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Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 133
Dienstag, den 19. Oktober
1909.
Amtlicher teil.
Berlin W. 66, den 15. September 1909.
Ziffer XV,1 der Anweisung, betreffend daS Verfahren bei der Ausstellung und dem Umtausche sowie bei der Erneuerung (Ersetzung) und der Berichtigung von Quittungstarten, vom 17. November 1899 (M. Bl. d. i. V. 1900, S. 16) erhält folgende Fassung:
Die Ausstellung der neuen QuittungSkarte darf in der Regel von einer besonderen Feststellung darüber, ob zur Zeit die VersicherungSpflicht besteht, nicht abhängig gemacht werden. Vielmehr hat im allgemeinen jeder Inhaber einer QuittungSkarte Anspruch auf ihren Umtausch. Nur in solchen Fällen ist die Ausstellung einer neuen Quittungskarte abzulehnen, in denen die Ausgabestelle die pflichtmäßige Ueberzeugung gewinnt, daß die alte QuittungSkarte zu Unrecht ausgestellt worden ist oder daß die Erwerbssähigkeit des Antragsteller- durch Alter, Krankheit oder andere Gebrechen bereits dauernd auf weniger als ein drittel herabgesetzt ist (§ 5 Abs. 4 des Jnvalidenver- sicherungSgesetzes.)
In Zweiselssällen ist die Ausstellung der neuen Quittungskarte zunächst abzulehnen und der Vorstand der Versicherungsanstalt unter Mitteilung der die Zweifel begründenden Umstände um eine baldige Aeußerung zu ersuchen. Das gleiche hat zu geschehen, wenn der Antragsteller bereits mit einem Antrag aus Bewilligung einer Invalidenrente unter Anerkennung seiner Erwerbsunfähigkeit zurückgewiesen worden ist, weil er die War- tezeit nicht erfüllt hatte.
In Ziffer XXVIII Absatz 1 ist hinter dem Worte „zu- rückzugeben" folgender drittletzter Satz einzuschalten:
Nimmt der Vorstand der Versicherungsanstalt in diesem Falle die Ausrechnung der QuittungSkarte sowie die Ausstellung der Ausrechnungsbescheinigung und der neuen Quittungskarte selbst vor, so behält er die ausgerechnete Quittungskarte und übersendet der Ausgabestelle nur die Ausrechnungsbescheinigung und die neue QuittungSkarte.
Bei dieser Gelegenheit mache ich daraus aufmerksam, daß der durch Erlaß vom 27. Februar 1906 (H. M. Bl. S. 127) vorgeschriebene Zusatz zu Ziffer VI der Anweisung durch den Erlaß vom 3. November v. JS. (H. M. Bl. S. 359) nicht ausgehoben ist und alS vorletzter Absatz dieser Ziffer bestehen bleibt. (I. III. 5706.)
Der Minister für Handel und Gewerbe: '
I. V.: gez. Schreiber.
HerSfeld, den 14. Oktober 1909.
Vorstehendes teile ich den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern deS Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 18. März 1906 I 2277 — Kreisblatt No. 34 und vom 25. November 1908 I Nr. 11972 — KreiSblatt
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von Leo Turn au.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ganz gern erfülle ich Ihnen diesen Wunsch, meine Herren", entgegnete Mister Vanlo und führte die fünf Herren nach seinem Zelte, wohin ihnen auch Sir Finter mit eiser- süchtigen Blicken folgte. Aber Mister Vanlo geleitete die Herren nur bis an sein Zelt und kehrte dann sofort nach Lionel Forester zurück.
„Ist daS eine Folterqual, Mister Vanlo!" sagte Forester seufzend zu diesem. „War eö denn wirklich so nötig, daß meine Arbeit gleich der Gegenstand einer solchen Wette wurde?"
„ES geschieht alles zu Ihrem Besten", entgegnete Mister Vanlo mit blitzenden Augen, „Sie werden eS hoffentlich gleich erfahren, Mister Forester, wie gut ich es mit Ihnen meine. Sie haben für die Ihnen gestellte Aufgabe einen genialen Blick gezeigt und haben mit größtem Fleiß gearbeitet und deshalb hoffe ich auf einen großen Erfolg für Sie."
