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herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 117.
Dienstag, den 5. Oktober
1909.
Bestellungen
auf das Bersfelder Kreisblatt werden für das
4. Quartal 1909 von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Cassel, den 22. September 1909.
Aus Anlaß eines Einzelsalles hat sich erneut die Notwendigkeit herausgestellt, daß die Bürgermeister sich mit den bei der Abfassung von sog. Nottestamenlen erforderlichen Förmlichkeiten genau vertraut machen, damit die von ihnen auf« genommenen letztwilligen Versügungen nicht wegen Formmangels für nichtig erklärt und die Bürgermeister selbst zivilrechtlich von den testamentarisch Bedachten ersatzpflichtig gemacht werden. In Ergänzung meiner Rundverfügung vom 9. März 1900 — A. IV. 811 — mache ich dabei noch besonders auf die Vorschriften deS § 2235 Bürgerlichen Gesetzbuchs ausmerksam, nach welchen alS Testamentzeugen solche Personen nicht hinzugezogen werden dürfen, welche mit den in dem Testamente Bedachten nahe verwandt oder verschwägert im Sinne des § 2234 Ziffer 2 Bürgerlichen Gesetzbuches sind. Eine demzuwider erfolgte Hinzuziehung eines solchen Zeugen würde die Zuwendung an den mit ihm verwandten Bedachten nichtig machen.
ES hat sich auch in dem eingangs erwähnten Einzelsall herauSgestellt, daß auch an Orten, an welchen sich ein Amtsgericht befindet, der Fall eines NottestamenteS wohl sich ereignen kann, und es kann daher auch den Bürgermeistern solcher Orte nur empfohlen werden, daß sie sich mit dem Gedanken, als UrkundSperson bei Errichtung eines NottestamentS mitwirken zu müssen, und daher mit den einschlägigen Bestimmungen vertraut machen.
Die beste Anleitung neben den im Bürgerlichen Gesetzbuch auszufindenden Vorschriften über TestamentSerrichtung und Errichtung einer NottestamentS geben die amtlichen Formulare, die von der Druckerei deS hiesigen Evangelischen Waisenhauses bezogen werden können.
Der Regierungs-Präsident. J. B.: gez. Unterschrift.
An die Herrn Landräte deS Bezirks. (A. IV, 3400.)
* *
HerSseld,* den 30. September 1909.
Vorstehend abgedruckte Verfügung deS Herrn RegierungS- Präsidenten bringe ich mit Bezug auf das Ausschreiben vom 20. März 1900 — J. I. Nr. 1843 — KreiSblatt Nr. 36 — zur Kenntnis der Herren OrtSvorstände deS Kreises. Zur Ausnahme von Nottestamenten ist künftig nur daS
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von Leo Turn au.
lNachdmck oerbeten.)
(Fortsetzung.)
„Da haben Sie sehr recht", entgegnete Hunter, „denn wenn wir in der Wahl der Zeit eine Dummheit machen würden, dann wäre alles verloren. Wir würden dann ent- weder den Hals oder die Beine brechen, oder schmählich wie die gemeinsten Spitzbuben und Einbrecher eingefangen werden, und das wäre doch ein sehr unrühmliches Ende für unsere Bestrebungen, außerhalb der gewöhnlichen Fahrstraßen des Lebens zu gehen. Wenn wir unsere Lage, daß wir jetzt unter der ständigen Aussicht deS Detektivs stehen, genau überlegen und bedenken, daß wir nur mit einem genialen Streiche dieser Aufsicht entrinnen können, so müssen wir die unS daraus er- wachsende Ausgabe mit der größten Klugheit und Kühnheit zu lösen suchen. Es gibt für unS nur eine wirklich günstige Zeit zur Flucht über die Dächer, das ist die Zeit etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang, also ungesähr früh um drei Uhr oder auch etwas später, wenn die Menschen noch fest schlafen und die Wächter müde und schläfrig geworden sind, wo ferner eS noch so dunkel ist, daß man von den Straßen her nicht sehen kann, was auf den Dächern vorgeht und doch die erste anbrechende Morgendämmerung unS oben auf den Dächern den Weg erkennen läßt, den wir zu nehmen haben werden, um dem Detektiv ein Schnippchen zu schlagen."
