Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, n»

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile lopfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vL^^v»

Herrfelder Kursblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 121.

Donnerstag, den 14. Oktober

1909»

Amtlicher teil

HerSfeld, den 8. Oktober 1909.

In der heutigen Kreisausschußsitzung wurden gemäß § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Ein­gesessenen des Kreises folgende Herren als SchiedSmänner für das Jahr 1910 gewählt:

1. Rentner Peter Heil in HerSfeld,

2. Oekonom Friedrich Friedrich daselbst,

3. Oberamtmann Suntheim daselbst,

4. Oekonom Franz Roll daselbst,

5. Domänenpächter Rabe v. Pappenheim in Wilhelmshos,

6. Amtsrat Freise zu BingarteS,

7. Bürgermeister Stuckhardt in Kohlhausen,

8. Bürgermeister a. D. Nuhn in Asbach,

9. Oekonom Johs. Jakob Schenk zu KerSpenhausen,

10. Oekonom Philipp Schäfer zu MengShausen,

11. Gutsbesitzer Friedrich Boß zu Kirchheim,

12. Oekonom Meister zu Hof Beiersgraben,

13. Landwirt Johann Wilhelm Claus in Mecklar,

14. Gutsbesitzer August Hoßbach zu Hos Weißenborn,

15. Gutsbesitzer Adam Führer in Lautenhausen,

16. Gutsbesitzer Georg Gliemroth sen. in Wölfershausen,

17. Gastwirt Georg Ruch in Widderkhausen,

18. Landwirt George Weitz in Harnrode,

19. Bürgermeister Lingemann in Philippsthal,

20. Ackermann Johs. Rudolph in Ausbach,

21. Schmied Peter Schcer in SchenklengSseld,

22. Oekonom Adolph Reinhard in Unterweisenborn,

23. Landwirt Heinrich Rüger zu Unterweisenborn,

24. Bürgermeister Wilhelm Brandenstein zu HeimboldS- hausen,

25. Bürgermeister GroScurth in Unterhaun,

26. Landwirt AsmuS Burghardt in RanSbach,

27. Bürgermeister Mohr in Conrode.

Die Ortspolizeibehörde hat die SchiedSmänner für jeden einzelnen SchätzungSfall aus der ZahlZdieser Personen zu er­nennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Tierarzte und zwei SchiedSmännern gebildete Kommission. Die SchiedSmänner sind von der^OrtSpolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Tierarztes ein nicht beamteter Tierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen alS Sachver- ständiger beeidigt ist.

Die den SchiedSmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungs­wege festgesetzt und aus der Staatskasse bcstritten.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vor­stehend genannten Personen von der aus sie gefallenen Wahl alsbald in Kenntnis zu setzen und denselben dabei zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet sind, auf amtliche Requisition

Die Dame in rosa.

Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Daraus baute Lionel Forester einen anderen Plan, er hoffte, während der Zeit, wo dem hinter der Pyramide fließenden Bache ein anderer Laus gegeben und die Palmen in den Vordergrund der Umgebung der Pyramide geschafft wurden, von Mister Vanlo drei Wochen Urlaub zu erhalten, um seine Braut in Nizza einmal besuchen und dieser und deren Mutter mündlich das große Glück schildern zu können, waS er durch das Malen der Bilder für Mister Vanlo in wenigen Monaten zu erreichen hoffte. Aber mit ^.diesem An­sinnen kam Lionel Forester bei Mister Vanlo schlecht an, denn dieser war ein viel zu schlauer Amerikaner, um nicht einzu- sehen, daß der Maler, der eine wichtige Veränderung der Um­gebung der Pyramide wünschte, den Wechsel der Szenerie und die dazu nötigen Arbeiten auch selbst leiten mußte. Umsonst erklärte Lionel Forester, daß alle notwendigen Arbeiten nach einer sorgfältig von ihm entworfenen Zeichnung ausgesührt werden könnten und er selbst durch Pfähle die Richtung an- geben wolle, die der neue Laus des BacheS nehmen solle, und daß er durch Messungen auch die Plätze bezeichnen wolle, wo­hin die Palmen gepflanzt werden sollten. Mister Vanlo blieb trotz aller dieser Vorstellungen sest in seiner Forderung, daß der Maler dableiben und alle Arbeiten zur Veränderung der Szenerie selbst leiten müsse und drohte mit Aufhebung des Vertrages, wenn der Maler die Arbeiten nur einen Tag ver­lasse. Schließlich.hoffte Lionel Forester noch daraus, daß die ägyptische Behörde in Gizeh, deren Erlaubnis für die Verän- betung der Szenerie bei der Pyramide doch in erster Linie erwirkt werden müsse, Schwierigkeiten machen und sich dadurch

