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Herrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 127.
Donnerstag, den 28. Oktober
1909»
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 26. Oktober 1909.
Die Wählerlisten für den Vollzug der ErgänzungS- wahlen für den Kreistag im L, IV., VI. und VII. Wahlbezirke der Landgemeinden und im Verbände der Großgrundbesitzer sind ausgestellt und liegen in meinem Büreau zu Jedermanns Einsicht offen.
J. A. Nr. 7084. Der Königliche Landrat
von Gruneliu».
Hersseld, den 26. Oktober 1909.
Km 1. November d. Js. wird die dritte Rate der für das laufende Etatsjahr zu entrichtenden Kreissteuer fällig.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des hiesigen KreiseS ersuche ich, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß die Einzahlung der fälligen Beträge bis spätestens zum 5. November d. Js. bei der KreiSkommunalkasse hier erfolgt.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Grunelius.
HerSfeld, den 22. Oktober 1909.
Ein von der Gemeinde Biedebach angekauster Zuchtbulle, Simmentaler Raffe, 177a Monate alt, gelbschack mit weißer Stirn, ist von der KörungSkommiffion besichtigt und zu Zuchtzwecken für tauglich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 6935. von Gruneliu S.
Der Herr Kommandierende General des XI. Armeekorps hat mir feinen Dank für die Bereitwilligkeit, mit welcher die beteiligten amtlichen Stellen den Wünschen der Militärbehörden und Truppen während der diesjährigen Herbstübungen begegnet sind, ausgesprochen und mich ferner gebeten, der Bevölkerung der vom Manöver berührten Gegenden seinen besten Dank für die überaus zuvorkommende und gastfreie Aufnahme, welche den Truppen überall zu teil geworden ist, zu übermitteln.
Ich bringe dies hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Caffel, den 7. Oktober 1909. (Nr. 10282.)
Der Ober-Präsident. I. V.: Mauve.
♦ *
HerSfeld, den 25. Oktober 1909.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrat von GruneliuS.
HerSfeld, den 25. Oktober 1909.
Unter der Schafherde deS Schäfers H. H. Diebel zu
Die Dame in rosa.
Original-Kriminal-Roman von L e o T u r n a u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Mister ForesterS Glück ist gemacht", sagte Mister Banlo, „ich habe schon gute Nachrichten auS Paris, wo daS von Lionel Forester gemalte Bild von der Pyramidenlandschaft eingetroffen ist und wegen seiner Originalität und künstlerischen AuSsührung Sensation in den Kunstkreisen erweckt hat. Aber Mister Forester wird dadurch nicht die Weiterarbeit vergessen und mir vor allen Dingen noch die versprochene Nillandschaft malen."
„Ganz gewiß wird dieS geschehen, sobald ich hier meine Geschäfte erledigt habe", erklärte der junge Maler lächelnd.
Und nun fuhr die kleine Gesellschaft nach dem festlich ge- schmückten Heim von LionelS Braut und sie nahmen dort ein kleines Festmahl ein, wo Mister Vanlo auf daS Wohl deS Brautpaare» einen Trinkspruch autbrachte, aber gleichzeitig dabei erklärte, daß die Hochzeit deS jungen PaareS erst im Spätherbste nach der Vollendung deS NillandschaftSbilde» statt- finden dürfe, denn er müsse dieses Bild erst haben und dann könne Mister Forester heiraten. Die Hochzeit werde er, Mister Vanlo, unter dieser Bedingung auSrichten und er würde auch zur HochzeitSfeier zugegen sein.
„Er ist fast zuviel deS Glücke» für unS", meinte Frau Gardener und während ihr eine Träne in die Augen trat, fuhr sie fort;
„Ach, wenn da» unsere gute Verwandte Frau Thompson erlebt hätte! Wie würde sie sich darüber gefreut haben, daß Gunst einen würdigen jungen Maler mitgestützt und empor« geholfen hat! Nun ruht die Aermste, von Mörderhand ge- troffen, schon vier Monate im Grabe und die Mörder sind noch nicht entdeckt."
„Sie werden aber schon noch entdeckt werden", rief Lionel Forester erregt. „Ich bin ja zu dem Zwecke eher auS Egypten
Christerode (Kreis Ziegenhain) ist die Räudekrankheit auSge- brochen.
I. 11153. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e f f e l, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 25. Oktober 1909.
In Niederjossa ist der Schweinerotlauf amtlich festgestellt worden.
I. 11117. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W essel,Kreissekretär.
HerSfeld, den 25. Oktober 1909.
Unter der Schafherde deS Rittergutsbesitzers ClaeS in Eolz, Kreis Rotenburg, ist die Räude ausgebrochen.
I. 11114. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W es sei, Kreissekretär.
HerSfeld, den 25. Oktober 1909.