„Bravo, Mister Hunter, Ihr Plan gefällt mir", rief Sir »ox beinahe laut, „da können wir heute abend doch erst noch m Ruhe zu Abend essen und dann schlafen gehen, als wären wir die friedlichsten Spießbürger. Ich darf nämlich meinen Jterben allzu große Extravaganzen nicht mehr zumuten, Mister", iuyr Fox fort, „wenn ich aber gut zu Abend gegessen und dann eunge Zeit ruhig geschlafen habe, dann kann ich meinen Nerven Ichon etwas zumuten."
Bei den letzten Worten klingelte Sir Fox dem Kellner,
amtlich empfohlene Formular zu benutzen. Einige Formulare sind stets vorrätig zu halten.
A. 6290. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 1. Oktober 1909.
Im Monat September d. Js. sind den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 2/9. dem Bergwerks-Direktor Ludwig Willing in Heringen, mit Gültigkeit vom 7/9. 09 ab,
„ 3/9. „ . Juwelier Wilhelm Brehm in Eisenach,
„ 6/9. „ Kaufmann Wilhelm Gies in HerSfeld,
„ 6/9. „ Landmesser Dr. Overbeck in Hersfeld, „ 6/9. „ Bergwerksdirektor Ernst Koch zu Hattors bei Philippsthal,
„ 7/9. „ Postsekretär Philipp Hahn in Hersfeld,
„ 8/9. „ Bierbrauerei-Geschäftsführer Friedrich Steinweg in Hersseld,
„ 8/9. „ Postinspektor Fritz GieS in Hersseld,
„ 10/9. „ Bierbrauereibesitzer Jean Steinweg in Hersseld, „ 10/9. „ Arzt Dr. Prüß in Heringen a/W.,
„ 10/9. „ Apotheker Ludwig Becker in Hersseld,
„ 18/9. „ Gut-besitzer Georg Pachten zu Hof Kühnbach,
„ 20/9. „ Landmesser Link in Hersseld,
„ 23/9. „ Reichsgrafen Emil Friedrich Gras von Schlitz, genannt von Görtz, in Schlitz,
„ 23/9. „ Gutsbesitzer Martin Licht zu Hof Kahlhausen bei WehrShausen, mit Gültigkeit vom 8/10. 09. ab,
„ 27/9. „ Gastwirt Jakob Stein in Niederaula,
„ 30/9. , Holzhändler W. Heil in Hersfeld,
„ 30/9. „ Bürgermeister Peter Lehn in ReiloS,
„ 30/9. „ Installateur Wilhelm Rocke in Hersseld,
b. unentgeltliche:
„ 7/9. „ Forstmeister Mantels in HerSfeld,
„ 13/9. „ Förster Wiegand in Lengers,
„ 18/9. „ Forstlehrling Sorg in Hersseld,
„ 23/9. „ Förster Lehmann in Friedlos,
„ 30/9. „ Forstlehrling Schaake in Unterhaun,
ß. Tagesjagdscheine:
„ 10/9. „ Bäcker MathäuS Brehm, z. Zt. in Kathus,
, 11/9. „ August Rausch in Hersfeld.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 2. Oktober 1909.
Im Absatz 4 meiner Verfügung vom 1. April 1908, I. A. Nr. 1778, im KreiSblatt Nr. 41, habe ich die Herren Bürgermeister deS hiesigen KreiseS ersucht, künstig dasür zu sorgen, daß die Abhörung und Feststellung der Gemeinderechnungen durch die Gemeinde-Vertretung (Gemeindeversammlung) tunlichst bald nach ihrer Vorlage erfolge, mir auch die Rechnung nach der vorgeschricbencn bestellte für sich und Mister Hunter ein gutes Abendessen und noch eine Flasche Wein und erbat sich gleichzeitig die Rechnung für Zeche und Nachtquartier mit dem Bemerken, daß er mit feinem Freunde morgen früh sehr zeitig abzureisen gedenke.
