Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na
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HerMder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 124.
Donnerstag, den 21. Oktober
1909.
Amtlicher teil
HerSseld, den 14. Oktober 1909.
Der telegraphische Wrttervorhersagedienst hat, weil im Reichshaushaltsetat für daS Rechnungsjahr 1909 hierfür nur beschränkte Mittel vorgesehen werden konnten, mit dem 30. September d. Js. geschlossen werden müssen. Der öffentliche Anschlag der Wettervorhersage an allen Telegraphen-Anstalten hat somit vom 1. Oktober d. Js. ausgehört.
Die Wetterdienststellen werden jedoch auch während deS Winters auf Grund deS ihnen täglich zugehenden umfangreichen Nachrichtenmaterials Wettervorhersagen fortlaufend ausstellen. Diese um die Mittagszeit auszugebrnden Vorhersagen können telegraphisch gegen Erstattung folgender Zustellung-gebühren bezogen werden:
a. bei Uebermittelung durch Fernsprecher an Teilnehmer der Ort-fernsprechnetze ober an Inhaber von Nebentelegrophen sowie bei Zustellung im Ortsbestellbezirk gelegentlich der regelmäßigen Bestellgänge: monatlich 2 Mk., vierteljährlich 4,50 Mk., halbjährlich 8 Mk.
b. bei Zustellung durch den Landbriesträger im Land- beftellbezirk: monatlich 3 Mk., vierteljährlich 6,75 Mk„ halbjährlich 12 Mk.
c. bei Zustellung durch Eilboten im Ortsbestellbezirk monatlich 4 Mk., vierteljährlich 9 Mk., halbjährlich 16 Mk.
d. bei Zustellung durch Eilboten im Landbestellbezirk: Zu den unter a. ausgeführten Gebühren unter Hinzurechnung der wirklich erwachsenden Botenkosten.
Die Preise für den Bezug ausführlicher Vorhersagen für bestimmte Zwecke (telegraphisch oder telephonisch mitzuteilen) sind von den Interessenten mit der zuständigen Wetterdienststelle zu vereinbaren.
Die Wetterkarte des öffentlichen Wetterdienstes erscheint ebenfalls während deS Winters täglich weiter. Der monatliche Abonnementspreis beträgt wie bisher 50 Psg., wozu noch 14 Ps. Postbestellgebühr treten.
Bestellungen auf die telegraphischen Wettervorhersagen und die Wetterkarten sind an die zuständige Wetterdienststelle oder an die nächstgelegene Postanstalt zu richten.
I. I. 10776. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 15. Oktober 1909.
Am 1. Dezember d. Js. findet im preußischen Staate eine außerordentliche Viehzählung statt.
An Formularen kommen zur Anwendung:
1) die Zählkarte, A.,
2) die Anweisung für die Zähler, B.,
3) die Kontrolllisten für die Zähler, C.,
4) die Anweisung für die Behörden, D. und
5) die Ortsliste, E.
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von Leo T u_rn a u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Eir Edward Fox und Mister Hunter weilten schon einigen Tagen in Monaco. Sie verkehrten dort in den nehmsten Kreisen, zumal Fox trat wie ein echter Gentleman aus und spielte mit Mister Hunt« jeden Tag an der berühmten und berüchtigten Spielbank um große Summen, die sie bald gewannen, bald verloren, denn aus die Dauer ist ja niemals den Spielern das Glück hold und die größten Ge- winnauSsichten hat stets die Bank selbst, wenn sie auch jähr- lich ein oder zweimal gesprengt wird. DaS Hassardspiel war aber auch nicht die Hauptbeschäftigung von Sir Fox und Mister Hunter in Monaco, sondern dieses tägliche Austreten der beiden Männer im Spielsaale war eigentlich nur der Deckmantel für ihre anderen dunkeln Geschäfte, zu denen sie noch einen Helfershelfer in dem schlauen Mister Sherman gefunden hatten, der reiche ordens- und titelsüchtige Gimpel dem Herrn Vizekonsul Sir Fox zusührt«, damit sie dann für die Erlangung exotischer Orden und Titel vom zweifelhaftesten Werte kolossale Summen zahlten. Mister Sherman hatte ja bereits vor einigen Wochen in dieser Hinsicht ein gutes Ge- eingeleitet und den reichen amerikanischen Brauer Mister Gulden, der so gern einen mit Diamanten besäten Orden vom Schah von Persicn erhalten hätte, dem Sir Fox zugesührt. Morgen sollte Mister Gulden für zweimalhunderttausend Franc wegen eines Beitrages zur Stiftung eines amerikanischen Krankenhauses in der persischen Hauptstadt Teheran den emmenorben vierter Klasse mit großen Brillanten erhalten.
