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herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 116> Sonnabend, den 2. Oktober 1909*

Bestellungen

aus das Bersfelder Kreisblatt

werden für das

3. Quartal 1909 von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil

HerSseld, den 27. September 1909.

Wiederholte Unregelmäßigkeiten bei den in der letzten Zeit stattgehabten Jagdverpachtungen veranlassen mich, die Herrn Jagdvorsteher auf die genaue Beachtung der §§ 21 und 23 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 hinzuweisen. In ihnen ist bestimmt:

1. Die Art der Verpachtung ist ortsüblich bekannt zu machen. In dieser Bekanntmachung ist gleichzeitig Ort und Zeit für die Auslegungen der Pachtbedingungen anzugeben.

2. Ort und Zeit der Verpachtung soweit sie öffentlich meistbietend erfolgen soll sind mindesten- zwei Wochen vorher in ortsüblicher Weise und durch daS Her-felder KreiS- blatt bekannt zu machen.

3. Die Pachtbedingungen müssen wenigsten- 2 Wochen lang öffentlich auSliegen.

4. Nach dem Pachttermin muß der Pachtvertrag 2 Wochen lang öffentlich auSliegen. Ort und Zeit der AuSlegung sind in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Die Frist von 2 Wochen ist so zu berechnen, daß zwischen dem Anfangslage also dem Tage, an welchem die öffent­liche Bekanntmachung in der Gemeinde bezw. im KreiSblatt oder die AuSlegung erfolgt und dem Endlage der Frist, daS ist dem Tage, an welchem die Verpachtung stattfindet oder die AuSlegung beendet wird, 14 volle Tage ohne Einrechnung des Anfangs» und EndtageS liegen.

Um die Beobachtung dieser Bestimmungen bei etwaigen Beschwerden und Einsprüchen fest sieden zu können, sind in Zukunft über den Tag und die Art der ortsüblichen Bekannt­machung und über Ort und Zeit der erfolgten öffentlichen Auslegung Bescheinigungen von dem Herrn Jagdvorsteher auS- zustellen und zu den Akten zu nehmen.

1. 10179. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

HerSseld, den 28. September 1909.

Ein Teil der Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher der Kreises ist noch mit der Einreichung der Protokolle über die Wahl der Mitglieder und Stell­

Gesegnete flehten.

Zum Erntedankfest. Von Käte LubowSki.

Die Hohenbüchler Leute kannten ihre Herrin sehr wenig!

Sie wußten von ihr nur, daß sie seit dem Tode ihreS GemahlS in einer großen Stadt lebte und nachdem die Trauergewänder gefallen sich in schimmernden Kleidern und blitzenden Steinen zeigte. Sie war eine wunderschöne, stolze Erscheinung, die sie in Hohenbüchel nur einmal im Jahr in der Nähe bewundern durften. Frau Littmann erin­nerte sich in der Übrigen Zeit nur ungern ihrer stillen, pom» merschen Scholle. Ein alter Verwalter besorgte sie in erprob­ter Treue. Ihre dauernde Anwesenheit hätte ihn sicher nur darin gestört und beunruhigt.

Zum Erntedanksest indes erschien sie jedesmal mit einem Stab Getreuer, nahm der jungen Hosdirnr eigenhändig die schwere Krone ab und tanzte mit dem Vorarbeiter den Ehren- tanz. Die Leute erhielten dann goldenen Lohn. Jeder der Damen und Herren, die sie aus der Stadt mitgebracht hatte, spendete reichlich. Sie bedankten sich dann auch sehr höflich, aber das Band herzlicher Zusammengehörigkeit konnten diese kurzen Stunden niemals zwischen Herrin und Arbeitnehmern knüpsen.

Auch in diesem Jahr war bereits festlich zu ihrem Em­pfang gerüstet. Da erhielt der Verwalter eines Tage- einen Brief, der sie alle zu Schanden werden ließ. Frau von Litt- marin schrieb ihm darin:

Ich weiß nicht, ob Sie bereits von meinem Unglück ge­hört haben, lieber Amtmann. Eine leichtsinnige Jungfer brächte den Trockenapparat für mein Haar durch vorzeitiges Zugießen von Spiritus zur Explosion. Die Glückliche fand dabei den Tod. Ich lebe, nachdem ich monate- schwer an entsetzlichen Brandwunden in der Klinik Seither zeige ich mich den Menschen nur, wenn W anders geht. Verschieben Sie also die Feier de- Erntesestek für diesmal! Ich werde zwar an dem dasür bestimmten Tage in Hohenbüchel eintreffen, untersage

vertreter für die VoreinschätzungS-Kom» m i s s i o n e n, bezw. mit der Einreichung von entsprechenden Vorschlägen im Rückstand.

Ich nehme Bezug aus die KreiSblattS-Bekanntmachung vom 4. d. MtS., Kreisblatt Nr. 107, und ersuche, da die An­gelegenheit schnellste Erledigung ersordert, die fehlenden Proto­kolle und Vorschläge bis spätestens zum 5. k. MtS. einzureichen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

Nr. 2382. von GruneliuS.

HerSseld, den 29. September 1909.