Bald saßen Fox und Hunter in dem Zimmer an einem gut besetzten Tische und aßen und tranken und plauderten so vergnüglich, als wenn sie daS Wiedersehen alter lieber Freunde in allen Ehren feierten. Ihr grausames und verwegenes Metier, dem Rechte und Gesetze ein Schnippchen zu schlagen, war den beiden Männern eben schon so zur Gewohnheit geworden, daß sie vor und bei Ausübung desselben keine besondere Aufregung mehr empfanden, wenn ihnen nicht etwa eine unmittelbare Gefahr dabei drohte. Man konnte dabei fehen, waS aus dem Menschen für Ungeheuer werden, die gewohnheitsmäßig, ja berufsmäßig den Weg deS Unrechts gehen, und mit wie wenig gründlichen Mitteln die menschliche Gesellschaft sich noch gegen solche Unmenschen zu schützen weiß trotz aller Fortschritte der Kriminalpolizei und der Anwendung der tüchtigsten Detektivs, die alle mehr dazu dienen, begangene Verbrechen auszudecken, als Verbrecher bei der Ausübung ihrer Untaten zu verhindern.
Wie zwei ehrsame Bürger speisten Fox und Hunter zu Abend und begaben sich dann zeitig zur Ruhe, um für ihr Vorhaben Kräfte zu sammeln.
Sir Fox lag noch in tiefem Schlummer, als Mister Hunter schon sein Bett verließ und sich wie ein Marder an die Arbeit machte. Der verschlagene Bösewicht zündete zu seinem Vorhaben nicht die beiden Kerzenlichter an, welche auf dem Tische des Gastzimmers standen und auch daS daneben liegende Schlasgemach gut erleuchtet hätten, sondern er zog eine winzige Blendlaterne hervor, die er blitzschnell anzündete, aber zugleich so stellte, daß ihr Licht an den Fenstern des Zimmers nicht gesehen wurde. Dann kleidete sich Mister Hunter rasch an, nahm sein Diebeswerkzeug und die Blendlaterne zur Hand, öffnete ganz leise die Tür und glitt wie ein Schatten hinaus. ES war früh halb drei und Mister Hunter wollte erst einmal feststellen, wie der Weg über den Boden deS Gasthauses und durch die Luken des Daches zu nehmen
Auilegung von 2 Wochen mit den Belägen und PrüfungS- verHandlungen sofort zur Oberrevision (Nachprüfung) vor- zulegen, damit letztere von mir so zeitig bewirkt werden könne, daß die geprüfte Rechnung bei Aufstellung deS Boranschlages für das kommende Rechnungsjahr bestimmungsmäßige Ber» Wendung finden könne. Trotz dieses Ersuchens ist eine Anzahl der Herren Bürgermeister mit der Vorlage der Gemeinde- Rechnungen pp. für das Rechnungsjahr 1/4. 1908/9 immer noch im Rückstände.
Diejenigen Herren Bürgermeister, die eS angeht, ersuche ich hierdurch, die Vorlage der fraglichen Gemeinderechnung pp. bei mir nunmehr bis spätestens zum 15. b. Mts. bewirken zu wollen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 6367. von Grunelius.
Hersseld, den 30. September 1909.
Die unter der Schafherde des Landwirts Heinrich Gerst zu Huhnstadt (Kreis Ziegenhain) ausgebrochene Räude ist erloschen.
I. 10251. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersfeld, den 30. September^1909.
Unter der Schafherde in Arzell (Kreis Hünseld) ist die Räude auSgebrochen.