In der Zeit vom 16. bis 18. Februar 1910 findet die Ziehung der zweiten Serie der Geldlotterie zu Zwecken der deutschen Schutzgebiete statt. Der Generalvertrieb der in Preußen zugelassenen Lose dieser Serie ist der Bankfirma Ludwig Müller und Co. in Berlin übertragen worden. Mit dem Vertrieb der Lose darf nicht vor dem 10. Januar 1910 begonnen werden. Sie sind von dem Herrn Polizei-Präsidenten in Berlin abgestempelt.
Die Ortipolizeibehörden deS KreiseS ersuche ich, dasür zu sorgen, daß dem Vertriebe der Lose im hiesigen Kreise keine Hindernisse bereitet werden.
I. I. 111 03. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e s s e l, KreiSfekretär.
Bekanntmachung.
Der Königliche Rentmeister RechnungSrat Schultheiß in HerSfeld hat mit unserer Genehmigung unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit seinen Privatgehilfen Christoph Lotz zur Erteilung von Quittungen über Zahlungen an die KreiS- und Forstkasse bevollmächtigt.
Caffel, den 21. Oktober 1909.
Königl. Regierung
Abt. für direkte Steuern, Domänen u. Forsten A.
(Unterschrist.)
C. K. 506.
nichtamtlicher teil.
In Besuch des Zaren bei dem ilalieiiischtii LaiOaare ist ohne Zwischenfall zur Befriedigung der Nächstbeteiligten
nach Nizza zurückgekommen, als eS ursprünglich verabredet war, um meine Beobachtungen und Beschreibungen der Personen, die ich für die Mörder der Frau Thompson halte, der Polizei zur Verfügung zu stellen, und ich werde selbst so viel alS möglich mitwirken, um die Schuldigen zu ent- decken."
„Solchen großen Schurken gegenüber ist wenig Aussicht zur Entdeckung", meinte Mister Vanlo kopsschüttelnd, „man kann ei ja in den Zeitungen lesen, daß jede» Jahr in den großen Hauptstädten und auch in den berühmten Kurorten geheimnisvolle Mordtaten stattfinden, deren Urheber nie entdeckt werden."
„Man nimmt aber in solchen Fällen jetzt doch vielfach tüchtige Detektivs zur Hilfe, die nach allen Regeln der Spionierkunst den Verbrechern nachspüren", bemerkte jetzt Frau Garden«, „und dies findet auch in der Thompsonschen Mordsache statt. Herr Kingstone, Frau Thompson« Schwiegersohn, hat einen berühmten Detektiv auS Paris engagiert, der mit einigen Gehilfen hier den in der Villa Jndiana verübten Raubmord eingehend untersucht. Es ist auch gestern in dieser Sache etwas Wichtiges passiert, die Kriminalpolizei, die wohl jetzt mit dem Detektiv Hand in Hand arbeitet, hält aber alle Vorkommnisse streng geheim, und man kann nichts näheres rrsahren. ES wurde nur von einem Uebersall auf Lady Lilian Fox, die zweite Tochter der Frau Thompson gesprochen, aber alS ich ihr heute einen Beileidsbesuch machen wollte, gab man mit in dem Hotel ausweichende Antworten, und außerdem ersuhr ich dort, daß sowohl Lady Lilian, als auch die Familie Kingstone da» Hotel plötzlich verlassen haben."
„Da wird e» ja höchste Zeit, daß ich mich in der Ange- legenheit bei der Staatsanwaltschaft oder der Kriminalpolizei melde", erklärte da hastig Lionel Forester, „denn wenn es jetzt gelten sollte, die mysteriöse Dame in rosa zu fangen, die mich selbst mit großer Gewandtheit und Schnelligkeit an dem verhängnisvollen Morgen aus dem Wege geräumt hat, so kann ich vielleicht doch dabei behülflich sein, denn ich bin schließlich der einzige Mensch, welcher der Kriminalpolizei berichten kann, wie diese schreckliche Dame in rosa auSsieht und ich bin viel
verlaufen. DaS italienische Volk, daS eben noch in Begeist- rung für den spanischen Revolutionär Ferrer schwelgte, hat den ruffischen Selbstherrscher freundlich ausgenommen, und die Sozialisten, die früher gegen den Zaren tobten, sind, abgesehen von einigen lahmen Protesten, still geblieben. Ohne Zweifel Hot die antiösterreichische Stimmung im italienischen Volke viel zu der günstigen Ausnahme deS Zaren beigetragen, der die ohnehin weite Landreise von Livadia nach Racconigi noch durch Vermeidung deS direkten Weges über Oesterreich-Ungarn verlängerte.