Lionel Forester sagte kein Wort, sondern blickte verlegen zu Boden. Sollte er nach den Unruhen und Sorgen der letzten Wochen und Monate nun wirklich plötzlich sein Glück machen? Dieser Gedanke hatte etwas so Berauschende- und außerordentlich Großes für ihn, daß ihm dessen Verwirklichung gar nicht möglich erschien.
Aber schon kamen die Herren von der Prüfungskommission aus VanIoS Zeit zurück und traten wieder vor das Bild.
H^ klopfte, als wenn eS zerspringen wollte und scheuen ihm vor lauter Aufregung fast die Sinne zu Ichwinde». Da hörte er aber klar und deutlich, wie der sagte- *^ ^"^ ganz laut und weithin vernehmlich
„Die Commission hat mit vier Stimmen gegen eine Stimme entschieden, daß daS Bild von Mister Lionel Forester ein grißeres Kunstwerk ist alS da- von Sir Finter gemalte
Nr. 141 zur Kenntnisnahme und Beachtung bei Ausstellung, Erneuerung, Ersetzung und Berichtigung von Quittungskarten mit. I. 10595. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersseld, den 14. Oktober 1909.
In Harnrode ist der Schweinerotlaus (Backsteinblattern) amtlich sestgestellt worden.
I. 10775. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
5um 18 Oktober.
Erinnerungen von Dr. John Sehlke-Heskel.
Wiederum jährt sich der 18. Oktober, der Tag der Schlacht bei Leipzig, der Tag so mancher anderen Erinnerung, aber auch der Geburtstag Kaiser Friedrichs in., des lebend er« standenen „Siegfried" der alten Sage. So lieben wir ihn alle, so steht er als das höchstragende Denkmal jener herrlichen Zeit, die uns unter Wilhelm dem Großen das Deutsche Reich gebracht hat.
Um die herrliche Reckengestalt des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm rankt sich schon heute ein Kranz liebevoller Erinnerungen und Anekdoten.
Eine dieser Reminiscenzen, welche den Vorzug hat, wörtlich wahr zu sein, mögen diese Zeilen auffrischen. Kronprinz Friedrich Wilhelm war damals Inspekteur der schlesischen Armee und hatte als solcher die Pflicht und die Absicht, die verschiedenen Korpsteile zu revidieren. So mußte er denn daS entzückend am Riesengebirge gelegene Städtchen X berühren, und dort waren Behörden, Vereine, Gesellschaften usw. einig, daß man dem geliebten KönigSsohne eine besondere Ovation darbringen müsse. Im Orte selbst herrschte ein schwerer Antagonismus zwischen dem uralten Gesangverein „Hilaritas" und dem jüngeren, von einem musikbegabten Lehrer geleiteten Klub „Deutsches Lied". So heftig auch die internen Kämpfe sich bei manchem städtischen Vergnügen abgespielt hatten, so einig war nun plötzlich alles, dem verehrten Fürsten ein recht harmonisches Willkommen zu bringen. Der alte Oberkantor, längst außer Diensten, doch nicht minder geehrt, wurde als Leiter des Ganzen bestellt, und freudig unterwarfen sich die sonst so kampflustigen Parteien seinem daumendicken Zepter alias Taktstock. Aber! Entsetzen! „Kaiserliche Hoheit könne nach getroffenen Dispositionen nicht am Bahnhose halt machen, würde sich aber in Anbetracht der ausgesprochenen freundlichen Gesinnung, dazu verstehen, den Bahnhof in seinem Extrazuge im allerlangsamsten Tempo
Bild. Die Kommission ist in Ihrer Mehrheit deshalb zu dieser Entscheidung gekommen, weil Mister Forester keine nüchterne Pyramidenlandschast gemalt hat, sondern weil er es auf geniale und doch natürliche Art verstanden hat, die Pyramide in einer reizenden ägyptischen Landschaft zu malen und dem Bilde einen echten Lokalkolorit zu geben. Auch ist das Bild eine fleißige und gründliche Malerarbeit. Mister Lionel Forester hat deshalb in dem Wettbewerbe gesiegt und Mister Vanlo hat die Wette gewonnen!"