Die Echweineseuche in dem Gehöft des Valentin Hahn in Vacha ist erloschen.

I. 10216. Der Königliche Landrat.

J. .

Wessel, Kreissekretär.

HerSseld, den 29. September 1909.

Unter der Schasherde des Landwirts Konrad Wölker zu Lingelbach (Kreis Ziegenhain) ist die Räude ausgebrochen. I. I. 10215. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telc- graphenlinie an dem Wege von Friedewald nach Hersa liegt bei dem Postamt in HerSseld vom 1. Oktober ab vier Wochen auS.

Cassel den 23. September 1909.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Um den immer noch nicht erloschenen Zwist zwischen den bürgerlichen Parteien gänzlich zu bannen oder doch wenigsten- auf ein erträgliches Maß zurückzuführen, bedürfte eS vor allem der Kunst deS VergessenS. Angesichts der drohenden Gefahr, daß die Zersplitterung deS Bürgertum- für die Sozialdemo- kratie zum Sprungbrette und Hebel neuer Erfolge und Siege wird, durch die eS der Revolution-partei gelingt, ihre Nieder­lage von 1907 allmählich wieder wett zu machen, müßte vor allen Dingen über daS Verflossene ein Schleier gebreitet und auf wechselseitige Rekriminationen auS der Vergangenheit ein sür allemal verzichtet werden. Statt dessen aber nehmen wir augenblicklich leider daS Gegenteil wahr. Der Rücktrittdes Fürsten Bülow und die Novemberereignisse sind zurzeit Gegenstand einer heftigen Preß- und Parteifehde in den Reihen des BürgertumS. Sensationslust und Partei-

aber jeglichen Empfang usw. Senden Sie mir zu 5 Uhr am 2. Oktober den geschlossenen Wagen zur Bahn!

Ihre wohlgeneigte

Frau von Littmann.

---- Als der Verwalter, sogleich, nachdem der schwere Wagen die Hohenbüchler Herrin gebracht hatte, zu dieser besohlen wurde, konnte er ein Auszucken des Er­schrecken- doch nicht völlig unterdrücken. Eine handbreite rote Narbe durchlief die linke Hälfte deS schönen Frauenantlitze-. DaS rechte Auge war seiner Sehkraft beraubt und durch eine schwarze Binde verdeckt.

Sie sah, daß er mit den Tränen kämpste. Langsam nickte sie ihm zu.

Ja, ja, ich weiß das alles, nur still! Ich habe eine große, unendlich weite Reise vor und möchte zuvor mancher­lei mit Ihnen besprechen. Mein volles Vertrauen besitzen Sie selbstverständlich weiter. Aber ich bin es jetzt meinem Kinde schuldig, daß ich endlich erfahre, wie die Sachen in Hohen­büchel stehen."

Ueber da- alte, faltige Gesicht flog ein Schein heller Freude.

Ach ja, unser Martingl Wollt sagen: das kleine gnä­dige Fräulein Martha. Wann kommt sie nun zu uns?

Darüber bin ich mir selbst noch nicht klar geworden, Amtmann. Vorläufig wird sie in einem französischen Pen­sionat erzogen und dann." Sie stockte und ließ den Blick der gesunden rechten Auges durch das Fenster dorthin schweisen, wo am Tage daS große Licht unabsehbare Stoppel­felder zeigte. Sie vollendete auch danach nicht, sondern sagte ganz leise zu dem Alten:Legen Sie mir jetzt Bücher und Rechnungen vor, Amtmann! Ich möchte unsern getreuen Nachbarn, den Baron FedderS, mit der Oberaufsicht hier be­trauen und ihm noch heute das dazu Nötigste schreiben."

So schnell soll die große Reise loSgehen? Ach, gnädi­ge» Frauchen, eilen Sie sich nicht so sehr! Hier ist's jetzt so still und friedlich. Und die Leute tun Ihnen wahrhaftig nicht weh."

E« hilft nicht ich muß trotzdem fort."

Warum lächelte sie wohl so seltsam starr dabei? Warum zitterten ihre Hände auf dem roten Sammet der Tischdecke

leidenschaft feiern hier wahre Orgien in der Entstellung von Tatsachen, deren wirklicher Verlaus und innere Logik klar und durchsichtig vor jedermanns Augen liegt. Den allgemeinen ReichS- und Staatsinteressen ist damit sicherlich nicht gedient, und wahre Befriedigung über diese Erörterungen empfindet zweifelsohne am letzten Ende doch nur die Sozialdemokratie, deren Zentralorgan, derVorwärts", bereits die Forderung nach einer parlamentarischen UntersuchungSkommission ausstellt, waS freilich ein frommer Wunsch bleiben dürste, da bei uns, Gott sei Dank, die Herrschergewalt noch nicht in den Händen deS Parlamentes ruht.