O^«' hatte Mister Hunter auf geheimnisvolle Art ,?°lorgt und nun sollte er dem ordenrsüchtigen Gulden für zweimalhunderttausend Franks verliehen DaS war sicher ein gutes Geschält, aber für den ^"witzigen Geldhunger und die unvernünftige Großmanns- sucht oeS Sir Fox war diese Summe, die er um ein Viertel
seit vor-
Die Zähleinheit ist wie bei den letzten Zählungen die viehhaltende Haushaltung; eS ist also sür jede viehhaltende Haushaltung eines Gehöftes eine Zählkarte A. erforderlich.
Zur Vermeidung von Verwechselungen zwischen den Formularen B. und C. sowie D. und E. mache ich daraus aufmerksam, daß das Formular B. auf der Rückseite alS Beispiel auch die Bezeichnung „C." und daS Formular D. die Bezeichnung „E.M alS Beispiel trägt.
Der voraussichtlich erforderliche Bedarf an Formularen wird den Herrn OrtS- bezw. GutSvorständen in den nächsten Tagen zugesandt werden.
Sollten die Formulare bis zum 30. Oktober d. Js. nicht eingetroffen sein, oder nicht für ausreichend befunden werden, so ist mir unverzüglich zu berichten.
Nach § 3 der Anweisung D. ist die Ausführung derMeh- zählung Sache der Ortsbehörden. Die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände haben hiernach ungesäumt gemäß den §§ 4, 5 und 6 der Anweisung bezüglich der Einteilung der Gemeinden in Zählbezirke, sowie der Bestellung der Zähler usw. das weitere zu veranlassen.
Die Zähler erhalten je eine Anweisung B., zwei Formulare zur Ausstellung der Kontrollliste C., sowie die für den Zählbezirk erforderliche Anzahl von Zählkarten A.
Das eine Stück der Kontrollliste C. ist zur Urschris t, das andere zur Reinschrift zu verwenden.
Die Ausgabe der Zählkarten muß spätestens am 29. November d. Js. beendet sein.
Die Wiedereinsammlung und Prüfung der Zählkarten hat am 2. Dezember d. Js. durch den Zähler zu erfolgen.
Hieraus sind alsbald die beiden Exemplare der Kontrolllist« auSzufüllen.
Bis zum 4. Dezember d. Js. müssen die beiden Exem- plare der Kontrollliste, die nach der Nummersolge geordneten, sowie die unbenutzt gebliebenen Zählkarten «an die Ortsbehörde zurückgegeben werden.
Die Ortsbehörde hat daS eingelieserte Zählmaterial alS- bald eingehend zn prüfen, etwa Vorgefundene Mängel sofort zu beseitigen und die Ortsliste aus Grund der Kontrollliste aufzustellen. Die beiden Reinschriften der Ortsliste und die Reinschrift der Kontrollliste, sowie die Zählkarten find bis spätestens znm 8. Dezember d. Js. mit einzureichen.
Das 3. Exemplar der Ortsliste und die Urschriften der Zählerkontrolllisten sind in der Gemcindcrepositur auszu- bewahren.
Ich erwarte, daß die OrtSbehörden die vorschriftsmäßige und gewissenhafte Ausführung der Zählung sowie die p ü n k t- lichste Einhaltung der bestimmten Termine sich ganz besonders angelegen sein lassen werden.