In der italienischen Presse ist mancher Artikel erschienen, der die Stellung Italiens im Dreibünde verleugnete. So hieß eS z. B., Rußland und Italien wären durch das gemeinsame Interesse daran verbunden, daß die slawischen Elemente im Donaureiche gegen daS deutsche unterstützt würden. Auch war davon die Rede, daß Italien, nachdem kein Gegensatz zu Frankreich im Mittelmeer mehr vorhanden und die Freundschaft mit Rußland begründet sei, neue Bedingungen für sein Verbleiben im Dreibund aufftellen müsse. Es wäre falsch, solchen Auslassungen eine große Bedeutung beizumessen. Die Italiener sind im allgemeinen gute Egoisten, die mehr anS Nehmen denken als ans Geben. Solange Italien am Dreibünde fest- hält, ist eS vor einem Zusammenstoß mit Oesterreich-Ungarn gesichert, und die Stellung, die eS heute trotz seiner zurückgebliebenen militärischen Kräfte einnimmt, verdankt es wesentlich seiner BundeSgenofsenschast und den europäischen Zentralmäch- ten. Diese Vorteile find augensällig. Was von italienischer Seite offiziell und offiziös über die Bedeutung deS Zarenbesuch» verlautbart wurde, ließ denn auch die Versicherung nicht vermissen, daß mit der Befestigung der Freundschaft mit Rußland keine neue Orientierung der italienischen Kolitis beabsichtigt sei.
Trotz der für Oesterreich-Ungarn unfreundlichen Begleiterscheinungen der Zarenreise hat man sich weder in Deutschland noch auch in Wien und Pest irgendwie erregt und die Unbesonnenheit italienischer Blätter tragisch genommen. AlS Hauptpunkte zwischen Tittoni und Jswolski sind der status quo auf dem Balkan und die Kretajrage bezeichnet worden. Wirkliche Gegensätze zu der Politik Oesterreich-Ungarns können sich dabei nicht herauSgestellt haben; denn von Wien auS ist nach der Annexion BosnienS und der Herzegowina wiederholt feierlich erklärt worden, daß Oesterreich-Ungarn keine weiteren Aspirationen verfolge, vielmehr den gegenwärtigen Stand der Dinge in den Balkanstaaten zu erhalten wünsche, und waS die Kretafrage betrifft, so haben Deutschland und Oesterreich- Ungarn ihre Erledigung bekanntlich zunächst den vier Schutzmächten Rußland, England, Frankreich und Italien überlasten. ES ist daher auch noch nicht abzusehen, welche praktischen Er- gebnifse deS Zarenbesuchs in Widerspruch mit den Bündnis- pflichten Italiens stehen könnten.
leicht auch der einzige Mensch, der sie erkennen kann, wenn sie wieder in Nizza und Umgebung ihr Unwesen treiben sollte!"
„Wie sieht denn eigentlich dieses schreckliche Weib auS, Lionel?" frug desfen Braut naiv.
„DaS kann ich gar nicht so leicht beschreiben, wie sie auSsieht", erwiderte Lionel Forester. „Sie machte auf mich einen eleganten, ungezwungenen und unbefangenen Eindruck, aber sie hatte in ihrem länglichen, etwas großen Gesichte einen solchen eigenartigen Ausdruck und so seltsame Augen, daß ich sie unter tausend in rosa gekleideten Damen wieder erkennen würde."
„Sie ist offenbar eine Teuselin in Menschengestalt", bemerkte jetzt Frau Gardener.
„Vielleicht gar ein männlicher Bösewicht in Frauenkleidung", entgegnete Mister Vanlo trocken.
„Da können Sie recht haben", rief Forester, „im übrigen aber erscheint eS mir als daS Wichtigste in der traurigen Sache, daß man die verdächtige Dame in rosa doch vor allen Dingen als irgendwo existierend oder neu auftretend nach- weisen muß, um daS schreckliche Geheimnis zu lüften und dazu will ich nach Kräften beitragen, daS bin ich der edeln Frau Thompson und der Gerechtigkeit schuldig. Ich bitte mich daher für heute zu entschuldigen, ich muß auf die Kriminal- Polizei gehen."
Forester nahm von Frau Garden« und Mister Vanlo Abschied mit dem Versprechen, daß er spätestens morgen vor- mittag wiederkommen und Bescheid sagen werde. Mary Gar- dcner begleitete ihren Bräutigam bis an die HauStüre, und ehe er dort von ihr zärtlichen Abschied nahm, mußte er ihr noch versprechen, sich bei seiner Mitwirkung zur Entdeckung der Raubmörder ja recht in Acht zu nehmen und der unheimlichen Dame in rosa auS dem Wege zu gehen.
„Ich werde ihr zum zweiten Male nicht Vertrauens- selig in die Arme laufen, beruhige Dich darüber, mein Liebling I" sagte Lionel Forester bann noch, und mit den Worten „Aus Wiednsehen morgen vormittag!" eilte er davon.
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