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herzfelder Kreisblatt
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§ernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 131
Sonnabend, den 6. November
1909*
Amtlicher teil.
Hersseld, den 4. November 1909.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 9. September 1881 I. 1. 10481 — Kreisblatt Nr. 73 — betreffend die Anmeldung von Zuchtbullen zur Herbstkörung noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert.
Ich sehe ihr nunmehr innerhalb 5 Tagen bestimmt entgegen.
Werden die zur Zeit anzukörenden Zuchtbullen in dieser Frist nicht angemeldet, so ersolgt die etwaige besondere Störung aus Kosten der Gemeinden bezw. der Bullenhalter.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 7376. von GruneliuS.
Hersseld, den 3. November 1909.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 1. Oktober 1880 I. Nr. 11469 — Kreisblatt Nr. 79 — betreffend Mitteilung des ErlöseS, welcher der Gemeindekasse durch verkauftes Obst zugeflossen ist, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 5 Tagen erinnert.
I. 11434. Der Königliche Landrat.
I B..
W e s s e l, Kreissekretär.
Der nächste Termin der durch daS Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe deS HufbeschlaggewerbeS wird in Cassel am Sonnabend, den 27. November d. JS. vormittags 9 Uhr, in der Schmiede deS Obermeisters Schade abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter Porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bis spätestens den 7. November an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. Der Geburtsschein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dergleichen),
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede zugelassen, die das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirke Cassel sich ausgefallen haben.
Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel, am 4. Oktober 1909.
Der Vorsitzende der staatlichen Husschmiede-Prüsungs» kommisfion des Regierungsbezirks Cassel:
Veterinärrat gez. Buch, Königl. Departements-Tierarzt, WolsSschlucht 13.
* * HerSfeld, den 29. Oktober 1909. Wird veröffentlicht.
I. 10931. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
HerSfeld, den 2. November 1909.
Der aus Donnerstag den 25. November d. Jr. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither be- kanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auf- trieb darf um 7Va Uhr morgen« begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und daS Mustern von Vieh zwecks Handelns innerhalb des Stadtbezirkes vor und während der Dauer des MarkteS verboten.
I. 11420. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W e f s e l, Kreissekretär.
IWamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die Stichwahlen zum badischen Landtage haben den Nationalliberalen eine arge Enttäuschung und em- pfindliche! Niederlage gebracht. Unter allen Parteien haben sie den stärksten MandatSverlust zu beklagen, und ihre Fraktion w im künftigen Landtage auf die dritte Stelle herabgedrückt. Putzen hat von dem Großblockabkommen einzig und allein die ^>ozialdemokratie gehabt, deren Mandat-ziffer von 12 aus 20 angewachsen ist, und deren Fraktion an Stärke fortan im Landtage die zweite Stelle einnehmen wird. Er hat sich hier wiederum die alte parteipolitische Wahrheit bestätigt, daß der
NationalliberalismuS von jedem Ruck nach links nur Schaden hat.
In Griechenland ist dem Ausstande der Landoffiziere eine Meuterei der Marineoffiziere gefolgt. Zwar gelang es der Regierung, in einem kurzen Treffen bei Salamis, dessen hehrer Name damit einen häßlichen Fleck erhalten hat, der Meuterer Herr zu werden, aber die Lage in Griechenland flößt doch die ernstesten Bedenken ein. Die dortigen Ereignisse sind ein wahres Schulbeispiel sür die verderblichen Folgen, welche die Schwäche und Nachgiebigkeit einer Regierung gegen meuterische Elemente unter allen Umständen nach sich zieht. Wäre die griechische Regierung den revoltierenden Offizieren von der Landarmee von vornherein mit der nötigen Energie und Festigkeit entgegengetreten und hätte sie den zur Rechen- schüft gezogenen Schuldigen gegenüber die erforderliche Strenge walten lassen, so erscheint es mehr als zweifelhaft, ob die Seeoffiziere den Mut zu ihrem hochverräterischen und ver- brecherischen Tun gesunden hätten. Hoffentlich läßt man sich nun wenigstens bei der Bestrafung der schuldigen Marineoffiziere nicht wieder von gänzlich unangebrachter und unzweckmäßiger Milde leiten. Aufrührer müssen, wenn anders nicht unermeßliches Verderben über ein Land herausbeschworen werden soll, die volle Schärfe des strafenden Schwertes der Staatsgewalt zu fühlen bekommen. Im Vordergründe des Interesses steht naturgemäß die Frage nach dem Einflüsse, den die jüngsten Ereignisse in Griechenland auf die Position und daS weitere Verhalten der griechischen Dynastie ausüben werden. Wird König Georg auch ferner fähig sein, seine bisherige Selbstüberwindung auszuüben, — daS ist die Frage, die heute aus zahllosen Lippen jchw-.bt, mi:— on deren Beantwortung das künftige Schicksal Griechenlands in hohem Maße abhängig sein dürste. Deutschland hält selbstverständlich auch in diesem Falle mit Strenge an seinem Grundsätze der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder fest, und wenn man im AuSlande den dummdreisten Versuch gemacht hat, Kaiser Wilhelm eine Schuld an den griechischen Wirrnissen beizumessen, so ist dieses Unterfangen als ebenso albern wie gehässig mit der denkbar größten Entschiedenheit zurückzuweisen.