I. 10729. Der Königliche Landrat
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
mit Mister Hunter und Mister Sherman teilen mußte, doch nicht groß genug, um ihn aus allen Geldnöten zu befreien, denn für seine unsauberen Geschäfte brauchte er immer noch an allen Ecken und Enden Geld, und deshalb wollte er auch die Erbschaft von seiner Schwiegermutter, die seine Frau machen mußte, noch in seine Hände bringen, mochte er kosten, was es wollte, denn schon seit Jahren stützte sich die sehr zweisclhaste Existenz deS Sir Fox aus ebenso gewagte als schändliche Unternehmungen, und er war schon daran gewöhnt, mit seinem Leben va banque zu spielen. Dann wollten Sir Fox und Mister Hunter bei dieser Gelegenheit auch zwei Fliegen mit einer Klappe treffen, sie wollten den ihnen sehr gefährlichen Detektiv Mister Forbert, der jetzt noch in Nizza weilte, aber bald auch seine Fangarme nach Monaco aus- strecken würde, zugleich mit der ihren schändlichen Vorhaben im Wege stehenden Lady Lilian beseitigen. Die Vorbereitungen zu diesem Hauptschlage mußten sehr gründlich und umsichtig betrieben werden, sonst könnte daS halsbrecherische Unternehmen im Keime erstickt, und die Uebeltäter über Nacht hinter Schloß und Riegel gebracht werden. Sir Fox und Mister Hunter hatten deshalb in diesem schändlichen Plane jeden Tag geheime Beratungen und sie hatten auch schon einen ihrer Späher, NamenS William Jackson nach Nizza gesandt, um zu prüfen, wie weit die Polizei und der Detektiv ihre Vorbereitungen getroffen hatten, um neuen Anschlägen der Raubmörderbande wirksam zu begegnen. William Jackson war gestern abend zurückgckommen und hatte berichtet, daß die Polizei und Gendarmerie, sowie auch die Gehilsen deS Detektivs alle Zugänge zu Nizza und Umgebung so besetzt hatten, daß alle irgendwie verdächtigen Personen sofort in Beobachtung genommen werden konnten.
„Herein lassen sie unS schon", meinte Mister Hunter aus diese Mitteilung, „aber sie lasten uns nicht wieder heraus. Den Polizisten und Gendarmen könnten wir schon ein Schnippchen schlagen, aber Monsieur Forbert läßt sich zum zweiten Male von uns nicht täuschen. Ich schlage daher immer und immer wieder vor, daß wir von dem jetzt sehr gewagten Unternehmen Abstand nehmen und morgen, wenn da» Geschäst mit Mister Gulden zustande gekommen ist, fliehen,
Hersfeld, den 18. Oktober 1909.
Die unter dem Schweinebestande des Carl Volkmar hier, Brink Nr. 114, ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 10079. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Rtilsijeiifrtssmi in tara.
Die Nachrichten über die barbarischen Bräuche der Maka» stämme im südöstlichen Kamerun erfahren durch einen im „Deutschen Kolonialblatt" veröffentlichten Bericht des Haupt- mannS Dominik über die Südmaka-Expedition eine interessante Ergänzung. Dominik schreibt:
„Die Patrouille des farbigen Feldwebels Blacki brächte die Meldung, daß von ihr der Häuptling Menepepiti erschossen sei, welcher als die Seele des Widerstandes bezeichnet wurde. Menepepiti war mit einem europäischen Havelock bekleidet; auch hatten sich verschiedene, zweifellos einem Europäer gehörende Sachen bei ihm gefunden. Die gefangenen Weiber sagten auS, daß Menepepiti der Mörder des Kaufmanns Hinrichsen von der Hamburg-Asrika-Gesellschast, sowie seiner 52 Arbeiter und Händler auS Jaunde und Baue sei. Der Abteilung des Leutnants v. Sommerfeld lief bei Menepepitis Dorf ein Jaundeweib zu, was mitangesehen hatte, wie Hinrichsen von Menepepiti in einer Hütte, wo er seine Waren niedergelegt hatte, mit einem Haumesser niedergeschlagen worden war. Dann hatte man.ihn zerstückelt und - e einzelnen Teile m dir um- wohnenden Häuptlinge mit der Aufforderung geschick., die Leute des Europäers, welche in den Dörfern säßen oder Gummi schnitten, zu sangen und zu schlachten. Nur drei Jaunde-Weiber blieben am Leben. Hinrichsen und alle seine Leute wurden in Menepepitis Dorf gefressen, die Köpfe wurden in ein Haus gebracht und die Weiber gezwungen, nachts in dieser Hütte zu schlafen, damit sie ihre Angehörigen vergäßen."