mlm d" Arbeiten so in die Länge ziehen werde, daß Mister Vanlo noch für die Gewährung eines längeren Urlaubes geneigt gemacht werden könnte. Doch in dieser Hinsicht hatte sich der Maler vollständig verrechnet, denn Mister Vanlo wußte

erforderlichenfalls an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses

A. Nr. 6593. von Gr,unelius.

HerSfeld, den 9. Oktober 1909.

Für die Berufsgenossenschaft der Schornsteinsegermeister deS deutschen Reiches amtieren für die nächsten zwei Jahre (1. Ok- tober 1909 bis 30. September 1911) im 5. Bezirk der X. Sektion, zu dem unter anderen der hiesige Kreis gehört, als Vertrauensmann Louis Kühnemann in Cassel und Julius Bönicke in Cassel als dessen Stellvertreter.

I. 10520. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 11. Oktober 1909.

Der aus Donnerstag, den 28. Oktober d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither be- kanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 7 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist daS Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handels innerhalb des Stadtbezirks vor und während der Dauer des MarkteS verboten.

I. 10641. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Wessel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 11. Oktober 1909.

In Aua ist der Schweinerotlaus amtlich sestgestellt worden.

I. 10635. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Nr Kitsche Aiisiumkriniz.

Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer hat in dem Geschäftsjahre vom 1. April 1908 bis 31. März 1909 wieder eine ungewöhnliche Arbeitslast zu bewältigen gehabt, indem es 11359 AuSwanderungSlustigen, die 18 529 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungsgebiete stellten, schriftliche oder mündliche Auskunft erteilte. Von den Anfragen bezogen sich 10 980 (im letzten Vorjahr 11617) auf die deutschen Kolonien. Hiervon entfielen aus Deutsch-Südwestasrika 4565, Deutsch- Ostasrika 2209, Kamerun 732, Togo 618, Samoa 280, Deutsch- Neuguinea 182, Kiautschou 129, Karolinen-, Palau- und Marianeninseln 103, Marschallinseln 9, Salomoninseln 2,

schon längst, wie man in Aegypten mit den unteren Behörden, den ScheikS und ihren Stellvertretern umgehen mußte, um rasch etwas zu erreichen. Mister Vanlo schickte seinen vielge- wandten Diener mit kostbaren Geschenken, daruntermehrere vorzügliche Pferde und gute neue Gewehre, zu den benachbar- tcn ScheikS und sonstigen Vertretern der Lokalbehörden und trug diesen dann sein Anliegen vor, und schon am anderen Tage erschien ein Scheik} mit sieben Beduinen und dreißig FellahS, wie man die ägyptischen Bauern nennt, bei Mister Vanlo und stellte sich ihm mit diesen Leuten zur Versügung bei der Aussührung deS Planes, um die Umgebung der gro­ßen Pyramide zu verschönern.

Sehen Sie, Mister Forester", erklärte Vanlo lächelnd- daß ich Sie jetzt nicht beurlauben kann, denn morgen können die Arbeiten schon beginnen und dazu brauchen wir Ihre sach- kundige Oberleitung."

