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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 128.

Sonnabend, den 30. Oktober

1909»

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 27. Oktober 1909.

In HedderSdors ist der Schweinerotlaus amtlich festgestcllt worden.

I. 11163. Der Königliche Landrat.

I. V.:

W e s s e l, Kreissekretär.

HerSfeld, den 27. Oktober 1909.

Die unter dem Schweinebcstande des Lehrers Gerhold in Aua auSgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. 11178. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 26. Oktober 1909.

Unter der Schafherde des Schäfers Becker zu Neukirchen (Kr. Ziegenhain) ist die Räudekrankheit auSgebrochen.

I. 11202. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreissekretär.

Der Saatenftand Mitte Oktober 1909. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 ----- sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt- schaff rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. J.)

Durchschnitts-

Anzahl der v

an den

Fruchtarten

noten für den

Verttauensmännern ab-

usw.

Staat Reg.-Bez.

gege

Denen co

9

tot

en

Cassel

1 «

o?

410

Kartoffeln .

3,6 2,2

2 1

1 1

1

Zuckerrüben

2,9 2,6

1

Junger Klee

2,6 2,3

1 1

2 2

Winterweizen .

2,5 2,4

1 1

Winterspelz (Dinkel) .

2,2

Winterroggen .

2,6 2,3

1 1 1

1 1

Winterraps u. -Rübsen

2,4 2,4

2

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Wahlen und kein Ende unter dieser allgemeinen Auf­schrift lassen sich die innerpolitischen Geschehnisse der vergange­nen Woche zusammensassen. Teils gleichzeitig, teils in un­mittelbarer Auseinanderfolge haben Landtagswahlen in Sachsen und Baden, eine Reichstagsersatzwahl in Koburg und Er- gänzungswahlen zum preußischen Abgeordnetenhause in der Reichshauptstadt stattgefunden. DaS übereinstimmende Merk- mal der Ergebnisse dieser Wahlen sind reiche Erfolge und glänzende Siege der Sozialdemokratie aus der einen, Nieder­lagen und Mißerfolge der bürgerlichen Parteien aus der andern Seite. Ganz naturgemäß hat diese Tatsache eine Fülle von Preßerörterungen hervorgerufen. UnS gefällt an diefcn Er­örterungen nicht, daß in ihnen die Frage nach dem Schuldigen gar zu eifrig und temperamentvoll erörtert wird.Der fchwarzblaue Block mit seiner Finanzresorm trägt die Schuld an den Wahlergebnissen" so ertönt eS aus dem einen Lager, nein, ihr mit eurer Verhetzung seid die Schuldigen" so schallt es aus dem andern zurück. Die Folge hiervon ist, daß der Streit in den Reihen der Bürgertums, der bereits etwas abzuflauen und nachzulassen begann, wieder von neuem zu Hellen Flammen emporzulodern droht. DaS aber ist sowohl den Interessen der einzelnen Parteien wie dem Gesamtwohl des Staates im höchsten Maße abträglich. Die einzige unan- fechtbare Lehre, die der AuSgang der jüngst stattgehabten Wahlen dem politischen Urteil darbictet, besteht jedenfalls darin, daß sozialdemokratische Erfolge und Siege ihren kräftig­sten Nährboden in der Unreinigkeit der bürgerlichen Parteien finden. An diese Erkenntnis gilt es anzuknüpsen, um aus ihr das künftige Verhalten aufzubauen. Fort mit demunnützen Erinnern und vergeblichen Streit zu lebendiger Zeit", dem schon Altmeister Goethe sein Bedauern gezollt hat. Nur wenn die Parteien deS Bürgertums das Vergangene vergangen sein lassen, daS Kriegsbeil begraben und sich die Hände zu brüderlichem Zusammenstehen und einmütiger Abwehr deS ge­meinsamen Feindes reichen, vermag unser Vaterland aus der vielfachen Verworrenheit und Gedrücktheit der gegenwärtigen innerpolitischen Lage wieder einer lichteren Zukunft entgegen- geführt zu werden.