Stürmisch fiel Mister Vanlo dem jungen Maler um den Hals, umarmte ihn und wünschte ihm viel Glück zu diesem Erfolge. Dann gratulierten ihm auch die fünf Herren von der Kommission, und nur Sir Finter, welcher die Wette verloren hatte, zog sich zornig zurück und verließ bald daraus Gizeh. Der amerikanische Konsul händigte aber noch an diesem Tage, wie es ausgemacht worden war, dem Mister Vanlo den Betrag der gewonnenen Wette aus, und Lionel Forester erhielt von Mister Vanlo das glänzende Honorar für das Bild, und an diesem Tage gab dann Vanlo auch noch ein Fest, an welchem feine hohen Gäste und alle seine Leute nebst den Beduinen und Fellahs teilnahmen und bei welchem Feste Lionel Forester besonders geehrt wurde. Unter dem herrlichen Abendhimmel AegyptenS dauerte das Fest bis tief in die Nacht hinein, und als Lionel Forester endlich fein Lager in seinem Zelte aussuchte, sand er vor Freude über seinen großen Ersolg fast keinen Schlaf. Zudem beherrschten ihn ganz und gar die schönsten Zukunftshoffnungen. Mit Gold beladen konnte er nun bald nach Nizza zurückkchren und seine geliebte Braut heimsühren. In vier Wochen wollte er spätestens in 9liya sein.
Endlich fand Forester einen süßen Schlaf. Er schlief in dieser Nacht den Schlummer des Gerechten, denn alle Aufregungen und Befürchtungen waren ja mit dem letzten Tage auS feinet Seele gewichen und eine innere Befriedigung war in ihr eingezogen. Doch die Ruhe und Zufriedenheit sollten für Lionel Forester nicht lange dauern. Am anderen Morgen rief ihn Bob in da« Zelt des Mister Vanlo.
„Es sind drei Briese heute mit meinen Postsachen auch für Sie angekommen, darunter einer von der Staatsanwalt
zu durchsahren." So lautete der Bescheid des Hosmarschall- amtes. Das war bitter; aber es hieß, mit gegebenen Faktoren zu rechnen, und demgemäß wurden die entsprechenden Maßnahmen getroffen.
Herrliches Wetter leuchtete dem schönen Tage! Vollzählig versammelt standen die, vielleicht zum ersten Male gemeinschaftlich versammelten Sänger auf dem Bahnsteig. Unruhig trippelte unser glückseliger Magistrat in demselben Frack, in welchem er vor vielleicht vierzig Jahren mit seiner braven Ehc- liebsten vor den Altar getreten war, auf und ab. Wohl zum zehntenmal zog er die Stimmgabel, daS Abzeichen seiner besonderen Würde, auS der Tasche hervor, knipste sie mit spitzen Fingern bald dem Ohre nahe, bald mit den Zähnen aus den Knops beißend, und blickte mit halb siegesgewissen, bald ängstlichen Blicken die Strecke hinauf, wo der fürstliche Hofzug nunmehr sich nahen mußte. Und . . . siehe da, schon erschien die prächtig bekränzte Lokomotive, welche den geliebten, den gefeierten Kronprinzen bringen sollte, vor der Bahnhofshalle. Langsam, ganz langsam (wie versprochen), fuhr der Zug ein. Am Fenster des Salonwagens erschien mit dem bezaubernden Lächeln, welches ihm so viele Tausende von Herzen gewonnen hat, Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen und des deutschen Reiches. Hoch schwang der Meister seinen Stab, und mit donnernder Akkuratesse setzten fast hundert Stimmenein: „Hängt ihn aus! Hängt ihn aus! Hängt ihn aus! Hängt ihn aus! ... usw. bald im Baß-Solo, bald im höchsten Tenor, bald in den Mittelstimmen sich ver- einigend, — aber immer mit dem Texte „Hängt ihn auf!" — Tief betreten wandte sich der Kronprinz von seinem Fenster zurück, sein staunender, fragender Blick begegnet dem verständnislosen Aussehen sein-r Begleitung. — Langsam entrollte der Zug der Halle — doch, wer beschreibt den herzlichen Jubel, der im Hoszuge herrschte, als aus der nächsten Station der wunderbar schön gedruckte Text des eben vernommenen LiedeS seiner Königlichen Hoheit überreicht wurde! Da stand denn klar zu lesen: „Hängt ihn aus I den srischen Lorbeerkranz, dem KönigSsohn zum Preise, der echt nach Zollern- weise" usw. usw.