Ich bin aber doch kein Ingenieur", meinte Lionel Forester verdrießlich,und meine Anordnungen für die Ausgrabungen könnten verkehrt sein."

O, wir brauchen hier keinen Ingenieur", rief Mister Vanlo lachend,je urwüchsiger die ägyptischen Bauern ihre Arbeit in Bezug auf die Verlegung des Baches, und die Ver­pflanzung der Palmen machen, desto natürlicher'wird es aus- sehen.jnNur keine moderne Sauarbeit, die ist hier nicht am Platze! Also schließen Sie bald Freundschaft mit dem Scheik, Mister Forester, und dann kann die Arbeit morgen losgehen und vielleicht schon in acht bis zehn Tagen fertig sein. Mir kostet eS einen Hausen Geld extra, um Ihren Wünschen zu entsprechen und die Umgebung der Pyramide wesentlich zu verschönern, also muß ich schon von Ihnen erwarten, daß Sie auch alles tun werden, daß das Werk, an dem ich als Auf­traggeber das größte Interesse habe, auch gut gelingt."

Unter diesen Umständen und zwingenden Gründen blieb natürlich Lionel Forester nichts anderes übrig, als sich Vanlos Wünschen zu fügen, und alSbald die Oberleitung der Arbeiten zu übernehmen. Bald hatte der Maler unter Mister Vanlos Vermittelung auch die Bekanntschaft deS ScheikS gemacht, und konnte mit dessen Hilfe gleichzeitig malerische Studien bei den

deutsche Südseeinseln im allgemeinen 88, deutsche Kolonien im allgemeinen 2063. Die Zahl der Anfragen über die deut­schen Kolonien ist gegenüber dem Vorjahre etwas zurück ge­gangen. Es darf jedoch hieraus nicht der Schluß gezogen werden, daß daS Interesse der AuSwanderungSlustigen sich im Berichtsjahre weniger als früher den deutschen Kolonien zuge­wendet habe; man wird vielmehr in dem Rückgänge der An­fragen nur ein Anzeichen dafür sehen können, daß allmählich auch die breiteren Schichten der Bevölkerung mit den klimati­schen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Schutzgebiete besser bekannt zu werden beginnen.

Im Anschluß an die mit den Neuwahlen zum Reichstag im Januar 1907 einsetzende koloniale Bewegung war 1907/08 eine bedeutende Zunahme der Anfragen über die deutschen Ko­lonien von 6801 auf 11617 eingetreten, aber die große Mehr­zahl dieser Anfragen rührte von Personen her, die von den Kolonien nicht viel mehr als die Namen kannten, und für die eine Auswanderung nach einem deutschen Schutzgebiet niemals ernstlich in Frage kommen konnte. Im Berichtsjahre war hierin eine wesentliche Aenderung zu verzeichnen. Die im Vorjahre so häufigen Anfragen von Angehörigen aller BerufSarten, die in Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo oder Deutsch-Neuguinea Beschäftigung alS Plantagcnarbcitcr wünschten oder unter der Bedingung, daß ihnen freie Reise, freies Land und Geldunter- stützung gewährt werde, sich zur Ansiedelung in den Kolonien bereit erklärten", waren im Berichtsjahre nur mit einer gerin­gen Minderheit vertreten, während für die Mehrheit der Frage­steller nach Beruf und Mittel eine Auswanderung nach den Kolonien wenigstens im Bereiche der Möglichkeit lag. Es ist in dieser Beziehung bezeichnend, daß die Anfragen über Deutsch- Südwestafrika, dessen A frhmesShigkeit für die deutsche Aus­wanderung sich nicht aus die Angehörigen einzelner Berussarten beschränkt, an dem Rückgang der Anfragen über die deutschen Kolonien nicht beteiligt sind, sondern auch gegenüber dem Vor­jahre eine Zunahme ausweisen. Unter diesen Umständen wird die Abnahme der Zahl der Anfragen über die übrigen Schutz­gebiete nur dahin gedeutet werden können, daß mit dem wach- senden Interesse weiterer Kreise an den kolonialen Fragen auch die Kenntnis der Kolonien besser geworden ist.

