschiff solche Kommunen aus seiner Reise dann auch sicher besuchen werde. Das ist nicht ganz richtig. Es liegt nämlich lediglich dann die Möglichkeit eines solchen Besuches vor, wenn widrige Umstände daS Luftschiff nötigen, einen der vorhandenen Anker- Plätze unterwegs anzulausen. Die Zeppelin-Gesellschaft muß allerdings ein erhebliches Interesse daran haben, eine Reihe von gut verteilten und gut angelegten Plätzen dieser Art an der Route zu wissen, um gegen alle Eventualitäten auf der großen Fahrt nach Möglichkeit gesichert zu sein. Sie muß dies Interesse um so mehr haben, als der „Z. 3" infolge der Verzögerungen der Kölner Fahrt knapp zum Termin fertig wird und voraussichtlich ohne vorherige Probefahrt sofort nach Berlin fliegen muß. Da mag eine Zwischenlandung auf einem der ja leicht und billig einzurichtenden Ankerplätze immerhin nicht unwahrscheinlich sein; direkt vorgesehen ist sie mit Ausnahme von Bitterfeld nirgendwo. Dort wird der „Z. 3" auS zwei Gründen anlausen: einesteils um von diesem nahe vor B^'in gelegenen Platze aus mit größerer Pünktlichkeit zur sestgeictzten Stunde in der Reichshauptstadt erscheinen zu können, was angesichts der unberechenbaren Windverhältnisse ja von dem weitentfernten FriedrichShafen aus stets zweifelhaft sein müßte; andernteilS weil Graf Zeppelin mit Rücksicht auf seine vorhergegangene Krankheit erst von Bitterfeld aus die Führung seines Schiffes übernehmen wird. Die Motorlustschiff-Studiengeselljchast hat sich in liebenswürdigster Weise bereit erklärt, dem „Z. 3" mit ihrem ganzen Apparat in Bittersetd sich zur Verfügung zu stellen.
Für Mitte September hat Gras Zeppelin einen Besuch mit dem „Z. 3" aus dem Vierwaldstättersee in Aussicht gestellt, wofür als Landungsplatz Triebschenmoos vorgesehen ist.
Ae Fahne Don Rezonnille.
Am Jahrestage der blutigen Schlacht von Vionville veröffentlicht der Gaulois eine packende Erinnerung des Kommandanten Chabal, der als Unterleutnant des 57. französischen Infanterieregiments an dem furchtbaren Ringen teilnahm, das die Franzosen nach dem Dorfe Rczonville benannt haben; der Unterleutnant Chabal war es, der damals aus dem leichenbcsäten Schlachtselde dem verwundeten Fahnenträger der 16. Hessen die Fahne entriß, deren verstümmelte Reste noch heute im Pariser Jnvalidendom bewahrt werden. Die 57. taten in Linie am Ostflügel der französischen Stellung von preußischen Geschossen umschwirrt und unterstützt von einer französischen Batterie, die nach verzweifelter Gegenwehr durch daS deutsche Feuer zum Abzug gezwungen wurde. „Die rasche Abfahrt der Batterie ließ uns unsere Brigadekameraden, die 93., sehen. Sie waren nicht so geduldig, wie wir, baS. Regiment stand aus und marschierte gegen den Feind. Ihr Beispiel wird bald befolgt: unsere vorderen Kompagnieen sehen jetzt unmittelbar vor sich am gegenüberliegenden Rande einer breiten Schlucht die preußischen Pickelhauben austauchen. Der Feind ist da, nur dreißig Meter entfernt. Da ertönt brausend das „En avant!“ Wie elektrisiert springt daS ganze Regiment auf, und die kompakte Masse wirst sich auf die preußischen Tirailleure. Der Rand der Schlricht wird überschritten, und wie ein gewaltiger Sturzbach gießt sich daS Regiment die Schlucht hinab, alles aus seinem Wege zermalmend. Die dünne preußische Schützenlinie wird im grauenvollen Handgemenge ausgerieben. Ucberall sieht man Menschen miteinander ringen. Man springt über isolierte Gruppen und sucht den gegenüberliegenden Schluchtrand zu erklimmen. Wir klimmen empor und treiben die Preußen aus ihren Deckungen. Sie weichen. Mit ihnen zusammen erreichen wir den Rand der Schlricht. Ein preußischer Oberst erscheint tollkühn zu Pferde, um seine zerstreuten Leute inS Feuer zurückzusühren; er fällt sofort unter unsern Kugeln. Hastig eilen die feindlichen Schützen zurück; um der mörderischen Wirkung unseres Kugelregens zu entgehen, beugen sie sich im Laufen tief zur Erde; manche werfen sich neben den Toten aus den Boden und rühren sich nicht mehr. Aus dem Felde sehe ich eine Fahne, die der rasch dahineilende Träger ties zur Erbe hält. Ich bin nicht der einzige, der sie sieht und der auf den Mann zielt: er bleibt stehen, einen Augenblick nur, und fällt dann schwer zur Erde. Er ist getroffen. Ich stürze herbei und werfe mich über ihn. Er hat nicht mehr die Kraft, sich auszurichten, kaum kann er noch die Fahne verteidigen, die seine Hände in verzweifelter Gegenwehr