Unter den auswärtigen Angelegenheiten hat während der BerichtSwoche der B es uch de S Z a ren bei dem i t ali eni- I$en Königspaar in Racconigi das Hauptinteresse ?us sich gelenkt. Die politische Bedeutsamkeit dieses Ereignisses >st sicherlich nicht in Abrede zu stellen und hat auch durch den

Wortlaut der Trinksprüche der beiden Monarchen, in denen von derGemeinsamkeit der Ansichten und Interessen" sowie derUebereinstimmung der Ziele" die Rede war, vor der Oeffentlichkeit ihre osfiizielle Bestätigung erfahren. Indessen dürsten die weitgehenden Kommentare, die man in Italien selber und anderswo hinsichtlich einer angeblich antiösterreichi- schen und dreibundfeindlichcn Spitze an die Begegnung von Racconigi geknüpft hat, der tatsächlichen Grundlagen entbehren. Die Italiener sind viel zu kluge Realpolitiker, als daß sie die Vorteile des Dreibundes, dem Italien wesentlich seine heutige angesehene Stellung im europäischen Völkerkonzert wie seinen wirtschaftlichen Aufschwung verdankt, leichtsinnig in den Wind schlagen sollten.

Aufrichtige Teilnahme hat in der ganzen zivilisierten Welt die Kunde von der Ermordung des Fürsten Jto, des bedeutendsten Staatsmannes der Japaner, Hervorgerusen. Fürst Jto war in besonderer Mission von seiner Regierung nach der Mandschurei entsandt worden und hatte sich soeben nach Charbin begeben, um daselbst mit dem russischen Finanz­minister Kokowzew vertrauliche Besprechungen zu pflegen, als er aus dem Bahnhöfe dieser Stadt von der Kugel eines KorcanerS niedergestreckt wurde. Worin das Motiv der unseligen Mordtat zu suchen ist, ob in persönlicher Rachsucht oder nationalem Fanatismus, entzieht sich vorläufig noch der Feststellung. Die letztere Deutung liegt insofern nahe, als Fürst Jto sich während der Zeit seiner Statthalterschaft in Korea in den Jahren 1904 bis 1907 den unversöhnlichen Haß der Koreaner zugezogen hat. Wie dem aber auch sein mag, für Korea dürfte dar Ereignis jedenfalls von unliebsamen politi­schen Folgen begleitet sein.

Höchst unerwartet ist in Spanien ein.Kabinettswechsel erfolgt, obwohl sich doch der bisherige konservative Minister- Präsident M a u r a noch vor kurzem in der Ferrer-Affäre der Zustimmung fast des gesamten spanischen Volkes erfreuen durste. Trotzdem ist nun plötzlich an die Stelle des Ministe­riums Maura das liberale Ministerium M oret getreten. Da dieser Wechsel nur durch eine Verbrüderung der Liberalen mit den Revolutionären zustande gekommen ist, so eröffnen sich für die nächste Zukunft Spaniens insofern nicht gerade günstige Aussichten, als zu befürchten steht, daß die neuen spanischen Machthaber dem anarchistischen Mordgesindel gegenüber leicht die unbedingt nötige Festigkeit des Zugreiscns vermissen lassen könnten. Anderseits aber kann der Kabinettswechsel auch in- sofem günstig wirken, als die Liberalen entschiedene Gegner einer Politik der Abenteuer in Marokko sind. Da gleich­zeitig die zwischen Frankreich und Mulay Hafid entstandenen Schwierigkeiten dank der kraftvollen Unterstützung, die Deutsch­land den französischen Ansprüchen zuteil werden läßt, aller Wahrscheinlichkeit nach bald behoben fein werden, so darf man vielleicht hoffen, daß Marokko demnächst endgültig aufhören wird, ein Herd von BeunruhigungSbazillen zu sein.

Nt grielhischt« Wirren.