In Oesterreich sind die deutsch-tschechischen AuSgleichS- Verhandlungen bezüglich deS böhmischen Landtages nunmehr als völlig gescheitert zu betrachten. Man hat sich über daS ArbeitSprogramm beziehungsweise die Reihenfolge der Arbeiten deS Landtage- nicht einigen können. Die deut­schen Abgeordneten haben sich vorgenommen und sich gegenseitig gelobt, nicht eher wieder eine regelrechte Arbeit im Landtage zuzulassen, als bis sie wenigsten- Bürgschaft dafür erhalten haben, daß ihre gerechten nationalen Ansprüche mit denkbarster Beschleunigung erfüllt werden sollen. AIS solche Bürgschaften hatten sie bezeichnet: Verhandlung der von der Regierung ein­gebrachten AuSgleichsvorlagen vor allen andern Angelegenheiten des Landtages, Bildung eines AuSgleichsausschusseS zu deren Beratung und etwaigen Abänderung und drittens Festsetzung eines Zeitpunktes sür die Beendigung der Arbeiten diese- AuSschusseS. Aber auch diesen gewiß maßvoll zu nennenden Forderungen widersetzen sich die Tschechen aufs hartnäckigste. So ist dir Konstituierung des böhmischen Landtages nicht ge­glückt. Wie weit diese Sachlage auch auf die Verhältnisse der allgemeinen österreichischen Parlamentes, deS Rrichsrates, ein- wirken wird, läßt sich zurzeit noch nicht sagen, doch verlautet, daß die Tschechen bereits mitOöstruttwnen im Reich-rate ge­droht hätten.

In U n g a r n ist die Ministerkrisis einstweilen noch un- gelöst. Aus den Darlegungen deS bisherigen Minister­präsidenten Wekerle im ungarischen Abgeordnetenhaus« über die Gründe seines Rücktrittes geht hervor, daß die einzelnen Parteien, die das Koalitionsministerium bildeten, unter sich nicht einig sind. ES ist daher auch zweiselhast, ob bei der Bildung deS neuen Kabinetts wieder ein Zusammenwirken der bisherigen Koalitionsparteien stattfinden wird, oder ob eine Partei ausschließlich zur Kabinettsbildung berufen werden wird.

In England nimmt die innere Krise ihen Fortgang. Nach Rosebery und Asquith hat nun auch Lord Balsour in Birmingham gesprochen. Seine Rede war bei weitem oppo» sitioneller gefärbt als diejenige RoseberyS. Er beschuldigte die Budgetvorlage der Regierung sozialistischen Charakters und stellte die britische Nation vor die Alternative: SozialiSmuS oder Tarifteform. Zugleich wurde in derselben Versammlung ein die Ausführungen Balfours stark unterstreichender Brief Joseph Chamberlains verlesen, der sich noch immer großen

wie ein Lichtlein, daS sich vor dem Sturmwind nicht bergen kann?

Der Alte konnte es nicht ergründen. Er hatte die schwe­ren Rechnung-bücher herbeigeschafft und bewirk nun der Lau­schenden, daß ein guter Ueberschuß vorhanden war.

Bloß der junge Schlag Nummer II hat nichts gebracht, gnädiges Frauchen", berichtete er, mehr und mehr in Eifer geratend.Der selige Herr hat ihm zu viel Gutes zugetraut. ES stand in früheren Jahren nämlich lauter buntes Blumen» zeug darauf. Nelken und doppelter Mohn! Der Gärtner hatte das damals unserem gnädigen Herrn so eingeredet. Er fuhr dann mit den Pflanzen und nachher mit den Sträußen zum Markt und vergnügte sich dabei gleich ein bißchen in der Stadt. Mir paßte nachher die Geschichte nicht mehr. Ich wollte so herzlich gern, daß er was Reelles brächte."

Aber Blumen find doch am schönsten", sagte die Frau wie im Traume,sie leuchten und erfreuen daS Auge!'

DaS ist aber auch alles, gnädiges Frauchen. WaS nutzt denn daS? Korn muß fein! Gesundes, sestes, goldgelbe- Korn, sonst ist's und blcibt'S ein Nichtsnutz. Ich habe also den Schlag II ordentlich umrajohlen lassen, ehe ich ihm Roggen gab. Aber ich habe mich verrechnet. Stroh wuchs wohl und Lehren auch, aber eS waren taube Achren. Gnädige Frau können eS mir glauben, ich habe mich für die elenden Dinger geschämt, und meine Frau, die immer nach­denklich ist und den Sachen auf den Grund schaut, hat ge­meint, sie sind wie ein Mensch, der nichts gelernt hat, als sich wie ein Psau auszuputzen, und der todunglücklich ist, wenn ihm einer sein bißchen bunten Plunder fortstiehlt."

-----Frau von Littmann hatte den Amt­mann entlassen und sann jetzt vor sich nieder. Wie ein dunk­ler Traum zogen die schweren furchtbaren Monate an ihrer Seele vorbei. Ihre Gedanken verirrten sich schließlich. Sie wußte nicht mehr: galten sie dein armen unfrudftbaren Rog­genschlag oder dem armen Stückwerk ihres müden Körper»?

Die dünnen, nichtStragenden Lehren wurden irgendwo hingeworsen, daß daS Vieh sie mit den Füßen zerstampfte und sie?!

Ach richtig sie mußte ja den kläglichen Rest ihre-