An einer anderen Stelle des Dominikschen Berichts heißt es: „Auf der Talfahrt hat Stabsarzt Geisler am Long-Mapsok, wo er aus verlassene Makalager stieß, mehrfach frisches Men- fchenfleisch in den zurückgelassenen Töpfen festgestellt. Den Gefallenen waren zu diesem Zwecke die Hände und Füße abgeschlagen worden. Der Jaundeträger-Vormann Ndumu wurde von den Bekelles erschoffen und sorgfältig begraben. DaS Grab wurde mit Zweigen bedeckt und durch gefällte Baumstämme geschützt; trotzdem war daS Grab am Tage darauf aufgerissen und die Leiche an Ort und Stelle zerstückelt, in Körbe verpackt und in der Nähe in Waldlagern verzehrt worden. Bei der sorgfältigen Nachfuche überraschte die Patrouille Blacki drei Männer und ein Weib von den Leichensressern; das Weib schilderte den Vorgang in allen Einzelheiten und zeigte frisch getrocknetes Fleisch von der Leiche."
denn es wird nicht lange dauern, daß wir auch hier von Monsieur Forbert beobachtet werden, er hat sicher schon Leute hier und es bedarf nur eines Winkes von ihm und wir werden im Geheimen überwacht."
„Ihr Vorschlag ist nicht annehmbar, Mister Hunter", ent- gegnete Sir Fox kalt, „ich muß in dieser Sache siegen oder sollen, und wenn unsere Gegner uns umzingeln wollen, so müssen wir sie aufs Eis führen."
„Ich weiß sehr wohl, Sir Fox, wie Sie das meinen", entgegnete Hunter mit blitzenden Augen, „denn in der Stunde bet größten Gefahr ist für den kaltblütigen Mann die Errettung oft am leichtesten, wenn er plötzlich etwas unternimmt, woran niemand gedacht hat, und die Feinde verblüfft werden. Die plötzlich auftauchende Dame in rosa könnte eine solche Ueberraschung herbeiführen, zumal wenn Sie mit ihrem Riech- fläschchen arbeitet."
„DaS ist ja eine Nebenausgabe in unserem Vorhaben", erklärte Sir Fox, „wir müssen aber unsere Hauptaufgabe jetzt fester inS Auge fassen und sehr bald darüber unschlüssig werden, waS geschehen soll, um Lady Lilian und Monsieur Forbert aus dem Wege zu räumen. Diese Beiden müssen sterben, denn ich habe das instinktive Gesühl, daß dies die beiden einzigen Menschen sind, die einen schweren Verdacht gegen mich haben und daß sie mit allen Mitteln daran ar- beiten, um mich zu entlarven und zu vernichten. Was ist da noch zu tun, um mich zu retten? Es bleibt eben weiter nichts übrig, als Lady Lilian und den gefährlichen Detektiv in das Jenseits zu befördern."
„ES ist nur ein sehr schweres Stück Arbeit, diese blutige Arbeit gerade jetzt an den beiden Personen auSzuführen", meinte Mister Hunter mit Galgenhumor, „tausend andere Menschen kann man jetzt leichter um die Ecke bringen als gerade diese beiden, denn Lady Lilian wird von Geheimpolizisten und den Leuten deS Detektiv bewacht, und der Detektiv weiß sich selbst am besten zu bewachen. Ich möchte schon lieber aus die Tigerjagd gehen, alS mich an Lady Lilian und Monsieur Forbert heranzuwagen."
„Nun, ich bin ja auch noch da, und Mister Jackson wird für ein paar tausend Francs seinen Dolch auch noch