Nach einer bisher unverbürgten Nachricht sollten die vier kretischen Schutzwächte (Rußland, Frankreich, England und Italien) zu erkennen gegeben haben, daß sie zugunsten der grie­chischen Dynastie einschreiten würden, wenn sich die Offiziers- liga in Athen zu gewaltsamen Umsturzversuchen hinreißen ließe. Jedenfalls sind infolge der Umtriebe der Offizier-liga die ernstesten Besorgnisse gerechtfertigt. Angestochelt durch die Erfolge der jungtürkischen Bewegung unter den europäischen Armeekorps und unbekümmert darum, daß ein ähnliches Kampsziel wie die Beseitigung des absolutistischen Systems unter dem Sultan Abdul Hamid in Griechenland vollständig fehlt, haben schmählich meuternde Offiziere einen Bund ge­bildet, der die politischen Geschicke des Lande- zu bestimmen sucht.

Anfangs sollten angebliche Mißstände in dem vom Kron­prinzen Konstantin geführten Oberkommando des griechischen HeereS die Rebellion der Liga rechtfertigen. Daß aber der Kronprinz das Kommando niederlegte und im tiefem Mißmute über den Erfolg der Meuterer außer Landes ging, hat diese nur darin bestärkt, den einmal betretenen Weg der Terrori- sierung der politischen Gewalten weiter zu verfolgen. Die Verhandlungen der Kammer werden von der Liga überwacht, und der verfassungsmäßige Zustand droht allmählich in eine Militärdiktatur gegen König und Parlament überzugehen. Während sich der König streng im Rahmen seiner gesetzlichen Rechte zu halten sucht, zwingen Offiziere, die sich deS schlimm- stcn militärischen Verbrechens schuldig gemacht haben, der Re­gierung ihren Willen aus.

Bei diesen verworrenen inneren Verhältnissen Griechenlands wird sich die türkische Regierung erst recht nicht dazu herbei­lassen, den griechischen Wünschen in der Kretafrage entgegen- zukommen. Die Pforte hat vielmehr erst kürzlich in Athen wissen lassen, daß sie die Zulassung kretischer Abgeordneter zum griechischen Parlamente alS Kriegsfall betrachten würde. Die Pforte will nicht mehr als die Autonomie für Kreta gewähren, und eS ist nicht wahrscheinlich, daß sich die vier Schntzmüchte

auf eine ernste Action zugunsten der kretisch-griechischen Wün- sche gegen die Türkei einigen werden, mag eS auch wahr sein, daß König Eduard bei seinem letzten Besuche in Griechenland dem König der Hellenen dahin gehende Versprechungen ge- macht habe. ES wäre auch nur logisch, wenn die Schutz­mächte zunächst ihr Augenmerk daraus richten wollten, daß in Griechenland selbst erst wieder geordnete Zustände hergestellt werden.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 28. Oktober 1909.

Se. Majestät der Kaiser nahm heute im Neuen PalaiS bei Potsdam die Vorträge deS Kriegsministers und des Chess des Militärkabinetts entgegen.

Kaiser Wilhelm richtete an den Kaiser von Japan anläßlich der Ermordung deS Fürsten Jto ein Bei­leidstelegramm, in welchem er seine aufrichtige Teilnahme an dem Verluste eines so getreuen und aufrichtigen Staatsmannes ausspricht.

Die vier Nachwahlen im 5., 6., 7. und 12. Land- tagSwahlkreise der Stadt Berlin haben in den drei erst genannten Wahlkreisen wiederum den Sieg der Sozialdemo­kratie ergeben und die Wiederwahl der bisherigen sozialdemo­kratischen Vertreter dieser Berliner Wahlkreise, Borgmann, Hcy- mann und Hirsch, gesichert. Im 12. Wahlkreise hat erst noch eine Stichwahl zwischen dem bisherigen sozialdemokratischen Abgeordneten Hoffmann und dem freisinnigen Kandidaten Runge zu entscheiden. Ar*. \?je Berliner Landtagswahlen zeigten wiederum als hcrvorstehenüsteS Charakteristikum ein starkes Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen, wie dies schon bei den ReichStagSersatzwahlen der letzten Zeit und bei den Landtagswahlen in Meiningen, Sachsen und Baden her­vorgetreten ist.