In Dänemark ist das liberale Ministerium des Grasen Holstein durch das taktische Zusammengehen der äußersten Linken und der äußersten Rechten gestürzt worden. An feiner Stelle übernahm der Führer der radikalen Linken im Folketing Rechtsanwalt Zahle die Führung der Geschäfte an der Spitze eines rein radikalen Kabinetts. Ein solches hat Dänemark bisher noch nicht gehabt, und bedeutet daher feine Bildung ein Novum in der politischen Geschichte unseres nördlichen Nachbarlandes. Dem zurückgetretenen Ministerium des Grafen Holstein gebührt das Verdienst, die LandeSverteidigungSgesetze, die seit 1902 zur Beratung standen, zur endgültigen parla- mentarischen Erledigung gebracht zu haben. DaS neue Mini- sterium Zahle verfügt von 114 Stimmen im Folketing nur über 20 Stimmen von Parteiangehörigen und von den 66 Stimmen deS Landtags nur über eine einzige und hat daher mit wechselnden Majoritäten zu rechnen. Für eine gesicherte Stellung und längere Lebensdauer desselben eröffnen sich somit nicht gerade glänzende Aussichten.
In Oesterreich haben die beiden tschechischen Minister, der Ackerbauminister Dr. Braf und der Landsmannminister Dr. Zaczek, ihre Entlassung genommen, nachdem der öfter- reichische Ministerrat gegen die Stimmen der beiden zurückgetretenen Kabinettsmitglieder beschlossen hat, die Gesetze zum Schutze deS Deutschtums für Nieder- und Ober-Oesterreich, Salzburg und Vorarlberg der kaiserlichen Bestätigung zu empfehlen. Dieser Rücktritt ist gleichbedeutend mit der Ankündigung der parlamentarischen Obstruktion seitens deS TschechentumS. Ob aber die Regierung Lust hat, von neuem die Pauken- und Blechtrompetenkonzerte der ja so musikalisch veranlagten Söhne WenceslauS' über sich ergehen zu lassen, erscheint fraglich. Vielmehr dürste daS Abgeordnetenhaus, daS zur Zeit auf einen unbestimmten Termin vertagt ist, falls die inzwischen mit den Parteien gepflogenen Verhandlungen zu keinem befriedigenden Ergebnisse führen, geschlossen werden, ohne noch einmal zusammengetreten zu sein. AlS Retter in der Not würde dann wieder der berühmte § 14 herhalten müssen. Wenn also Oesterreich demnächst wieder ohne die Mitwirkung der Volksvertretung regiert werden sollte, so hat eS dies den edlen Tschechen zu verdanken, die zwar für ihre nationalen Aspirationen nicht Lärm genug zu schlagen wissen, sich aber sofort aufs äußerste empfindsam zeigen, wenn einmal auch andere Nationen den berechtigten Schutz ihrer Interessen verlangen.
Kim Schlacht in Den giften.
In einem außerodentlich packend geschriebenen, im Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart erschienenen Romane „Der Luftkrieg" (Preis br. 3 Mk., eleg. gebd. 4 Mk.) unter- nimmt eS der ersolgreiche englische Schriftsteller G. H. Wells, uns die Umwälzung, die durch die Erfindung der lenkbaren Luftschiffe in der KriegSführung hervorgerusen wird, in den lebhaftesten Farben zu schildern. Die im folgenden beschriebene Schlacht spielt sich über dem Atlantischen Ozean zwischen
deutschen Luftfahrzeugen und amerikanischen Panzerschiffen ab.
Der Tag brach grau und umwölkt an, und weder die „Bremen" noch die „Weimar" bemerkten, daß sie eS mit mehr als nur mit der „SuSquehanna" zu tun hatten, bis die ganze Kolonne in einer Entfernung von kaum einer Meile oder weniger hinter dieser auszog und zum Angriff vorging. So war die Lage der Dinge, als das „Vaterland" in der Lust erschien. Der rote Schein, den Bert durch die Wolkenwand gesehen hatte, kam von der unglücklichen „Susquchanna"; sie ^tand fast augenblicklich in Flammen und legte sich auf die Seite, focht aber noch immer mit zwei ihrer Kanonen und dampfte langsam südwärts. Die „Bremen" und „Weimar", beide an verschiedenen Stellen getroffen, entfernten sich nach West bei Süd von ihr. Die amerikanische Flotte, an der Spitze der „Theodore Roosevelt", kreuzte hinter ihnen durch und schnitt ihnen den Weg ab, indem sie sich zwischen sie und den großen modernen „Fürst Bismark" stellte, der von Westen her kam.