„Ich habe lange nicht so herzlich gelacht," sagte der Kronprinz, wenn er von dieser wunderbaren Huldigung später in fröhlichem Kreise erzählte.
Str „Pirseval 3" in Stuttgart.
Nach glatter Fahrt ist der Parsevalballon in Stuttgart einge- troffen und auf dem Cannstatter Exerzierplatz glatt gelandet. Ueber die Ankunft des Luftschiffes wird folgendes berichtet:
Stuttgart, 15. Oktober. Der Parsevalballon ist heute nachmittag, vom Neckartal kommend, um SA3 Uhr auf dem Cannstatter Exerzierplatz eingetroffen, woselbst eine glatte Landung erfolgte. Eine ungeheure Menschenmenge brächte den Insassen des Luftschiffes lebhafte Ovationen dar. Zur Hilfe
schaft in Nizza", sagte Mister Vanlo zu dem Maler und über- reichte ihm diese Schriftstücke. „Sie sollen von der Staatsanwaltschaft in Nizza wahrscheinlich als Zeuge in der mnste- riösen Sache deS an Ihnen begangenen UcbersalleS requiriert werden, Mister Forester. Das sind verdrießliche Dinge für Sie und mich."
Der Maler erbrach hastig alle drei Schriftstücke und laS sie eilig durch. Der erste Brief war von seiner Braut, der zweite rührte von Lady Lilian Fox her und der dritte war tatsächlich von der Staatsanwaltschaft in Nizza. Forester faßte sich bei dem Lesen der drei Briefe wiederholt an die Stirne und dann rief er wehklagend aus:
„Die edele Frau Thompson, meine großmütige Wohl- täterin, ist an demselben Morgen, an welchem ich von der Dame in rosa und ihrem Begleiter überfallen worden bin, in ihrer Villa ermordet und beraubt worden. Da die HauS- meisterin, die bei dem Raubmorde in der Villa ebenfalls ihr Leben verloren hat, kurz vor ihrem Tode angegeben hat, daß eine Dame in rosa die Mörderin der Frau Thompson gewesen ist, so kann kein Zweifel darüber sein, daß ich bei meinem ungewöhnlichen Morgenspaziergang, der mich absichtlich in die Nähe der Villa der Frau Thompson brächte, den Raub- Mördern in den Weg gelaufen bin, und daß sie mich deshalb sofort auS dem Wege zu räumen suchten, um jede Spur von sich zu vernichten. Sie haben mich betäubt und inS Meer geworfen und dachten mich so gründlich beseitigt zu haben, aber die göttliche Vorsehung hatte es anders beschlossen, ich wurde aus eine wunderbare Art vom Tode errettet und meinem Glücke zugesührt. Aber jetzt muß ich unbedingt so rasch alS möglich nach Nizza reisen, um an der Ausdeckung der schrecklichen Mordtat mitzuwirken."
„Zu dieser Mitwirkung kommen Sie wohl zu spät", ent- gegnete Mister Vanlo kopfschüttelnd, „und ich möchte auch wissen, waS Sie gerade zur Ergreifung der Verbrecher tun sollen, Sie sind doch kein Detektiv."
b» „Ich bin aber der einzige lebende Zeuge, der die beiden Verbrecher, darunter die Dame in rosa gesehen hat", erklärte Forester erregt.
„Nun, glauben Sie vielleicht, daß diese unheimliche Dame