Die Lage im Mansselder Streikgebiet ist im allgemeinen unverändert. Eine Verständigung zwischen der Bergwcrksdirektion und den Streikenden scheint augenblicklich gänzlich aussichtslos zu sein. Das in das Streitgebiet ent­sandte Militär soll, da keine weiteren Ruhestörungen mehr vor- gefallen sind, nächstens wieder zurückgezogen und durch ein größeres Gendarmerieausgebot ersetzt werden.

DieLustschiffmanöver bei Köln haben am Montag ihren Anfang genommen. Die Uebung wird mit je einem Schiff (P. 1, M. 2, Z. 2) der bei der Heeresver­waltung eingeführten Systeme ausgeführt und dient in der Hauptsache dazu, das Bedienungspersonal der Schiffe aus der Erde mit den Handhabungen bei den verschiedenen Luftschiff- typen bekannt zu machen und Fahrbesatzung auszubilden. Das Bedienungspersonal besteht auS der 3. Kompagnie deS Luft- schiffer-Bataillons, und der 4. vorläufigen Kompagnie deS Lustschiffer-Bataillons, die erst am 1. Oktober d. in Metz formiert worden ist. Bezüglich der Fahrbesatzung kommt es vornehmlich auf Ausbildung von Offizieren als Schiffssührer an. Die Kommission, bestehend auS höheren Offizieren deS KriegSministeriumS, des GcncralstabeS und der Inspektion der VerkehrStruppen unter dem Vorsitz des Inspekteur« der letz­teren, Generalleutnant Frhr. v. Lyncker, ist in Köln, um auf Grund des bei diesen Uebungsfahrten persönlich Gesehenen sich ein Bild zu machen über die Leistungsfähigkeit und Ver­wendung der einzelnen Schiffstypen unter gleichen WitterungS- und sonstigen Verhältnissen. Irgendwelche Vergleich-fahrten zwischen den einzelnen Schiffstypen werden nicht vorgenommen. Köln, 28. Oktober. Parseval 3 ist vormittag- 11 Uhr 20 Min. von der Ballonhalle mit sieben Militärpersonen und zwei Mann Bedienung aufgestiegen. DaS Luftschiff kreuzte einige Zeit über der Stadt, umkreiste den Dom und schlug dann die Richtung nach Mühlheim am Rhein ein zur Fahrt nach der Ballonhalle Leichlingen. L e i ch l i n g e n. 28. Oktober. Parseval 3 ist um 12 Uhr 40 Min. vor der Ballon­halle glatt gelandet.

Der in der Südsee stationierte KreuzerCondor" hatte Ende Juli den Beschl erhalten, nachdem seit seiner Abfahrt von BriSbane am 3. Juni verschollenen Gouver - nementSdampferSeestern" zu suchen. Leider blieben die während 18 Tagen angestellten Nachsorschungen ebenso ersolglos wie die früheren Versuche des Vermessung-- schiffsPlanet", verschiedener Handelsdampfer und deS australischen GouvcrnementSdampserSMeine England". Der einzige Schiffszubehörteil, der vonCondor" gefunden wurde, war ein bei dem Saumarez-Riff treibendes Stück einer Planke eines SchiffsbooteS, das feiner Beschaffenheit nach noch nicht lange im Wasser gewesen sein konnte, aus dessen Herkunft sich aber keinerlei Schlüsse ziehen ließen. Da aus keinem der ab­gesuchten Riffe Teile deSSeestern" gefunden wurden, so bleiben als wahrscheinliche Ursache für sein Verschwunden vor- wiegend zwei Möglichkeiten. Entweder ist das Schiff bei schwerem Wetter gekentert oder an einem Riff leck geworben und gesunken. Die meisten dieser Riffe steigen fast senkrecht aus dem Meere empor und weisen an ihrem Rande Tiefen bis mehrere 100 Meter auf. Ein Schiff, das an einem solchen Riff leck wird, kann daher unmittelbar daneben ver-