I. 10279. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Messel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Mit Frauen für Ahwesiafrika. ■
Die Frauenfrage ist für unsere Kolonie Südwcstasrika zur Lebensfrage geworden. Ueber die Entwickelung der wirtschaftlichen Fragen braucht man sich keine Sorgen zu machen; die Kolonie wird sich wirtschaftlich entwickeln und reiche Früchte tragen. Wenn wir sie aber innerlich als eine deutsche Kolonie erhalten und wenn wir verhindern wollen, daß sie unS eincS Tages äußerlich verloren gehe, so muß dasür gesorgt werden, daß in Südwcstasrika deutsche Familien gegründet werden und daß der Einfluß der deutschen Frau zur Geltung komme. Zurzeit sieht es mit der Zukunft unserer Rasse in unserem Schutzgebiete noch traurig auS. Das Familienleben ist neben den Leistungen des Soldaten, des Farmers, Kaufmanns und des Handwerkers noch nicht zu seinem vollen Recht gekommen. Ohne die Angehörigen der Schutztruppe befinden sich in der Kolonie etwa 5000 Männer und nur etwa 1200 Frauen. Infolge dieser mangelhaften Zuwanderung deutscher Frauen und Mädchen besteht die Gefahr, daß aus der Verbindung mit eingeborenen Frauen eine Mischrasse heranwächst und ein anderer Teil der Bevölkerung im Burentum aufgeht.
sei. Diese Unterluchung deS Gasthauses konnte er allein viel rascher und gefahrloser vornehmen, als wenn er Sir Fox schon in seiner Begleitung hatte. Rasch huschle Mister Hunter die Treppe hinauf, die auf den Dachboden des HauseS führte, und dort öffnete er mit einigen geschickten Hantierungen mit seinen Haken die Türe, die zum Dachboden führte. Aus diesen trat er dann ein und bemerkte zu seiner Freude, daß er mit Fox sehr bequem durch ein offen stehendes Giebelfenster auf daS ziemlich flache Dach eines Hinterhauses gelangen konnte. Nun trat er lautlos auf seinen künstlich mit dünnen Filzsohlen versehenen Schuhen seinen Rückweg wieder an und weckte alS- bald Sir Fox. Dieser machte sich nun rasch zu der seltsamen Abreise fertig und nahm statt des fehlenden Frühstücks und zur Stärkung seiner Nerven und Muskeln zwei Arsenikpillen, von denen er immer einen kleinen Vorrat in einer Schachtel bei sich trug. Nun machten sich die beiden Reisenden auf ihren Weg, huschten mit Hilfe der Blendlaterne über den langen Korridor und dann die Treppen hinaus auf den Dach- boden des Gasthoses. Dort verschloß aber Hunter von innen wieder die Bodentüre, denn es lag ihm sehr viel daran, keine Spuren von ihrer Flucht zu hinterlassen und dann ließ er Sir Fox an einem kleinen Seile auf das flache Dach deS Hinterhauses hinab und folgte dann seinem Herrn und Auftraggeber nach und zog dann daS oben eingeklemmte Seil durch eine geschickte Bewegung herunter. Vor der Weiterreise über die Dächer feilte Mister Hunter den im Klettern nicht besonders geübten Sir Fox an sich und rutschte nun auf Händen und Füßen aus dem langen Dache weiter. Zu ihrer großen Freude machten sie am Ende des Daches die Beobachtung, daß daS Hinterhaus an einen großen Garten grenzte. Es war von dem Dache des Hauses bis hinab in den Garten allerdings etwas tief, aber durch das Zusammenbinden deS EcilcS und der Strickleiter war eS doch möglich, fast den Boden deS GartcnS zu erreichen. Mister Hunter kletterte diesmal zuerst auf der Strickleiter und dann an dem Seile in den Garten hinab, um erst unten das Terrain und die Umgebung zu untersuchen und dann Sir Fox bei dem Abstieg zu unterstützen. Der Garten lag aus der der Straße entgegengesetzten Seite deS GasthofeS und war von den Leuten deS Detektivs