Zuerst tauchte von der ganzen fliegenden Flotte nur daS „Vaterland" über der Bildfläche drunten aus. Es schwebte hoch über dem „Theodore Roosevelt", indem es mit der vollen Geschwindigkeit deS Schiffes Schritt hielt. Es mußte vom Schiff aus dann und wann durch die treibenden Wolken deutlich sichtbar sein. Der Rest der deutschen Luftflotte blieb in einer Höhe von sechs bis siebentausend Fuß über dem Wolken- zelt, unterhielt zwar vermittels drahtloser Telegraphie einen lebhaften Verkehr mit dem Flaggschiff, ohne sich aber der Artillerie unten auSzusetzen.
Von Anfang biS zu Ende wurde nicht eine einzige Kanone auf daS „Vaterland" abgeseu^t u'-d nur wenige Gewehrschüsse. ES war lediglich ein unglücklicher Zufall, daß ein Mann an Bord getötet wurde. Es beteiligte sich auch nicht direkt am Kamps — bis zum Schluß. ES schwebte über der dem Untergang geweihten amerikanischen Flotte, während der Prinz vermittels drahtloser Telegraphie dir Bewegungen der anderen Luftschiffe dirigierte. Jetzt eilten der „Vogelstern" und die „Preußen", jedes Luftschiff mit einem halben Dutzend Drachenflieger im Schlepptau, mit voller Fahrgeschwindigkeit herbei, übernahmen die Tete, und sanken dann, als sie den Amerikanern etwa um fünf Meilen voraus waren, durch die Wolken abwärts. Der „Theodore Roosevelt" feuerte sogleich mit seinen großen Kanonen in ihre vordere Barbette; aber die Granaten krepierten weit unter dem „Vogelstern" und gleich darauf senkten sich ein Dutzend Ein-Mann-Drachenflieger herab, um ihrerseits den Angriff zn beginnen.
Bert, der noch immer den HalS zum Kabinenfenster Hin- auSreckte, sah das ganze mit an — — diesen ersten Zusammenstoß zwischen Aeroplanen und Panzerschiffen. Er sah die seltsamen deutschen Drachenflieger mit ihren breiten flachen Flügeln und viereckigen, fchachtelförmigen Köpfen, ihren aus Rädern laufenden Rümpfen und ihrem einzelnen Reiter gleich einem Flug Vögel durch die Luft niederstoßen. „Alle Wetter!" sagte er. Einer rechts kippte plötzlich um, schoß senkrecht in die Lust hinauf, zerplatzte mit einem lauten Knall und flackerte brennend in daS Meer hinunter. Ein anderer stürzte kopfüber ins Wasser und schien, alS er die Wellen berührte, in tausend Stücke zu zerspringen. Aus dem Deck des „Theodore Roose- velt" sah er jetzt kleine Menschen umhereilen, die von oben nur wie Köpfe und Beine aussahen; sie machten sich bereit aus die anderen zu schießen. Jetzt schoß die erste Flugmaschine zwischen Bert und das Deck deS Amerikaners. Ein Krach, und ihre Bombe schmetterte mitten in die Vorderbarbette. Ein dünnes, kleines Geknatter von Gewchrseuer antwortete. Bum, bum, bum gingen die Schnellseuerkanonen der amerikanischen Batterie; und Krach! kam als Antwort eine Granate vom „Fürst BiSmarck". Dann kamen eine zweite und eine dritte Flugmaschine zwischen Bert und das amerikanische Panzerschiff und warfen gleichfalls ihre Bomben; eine vierte, deren Reiter von einer Kugel getroffen war, taumelte abwärts und zrr- schmetterte in tausend Stücke, explodierte zwischen den Schorn- stcinen und zertrümmerte sie. Bert sah in einer Sekunde ein kleines schwarzes Wesen von der brennenden Flugmaschine ab- springen, gegen den Schornstein anprallen und leblos nieder- stürzen, um sogleich durch Blitz und Schlag der Explosion in nichts zu verfliegen.
Krach! Eine ungeheure Explosion im Vorderteil der amerikanischen Flaggschiffes. Ein Riesenstück Metall schien sich daraus emporzuheben und in die See zu stürzen. In die Lücke, die eS hinterließ, schleuderte ein Drachenflieger eine feuersprühende Bombe. Und dann — einen AugenbUck lang, sah Bert im immer Heller werdenden, erbarmungslosen TageS- licht nur allzu klar: eine Anzahl winziger, krampshast sich be- wegender Animalkula, die im schäumenden Kielwasser des „Theodore Roosevelt" kämpften. Was war daS? Doch nicht Menschen? Doch sicherlich keine Menschen? Mit ihren klam- mernden Fingern rissen und zerrten die zerschmetterten, ertrin- kenden Lebewesen an BertS Seele. „O Gott!" rief er. Und noch einmal, fast wimmernd: „O Gott!" Er blickte wieder hin; sie waren verschwunden, und der schwarze, durch den letzten Schuß der sinkenden „Bremen" leicht entstellte Rumpf des „Andrew Jackson« teilte die Wasser, die sie verschlungen hatten, in zwei gleiche symmetrische Wellenlinien. Ein paar