Unter den fremden AuSwanderungSgebieten steht im Be- richtsjahre Eüdbrasilicn mit 1676 Anfragen voran. Dann folgen Argentinien mit 1301, die Vereinigten Staaten von Amerika mit 572, Mittelbrasilien mit 443, Kanada mit 341, Chile mit 333, Australien mit 310, Brasilien im allgemeinen mit 252, Paraguay mit 165, Uruguay mit 128, Bolivien mit 122, Britisch-Südasrika mit 103, Mexiko mit 81, China mit 61, Nordbrasilien mit 50, Peru mit 48, Niederländisch- Indien mit 41, Aegypten mit 31, Britisch.Jndien mit 29, Japan mit 24, Kolumbien 22, Venezuela mit 22, Guatemala mit 16, Abessinien mit 16 usw. Aus Südamerika im allge­meinen bezogen sich 165, auf Mittelamerika im allegemeinen 13, aus europäischen Staaten 232 Anfragen, davon auf Ruß­land 50, auf Italien 33, aus England 32 usw. Gegenüber

Beduinen und Fellahs vornehmen und deren Verwertung bei dem Malen deS großen Bildes in Betracht ziehen.

So kam eS nun, daß die Arbeiten zur Veränderung und Verschönerung der Umgebung der großen Pyramide sehr rasch von statten gingen, zumal Mister Vanlo durch gute Bezahlung und reichliche Geschenke bei allen Mitwirkenden dasür sorgte daß sie unermüdlich bei der Arbeit waren. Dieselbe wurde wegen der jeden Tag stärker werdenden Sonnenhitze meistens in den mondhellen Nächten und am^frühen Morgen vollbracht, und es gewährte dem ehrgeizigen Mister Vanlo eine große Freude, wenn er am anderen Morgen sehen konnte, welche Fortschritte die Arbeiten machten. Vanlo war in der Hoffnung deS Gelingens eines großen Werkes dabei so gut gelaunt daß er sich jetzt in die Anordnungen des MalerS nicht mehr mischte und diesem auch noch eine besondere Belohnung versprach, wenn daS Bild von der Pyramidenlandschaft nach der neuen Szenerie so recht nach seinen Wünschen aussalle und daS von Sir Finter gemalte Bild in Schatten setze.

Nach dreizehn Tagen waren die Arbeiten zur Veränderung und Verschönerung der Umgebung der großen Pyramide mit bestem Erfolge beendigt. Aus der richtigen Entfernung be- trachtet, sah jetzt tatsächlich die Pyramidenlandschaft ganz an- derS und vor allen Dingen viel schöner auS. Vanlo war entzückt über die Resultate der Arbeit und gab den an dieser beteiligten Leuten noch ein kleines Fest. Einige Beduinen und Fellahs, die Lionel Forester auSgewählt hatte, mußten auch noch dableiben, um bei dem Malen des BildeS Modell zu stehen, und schon am nächsten Tage begann auch der Maler mit dem Bilde, für welches er schon vorher einen großen Um­riß entworfen hatte. Lionel Forester leistete bei dieser Arbeit im Hinblick auf den großen ihm bei guten Gelingen des Bil­deS in AuSsicht stehenden Preis etwas Außerordentliches. Nicht nur mit großer Lust und Liebe, auch mit Begeisterung und Genialität führte er daS ihm von Mister Vanlo übertragene Werk auS. Da Forester während der großen Hitze am Tage nicht malen konnte, so begann er seine Arbeit schon früh nach Sonnenaufgang und setzte sie unermüdlich, nur dann und wann eine kleine Erfrischung zu sich nehmend, immer fünf bis sechs Stunbcii fort, so daß daS Malen der großen Pyiamiden»